3Unter der Lupe
248 Handlungs-
empfehlungen
13Dossier
Bildungsforscher Hattie warnt
vor falsch verstandener
Individualisierung des Lernens
28 Recht§ausleger
Und wieder mal:
Entfristung bei
Vertretungslehrkräften
8Im Brennpunkt
Die Quadratur
des Kreises
Vielfalt
statt
Vorurteile
Pädagogik & Hochschul Verlag . Graf-Adolf-Straße 84 . 40210 Düsseldorf · Foto: AdobeStock
1781 | Ausgabe 6/2025 | DEZEMBER | 69. Jahrgang
INHALT
lehrer nrw ·
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UNTER DER LUPE
Sven Christoffer:
248 Handlungsempfehlungen 3
BRENNPUNKT
Sarah Wanders: Die Quadratur des Kreises
Alles wichtig – aber wann?
Das wachsende Aufgaben-Dilemma
der Schulen in Nordrhein-Westfalen 8
JUNGE LEHRER NRW
Tobias Braune: Sich selbst beschenken
Eine Auszeit für Lehrerinnen und Lehrer:
Besinnlichkeit und Erholung
in der Weihnachtszeit 10
TITEL
Jochen Smets: Mit Courage
gegen Vorurteile 12
DOSSIER
Bildungsforscher Hattie warnt
vor falsch verstandener
Individualisierung des Lernens 15
SCHULE & POLITIK
Klett Whitepaper: Superdiversität
in der Bildung 19
Ulrich Gräler: Abschlüsse erreichen 20
Tom Schipper: Von der Last der
schulischen Bürokratie – Eine Klage 22
FORTBILDUNGEN
Deeskalation und Glücksforschung 24
SENIOREN
Potsdam – bei jedem Wetter
eine Reise wert! 26
Vorläufige Planung für 2026 27
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange: Und wieder mal:
Entfristung bei Vertretungslehrkräften 28
ANGESPITZT
Jochen Smets: Top Events
in der Schul-Aula 30
HIRNJOGGING
Aufgabe 1: Spiegelbild zeichnen
Aufgabe 2: Loblied an Sie
Aufgabe 3: Sätze mit Homonymen
und Homophonen 31
IMPRESSUM
lehrer nrw
– G 1781 –
erscheint sechs Mal jährlich
als Zeitschrift des
‘lehrer nrw’
ISSN 2568-7751
Der Bezugspreis ist für
Mitglieder des
‘lehrer nrw’
im Mitgliedsbeitrag enthal-
ten. Preis für Nichtmitglieder
im Jahresabonnement:
35,– inklusive Porto
Herausgeber und
Geschäftsstelle
lehrer nrw e.V.
Nordrhein-Westfalen,
Graf-Adolf-Straße 84,
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Redaktion
Sven Christoffer,
Christopher Lange,
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Jochen Smets,
Sarah Wanders,
Tobias Braune,
Düsseldorf
Verlag und
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PÄDAGOGIK &
HOCHSCHUL VERLAG
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vom 1. Oktober 2023
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lehrer nrw
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40210 Düsseldorf
Für unverlangt eingesandte
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Gewähr übernommen werden.
Namentlich gekennzeichnete
Beiträge geben die Meinung
ihrer Verfasser wieder.
248 Handlungs-
empfehlungen
Eine fraktionsübergreifende Enquetekommission
des NRW-Landtags zum Thema ‘Chancengleichheit in
der Bildung’ hat nach über zwei Jahren Arbeit Anfang
Oktober ihren Abschlussbericht vorgelegt. Auf 337 Seiten
liefert das Werk eine Gesamtschau auf das Thema Bildung in
Nordrhein-Westfalen. Herzstück des Berichts sind nicht weniger als
248 Handlungsempfehlungen.
D
Die 248 Handlungsempfehlungen geben sowohl
allgemein gehaltene Hinweise als auch detail-
lierte Umsetzungsempfehlungen für mehr
Chancengleichheit in der nordrhein-westfälischen
Bildung. Die empfohlenen Reformen können durchaus
als einschneidend und umfassend bezeichnet werden.
Über allem stehen für mich aber angesichts knapper
Ressourcen die Fragen der Machbar- und Finanzierbar-
keit.
