3Unter der Lupe
Fokussierung und
Rückbesinnung
12Personalratswahl 2024
Unsere Kandidatinnen
und Kandidaten
28Recht§ausleger
Lehrer gegen
Rechts?
6Im Brennpunkt
Wertschätzung
für Personalräte
Personalratswahl 2024
Die richtige
Entscheidung treffen
Pädagogik & Hochschul Verlag . Graf-Adolf-Straße 84 . 40210 Düsseldorf · Foto: AdobeStock
1781 | Ausgabe 2/2024 | MÄRZ | 68. Jahrgang
INHALT
lehrer nrw ·
2/2024
2
UNTER DER LUPE
Sven Christoffer:
Fokussierung und Rückbesinnung 3
MAGAZIN
Leider nicht zu Ende gedacht 5
BRENNPUNKT
Sarah Wanders:
Wertschätzung für Personalräte 6
AKTUELLES
Starker Auftritt auf der didacta 8
PERSONALRATSWAHL 2024
Wir kämpfen für Sie! 10
Starke Frauen braucht das Land 11
Unsere Kandidatinnen
und Kandidaten 12
Jochen Smets: »Sie können
den Unterschied machen!« 22
Ulrich Gräler: Wir wählen 24
Kommentar: Ulrich Gräler:
Sie(h) auch? 25
BATTEL HILFT
Viereckige Augen 26
SENIOREN
Frühjahrsfahrt nach Mülheim 27
Exkursion zum Forschungszentrum
Jülich 27
Besuch beim Bau-Spezialisten 27
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange:
Lehrer gegen Rechts? 28
ANGESPITZT
Jochen Smets: Eine Lehrer
ist nicht eine Idiot 30
HIRNJOGGING
Aufgabe 1: Staaten Afrikas
Aufgabe 2: Zahlenrätsel
Aufgabe 3: Frühlingsboten 31
IMPRESSUM
lehrer nrw
– G 1781 –
erscheint sieben Mal jährlich
als Zeitschrift des
‘lehrer nrw’
ISSN 2568-7751
Der Bezugspreis ist für
Mitglieder des
‘lehrer nrw’
im Mitgliedsbeitrag enthal-
ten. Preis für Nichtmitglieder
im Jahresabonnement:
35,– inklusive Porto
Herausgeber und
Geschäftsstelle
lehrer nrw e.V.
Nordrhein-Westfalen,
Graf-Adolf-Straße 84,
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Redaktion
Sven Christoffer,
Ulrich Gräler,
Christopher Lange,
Jochen Smets,
Sarah Wanders,
Marcel Werner
Düsseldorf
Verlag und
Anzeigenverwaltung
PÄDAGOGIK &
HOCHSCHUL VERLAG
dphv-verlags-
gesellschaft mbH,
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Zur Zeit gültig:
Anzeigenpreisliste Nr. 24
vom 1. Oktober 2023
Zuschriften und
Manuskripte nur an
lehrer nrw
,
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40210 Düsseldorf
Für unverlangt eingesandte
Manuskripte kann keine Ge-
währ übernommen werden.
Namentlich gekennzeichnete
Beiträge geben die Meinung
ihrer Verfasser wieder.
Fokussierung
und
Rückbesinnung
Diverse Studien haben im Jahr 2023 einen nieder-
schmetternden Abwärtstrend im deutschen Bildungswesen
aufgezeigt. Vorhersehbar und doch nicht hinnehmbar. Was sind also
die Ursachen für die Misere und wie kann gegengesteuert werden?
D
Das schlechte Abschneiden der Grundschü-
ler in der IQB-Erhebung Ende des Jahres
2022 wurde im Mai 2023 durch die Iglu-
Grundschul-Lesestudie bestätigt. Im Sommer
dann landete Nordrhein-Westfalen beim ‘Bil-
dungsmonitor’ auf Platz 13 der 16 Bundesländer,
im Herbst frustrierten die IQB-Befunde der Neunt-
klässler und im Winter gab es den jüngsten PISA-
Schock: Knapp ein Drittel der 15-Jährigen hatte in
mindestens einem der drei getesteten Felder nur
sehr geringe Kompetenzen. Etwa jeder sechste
Jugendliche hatte in allen drei Bereichen deutli-
che Defizite. Die Anteile dieser besonders leis-
tungsschwachen Jugendlichen sind seit 2018 grö-
ßer geworden und betragen in Mathematik rund
30 Prozent, im Lesen rund 26 Prozent und in den
Naturwissenschaften rund 23 Prozent. Es drängt
sich die Frage nach den Ursachen auf.
Superdiversität als Heraus-
forderung in der Bildung
Professor Aladin El-Mafaalani bezeichnete Kin-
dertagesstätten und Grundschulen in seinem
Vortrag auf dem Mülheimer Kongress als Vorrei-
ter der Superdiversität in unserer Gesellschaft.
Man sehe heute in den Grundschulen, wie unse-
re Arbeitsgesellschaft in zehn bis fünfzehn Jah-
ren aussehen werde. Bundesweit hätten vierzig
Prozent der Kinder und Jugendlichen einen Mi-
grationshintergrund, in westdeutschen Groß-
städten seien es sechzig Prozent. Wenn die Kin-
der dann noch aus fünfzig verschiedenen Län-
dern kämen oder dreißig verschiedene Sprachen
sprächen, sei das eine Herausforderung, für die
man absolut nicht gewappnet sei. Grundschulen
und Kindertagesstätten seien personell und kon-
zeptionell nicht dafür gerüstet, mit dieser Super-
diversität zurechtzukommen.
Fokussierung auf
Basiskompetenzen
Nordrhein-Westfalen erhält für Schulen in he-
rausfordernder Lage in den kommenden Jahren
finanzielle Unterstützung des Bundes in Höhe
von rund 2,3 Milliarden Euro. Das Geld stammt
aus dem Startchancen-Programm. Vor dem Hin-
tergrund der Aussagen von Professor Aladin El-
Mafaalani ist es richtig, dass der Fokus dabei auf
der Primarstufe liegt, für die sechzig Prozent der
Förderung vorgesehen sind. Schulministerin
Dorothee Feller betonte zudem, dass im Mittel-
punkt stets die Förderung der Basiskompetenzen
Lesen, Schreiben und Rechnen stehe. Dieser
Fokussierung kann ich nur beipflichten. Ohne
eine frühe und intensive Förderung von Sprach-
kenntnissen wird es uns nicht gelingen, die in
der PISA-Studie festgestellten Kompetenzdefizite
abzubauen. Sprechen und Zuhören, Lesen und
Schreiben sind das Fundament, auf dem alles
Weitere aufbaut. Wird es in der Grundschule
nicht gelegt, sind die Defizite in der Sekundar-
stufe I kaum noch abzubauen.
Leistungsbereitschaft und
-fähigkeit fördern
Die Abwärtsspirale in der Bildung hat aus meiner
Sicht aber auch damit zu tun, dass sich in un-
3
2/2024 ·
lehrer nrw
UNTER DER LUPE
von SVEN CHRISTOFFER
lehrer nrw ·
2/2024
4
UNTER DER LUPE
serem Land Werte verschoben haben. Leistung
einzufordern, Leistungsbereitschaft zu erwarten,
war früher eine Selbstverständlichkeit und ist es
heute nicht mehr. An die Stelle der Leistungskul-
tur ist eine Spaß- und Wohlfühlkultur getreten.
Darf und sollte man Leistung überhaupt noch
messen? Braucht es wirklich Noten? Grenzen
Wettbewerb und Wettkampf nicht zu viele Kin-
der und Jugendliche aus? Verlangen wir den
Schülern nicht zu viel ab? Es sind Diskussionen
wie diese, die uns in den Abgrund treiben. Ler-
nen muss vor allem Spaß machen und wer diese
Auffassung nicht teilt, der ist ein Steinzeitpäda-
goge. Ja, auch ich bin der Auffassung, dass Ler-
nen Spaß macht, aber der Spaß steht am Ende
und nicht am Anfang. Am Anfang steht nämlich
die Anstrengung und die Erkenntnis, dass der
Weg zu Erfolg und Leistung auch mit Anstren-
gung, Fleiß und Mühe verbunden ist. Und wenn
sich der Erfolg dann einstellt, sind auch Spaß
und Freude garantiert und ein gesteigertes
Selbstwertgefühl. Aber eben am Ende des Pro-
zesses und nicht am Anfang.
Zu den Zielen von Schule muss deshalb auch
gehören, Leistung einzufordern und die Leis-
tungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler
kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Förderung
der Leistungsbereitschaft und -fähigkeit muss
wieder ein herausgehobenes Bildungs- und
Erziehungsziel von Schule werden.
Sven Christoffer ist Vorsitzender des
lehrer nrw
sowie Vorsitzender des HPR Realschulen
E-Mail: christoffer@lehrernrw.de
Foto: AdobeStock/photophonie
Albtraum in Rot: Viele Schülerinnen und Schüler
weisen gravierende Defizite in Schlüsselkompetenzen
wie Lesen und Schreiben auf.
MAGAZIN
5
2/2024 ·
lehrer nrw
Leider nicht zu
Ende gedacht
In einer Anhörung im Landtag hat die stellvertretende
lehrer
nrw
-Vorsitzende Sarah Wanders eine gravierende Schieflage
bei der Lehrkräftebesoldung kritisiert und die Landesregie-
rung zur Korrektur aufgefordert.
I
Im Sommer 2023 hat das Parlament
endlich das Gesetz zur Anpassung der
Lehrkräftebesoldung verabschiedet, das
die schrittweise Anhebung der Einstiegsbe-
soldung der Lehrkräfte im Bereich der Pri-
marstufe und der Sekundarstufe I nach
A13 bzw. EG13 regelt. Doch gut gemeint
ist nicht immer gut gemacht, wie die stell-
vertretende
lehrer nrw
-Vorsitzende Sarah
Wanders am 27. Februar in einer Anhörung
im Landtag deutlich machte: »Leider hat
die Landesregierung sich nicht zu einer
grundlegenden Reform der Lehrkräftebe-
soldung durchringen können. Statt die Be-
soldungsarchitektur komplett auf neue
Füße zu stellen, hat man einen singulären
Baustein innerhalb der Besoldungspyrami-
de verändert, was zwangsläufig zu einer
Schieflage führt.«
Absurde Situation droht
Das Kernproblem: Die im Grundsatz richti-
ge und überfällige Besoldungsanpassung
klammert Beförderungs-, Funktions- und
Leitungsämter sowie die in der Lehrkräf-
teausbildung tätigen Fachleitungen aus.
Die Landesregierung hatte zwar angekün-
digt, diesbezügliche Besoldungsfragen zu
prüfen, doch ein Ergebnis dieser Prüfung
liegt bis heute nicht vor. So droht im Jahr
2026, wenn die stufenweise Besoldungs-
anpassung nach A13/EG 13 abgeschlos-
sen ist, die absurde Situation, dass das
Eingangsamt und das erste Beförderungs-
amt besoldungsgleich sind. Das hätte in
der Praxis fatale Konsequenzen – insbe-
sondere für kleinere Systeme wie Grund-,
Haupt- und Realschulen, die meist nur
über eine sehr dünn besetzte Führungs-
ebene verfügen. Die Übernahme einer zu-
sätzlichen Aufgabe im Rahmen einer
Funktionsstelle oder eines Beförderungs-
amtes muss auch finanziell attraktiv blei-
ben. Andernfalls wird Schulentwicklung
ausgebremst.
Eklatante Ungleichbehand-
lung der Fachleitungen
beenden
Darüber hinaus muss die Landesregierung
endlich die eklatante Ungleichbehandlung
der Fachleitungen im Sekundarbereich I
beenden, die bei gleicher Arbeit erheblich
schlechter bezahlt werden als die Kollegin-
nen und Kollegen in der Sekundarstufe II.
Deswegen sind in der Sekundarstufe I
immer weniger Lehrkräfte bereit, Fachlei-
tungsstellen zu übernehmen. Gerade an
dieser immens wichtigen Schnittstelle zwi-
schen universitärer und schulpraktischer
Lehrerausbildung braucht es – auch im
Hinblick auf die Sicherung der Bildungs-
qualität – mehr Wertschätzung und eine
angemessene Bezahlung.
Kritik an der Schieflage in der Lehrkräftebesoldung:
Sarah Wanders bei der Anhörung im Landtag.
lehrer nrw ·
2/2024
6
BRENNPUNKT
Wertschätzung für Personalräte
Wahltermin für die Personalratswahl
2024 ist gemäß Wahlerlass der 13. Juni
2024. Spätestens an diesem Tag müssen
alle Stimmzettel den Wahlvorständen
vorliegen. Bis zur Auszählung der Stim-
men und der Feststellung des Wahlergeb-
nisses ist es allerdings ein weiter Weg…
N
Nach der Bildung von Wahlvorstän-
den auf Regierungsbezirks- und Lan-
desebene erstellt der Bezirkswahl-
vorstand ein Wählerverzeichnis, von dem er
ein Teilwählerverzeichnis an die jeweilige
Schule schickt. Es ist sodann Aufgabe der
Schule zu kontrollieren, ob alle an der Schu-
le Wahlberechtigten hier auch aufgeführt
sind. Einsprüche gegen das Wählerverzeich-
nis (zum Beispiel wegen Unvollständigkeit)
sind an den Wahlvorstand zu richten.
Mit einem Wahlausschreiben fordert der
Wahlvorstand dazu auf, ihm Personalrats-
kandidatinnen und -kandidaten zu benen-
nen. Aufgrund der Rückmeldungen zum
Wahlausschreiben erstellt der Wahlvorstand
dann Kandidatenlisten für die PR-Wahl und
schickt diese an die Schulen – eine für die
Wahl des jeweiligen Bezirkspersonalrates
(BPR) und eine weitere für die Wahl des
Hauptpersonalrates (HPR). Es wird per Brief-
wahl gewählt. Die entsprechenden Unterla-
gen werden vom Wahlvorstand spätestens
im Mai verschickt.
Der Ablauf der Briefwahl
Sie erhalten zwei Stimmzettel: einen für die
Listenwahl des Bezirkspersonalrats und einen
für die Listenwahl des Hauptpersonalrats.
Die zwei Stimmzettel persönlich durch
Ankreuzen einer Vorschlagsliste kenn-
zeichnen. Sie haben je Stimmzettel eine
Stimme.
Stimmzettel falten und in den
Wahlumschlag legen.
‘Erklärung zur Stimmabgabe per Brief’
ausfüllen. Ohne ausgefüllte Erklärung
ist Ihre Wahl ungültig!
Legen Sie die unterschriebene Erklärung
zusammen mit dem verschlossenen
Wahlumschlag in den Wahlbrief.
Auf dem Wahlbrief Ihre Absenderangabe
nicht vergessen!
Geben Sie den bereits freigestempelten
Wahlbrief – Sie brauchen ihn also nicht
von SARAH WANDERS
Wichtige Wahl: Im Fall der Fälle ist für Lehrkräfte
und sonstiges schulisches Personal entscheidend, starke
und kompetente Personalräte an ihrer Seite zu haben.
Darum:
lehrer nrw
wählen!
Foto: AdobeStock/Christian Schwier
BRENNPUNKT
7
2/2024 ·
lehrer nrw
zu frankieren – so rechtzeitig zur Post,
dass dieser bis allerspätestens zum
13. Juni 2024 beim Wahlvorstand eintrifft.
Das Wahlgeheimnis wird gewährleistet!
Denn nachdem der Wahlvorstand die Gültig-
keit Ihrer Stimmabgabe geprüft und Ihre
Stimmabgabe im Wählerverzeichnis ver-
merkt hat – deswegen ist die Absenderan-
gabe notwendig –, wird Ihr verschlossener
Wahlumschlag in die Wahlurne gelegt. Erst
wenn sich alle bis zum 13. Juni 2024 beim
Wahlvorstand eingegangenen Wahlum-
schläge in der Wahlurne befinden, werden
die Urne und dann die Wahlumschläge ge-
öffnet und die Stimmen ausgezählt.
Wahlberechtigt sind…
die am Wahltag an der Dienststelle
Beschäftigten.
befristet beschäftigte Lehrkräfte, deren Ver-
tragslaufzeit größer als sechs Monate ist
und die am Wahltag noch beschäftigt sind.
teilabgeordnete Lehrkräfte, die zum Zeit-
punkt der Wahl bereits länger als sechs
Monate abgeordnet sind; sie haben an
beiden Dienststellen/Schulformen Wahl-
recht (zum Beispiel Sonderpädagoginnen
und Sonderpädagogen).
vollständig abgeordnete Lehrkräfte, die
zum Zeitpunkt der Wahl bereits länger
als sechs Monate abgeordnet sind.
Gleichzeitig verlieren sie an der alten
Dienststelle/ Schulform ihr Wahlrecht.
Schulleiterinnen und Schulleiter sowie
Ansprechpartnerinnen für Gleichstel-
lungsfragen.
nebenamtlich beschäftigte Lehrkräfte.
Lehramtsanwärterinnen und -anwärter
(auch wenn sie erst am 1. Mai 2024
eingestellt worden sind!).
Fachleiterinnen und Fachleiter sowie Stu-
dienseminarleiterinnen und Studiensemi-
narleiter (für den PR der Schulform, an
der sie verwendet werden oder an der
sie vor ihrer Seminartätigkeit verwendet
worden sind).
im Landesdienst stehende pädagogische
und sozialpädagogische Mitarbeiterin-
nen und Mitarbeiter.
Lehrkräfte, die sich in der Jahresfreistel-
lung befinden (Teilzeit im Blockmodell).
Beschäftigte, die am Wahltag weniger
als achtzehn Monate beurlaubt sind
(zum Beispiel Elternzeit).
Beschäftigte mit Gestellungsverträgen,
die zum Zeitpunkt der Wahl bereits län-
ger als sechs Monate beschäftigt sind
(zum Beispiel von den Kirchen gestellte
Lehrkräfte).
Warum ist die Wahl für Sie
persönlich wichtig?
Personalräte vertreten Sie in vielen Belan-
gen. Sie achten darauf, dass die Dienststelle
rechtliche Bestimmungen korrekt anwendet.
Hierzu zählt unter anderem auch die Ein-
gruppierung von Tarifbeschäftigten gemäß
TV-L.
Sie unterstützen Sie, wenn gegen Sie Be-
schwerden gegenüber der Dienststelle erho-
ben werden und begleiten Sie zu Dienstge-
sprächen, wenn Sie das wünschen.
Auch bei Abordnungen und Versetzungen
ist der Personalrat ein verlässlicher An-
sprechpartner und setzt sich bei der Dienst-
stelle für Ihre Belange ein.
Sollten Sie krankheitsbedingt über einen
Zeitraum von mindestens sechs Wochen
nicht arbeiten können, erhalten Sie eine
Einladung von der Dienststelle zu einem
BEM-Gespräch (BEM = betriebliches Ein-
gliederungsmanagement). In diesem Ge-
spräch wird geklärt, wie und unter welchen
Bedingungen Sie Ihre Tätigkeit wieder auf-
nehmen können. Auch hier kann Sie der
Personalrat beraten und begleiten.
Dies sind nur einige Beispiele, was die
Personalräte täglich für die Beschäftigten
leisten.
So lange man gesund ist, braucht man
keinen Arzt. Und genauso verhält es sich
mit Personalräten. Solange Sie keine Pro-
bleme haben oder keine Unterstützung be-
nötigen, sind Personalräte für Sie oft nicht
sichtbar. Wenn es dann aber so weit ist,
brauchen Sie starke und kompetente Perso-
nalräte, die sich für Sie einsetzen. Viele un-
serer Personalräte verfügen über jahrelange
Erfahrung und geben diese Erfahrung auch
an die jungen, nachrückenden Kolleginnen
und Kollegen weiter, sodass eine konstant
gute Vertretung Ihrer Interessen gewährlei-
tet ist.
Deshalb:
Wir kämpfen unermüdlich für Sie,
kämpfen Sie deshalb am 13. Juni für uns!
Sarah Wanders ist stellv. Vorsitzende
des
lehrer nrw
E-Mail: wanders@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
2/2024
8
AKTUELLES
Starker Auftritt
auf der didacta
Mit rund 750 Ausstellern sowie 63 000 Besucherinnen und Besuchern
bestätigte die didacta vom 20. bis 24. Februar in Köln eindrucksvoll ihren
Ruf als größte und wichtigste Bildungsmesse Europas. Auch
lehrer nrw
zeigte gemeinsam mit dem VDR sehr erfolgreich Präsenz.
Gut besucht:
Auf dem Gemein-
schaftsstand von
lehrer nrw
und VDR in
Halle 7 entwickelten
sich viele Kontakte
und Gespräche.
Fotos (7x): Smets
Auch Schulministerin Dorothee
Feller gehörte zu den Standbe-
sucherinnen und nutzte die Ge-
legenheit zum Austausch mit
dem
lehrer nrw
-Vorsitzenden
Sven Christoffer.
Foto: VDR
Bitte lächeln:
Vor der Fotobox
entstanden witzige
Selfies der etwas
anderen Art.
AKTUELLES
9
2/2024 ·
lehrer nrw
Podiumsdiskussion zum Thema Gewalt an Schulen (v.l.): Astrid Pradella
(
lehrer nrw
), Sarah Wanders (
lehrer nrw
), Andreas Schleef (VBE), Hinrich Pich (Landeseltern-
konferenz NRW), Dr. Meltem Avci-Werning (BDP Verband) und Moderator Dr. Jan Hofer
Quereinstieg ist (k)eine Lösung: Podiumsdiskussion mit (v.l.) Sven Christoffer (
lehrer
nrw
), Erik Grundmann (Schulleiter Weibelfeldschule Dreieich), Kerstin Weitmann (Uni Frankfurt),
Kirsten Riedl (Quereinsteigerin Weibelfeldschule Dreieich) und Moderator Dr. Matthias Degen.