Die Kommission setzte sich aus elf stimmberechtig-
ten Mitgliedern des Landtags sowie fünf externen
Sachverständigen zusammen, unter ihnen auch Prof.
Dr. Aladin El-Mafaalani – 2023 noch Gast auf unserem
Mülheimer Kongress. Jedes Kind müsse unabhängig
von Herkunft, sozioökonomischem Status, sprachli-
chen Barrieren oder Wohnort die gleichen Chancen
auf beste Bildung haben, so Christin Siebel, Vorsitzen-
de der Enquetekommission, in ihrem Vorwort. Der
Abschlussbericht sei deshalb eine Anleitung für ein
besseres und gerechteres Bildungssystem.
Zentrale Empfehlungen
zur frühkindlichen sowie
zur schulischen Bildung
… sind in den Handlungsempfehlungen Nummer 1
und 2 zusammengefasst. So soll jedes Kind mit spä-
testens vier Jahren auf seinen Entwicklungsstand hin
getestet werden. Bei diagnostizierten Bedarfen wer-
den die Kinder verbindlich gefördert. Beim Übergang
in die Grundschule werden dann die Ergebnisse der
Testungen an die aufnehmende Schule weitergereicht,
die die sprachlichen Kompetenzüberprüfungen und
die verbindlichen Maßnahmen fortführt.
Für das Schulwesen sollen Mindeststandards zur
Qualitätssicherung definiert werden, die in inhaltliche
Kerncurricula überführt werden und am Ende der Pri-
marstufe und am Ende der Sekundarstufe I erreicht
sein müssen. Die Kerncurricula beinhalten, was jedes
Kind und jeder Jugendliche am Ende der Bildungsstu-
fen an Fähigkeiten und Wissen verbindlich erlangt
haben soll und beschränken sich damit auf diejenigen
Kompetenzen und Inhalte, die zum Erzielen der Min-
deststandards notwendig sind.
Diesen zwei vorgeschalteten Empfehlungen folgen
Handlungsempfehlungen zu insgesamt zehn Themen-
feldern. Eine Auswahl:
Datenbasierte Steuerung
Die Handlungsempfehlungen zur datenbasierten
Steuerung folgen dem bundesweiten Trend, Bildungs-
steuerung durch datenbasierte Analysen umzusetzen.
Für alle Kinder ab viereinhalb Jahren soll eine ver-
pflichtende Entwicklungsstandserhebung erfolgen, auf
deren Grundlage bei Förderbedarf ein verpflichtendes
Chancenjahr im Vorfeld der Schule vorgesehen ist.
Verpflichtende Sprachfördermaßnahmen bis zum Er-
reichen der Mindeststandards seien erforderlich, weil
Sprach- und Lesekompetenz die Voraussetzung für Bil-
dungserfolg und Teilhabe seien und die Notwendigkeit
einer gemeinsamen Sprache bestehe. Folglich solle
Deutsch vor dem Grundschuleintritt erlernt werden.
Zudem empfiehlt die Kommission den Einsatz einer
Bildungs-ID für jedes Kind sowie eine digitale Bil-
dungsdokumentation, durchgängig über alle Bildungs-
stufen und -institutionen (von der Kita bis zum Schul-
abschluss) hinweg. Diese soll einen nahtlosen Infor-
mationsfluss ermöglichen und mittels Monitorings
den Lernfortschritt erfassen sowie entsprechende
Interventionen bereithalten.
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lehrer nrw
UNTER DER LUPE
von SVEN CHRISTOFFER
Schließlich wird die Weiterentwicklung von QUA-LiS
und LAQUILA NRW zu einem Institut für Bildungsmo-
nitoring und Qualitätsentwicklung zur Weiterent-
wicklung und Sicherung der Standards und Daten-
verarbeitung angeregt. Diese Erfassung von
Daten und Wissen zeige Steuerungsoptionen
auf und stärke die Kooperation und den Trans-
fer zwischen Wissenschaft und Schulpraxis.
Bildungsstrukturen
und -organisation
Die Kommission empfiehlt flexiblere Öffnungszei-
ten in Kitas, um Familie und Beruf besser miteinan-
der vereinbaren zu können. Ein verlässliches und
anpassungsfähiges Kita-System sei entscheidend für
Chancengleichheit und gleichberechtigte Teilhabe
von Eltern am Arbeitsmarkt.