Kämpferischer Auftritt:
Sarah Wanders
Engagierte Diskutantin:
Astrid Pradella
Thema Quereinstieg:
Sven Christoffer
D
Der Auftritt von
lehrer nrw
auf der
didacta 2024 war ein voller Erfolg.
Die europaweit größte Messe rund um
Schule und Bildung lockte wieder zehntausen-
de Fachbesucher in die Kölner Messehallen –
und nicht wenige an den Stand von
lehrer nrw
und dem Dachverband VDR in Halle 7.
Mehrere Neumitglieder
geworben
Dort ergaben sich viele gute Gespräche mit
angehenden oder aktiven Lehrkräften, die
vom Team um die beiden Chef-Organisato-
ren Thorsten Schmalt und Marcel Werner
bestens betreut und beraten wurden. Nicht
von ungefähr entschieden sich mehrere
Standbesucher noch vor Ort für einen Ver-
bandseintritt. Für Spaß und gute Laune
sorgte die Fotobox, an der viele witzige
Selfies der etwas anderen Art entstanden.
Prominentester Gast auf dem Stand war
Schulministerin Dorothee Feller, die sich an-
geregt mit dem
lehrer nrw
-Vorsitzenden
Sven Christoffer und seiner Stellvertreterin
Sarah Wanders sowie mit dem VDR-Bundes-
vorsitzenden Ralf Neugschwender aus-
tauschte.
Gewalt gegen Lehrkräfte:
Null-Toleranz-Politik
gefordert
Auch inhaltlich hatte
lehrer nrw
einiges bei-
zutragen: Im Fachprogramm der didacta be-
stimmten mehrere Verbandsvertreterinnen
und -vertreter die Diskussionen auf der Leit-
messe mit. So sprachen Sarah Wanders und
die Detmolder Bezirksvorsitzende Astrid Pra-
della im Forum Schulpraxis über ‘Gewalt an
Schulen – Wenn Lehrkräfte zur Zielscheibe
werden’. Beide machten mehr als deutlich,
dass die Hemmschwelle für verbale und kör-
perliche Gewalt gegen Lehrkräfte und
Schulpersonal bedenklich gesunken ist und
forderten mehr Rückendeckung seitens der
Politik und der Dienstherren ein. Es müsse
eine Null-Toleranz-Politik gelten. Jeder An-
griff auf Einzelne müsse immer auch als An-
griff auf die gesamte Schulgemeinde begrif-
fen und klar sanktioniert werden.
Quereinstieg: Ja, aber…
Sven Christoffer diskutierte im Forum Bil-
dungsperspektiven zum Thema ‘Querein-
stieg ist (k)eine Lösung? Fachkräftemangel
in der Schule’. Er betonte, dass der aktuelle
Lehrkräftemangel ohne Seiten- und Quer-
einsteiger nicht in den Griff zu bekommen
sei. Entscheidend sei jedoch eine fundierte
Qualifizierung, um die Bildungsqualität si-
cherzustellen. Außerdem bräuchten diese
Kolleginnen und Kollegen auch Perspekti-
ven, etwa im Hinblick auf Aufstiegschancen.
Jochen Smets
lehrer nrw ·
2/2024
10
Personalratswahl 2024
Wir kämpfen
für Sie!
Im Personalratswahlkampf setzt lehrer nrw
Schwerpunkte bei den Themen Gewalt, Ge-
halt und Gesundheit. Die Kernbotschaften
sind in einer eigens gestalteten, interakti-
ven Wahlkampf-Website zu finden.
lehrer nrw tritt bei der Personalratswahl 2024 an,
um eine starke Stimme für starke Lehrkräfte zu
sein. Wir kandidieren in nicht weniger als vier-
zehn Personalräten für Realschulen, Hauptschu-
len, Gesamtschulen und Sekundarschulen, um
für bessere Bedingungen am Arbeitsplatz Schu-
le zu sorgen. Über unsere Themen, Inhalte, Kan-
didatinnen und Kandidaten können Sie sich auf
unserer Wahlkampf-Website unter der Online-
Adresse https://wahlen2024.lehrernrw.de/
bequem per Smartphone, Tablet, Laptop oder
Desktop-PC informieren.
Im Rahmen einer interaktiven Umfrage kön-
nen Nutzerinnen und Nutzer der Website die Pro-
bleme und Herausforderungen benennen, die
ihnen rund um den Arbeitsplatz Schule unter
den Nägeln brennen. Wo besteht am dringends-
ten Handlungsbedarf? Dazu starten wir auf der
Website bis zum Ende der Personalratswahlen
regelmäßige Umfragen – denn wir wollen Ihre
Anregungen mitnehmen in die aktuelle und zu-
künftige Personalratsarbeit. Machen Sie mit!
Parallel dazu läuft bereits seit Monaten eine
Plakatkampagne, in der wir unsere Themen und
Forderungen auf den Punkt bringen.
Wir kämpfen für starke Lehrkräfte!
Wir kämpfen für Sie!
Die Plakatkampagne greift
mit eindrücklicher Bildspra-
che und pointierten Aussagen
die wichtigsten Wahlkampf-
Themen von lehrer nrw auf.
Unter https://wahlen2024.lehrernrw.de/ finden sich alle Wahl-Inhalte so-
wie Kandidatinnen und Kandidaten von lehrer nrw – und einiges mehr.
11
2/2024 ·
lehrer nrw
Personalratswahl 2024
Starke Frauen braucht das Land!
Frauen bilden das Rückgrat der Lehrerschaft und des pädagogischen Personals an unseren Schulen.
Das spiegelt sich auch in den Kandidatenlisten von lehrer nrw zur Personalratswahl wider.
Unser Plakat zum Thema ‘Frauen-Power’ liegt dieser Ausgabe bei.
Frauen möchten von Frauen
vertreten werden
Denn viele der Themen, die uns in
den Personalräten beschäftigen,
betreffen auch und besonders Frau-
en – von Teilzeit über Mutterschutz
und Elternzeit, die Rückkehr aus
einer Beurlaubung, die Ver-
einbarkeit von Familie
und Beruf bis hin zu
Gewalterfahrungen
im Dienst. Viele
Frauen möchten
bei solchen The-
men eben von
Frauen beraten
und vertreten
werden.
Dass viel mehr
weibliche Beschäftig-
te an Schulen in Teil-
zeit und viel weniger in
Führungspositionen tätig sind, ist zu-
dem eine Verschwendung von Res-
sourcen. Warum soll es für Frauen
nicht möglich sein, in Teilzeit zu ar-
beiten und gleichzeitig eine Lei-
tungsaufgabe auszufüllen? Führung
und Familie dürfen sich nicht aus-
schließen. Wer sollte sich besser dafür
einsetzen können als Frauen, die in
Personalräten Führungsverantwor-
tung übernehmen?
Ohne Frauen funktioniert Schule
nicht – und Personalratsarbeit eben-
falls nicht.
Frauen-Power ohne Quote
lehrer nrw geht übrigens mit gutem
Beispiel voran: Die Mehrheit unserer
Beschäftigten ist weiblich, die Mehr-
heit unserer Spitzenkandidaten ist es
auch. Nebenbei bemerkt: Eine Quote
haben wir dafür nicht nötig!
Bitte
mitmachen!
Bitte helfen Sie mit, dass der
Kampf für bessere und gesündere
Arbeitsbedingungen an Schulen
Wirkung entfaltet. Das Plakat von
lehrer nrw zum Thema ‘Frauen-
Power’ liegt dieser Ausgabe bei.
Bitte hängen Sie es
an Ihrer Schule aus.
Schulformübergreifend sind etwa
75 Prozent der Beschäftigten an
unseren Schulen Frauen. Doch in
Führungspositionen in Schule sowie
in Personalräten sind sie deutlich
unterrepräsentiert. Das gilt es zu än-
dern.
Sarah Wanders,
Realschule Ratheim, Hückelhoven
Spitzenkandidatin für den HPR Realschule
Sven Christoffer,
Realschule Fahrn, Duisburg
lehrer nrw ·
2/2024
12
Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
HAUPTPERSONALRAT
REALSCHULE
Beschäftigte an Schulen müssen
endlich wieder die Wertschätzung erhalten,
die sie verdienen! Dazu gehört eine angemesse-
ne Unterstützung bei gesamtgesellschaftlichen Auf-
gaben wie Inklusion, Integration und Digitalisierung
durch entsprechendes Fachpersonal, mehr Systemzeit,
um die Aufgaben zu erledigen, die nicht zum Kernge-
schäft Unterricht gehören, sowie eine leistungsgerechte
Bezahlung. Darüber hinaus erwarte ich vom Dienst-
herrn – neben der Ausstattung mit dringend erforderli-
chen zusätzlichen Ressourcen, um die Qualität im Bil-
dungssystem erhalten zu können – eine angemes-
sene Unterstützung bei Problemen, sei es mit
Schülerinnen und Schülern, Eltern und be-
sonders bei erfahrener Gewalt.
Olaf Korte,
Realschule Kastanienallee, Velbert
Marcel Werner,
Gottfried-Kinkel-Realschule,
Erftstadt
Tobias Braune,
Realschule Lünen-
Brambauer, Lünen Hubertus Kleideiter,
Freiherr-vom-Stein-Real-
schule, Coesfeld
Sigrid Hepp,
Albert-Schweitzer-
Realschule, Krefeld
Ingo Lürbke,
Johannes-Gutenberg-
Realschule, Münster
Ulrich Gräler,
Realschule Erndtebrück
Spitzenkandidat für den BPR Realschule Arnsberg
13
2/2024 ·
lehrer nrw
Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
Personalrat Realschule im Bezirk
ARNSBERG
Aufgabe des Personalrats ist es, si-
cherzustellen, dass sämtliche Beschäftigte in
allen Angelegenheiten, die der Beteiligung des Per-
sonalrats unterliegen, nach Recht und Gesetz behandelt
werden. Dies ist nicht immer eine Selbstverständlichkeit,
erst recht in Bereichen, in denen Sachverhalte erst klar und
eindeutig eruiert und/oder einer sachgerechten rechtlichen
Einordnung zugeführt werden müssen. Neben diesen grund-
sätzlichen Angelegenheiten ist es dem Personalrat ein gro-
ßes Anliegen, in allen weiteren relevanten Bereichen des
Berufslebens der Lehrkräfte deren Anliegen zu vertreten,
zum Beispiel beim Gesundheitsschutz oder in Kon-
fliktsituationen. Personalratsarbeit ist Arbeit
mit Menschen und für Menschen!
Hardi Gruner,
Johannes-Gutenberg-
Realschule, Dortmund
Klaus Heppe,
Drost-Rose-Realschule,
Lippstadt
Udo Sonnenberg,
Hans-Prinzhorn-Realschule,
Hemer
Martin Lagemann,
Helene-Lohmann-
Realschule, Witten
Claudia Genius,
Anne-Frank-
Realschule, Bochum
Katrin Minner,
Realschule Sundern
Tobias Braune,
Realschule Lünen-Brambauer, Lünen
Astrid Pradella,
Bosseschule, Bielefeld
Spitzenkandidatin für den BPR Realschule Detmold
lehrer nrw ·
2/2024
14
Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
Personalrat Realschule im Bezirk
DETMOLD
Elena Schulz,
Lise-Meitner-Realschule,
Paderborn
Simone Linnemöller,
Käthe-Kollwitz-Schule, Minden
Nicole Paulus,
Realschule 1, Detmold
Susanne Kleinalstede,
Realschule Jöllenbeck,
Bielefeld
Dirk Bader,
Realschule in der
Südstadt, Paderborn
Jörn Krüger,
Realschule 1,
Detmold
Katja Pfeiffer-Paul,
Realschule Lichtenau
Die Tagesordnungen der Personalrats-
sitzungen in Detmold spiegeln die Überforderung
und Überlastung der Kolleginnen und Kollegen wider. Es
gibt immer mehr BEM-Gespräche und amtsärztliche Untersu-
chungen, in denen die Dienstfähigkeit überprüft werden soll.
In regelmäßigen Sprechstunden an den Schulen versuche ich,
‘erste Hilfe’ zu leisten und den Kolleginnen und Kollegen zu
zeigen, dass wir für sie da sind und uns bemühen, ihre
Probleme zu lösen. Diese Nähe zur Basis ist es, was
gute Personalratsarbeit ausmacht!
Dietlinde Fricke,
Heinrich-Pattberg-Realschule, Moers
Spitzenkandidatin für den BPR Realschule Düsseldorf
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lehrer nrw
Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
Personalrat Realschule im Bezirk
DÜSSELDORF
Peter Botschen,
Realschule an der
Josefskirche, Viersen
Sven Christoffer,
Realschule Fahrn, Duisburg
Jennifer Pithan,
Realschule Volksgarten,
Mönchengladbach
Hacer Acici,
Käthe-Kollwitz-
Realschule, Ratingen
Anke Augustin,
Friedrich-Bayer-Realschule,
Wuppertal
Rüdger Germer,
Realschule an der Fleuth,
Geldern
Sigrid Hepp,
Albert-Schweitzer-
Realschule, Krefeld
In meiner Arbeit als Personalrätin ist es
mir besonders wichtig, Kolleginnen und Kollegen in ih-
ren Belangen zu beraten, bei dienstlichen Fragen und Proble-
men weiterzuhelfen, bei Abordnungen, Versetzungen zu unter-
stützen und bei BEM-Gesprächen zu begleiten. Dabei versuche
ich stets, Zuversicht auszustrahlen und Mut zu machen. Denn
viele Kolleginnen und Kollegen brauchen nicht nur
Rat, sondern auch Zuspruch.
Michael Freise,
Ganztagsrealschule Odenthal
Spitzenkandidat für den BPR Realschule Köln
lehrer nrw ·
2/2024
16
Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
Personalrat Realschule im Bezirk
KÖLN
Doreen Preiß,
Erich-Kästner-
Realschule, Brühl
Sarah Wanders,
Realschule Ratheim,
Hückelhoven
Tanja Heinrichs,
Realschule Baesweiler
Frank Schulte,
Herrmann-Voss-Realschule,
Wipperfürth
Thomas Schürmann,
Emilie-Heyermann-
Realschule, Bonn
Martin Dittrich,
Realschule Übach-
Palenberg
Anja Däther,
Alexander-von-Humboldt-
Realschule, Siegburg
Ich möchte mich weiter aktiv für
die Rechte und Interessen der Lehrerinnen und
Lehrer, der Schulleiterinnen und Schulleiter sowie des
pädagogischen Personals an den Realschulen einsetzen.
Dazu gehört unter anderem die Vertretung der Beschäftig-
ten bei Konflikten in der Schule, die Überwachung von
Arbeits- und Tarifverträgen, die Förderung von Weiterbil-
dung und Fortbildung sowie die Mitgestaltung von
Arbeitsbedingungen. Insbesondere beim Thema
Gesundheit am Arbeitsplatz gibt es noch
jede Menge zu tun.
Ingo Lürbke,
Johannes-Gutenberg-Realschule Hiltrup, Münster
Spitzenkandidat für den BPR Realschule Münster
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2/2024 ·
lehrer nrw
Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
Personalrat Realschule im Bezirk
MÜNSTER
Torsten Eicke,
Anne-Frank-Realschule,
Ahaus
Martin Demming,
Elsa-Brändström-Realschule,
Rheine
Ruth Ziegler,
Realschule Waltrop
Hannelore Baudler,
Mulvany-Realschule,
Gelsenkirchen
Heike Brand,
Erna-de-Vries-
Realschule, Münster
Sabine Willeke,
Geschwister-Scholl-
Realschule, Münster
Hubertus Kleideiter,
Freiherr-vom-Stein-
Realschule, Coesfeld
Zu meiner Arbeit gehört es, mich für alle
Beschäftigten einzusetzen und deren Interessen gegen-
über der Bezirksregierung zu vertreten, unabhängig von ih-
rer Tätigkeit oder ihrer Position. Ich sehe mich als Bindeglied
zwischen den Beschäftigten und der Dienststelle und enga-
giere mich dafür, dass die Rechte und Belange aller Lehr-
kräfte und des pädagogischen Personals ge-
wahrt bleiben.
Grundlage aller Lehrtätigkeit ist die respektvolle Beziehung. Wir brauchen eine
bessere Personal- und Sachausstattung unter organisatorischen Rahmenbedingun-
gen, die die zwischenmenschliche Wertschätzung authentisch ermöglicht. Dazu sind
kleinere Klassen, mehr sonderpädagogische Fachkräfte, zusätzliche Anrechnungsstun-
den für außerunterrichtliche Aufgaben und ein umfassender systemischer Gesund-
heitsschutz notwendig.
Dirk Meyer,
Adolf-Reichwein-Gesamtschule, Lüdenscheid
Spitzenkandidat für den BPR Gesamt- und Sekundarschule Arnsberg
Ellen Bollig,
Gesamtschule Königswinter-Oberpleis
Spitzenkandidatin für den
HPR Gesamt- und Sekundarschule
lehrer nrw ·
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Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
HAUPTPERSONALRAT
GESAMT- & SEKUNDARSCHULE
Unser Kandidat für den Personalrat Gesamt- und Sekundarschule im Bezirk
ARNSBERG
Andreas Kucharski,
Justus-von-Liebig-Schule,
Duisburg
Dirk Meyer,
Adolf-Reichwein-Gesamt-
schule, Lüdenscheid
Wencke Müller,
Sekundarschule
Hohe Mark, Reken
Christoph Fahle,
Sekundarschule Nordeifel,
Kleinhau/Simmerath
Nadja Nassowitz,
Sekundarschule Hohe Mark,
Reken
Permanente und auch
neue Anforderungen an den
Lehrberuf in einer zunehmend di-
gitalen Welt warten auf Lösungen
im Interesse und zum Wohle der Leh-
rerschaft und des pädagogischen
Personals. Diesen Herausforderun-
gen möchte ich mich gerne stellen. Aus diesem
Grund kandidiere ich erneut für den HPR
Gesamt- und Sekundarschule und
hoffe auf Ihre Stimme.
Als Personalratsmitglied bin ich für die Kolleginnen und Kollegen
da, die Fragen und Anliegen rund um ihren Beruf haben. Manchmal
springt man als Personalrat auch in die Rolle eines Supervisors und ver-
sucht gemeinsam mit den Beteiligten Lösungen zu finden, die für alle ver-
träglich sind. Und wenn sich in der Beratung hinter den schulischen Problemen menschliche Schicksale
auftun, die einen schlucken und tief durchatmen lassen, dann ist vor allem der Seelsorger gefragt. Auch
wenn die Personalratsarbeit nicht immer ganz einfach ist, ist sie eine erfüllende Tätigkeit – insbesonde-
re, wenn man Kolleginnen und Kollegen helfen konnte.
Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
Personalrat Gesamt- und Sekundarschule im Bezirk
DÜSSELDORF
Unsere Kandidatinnen für den
Personalrat Gesamt- und Sekundarschule im Bezirk
DETMOLD
Christina Ernst,
Gesamtschule Verl
Marina Tschudow,
Gesamtschule Büren
Judith Heimbach,
Justus-von-Liebig-Schule, Duisburg
Gisela Goldstein,
Gesamtschule Büren
Spitzenkandidatin für den BPR Ge-
samt- und Sekundarschule Detmold
Schule ist ein Spiegel-
bild der Gesellschaft. Das
Maß verbaler und physischer
Gewalt gegenüber den Beschäftig-
ten ist erschreckend. Immer häufiger
berichten Kolleginnen und Kollegen
von Gewalterfahrungen seitens der
Schülerschaft, mitunter sogar auch seitens der Erziehungsberechtigten.
Es herrscht oft Unsicherheit im Umgang mit den Täterinnen und Tä-
tern. Gewalt stellt immer auch eine enorme psychische Belastung
für die Betroffenen dar. Die Mitglieder des Personalrats bieten
auf die individuellen Fälle zugeschnittene Unterstützung
und Handlungsoptionen an. Rückendeckung
für die Kolleginnen und Kollegen ist
dringend notwendig!
Andreas Kucharski,
Justus-von-Liebig-Schule, Duisburg
Spitzenkandidat für den BPR Gesamt-
und Sekundarschule Düsseldorf
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lehrer nrw ·
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Unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den
Personalrat Gesamt- und Sekundarschule im Bezirk
KÖLN
Unsere Kandidatinnen für den Personalrat Gesamt- und Sekundarschule im Bezirk
MÜNSTER
Christoph Fahle,
Sekundarschule Nordeifel,
Kleinhau/Simmerath
Meike Griesshaber-Kaiser,
Sekundarschule Nordeifel,
Kleinhau/Simmerath
Wencke Müller,
Sekundarschule Hohe
Mark, Reken
In meiner Tätigkeit als Personalratsmitglied erlebe ich immer wieder, welchen Arbeitsbelastungen die
Kolleginnen und Kollegen ausgesetzt sind. Hier versuche ich realistisch, empathisch und zielgerichtet zu beraten.
Meine Ausbildung als Beratungslehrer kommt mir dabei sicher zu Hilfe. Für meine Arbeit habe ich eine große
Leidenschaft. Deshalb möchte ich sie gerne fortsetzen.
Tom Schipper,
Gesamtschule Rheinbach
Spitzenkandidat für den BPR Gesamt- und Sekundarschule Köln
Nadja Nassowitz,
Sekundarschule Hohe Mark, Reken
Spitzenkandidatin für den BPR Gesamt-
und Sekundarschule Münster
Die hohe Arbeitsdichte, der gleichzeitige
Lehrkräftemangel und der gesellschaftliche
Wandel zeigen sich im Lehrberuf sehr deutlich. Die Pro-
bleme an den Schulen werden größer und treten deutli-
cher hervor. Lehrkräfte treten daher mit den verschiedensten
Fragen an mich heran: Welche Handlungsmöglichkeiten habe ich als Lehrkraft oder Lehrer-
rat in verschiedensten Situationen und Lebenslagen? Wer ist mein Ansprechpartner bei
der Bezirksregierung? Wie kann ich in Teilzeit gehen oder bleiben? Wie ist die Vorge-
hensweise im BEM-Verfahren? Bei diesen und weiteren Themen unterstütze ich
gern und begleite die Lehrkräfte. Da mir diese Tätigkeit viel Freude
bereitet, stelle ich mich erneut für Sie zur Wahl.