Den Schulen sei mehr pädagogische, personelle
und finanzielle Autonomie zu gewähren, damit sie
Unterricht und Schulleben eigenverantwortlich und
an die Bedürfnisse ihrer Schülerschaft angepasst
gestalten können.
In Handlungsempfehlung 80 heißt es relativ tech-
nisch, »einen gebundenen (oder rhythmisierten) Ganz-
tag in Nordrhein-Westfalen durch eine entsprechend
erhöhte Förderung für rhythmisierte Klassen in Schulen
ab Schulsozialindex 9 bis mindestens Schulsozialindex 5
zu realisieren«. Übersetzt heißt das, dass Schulen mit
mittleren und großen sozialen Herausforderungen zu
einer Ganztagsschule umgebaut werden müssten.
Sozialraum
Für dringend geboten hält die Enquetekommission
eine systematische Zusammenarbeit der Bildungsein-
richtungen mit den Akteurinnen und Akteuren im Sozi-
alraum. Besonders Schulen in herausfordernden Lagen
sollten als Stadtteilschulen, Familienzentren oder Fa-
miliengrundschulzentren ausgestattet sein, um schnel-
le Zugänge zu beispielsweise Dolmetscherinnen und
Dolmetschern oder dem Jugendamt zu bekommen.
Ziel müsse der Auf- und Ausbau der Netzwerke sein.
Inklusion, Heterogenität,
Diversität
Das Gremium empfiehlt den Ausbau digitaler Diagno-
severfahren und Lernangebote, um den individuellen
Bedürfnissen und Bedarfen der Heterogenität der
Schülerschaft gerecht zu werden sowie innovative
Unterrichtsstrukturen, um auf die Heterogenität der
Lernenden einzugehen und passgenaue Förderung zu
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UNTER DER LUPE
Bunte
Mischung: 248 Hand-
lungsempfehlungen hat die Enquete-Kom-
mission zusammengetragen. Was davon wann und wie
zur Umsetzung kommt, ist unklar. Es besteht die Ge-
fahr, dass Parteien und Interessengruppen aller Cou-
leur das herauspicken, was ihnen am besten schmeckt.
bieten. Die flexible Gruppenbildung in Lernbänden,
welche auf Ergebnissen digitaler Diagnostik basiert
und regelmäßig angepasst wird, böte die Möglichkeit,
Lernende gezielt und differenziert nach Lernstand und
-entwicklung zu fördern.
Handlungsempfehlung 125 enthält erfreulicherweise
ein Bekenntnis zur Förderschule. Die Kommission emp-
fiehlt nämlich, »das gemeinsame Lernen und die Förder-
schulen als gleichberechtigte Angebote sonderpädagogi-
scher Förderung weiterzuentwickeln und bedarfsgerecht
auszustatten«. Beide Systeme benötigten verlässliche
Ressourcen und qualitative Weiterentwicklung, insbeson-
dere mit Blick auf die steigende Zahl von Schülerinnen
und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Jedem Kind, egal ob am Förderort Förderschule oder in
Schulen des gemeinsamen Lernens, müssten dabei die
gleichen Ressourcen zur Verfügung stehen.«
Personal
Hier lautet der Rat des Gremiums, in Grundschulen
kleinere Klassengrößen zu erreichen, insbesondere bei
Grundschulen mit hohem Sozialindex. (Meine Frage
lautet an der Stelle: Warum nur in Grundschulen?)
Empfohlen wird zudem, feste, verbindliche Teamzei-
ten in Schulen für das gesamte Kollegium inklusive
OGS-Kräfte, multiprofessionelle Teams und Integrati-
onshelferinnen und -helfer einzuplanen, um Raum und
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lehrer nrw
UNTER DER LUPE
Zeit für gemeinsame
Reflexion zu schaffen.