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lehrer nrw
Unsere Kandidatinnen für den Personalrat Hauptschule im Bezirk
KÖLN
Unsere Kandidatinnen für den Hauptpersonalrat
HAUPTSCHULE
Kerstin Thomsen,
Kath. Hauptschule Leverkusen
Larissa Wydra,
Kath. Hauptschule Leverkusen
Wiebke Meyer,
Heinrich-Bußmann-Schule,
Lünen
Larissa Wydra,
Kath. Hauptschule Leverkusen
Inga Jelen,
Hauptschule Coerde, Münster
Spitzenkandidatin für den
HPR Hauptschule
Hauptschulen –
ein auslaufendes Modell? – Nein!
Hauptschulen spielen eine wichtige Rolle im Bil-
dungssystem. Sie bieten Schülerinnen und Schülern mit
unterschiedlichen Lernbedürfnissen eine individuellere und unterstützende Lernumgebung.
Es gibt viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die gerne an der Hauptschule arbeiten und
sich für die Bildung und Entwicklung der Schülerinnen und Schüler einsetzen. Der Wandel
in der Schullandschaft trifft die Hauptschulen immens. Eine angemessene Wertschät-
zung und Entlastung der Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen sowie die
Stärkung des Schulsystems und des Personals sind zielführend
für die Erhaltung der Hauptschulen.
Hauptschulen leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer Ge-
sellschaft, denn unsere Schülerinnen und Schüler bringen Kompetenzen mit,
die für Industrie und Handwerk im Hinblick auf den Fachkräftemangel interes-
sant sind. Das Potenzial dieser Schülerschaft gehört wieder in den Fokus unserer
Gesellschaft gerückt. Im Personalrat möchte ich mich deshalb für den Erhalt und
die Weiterentwicklung der Hauptschulen in unserer Schullandschaft einsetzen. Die herausfordernde Arbeit und
der Personalmangel an Hauptschulen fordern bei unseren Kolleginnen und Kollegen ihren Tribut! Hoher Kran-
kenstand, immer mehr Anträge auf Teilzeit und vorzeitiger Eintritt in den Ruhestand sind die Folge. Das muss
sich ändern! Wertschätzung und wirkliche Unterstützung von Seiten des Dienstherrn sind dringend gefragt.
Kerstin Thomsen,
Kath. Hauptschule Leverkusen
Spitzenkandidatin für den BPR Haupt-
schule Köln
lehrer nrw ·
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Personalratswahl 2024
»Sie können den
Unterschied machen!«
Der Startschuss für die heiße Phase des Personalrats-
wahlkampfes 2024 ist gefallen. Beim Vertrauenslehrertag
im Düsseldorfer Clayton Hotel stimmten sich knapp 100
Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Endspurt ein.
Der lehrer nrw-Vorsitzende Sven
Christoffer stellte in seiner Rede
die Wahlkampf-Kampagne vor, die
inhaltlich vor allem die Themen Ge-
walt, Gehalt und Gesundheit in den
Fokus rückt.
Null-Toleranz bei Gewalt
Das Thema ‘Gewalt gegen Beschäf-
tigte an Schulen’ gewinne in beängs-
tigender Weise an Bedeutung, beton-
te Christoffer: »Grenzen werden an un-
seren Schulen tagtäglich überschrit-
ten.« lehrer nrw steht für eine Null-To-
leranz-Politik. Ein Angriff auf Einzelne
muss immer auch als ein Angriff auf
die gesamte Schulgemeinde begrif-
fen und sanktioniert werden. Eine sol-
che Haltung braucht aber eine kon-
sequente Rückendeckung durch den
Dienstherrn – und sowohl juristische
als auch seelsorgerische Begleitung
im Fall der Fälle. Zu diesem Zweck
müssen dringend landesweit behörd-
liche Strukturen geschaffen werden,
forderte Christoffer und verwies auf
erste Erfolge, die vor allem auf Druck
des lehrer nrw-geführten Hauptperso-
nalrats Realschule erreicht wurden.
»Vom Ministerium erwarte ich ein kla-
res Bekenntnis zur Null-Toleranz-Poli-
tik und dass all jenen Schulleitungen
ausdrücklich der Rücken gestärkt
wird, die diese Null-Toleranz-Politik
an ihren Schulen leben«, so der Ver-
bandsvorsitzende. »Die Menschen,
die in unseren Schulen arbeiten, ha-
ben einen sicheren Arbeitsplatz ver-
dient, und lehrer nrw wird sich weiter-
hin beharrlich für dieses Ziel einset-
zen.«
Nur eine gesunde Lehrkraft
ist eine gute Lehrkraft
Das Thema ‘Sicherer Arbeitsplatz’
fügt sich nahtlos ein in das noch um-
fassendere Thema ‘Gesunder Arbeits-
platz’. Denn nur eine gesunde Lehr-
kraft ist eine gute Lehrkraft. Dauer-
stress und Überforderung infolge per-
manenter Überlastung, ausufernder
Bürokratie und fehlender Ressourcen
führen zu Demotivation, Frust und
nicht selten in die Krankheit. Und
damit in eine Verschärfung des Lehr-
kräftemangels. Fatal ist in diesem
Zusammenhang, dass der Politik, um
eben diesen Mangel zu bekämpfen,
wenig mehr einfällt, als das Be-
standspersonal noch weiter zu belas-
ten – zum Beispiel durch Beschrän-
kung der Teilzeitmöglichkeiten, führ-
te Christoffer aus.
Diese Beschränkungen seien je-
doch das völlig falsche Signal. Wer
die Kolleginnen und Kollegen gegen
ihren Willen in die Vollzeit dränge,
erhöhe den Druck massiv und somit
die Gefahr der Überforderung. Eine
steigende Zahl von Überlastungsan-
zeigen sei Ausdruck dieses Problems.
»Hier sollte ein fürsorglicher Dienst-
herr Abhilfe schaffen – statt weiter an
der Belastungsschraube zu drehen.
Ministerieller Druck ist nicht die Lö-
sung, sondern das Problem. Die Stra-
tegie, diejenigen, die noch stehen
können, einfach noch mehr und
noch länger arbeiten zu lassen, muss
und wird scheitern«, erklärte Christof-
fer unter dem Beifall des Publikums.
Schieflage beim Gehalt
Auch beim Thema ‘Gehalt’ gibt es
Nachbesserungsbedarf. Zwar hat
das Parlament im Sommer 2023 end-
lich das Gesetz zur Anpassung der
Lehrkräftebesoldung verabschiedet,
das die schrittweise Anhebung der
Einstiegsbesoldung der Lehrkräfte im
Bereich der Primarstufe und der Se-
kundarstufe I nach A13 bzw. EG13
regelt. Doch gut gemeint ist nicht im-
mer gut gemacht: Denn nun stellt
sich für Lehrkräfte in Funktions- und
Leitungsämtern die Frage nach dem
Abstandsgebot. Und Lehrkräfte im
ersten Beförderungsamt, ebenso wie
Fachleitungen, fragen zu Recht:
»Wenn das Eingangsamt jetzt A13
Rund 100 Vertrauenslehrerinnen und Vertrauenslehrer waren der
Einladung nach Düsseldorf gefolgt und erlebten einen spannenden
und informativen Einstieg in den Endspurt zur Personalratswahl.
Foto [2 x]: Smets
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2/2024 ·
lehrer nrw
Personalratswahl 2024
wird, was ist dann mit mir?«. »Kurzum:
Die Sache ist nicht zu Ende gedacht.
lehrer nrw fordert deshalb eine Besol-
dungsanhebung für Lehrkräfte im
1. Beförderungsamt, in Funktions-
und Leitungsämtern sowie Funktions-
stellen für Fachleitungen im Sek-I-
Bereich«, unterstrich Christoffer.
Leistungskultur
statt Spaßkultur
Der Verbandsvorsitzende mahnte au-
ßerdem eine Rückbesinnung auf Bil-
dungsqualität und Leistung an. Hier
habe es in der Vergangenheit eine
bedenkliche Entwicklung gegeben:
»An die Stelle der Leistungskultur ist
eine Spaß- und Wohlfühlkultur getre-
ten. Darf und sollte man Leistung
überhaupt noch messen? Braucht es
wirklich Noten? Grenzen Wettbewerb
und Wettkampf nicht zu viele Kinder
und Jugendliche aus? Verlangen wir
den Schülern nicht zu viel ab? Ler-
nen muss vor allem Spaß machen
und wer diese Auffassung nicht teilt,
der ist ein Steinzeitpädagoge«, kriti-
sierte Christoffer und ergänzte: »Ja,
auch ich bin der Auffassung, dass
Lernen Spaß macht, aber der Spaß
steht am Ende und nicht am Anfang.
Am Anfang steht nämlich die An-
strengung und die Erkenntnis, dass
der Weg zu Erfolg und Leistung auch
mit Anstrengung, Fleiß und Mühe
verbunden ist. Und wenn sich der Er-
folg dann einstellt, sind auch Spaß
und Freude garantiert und ein gestei-
gertes Selbstwertgefühl. Aber eben
am Ende des Prozesses und nicht am
Anfang.«
Als Verfechter von Qualität und
Leistung zeigte sich auch Prof. Dr. em.
Hans Peter Klein. Der Mitbegründer
der Gesellschaft für Bildung und Wis-
sen beklagte in seinem Vortrag den
Akademisierungswahn’ in Deutsch-
land. In den letzten 20 Jahren sei die
Zahl der Studierenden an deutschen
Hochschulen um 50 Prozent gestie-
gen, während die der Auszubilden-
den um 25 Prozent gesunken sei. Der
Studierendenboom gehe mit einer
Abschaffung des Leistungsprinzips
einher, während auf der anderen
Seite der Fachkräftemangel vor al-
lem in handwerklichen und techni-
schen Berufen zunehme.
Nach der Vorstellung des Ablaufs
und der Regularien der Personalrats-
wahl durch Olaf Korte, Vorsitzender
des Hauptwahlvorstandes Realschu-
le, folgte ein weiteres Highlight:
Durch einen Druck auf den ‘roten
Knopf’ schalteten Tagungsleiter
Thorsten Schmalt und Manfred Ber-
retz die neue Wahlkampf-Website
von lehrer nrw frei. Sie bietet unter
https://wahlen2024.lehrernrw.de/
einen umfassenden Überblick über
Themen, Inhalte sowie alle Kandida-
tinnen und Kandidaten.
»Ich zähle auf Sie!«
Das Schlusswort gehörte dann wie-
der Sven Christoffer, der sich mit ei-
nem leidenschaftlichen Appell an
die Vertrauenslehrkräfte wandte: »Es
gibt eine Vielzahl von Gründen, wa-
rum es sich lohnt, für einen Wahlsieg
von lehrer nrw am 13. Juni zu kämp-
fen. Dabei kommt es auf Ihre Unter-
stützung an. Sie können den Unter-
schied machen und deshalb zähle
ich auf Sie!«
Jochen Smets
»Auf Ihre Unterstützung kommt
es an«: Der lehrer nrw-Vorsitzende
Sven Christoffer überzeugte das
Publikum mit einer kämpferi-
schen Rede.
lehrer nrw ·
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24
Unsere Interessenvertretung der Beschäftigten an den Schulen ist der Personalrat. Das
heißt Vertreterinnen und Vertreter, die die Anliegen der Kolleginnen und Kollegen, ob
Beamte oder Tarifbeschäftigte, gegenüber unserem Arbeitgeber, dem Land Nordrhein-
Westfalen bzw. den Bezirksregierungen als zuständige nachgeordnete Behörde vertreten.
Diese Interessenvertretung sollte
nicht unterschätzt werden, denn
das Gremium wacht durch seine Mit-
spracherechte über die Einhaltung
der gesetzlichen Vorgaben sowie über
die konkrete Ausgestaltung der Ar-
beitsbedingungen aller Beschäftigten.
Aufgaben des Personalrats
Der Personalrat ist bei fast allen perso-
nalrechtlichen Entscheidungen des
Dienstherrn zu beteiligen. In vielen
relevanten Fällen davon entscheidet
er mit, d.h. er bestimmt mit darüber, ob
eine geplante Personalmaßnahme
umgesetzt werden darf oder nicht. Und
wenn er seine Zustimmung verweigert,
dann geht die Angelegenheit in den
dafür vorgesehenen Diskussions- und
Erörterungsprozess mit dem Arbeitge-
ber, im Zweifel bis hin auf die Ebene
des zuständigen Ministeriums (MSB).
Gelebte Demokratie
Das Thema Demokratie ist aktuell zu
recht in aller Munde. Vor allem we-
gen der Gefahren extremistischer
politischer Kräfte in unserer Gesell-
schaft. Und es ist auch gut so, dass wir
uns unserer demokratischen Prinzi-
pien und Kultur gemeinsam versi-
chern. Denn auch im täglichen Um-
gang unseres Gemeinwesens kommt
es nicht selten zu Verletzungen oder
Übergriffen in der praktischen Ausge-
staltung dieser Demokratie.
Aus gutem Grund hat der Gesetzge-
ber als oberstes Prinzip für den Perso-
nalrat festgelegt, dass dieser darüber
zu wachen habe, dass alle Beschäf-
tigten »nach Recht und Billigkeit« (§62,
LPVG) behandelt werden. Eine Aufga-
Personalratswahl 2024
Foto: AdobeStock/izzuan
Wir
wählen!
Das Wohl und den Schutz der Beschäftigten an unseren Schulen zu
wahren, hat für lehrer nrw höchste Priorität in der Personalratsarbeit.
von ULRICH GRÄLER
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2/2024 ·
lehrer nrw
Personalratswahl 2024
Sie(h) auch?
KOMMENTAR
Es ist nicht einerlei, wer die
schulpolitische Kultur mitbe-
stimmt oder anführt. Es ist auch
nicht einerlei, welcher Verband
im Personalrat die ‘Betriebskultur’
prägt. Verbände und Gewerk-
schaften sind sich in vielen Fragen
einig, unterscheiden sich aber
doch in manchen Fragen der
grundsätzlichen Ausrichtung.
lehrer nrw ist zum Beispiel ein
Verband, der grundsätzlich die
Verbeamtung im Schulbereich be-
grüßt und an ihr festhält. Denn das
Beamtentum sichert in hohem
Maß das Funktionieren des öffent-
lichen Dienstes, auch in extremen
Krisenzeiten. Zudem sichert es die
Freiheit und Unabhängigkeit des
Beschäftigten. Damit schützt es je-
den Einzelnen vor ‘übergriffiger’
politischer Einflussnahme, aber
auch vor behördlicher Willkür.
lehrer nrw lehnt deshalb auch
das Streikrecht für Beamte ab, da
dieses mit dem Beamtentum in
Deutschland unvereinbar ist. Die
‘Vorzüge’ des Beamtentums gehen
einher mit den daraus abzuleiten-
den Verpflichtungen. Und diese
beinhalten den Verzicht auf tarif-
rechtliche Arbeitskämpfe. Wer je-
doch das Streikrecht einfordert,
fordert letztlich auch die Abschaf-
fung des Beamtentums. Der Euro-
päische Gerichtshof hat jüngst die
Klage von Lehrern höchstrichter-
lich abgewiesen und die gegen-
wärtige Rechtslage des Beamten-
tums in Deutschland bestätigt.
lehrer nrw setzt sich zudem da-
für ein, dass auch im Tarifbereich
des öffentlichen Dienstes gute Ar-
beitsbedingungen vorherrschen,
denn die Beschäftigungssituation
im Bereich Schule ist wesentlich
vielfältiger geworden. Die Einfüh-
rung des neuen Tarifrechts im Jahr
2006 hatte lehrer nrw als einziger
Verband aus NRW im Verbund
mit dem VDR (Verband Deutscher
Realschullehrer) abgelehnt, weil
damit absehbar Verschlechterun-
gen im Vergleich zum alten BAT in
Kauf genommen wurden.
Das neue Tarifrecht, der TV-L,
kam trotzdem. Seitdem galt das
Hauptaugenmerk des Verbandes
allen Bestrebungen, diesen Einbu-
ßen entgegenzuwirken, um durch
zahlreiche Korrekturen auf der
neuen tariflichen Grundlage Ver-
besserungen für die Beschäftigten
einzufordern bzw. auch zu errei-
chen. Ein äußerst schwieriger und
langwieriger politischer Prozess.
Schließlich stehen für lehrer nrw
das Wohl und der Schutz der Be-
schäftigten ganz oben auf der po-
litischen Agenda. Denn die gesell-
schaftlichen Zeiten haben sich ver-
ändert, ungeschriebene Regeln
des respektvollen Miteinanders ge-
raten in Vergessenheit, die Selbst-
verständlichkeit des sozialen Um-
gangs wird brüchig.
Unmerklich geht damit der ge-
sellschaftliche Zusammenhalt ver-
loren, auch in der Schule. Deshalb
gilt dem Schutz der Lehrkräfte vor
Gefahren und Aggressionen unsere
große Aufmerksamkeit, deshalb for-
dern wir den wirksamen Schutz der
Lehrkräfte vor Gewalt bei unserem
Arbeitgeber mit Nachdruck ein.
Und weil es diese Prioritäten
sind, mit denen der Verband seit
Jahren auf Politik und Verwaltung
zugeht, um die Funktionsfähigkeit
des Systems Schule zu stärken,
aber vor allem auch, um die Men-
schen in diesem System gesund zu
erhalten, engagieren wir uns für
lehrer nrw !Ulrich Gräler
be, die als Maxime über allem steht
und die von allen Personalräten den
Maßstab des eigenen Handelns be-
stimmt. Deshalb kommt es auch im-
mer wieder mal zu Differenzen mit
dem Arbeitgeber, wenn eine rechtli-
che Unklarheit bei Personalmaßnah-
men vorliegt.
Stärkung der Fürsorge
Über diese Maxime hinaus gelten für
Personalräte weitere grundsätzliche
Vorgaben, die sich aus dem Beamten-
recht herleiten und in vielen Belan-
gen auch für Tarifbeschäftigte Gültig-
keit besitzen. Dabei spielt dann das
Prinzip der Fürsorge eine besondere
Rolle, da diese ein konstitutives Merk-
mal des Beamtentums mit seinem
Treueverhältnis bildet. Diese Fürsorge
soll sich beispielsweise darin wider-
spiegeln, dass der Arbeitgeber seine
Maßnahmen stets zum Wohle und
Schutz des Beschäftigten ausrichtet.
Umsetzung der Zielvorgaben
Personalräte nehmen diese gesetzli-
chen Zielvorgaben für jeden Einzel-
nen sehr ernst, wohl wissend, dass
dienstliche Belange dem entgegen-
stehen können. Dennoch ist es uner-
lässlich, sich dieser Zielorientierung
zu vergewissern, denn in vielen Fällen
stehen im schulischen Bereich psy-
chische und physische Belastungen,
Bedrohungen und Verletzungen im
Raum, die den gesetzlich verankerten
Prinzipien entgegenstehen. Dann ist
es gut zu wissen, dass es Personalräte
gibt, die allen Beteiligten diese in Er-
innerung rufen und deren Umsetzung
anmahnen bzw. einfordern!
Grundsätzlich geht es darum, sowohl
dem System als auch dem Einzelnen in
seinem Anliegen und seinen Bedürfnis-
sen gerecht zu werden. Je mehr alle Be-
teiligten diesem Ziel näherkommen,
desto mehr trägt diese gemeinsame
Aufgabe auch ganz wesentlich zur Zu-
friedenheit am Arbeitsplatz sowie letzt-
endlich auch zum Gesundheitsschutz
aller Beschäftigten bei.
Ulrich Gräler ist stellv. Vorsitzender des lehrer nrw
E-Mail: graeler@lehrernrw.de
Viereckige Augen
Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Stefan Battel gibt in seiner Kolumne
regelmäßig Antworten auf Fragen aus dem Lehreralltag.
Diesmal geht es um das Suchtpotenzial digitaler Medien.
»Du bekommst noch viereckige Augen« –
wie oft habe ich das als Kind von meiner
Mutter gehört, obwohl ich nur Samstag-
nachmittag nach ‘Unsere kleine Farm’ noch
Wickie gucken wollte. O.k., dann nicht und
nix wie raus auf den Bolzplatz.
Und heute? Aktuell haben nach einer
DAK-Studie, durchgeführt von der Universi-
tätsklinik Hamburg Eppendorf, knapp 25
Prozent der Minderjährigen ein riskantes
Mediennutzungsverhalten. Das entspricht
etwa 1,3 Millionen Mädchen und Jungen
und damit drei mal so viele wie im Jahr
2019. Sechs Prozent der 10- bis 17-jährigen
erfüllen derzeit die Suchtkriterien einer
pathologischen Nutzung. Das sind unge-
fähr 360 000 Kinder und Jugendliche, fast
doppelt so viele wie vor vier Jahren. Beim
Gaming und Streaming seien die Zahlen
etwas rückläufig.
»Persönliche, familiäre und schulische
Ziele treten deutlich in den Hintergrund,
alterstypische Entwicklungsaufgaben wer-
den nicht angemessen gelöst. Es entsteht
ein Stillstand in der psychosozialen Rei-
fung.« Dies sagt der Studienleiter Prof. Rai-
ner Thomasius. Schweden scheint übrigens
in Sachen digitale Bildung zurückzurudern.