Insgesamt wird eine auskömmli-
che Personalversorgung gefordert, die sich am
Sozialindex ausrichtet: »Die meisten Ressourcen und
das am besten qualifizierte Personal sollte dort arbei-
ten, wo der Unterstützungsbedarf bei den Schülerin-
nen und Schülern am größten ist. Die Attraktivität die-
ser Standorte kann beispielsweise durch Entlastungs-
stunden und entsprechende Vergütung gesteigert wer-
den.«
Mit Blick auf die Lehrkräfteausbildung empfiehlt die
Kommission unter anderem,
zur Vorbereitung auf den Schuldienst die Praxisori-
entierung in der Lehrkräfteausbildung zu erhöhen
und mehr Praxis in die Hochschule selbst zu holen
(zum Beispiel Schullabore), um die Schulsituation
zu trainieren.
die zweite Phase der Lehramtsausbildung ggf. in
Zusammenarbeit mit den Lehrerverbänden grund-
legend zu überarbeiten und die Ausbildung quali-
tativ zu bessern und an den Anforderungen des
Lehrberufs auszurichten.
die ZfsL zu stärken und mit mehr Autonomie aus-
zustatten. Es sollten mehr Hauptamtliche beschäf-
tigt werden (bzw. Ausbildungsleiter, die nur noch
wenig unterrichten).
eine einheitliche Bezahlung der Fachleitungen und
die Schaffung von Funktionsstellen zu prüfen.
Finanzielle Ressourcen
Die Kommissionsmitglieder befürworten die Einführung
eines eigenverantwortlich einsetzbaren, sozialindexba-
sierten Budgets für Schulleitungen. Dieses soll flexibel
für bedarfsgerechte Maßnahmen wie Qualifizierungen,
den Einsatz von Honorarkräften oder Praxiseinblicke an
anderen Lernorten genutzt werden können. Um größt-
mögliche Handlungsspielräume zu schaffen, soll dabei
die Möglichkeit bestehen, Personal- in Sachmittelbud-
gets und umgekehrt umzuwandeln.
Digitalisierung, KI
Im Bereich der Digitalisierung und der Künstlichen
Intelligenz gehe es darum, digitale Lernanwendungen
und KI als Unterstützungssysteme für Lehrkräfte und
Lernende zu nutzen, indem mittels standardisierter
Diagnostik frühzeitig individuelle Defizite und Förder-
möglichkeiten/Handlungsoptionen aufgezeigt würden,
sodass Schülerinnen und Schüler gemäß ihren Fähig-
keiten und Talenten mit Aufgaben und Herausforde-
rungen versorgt würden. Datenbasierte Kenntnis über
Kompetenzstand und -entwicklung bilde die Grund-
lage für bedarfsangepasste Unterstützung.
Die Enquetekommission empfiehlt darüber hinaus
eine kontinuierliche Beratung durch die Fachwissen-
schaft und den Transfer von Forschungswissen in die
Praxis, um die lernförderliche Wirkung digitaler Lern-
systeme und Evidenz von Maßnahmen bezüglich
Wissens- und Kompetenzentwicklung sicherzustellen,
sodass positiv evaluierte Systeme in der Schulpraxis
implementiert werden könnten.
Laut Gremium müsse der Einsatz von KI zudem
gezielt zur Entlastung von Schulen vorangetrieben
werden. Künstliche Intelligenz könne beispielsweise
Schulverwaltungen spürbar effizienter machen. Ab-
schließend spricht sich die Kommission für eine flä-
chendeckende 1:1-Ausstattung aller Schülerinnen und
Schüler ab Klasse fünf mit digitalen Endgeräten aus.
Berufsorientierung, Berufliche
Bildung, Akademische Bildung
Die Enquetekommission plädiert dafür, die berufliche
Bildung zu stärken, ihre gesellschaftliche Wertschät-
zung zu erhöhen und ihre Gleichwertigkeit gegenüber
der akademischen Bildung deutlich zu machen. Hierzu
gehöre die frühzeitige, altersgerechte Berufsorientie-
rung an allen Schulformen – etwa durch Rollenvorbil-
der, Betriebsbesuche, Ausbildungsbotschafterinnen
und -botschafter sowie die Förderung freiwilliger Feri-
enpraktika. Das Programm ‘Kein Abschluss ohne An-
schluss (KAoA)’ solle weiterentwickelt und frühzeitig
verankert werden. Zudem müsse die Durchlässigkeit
zwischen beruflicher und akademischer Bildung
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UNTER DER LUPE
durch geeignete Anerkennungsverfahren verbessert
werden, um flexible Übergänge zu ermöglichen. Wich-
tig sei darüber hinaus, dass alle Schülerinnen und
Schüler ohne Schulabschluss beim Übergang von der
Schule in den Beruf individuell, systematisch und ziel-
gerichtet unterstützt würden, um sowohl einen Schul-
abschluss als auch einen Berufsabschluss zu erlangen.
Gamechanger-Potenzial
Einige der Handlungsempfehlungen der Enquetekom-
mission hätten durchaus das Potenzial, ein Game-
changer für das nordrhein-westfälische Bildungs-
wesen zu sein, wenn sie denn umgesetzt würden.
So würde das ver-
pflichtende Chancen-
jahr sicherlich das
Sprachniveau bei
Eintritt in die Schule
deutlich heben, was
wiederum dazu füh-
ren würde, dass mehr
Kinder am Ende der
Primarstufe die Min-
deststandards er-
reichten. Davon wür-
den auch die weiter-
führenden Schulen
erheblich profitieren.
Die Feststellung der
Kommission, dass
Sprach- und Lese-
kompetenz die
Voraussetzung für
Bildungserfolg und
Teilhabe seien, ist
unstrittig richtig.
Besonders gefreut habe ich mich über das Bekennt-
nis zur Förderschule als gleichberechtigtem Angebot
sonderpädagogischer Förderung. Es ist ein Fakt, dass
auch heute noch über 50 Prozent der Schülerinnen
und Schüler mit Förderbedarf in NRW an einer Förder-
schule unterrichtet werden.
lehrer nrw
steht zur För-
derschule und möchte, dass Eltern für ihre Kinder auch
in Zukunft noch eine Wahlmöglichkeit haben.
Und auch das Plädoyer für die Stärkung der berufli-
chen Bildung ist aus meiner Sicht richtig und wichtig.
Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademi-
scher Bildung ist unserem Verband seit Jahren ein Her-
zensanliegen. Eine Karriere in der beruflichen Bildung
muss wieder als gleichwertige Alternative zum Studi-
um für jeden und jede erkennbar sein. Dass die
Enquetekommission dazu eine eigene Handlungs-
empfehlung formuliert hat, zeigt aber auch, dass
das Ziel noch in weiter Ferne liegt.
Handlungsempfehlung 175 greift schließlich eine
Thematik auf, für die sich
lehrer nrw
schon seit Jahren
einsetzt: Es geht um die einheitliche Bezahlung der
Fachleitungen und die Schaffung von Funktionsstel-
len. Die eklatant ungleiche Bezahlung der Fachleitun-
gen im Sekundarstufe I- und Sekundarstufe II-Bereich
ist ein großes Ärgernis und muss dringend geheilt
werden.
lehrer nrw
fordert schon seit geraumer Zeit
die Schaffung von Funktionsstellen für Fachleitungen
im Sekundarstufe I-Bereich. Deshalb ist es gut, dass
die Enquetekommission an dieser Stelle Farbe be-
kennt.
Und wie geht es weiter?
»Für die vielen großartigen Kinder und Jugendlichen
in unserem Land ist es entscheidend, dass das vorlie-
gende Ergebnis auf einen entschlossenen politischen
Willen trifft und konsequent umgesetzt wird. Die not-
wendigen Erkenntnisse liegen auf dem Tisch.« Mit die-
sem Satz endet das Vorwort der Vorsitzenden der En-
quetekommission. Und aus meiner Sicht trifft Christin
Siebel hier den Kern – die entscheidenden Fragen lau-
ten: Gelangen die Handlungsempfehlungen (oder zu-
mindest ein Teil davon) in die Umsetzung? Wann pas-
siert das? Scheitert eine Umsetzung an den dafür nöti-
gen Ressourcen? Schließlich bräuchte es nicht nur er-
hebliche finanzielle Mittel, sondern auch eine große
Anzahl zusätzlicher Fachkräfte. Im Abschlussbericht
taucht an der einen oder anderen Stelle die Formulie-
rung »in der nächsten Legislaturperiode« auf. Die
Kommission scheint sich also selbst darüber im Klaren
gewesen zu sein, dass diese 248 Handlungsempfeh-
lungen nicht innerhalb von zwei bis drei Jahren voll-
umfänglich abgearbeitet werden können. Fatal wäre
es jedoch, wenn der Schritt von der Erkenntnis zur
Handlung auch dieses Mal wieder nicht gelänge.