Dies belegt eine Stellungnahme des Karo-
linska Institutes zu einem Vorschlag über
die Entscheidung für eine Nationale Digita-
lisierungsstrategie für das Schulsystem
2023 bis 2027: Zurück zu den Büchern, zu
mehr haptischen Erfahrungen.
Und sonst? Wenn ich mir heute unsere
Praxisfragebögen angucke, in denen wir
auch regelmäßig nach der Nutzungszeit
von Medien fragen, sind wir doch erstaunt,
dass noch Zeit für Fußballtraining übrig
bleibt. Gerade Jugendliche im Alter von
14 bis 17 Jahren zeigen deutliche Tenden-
zen von klassischen Sucht-Symptomatiken,
Dosissteigerung, Vernachlässigung von so-
zialen Kontakten etc.
Was heißt also Erlangung von Medien-
kompetenz? Was setzen wir als Erwachsene
eigentlich der Mediennutzung entgegen?
Geht das eigentlich, der bewusste Umgang
mit Medien, wo doch auch neurophysiolo-
gisch ganz viel auf der unbewussten Ebene
abläuft? Nicht umsonst arbeiten in Silicon
Valley nicht wenige Neurowissenschaftler
daran, entsprechende Computerprogram-
me gemeinsam mit der IT zu entwickeln,
die den großen Reiz und das große Verlan-
gen nach mehr auslösen. Alles sehr unbe-
wusste Prozesse.
Ich nutze auch viele dieser Medien, je-
doch ist die Entwicklung für unsere Kinder
und Jugendlichen aus meiner Sicht bedroh-
lich. Ich versuche, täglich mit Eltern zu erar-
beiten, was sie alternativ besetzen können,
dafür ist Beziehungsarbeit nötig. Natürlich
ist es ein systemisches Thema, da auch El-
tern zunehmend in digitalen Strukturen ver-
ankert sind. Profitabel werden in Zukunft
sicherlich spezielle Rehabilitationskliniken
für medienabhängige Kinder und Jugendli-
che für mindestens sechs Wochen Aufent-
halt und mit kompletter Medienabstinenz,
dafür Sport, Ernährungsberatung und viel
sinnliche Erfahrungen. Mal schauen, was
die Zukunft bringt, mit KI und so.
ZUR PERSON
Dr. med. Stefan
Battel ist Facharzt
für Kinder- und Ju-
gendpsychiatrie
und -psychothera-
pie (tätig in einer
Praxis in Bonn) und
seit 2012 systemi-
scher Familienthe-
rapeut (DGSF). Im
Rahmen des
lehrer
nrw
-Fortbildungs-
programms greift
er in einer Vor-
tragsreihe regel-
mäßig verschiede-
ne Themen aus
dem Bereich der
Jugendpsychologie
auf.
Foto: Andreas Endermann
lehrer nrw ·
2/2024
26
BATTEL HILFT
27
2/2024 ·
lehrer nrw
Frühjahrsfahrt
nach Mülheim
F
Für die Frühjahrsfahrt vom 3. bis 5. Mai 2024 nach Mühlheim a.d. Ruhr sind nur noch wenige Plät-
ze frei. Noch können Anmeldungen erfolgen. Genießen Sie mit uns die Stadt Mülheim, die wir na-
mentlich nur vom Mülheimer Kongress kennen, aber nicht die Stadt selbst mit ihren vielen Sehens-
würdigkeiten. Das Programm und das Anmeldeformular sind auf der Homepage von
lehrer nrw
zu
finden (www.lehrernrw. de/2024/01/29/senioren-reise-2024-nach-muelheim-an-der-ruhr). Gebucht
werden kann auch direkt bei unserem Reisepartner, der Klüber Touristik GmbH | Haarer Straße 18 |
33178 Borchen | Tel.: 05251 6879990 | E-Mail: info@reisen-joamar.de | www.reisen-joamar.de
Besuch beim
Bau-Spezialisten
Im Juni steht die nächste Exkursion
an, es ist eine Betriebsbesichtigung
bei der Firma Goldbeck in Bielefeld.
Der Termin ist der 13. Juni. Die Gold-
beck GmbH ist spezialisiert auf den
Bau von Logistik- und Industriehallen,
Büro- und Schulgebäuden, Parkhäu-
sern und Wohngebäuden. Bauen im
Bestand und gebäudenahe Serviceleis-
tungen vervollständigen das Spektrum
des Unternehmens.
Der Tagesablauf ist in Bearbeitung.
Anmeldungen werden aber bereits
entgegengenommen: Monika Holder
Tel.: 02739 1899 oder
E-Mail: holder@lehrernrw.de
In Kürze
Am 5. März besuchten die Senioren
das Sprinterwerk von Mercedes-
Benz in Düsseldorf. Die Nachfrage
für diese Exkursion war so groß, dass
eine Warteliste erstellt werden musste.
Im April können die Seniorinnen und
Senioren des
lehrer nrw
an einer dbb
Fortbildung Aktiv und fit im Alter’
teilnehmen und viele wertvolle Infor-
mationen für einen möglichst langen
und gesunden Ruhestand erhalten.
Als Höhepunkt des Jahres findet vom
30. September bis zum 7. Oktober
unsere Herbstfahrt nach Mallorca
statt. Somit gehen die Senioren von
lehrer nrw
zum ersten Mal mit dem
Flugzeug auf Reisen. Wir freuen uns
sehr auf diese Reise.
Im Herbst findet dann für alle, diesmal
eintägig, der Mülheimer Kongress
am 6. November 2024 statt.
Für den Dezember ist der Besuch der
Kölner Krippen, die jedes Jahr aus-
gestellt werden, vorgesehen. Konkrete
Informationen und Termine für die
Führungen werden rechtzeitig be-
kanntgegeben.
Exkursion zum Forschungszentrum Jülich
Auf dem 1,7 Quadratkilometer großen
Campus des Forschungszentrums Jülich mit
seinen elf Instituten und über 80 Instituts-
bereichen arbeiten über 7 000 Menschen.
Foto: Forschungszentrum Jülich
Am 27. August wird eine Exkursion zum For-
schungszentrum Jülich mit seinen vielen zu-
kunftsweisenden Instituten angeboten. Hier
wird Zukunftsforschung betrieben.
Anmeldung:
Monika Holder, Tel.: 02739 1899 oder
E-Mail holder@lehrernrw.de
Das Programm:
11:00 Uhr Ankunft
11:15 Uhr Einführungsvortrag
12:15 Uhr Mittagessen Seecasino
13:15 Uhr Institutsführung 1
14:30 Uhr Institutsführung 2
Kosten: 10 Euro
Sehenswert, ob zu Wasser oder zu Land:
Die Frühjahrsfahrt nach Mülheim an der Ruhr verspricht
viele spannende Entdeckungen.
Foto: Marcel/AdobeStock
SENIOREN
lehrer nrw ·
2/2024
28
LLeehhrreerr
ggeeggeenn
RReecchhttss??
S
Seit einigen Wochen erlebt Deutsch-
land eine in der Bundesrepublik nie
dagewesene Demonstrationskultur:
Viele Bürgerinnen und Bürger gehen auf
Straßen und Plätze, um gegen Rechtsextre-
mismus Flagge zu zeigen und teilweise ge-
gen (extrem) rechts ausgerichtete Parteien
zu protestieren. Für eine Initialzündung hat
dabei die Aufdeckung eines Geheimtref-
fens gesorgt, an dem unter anderem
Rechtsextreme und AfD-Mitglieder teilge-
nommen und Pläne zur ‘Remigration’ erör-
tert haben sollen. Die Protestwelle mag
sich im Februar wieder abgeflacht haben,
aber es sind nach Angaben von Protestfor-
schern schon jetzt eindrucksvolle Zahlen
zu verzeichnen. So sollen schon über 1000
Demonstrationen und Kundgebungen mit
mindestens zwei Millionen Teilnehmerin-
nen und Teilnehmern stattgefunden haben.
Breite gesellschaftliche
Gegenbewegung
Die deutschen Bischöfe haben auf ihrer
Frühjahrs-Vollversammlung ihre Unterstüt-
zung der Proteste bekundet. Unternehmen
vor allem aus der Medienbranche wie Die
Zeit, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung,
Tagesspiegel und Wirtschaftswoche haben
mit Stiftungen und Verbänden eine Werbe-
kampagne namens ‘#Zusammenland –
Vielfalt macht uns stark’ für eine Willkom-
menskultur gestartet. Mit ähnlicher Stoß-
richtung geben in Baden-Württemberg so-
gar Arbeitgeberverbände und Gewerk-
schaften gemeinsame Erklärungen ab. Un-
terschiedlichste Gruppen aus der Gesell-
schaft blasen damit ins gleiche Horn gegen
rechte Strömungen.
Irritationen bei Lehrkräften
Vor diesem Hintergrund fragen sich auch
Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-West-
falen, inwieweit sie ebenfalls Zeichen gegen
Rechtsextremismus setzen dürfen. Gebremst
sahen sich einige Lehrkräfte zunächst durch
eine Rundverfügung zu Anfang des Jahres,
in der Lehrerinnen und Lehrer an das Mäßi-
gungs- und Zurückhaltungsgebot erinnert
wurden. Es bedurfte einer Klarstellung aus
dem Ministerium von Schulministerin Doro-
thee Feller, dass es sich dabei um ein Routi-
neschreiben handelt, das fünf Monate vor
und anlässlich der Europawahl versendet
wurde und nichts mit den aktuellen Protes-
ten zu tun hat.
Rückendeckung dafür, auch als Lehrkraft
gegen Rechts aufstehen zu dürfen, könnte
die Ermunterung durch die Präsidentin der
Kultusministerkonferenz Christine Steichert-
RECHT§AUSLEGER
von CHRISTOPHER LANGE
Foto: Jan/AdobeStock
Mehr als zwei Millionen Menschen
haben in den letzten Wochen an De-
monstrationen gegen Rechtsextre-
mismus teilgenommen – darunter
auch viele Lehrkräfte.
Dürfen Lehrkräfte an den aktuellen Demonstrationen gegen Rechtsextremismus
teilnehmen und dabei auch gegen Parteien wie die AfD protestieren? So ganz ein-
fach ist die Antwort auf diese Frage nicht. Versuch einer Klärung.
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2/2024 ·
lehrer nrw
Clivot geben, sich an Protesten gegen
Rechts zu beteiligen. Oder die nahezu
gleich lautende Botschaft von Ministerin
Feller. Auch diese hatte kürzlich Lehrerin-
nen und Lehrer ausdrücklich ermuntert,
an Demonstrationen für eine lebendige De-
mokratie, auch mit den Schülerinnen und
Schülern, teilzunehmen. Wenn die Schulmi-
nisterin nicht Zweifel ausräumt, wer dann?
Wie hält man es
mit der AfD?
Allerdings wurde sie Medienberichten zu-
folge in dem Zusammenhang auch ge-
fragt, ob dies ein Zeichen gegen die AfD
sei. Sie hat darauf geantwortet, dass der
Ministerpräsident die AfD jüngst als Ge-
fahr für die Demokratie bezeichnet habe
und sie in diesem Sinne jedes Engagement
für Demokratie und gegen alle Feinde des
Rechtsstaates begrüße.
Dies nimmt die AfD NRW Zeitungsbe-
richten zufolge wiederum nun zum Anlass,
rechtliche Schritte zu prüfen, denn der
Aufruf von Schulministerin Feller habe
nichts mit kritischem Denken und Hinter-
fragen zu tun. Zudem hat beispielsweise
das Verwaltungsgericht Hamburg kürzlich
entschieden, dass ein Bezirksamtsleiter
die AfD nicht in Ausübung seiner Amtsbe-
fugnisse als ‘demokratiefeindlich’ bezeich-
nen dürfe.
Was ist erlaubt –
und was nicht?
Was können Lehrerinnen und Lehrer da-
raus schließen? Nach wem darf man sich
als Lehrkraft denn nun richten? Inwieweit
darf man tatsächlich gegen Rechtsextre-
mismus oder auch bestimmte Parteien
demonstrieren oder sich gar im Unterricht
äußern? Wie macht man sich denn nun
selbst definitiv unangreifbar?
Dreh- und Angelpunkt ist für die Beantwor-
tung dieser Fragen § 33 Absatz 2 Beamten-
statusgesetz (BeamtStG). Es gilt für Beamtin-
nen und Beamte ein Mäßigungs- und Zurück-
haltungsgebot bei der Darstellung eigener
politischer Überzeugungen. Insofern wird das
Grundrecht der Lehrkräfte auf Meinungsfrei-
heit nach Artikel 5 Absatz 1 Satz 1 Grundge-
setz (GG) eingeschränkt. Das BeamtStG be-
gründet allerdings keine Neutralität zu 100
Prozent gegenüber der Klasse und nicht die
völlige Unkenntlichmachung der eigenen po-
litischen Haltung. Anderslautende Ansichten
müssen aber auch berücksichtigt werden.
Was für Beamtinnen und Beamte gilt, hat
nach der Rechtsprechung des Bundesarbeits-
gerichts auch für Tarifkräfte Geltung.
Während die Reichweite des Neutralitäts-
gebotes schon zu früheren Zeiten immer
mal wieder diskussionswürdig war, kommt
bei den aktuellen Fragestellungen noch ein
Aspekt stärker hinzu: Beamtinnen und Be-
amte verpflichten sich auf das Grundgesetz.
Sie, aber auch andere Staatsdiener, sind
sogar gehalten, die Grundwerte und Prinzi-
pien der Verfassung, der freiheitlich demo-
kratischen Grundordnung, zu verteidigen.
Für die Bundesregierung hat das Bundesver-
fassungsgericht in seiner ‘Merkel-Entschei-
dung’ aus dem Jahr 2022 ein Recht zur
kommunikativen Verteidigung der freiheit-
lich-demokratischen Grundordnung aus-
drücklich anerkannt.
Konkretisierung des
Mäßigungs- und
Zurückhaltungsgebots
Eine Konkretisierung des beschriebenen
Mäßigungs- und Zurückhaltungsgebots
bietet der Beutelsbacher Konsens, dessen
drei Prinzipien auch heute gelten, wenn
über Politik im Schulunterricht gesprochen
wird: Nach dem Indoktrinations- bezie-
hungsweise Überwältigungsverbot dürfen
Lehrkräfte nicht Schülerinnen und Schü-
lern Meinungen aufzwingen und diese an
der Bildung einer eigenen Haltung hin-
dern. Nach dem Kontroversitäts- bezie-
hungsweise Gegensätzlichkeitsgebot
muss in Schule alles kontrovers diskutiert
werden, was auch in Wissenschaft und
Politik kontrovers erscheint. Nach dem
Prinzip der Schülerorientierung sollen
Schülerinnen und Schüler in die Lage ver-
setzt werden, die vorgefundene politische
Situation im Sinne ihrer Interessen zu be-
einflussen.
Daraus ist zu folgern, dass Lehrkräfte
verbotenerweise ihren Einfluss als Lehr-
und Erziehungspersonen ausnutzen, wenn
sie insbesondere im Unterricht gegenüber
Schülerinnen und Schülern einseitig für ei-
ne bestimmte Partei, die noch dem demo-
kratischen Spektrum angehört, werben.
Ebenso wenig erlaubt ist es, sich einseitig
oder diffamierend gegen bestimmte Partei-
en zu positionieren.
Was Rechtsextremismus und Gedanken-
gut, das mit unserer freiheitlich demokrati-
schen Grundordnung nicht konform geht,
allgemein betrifft, tritt dagegen wiederum
die erwähnte Pflicht zur Verteidigung der
verfassungstragenden Werte in den Vor-
dergrund. Daher sind Äußerungen von
Lehrkräften gegenüber Schülerinnen und
Schülern gegen Rechts sowie die Teilnah-
me an Demonstrationen in keiner Weise zu
kritisieren.
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange leitet die Rechtsabteilung
des
lehrer nrw
E-Mail: Rechtsabteilung@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
2/2024
30
ANGESPITZT
K
Kennen Sie das auch? Wenn der
innere Trapattoni rauswill? Wenn
man einfach mal Dampf ablassen muss?
So wie der legendäre Fußballtrainer Gio-
vanni Trapattoni in seiner noch legendä-
reren Wutrede, in der er vor versammel-
ter Presse in schönstem deutsch-italieni-
schen Kauderwelsch seinem Frust über
schlechte Ergebnisse, Kritik von außen
und die Arbeitsauffassung einiger seiner
Bayern-Spieler (»Was erlauben Struuunz?«)
freien Lauf ließ. »Eine Trainer ist nicht ei-
ne Idiot«, radebrechte er. Der Mann war
auf 180, mindestens.
So einen Trapattoni-Moment hatte
neulich auch Andreas Schleicher. Ange-
sichts der miserablen deutschen PISA-
Ergebnisse musste der internationale
Koordinator der PISA-Studien mal was
loswerden. Schuld an der Misere seien
die Lehrer, trompetete der hauptberuf-
liche Statistiker in mehreren Interviews.
»Ich habe, ganz ehrlich, wenig Ver-
ständnis für Lehrer, die nur darauf po-
chen, dass sie überlastet seien«, wurde
er zitiert. Zu viele Lehrer sehen sich laut
Giovanni Schleicher in erster Linie als
Befehlsempfänger, die im Klassenzim-
mer statisch einen Lehrplan abarbeiten
müssten. Ach ja, und tendenziell über-
bezahlt seien die Pauker hierzulande
ebenfalls.
So ein kerniges Lehrer-Bashing lenkt
ganz nebenbei prima von Kritik an PISA
und seinem Übervater ab, zum Beispiel
am Studiendesign und an der grund-
sätzlichen Sinnhaftigkeit von standardi-
sierten Vergleichstests. Nun scheint die
Fähigkeit zur Selbstkritik nicht zu den
hervorstechendsten Eigenschaften
Schleichers zu gehören. Stattdessen gibt
es ungefragte Ratschläge vom unfehl-
baren PISA-Papst. Als Positivbeispiel
empfahl er nämlich Schulen im chinesi-
schen Qingdao, wo freiere Unterrichts-
formen praktiziert würden. Das moder-
ne China als Hort von Freiheit und
selbstständigem Denken? Eine putzige
Vorstellung. Aber solange die PISA-
Ergebnisse stimmen, ist das ja auch
zweitrangig.
Wie also umgehen mit den Schlei-
cherschen Tiraden? Wir empfehlen: Am
besten nicht so ernst nehmen. Frei nach
Trapattoni: Eine Lehrer ist nicht eine
Idiot!
Ich habe fertig. Jochen Smets
Eine Lehrer ist nicht eine Idiot!
Über Feedback zu meinen Gehirnjogging Übungen würde ich mehr sehr freuen: mail@heike-loosen.de Heike Loosen
Staaten Afrikas
Frühlingsboten
Zahlen-
rätsel
Wir starten mit einer Konzentrationsaufgabe. Die 54 Staaten Afrikas
sollen zweimal aufgeführt sein. Zehn Länder sind allerdings nur ein-
mal da. Welche sind das?
Südsudan, Ruanda, Simbabwe, Ägypten, Republik Kongo, Tansa-
nia, Algerien, Mauritius, Angola, Mali, Senegal, Mosambik, Äquato-
rialguinea, Äthiopien, Benin, Gambia, Botswana, Lesotho, Marokko,
Burkina Faso, Burundi, Tschad, Seychellen, Demokratische Republik
Kongo, Malawi, Dschibuti, Elfenbeinküste, Togo, Eritrea, Eswatini,
Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Somalia, Kamerun,
Kap Verde, Kenia, Komoren, Südafrika, Kenia, Äquatorialguinea,
Lesotho, Liberia, Libyen, Madagaskar, Tunesien, Äthiopien, Malawi,
Mali, Marokko, Mauretanien, Namibia, Mauritius, Benin, Dschibuti,
Mosambik, Sierra Leone, Namibia, Gabun, Algerien, Niger, Nigeria,
Komoren, Republik Kongo, Demokratische Republik Kongo, Libyen,
Eswatini, Ruanda, Sambia, Guinea-Bissau, São Tomé und Príncipe,
Senegal, Ghana, Ägypten, Kamerun, Burkina Faso, Seychellen,
Madagaskar, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Angola,
Sudan, Südsudan, Tansania, Togo, Tschad, Tunesien, Elfenbeinküste,
Kap Verde, Uganda, Zentralafrikanische Republik, Sambia, Botswa-
na, Nigeria
LÖSUNGEN
Aufgabe 1: Nicht doppelt sind somit:
Burundi, Eritrea, Guinea, Mauretanien,
Liberia, Niger, São Tomé und Príncipe,
Sudan, Uganda, Zentralafrikanische
Republik
Aufgabe 2: Die nächste Zahl ergibt sich
jeweils durch die Verdopplung der vorhe-
rigen Zahl plus 3. Also wäre die nächste
Zahl die 157
Zeichnen Sie dieses Bild
nach. Nutzen Sie dafür
Ihre »schwache« Hand,
also die Hand, die mit
der Sie normalerweise
nicht malen oder schrei-
ben. Diese Aufgabe kön-
nen Sie in drei verschie-
denen Schwierigkeitsstu-
fen bearbeiten.
Leicht: Spuren Sie die
Linien in diesem Heft
nach.
Mittel: Zeichnen Sie das
Bild auf einem separaten
Papier nach.
Schwer: Prägen Sie sich
das Bild ein, schließen
Sie das Heft und zeich-
nen Sie das Bild aus dem
Gedächtnis nach.
Die Zahlenreihe folgt einer
mathematischen Regel.
Nach welcher Regel wird
die nächste Zahl berechnet
und wie heißt sie?
2, 7, 17, 37, 77, …
31
2/2024 ·
lehrer nrw
AUFGABE 1:
AUFGABE 2:
AUFGABE 3:
HIRNJOGGING