Sven Christoffer ist Vorsitzender des
lehrer nrw
sowie stellv. Vorsitzender des HPR Realschulen
E-Mail: christoffer@lehrernrw.de
INFO
Download-Link zum
Abschlussbericht:
www.landtag.nrw.de/
portal/WWW/dokumenten-
archiv/Dokument/
MMD18-15900.pdf
248 Handlungsempfehlungen auf 337 Seiten
umfasst der Abschlussbericht der Enquete-
Kommission.
Foto: Landtag NRW
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Die Quadratur des Kreises
Alles wichtig – aber wann?
Das wachsende Aufgaben-Dilemma der Schulen in Nordrhein-Westfalen
D
Demokratiebildung, Antisemitismus-
prävention, Stärkung der mentalen
Gesundheit von Schülerinnen und
Schülern, Gewaltprävention, Stärkung der
Medienkompetenz. Und nicht zu vergessen:
Laienreanimation – dies bedeutet, dass alle
Schülerinnen und Schüler in den Klassen 7,
8 oder 9 mindestens einmal eine Schulung
im Umfang von 90 Minuten erhalten und
mit dem lebensrettenden Schema ‘Prüfen –
Rufen – Drücken’ vertraut gemacht werden.
Kaum ein Monat vergeht, ohne dass Schu-
len in Nordrhein-Westfalen mit neuen ge-
samtgesellschaftlichen Aufgaben betraut
werden. Jede dieser Initiativen verfolgt ein
anerkannt wichtiges Ziel: Kinder und Jugend-
liche sollen nicht nur rechnen, lesen und
schreiben lernen, sondern zu verantwortungs-
bewussten, reflektierten und empathischen
Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen.
Doch während die Liste der Themen wächst,
bleibt eines konstant: die Stundentafel.
Gesellschaftliche Erwartun-
gen und schulische Realität
Ob politische Bildung, die Stärkung der men-
talen Gesundheit durch Programme wie
‘Mind Out’, oder die Vermittlung lebensret-
tender Maßnahmen im Rahmen der Laienre-
animation – all das sind unbestreitbar sinn-
volle Bildungsziele. Schulen sind Orte, an de-
nen junge Menschen Verantwortung, Res-
pekt und Selbstwirksamkeit erfahren sollen.
Doch jede neue Aufgabe beansprucht Zeit,
Ressourcen und Fortbildung – in einem Sys-
tem, das schon jetzt vielerorts an der Belas-
tungsgrenze arbeitet. Lehrkräfte berichten
zunehmend von der Schwierigkeit, zwischen
den ‘Kernaufträgen’ und den ‘Querschnitts-
aufgaben’ einen Ausgleich zu finden. Wo
jede Stunde zählt, wird der Druck spürbar,
Prioritäten zu setzen.
Bildungsstudien und Schul-
kompass: Die Basis wackelt
Gerade auch das jüngste Abschneiden Nord-
rhein-Westfalens in Bildungsstudien hat er-
neut deutlich gemacht, dass viele Schülerin-
von SARAH WANDERS
BRENNPUNKT
BRENNPUNKT
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lehrer nrw
nen und Schüler bereits bei den Basiskom-
petenzen Nachholbedarf haben. Lesekompe-
tenz, Rechtschreibung, Mathematik-Grund-
lagen – hier liegen die Herausforderungen,
wie auch Schulministerin Dorothee Feller
immer wieder betont. Darum stellte das Mi-
nisterium für Schule und Bildung am Ende
des vergangenen Schuljahres den ‘Schul-
kompass 2030’ vor.
Ziele des Schulkompasses sind:
1. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler
verringern, die die Mindeststandards
verfehlen.
2. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler
steigern, die die Optimalstandards
erreichen.
3. Die Schülerinnen und Schüler in ihrer
sozial-emotionalen Entwicklung stärken.
4. Mehr Schülerinnen und Schüler am
Berufskolleg zu einem Abschluss mit
konkreter Anschlussperspektive führen.
Mehr Aufgaben
bei gleichbleibend
unzureichenden Ressourcen
Um diese Ziele zu erreichen, setzt das
Ministerium klare Schwerpunkte:
Ein klarer Fokus auf die Basiskompetenzen
Lesen, Schreiben, Zuhören und Rechnen.
Einführung bzw. Ausbau von datenge-
stützter Qualitätsentwicklung an
Schulen – zum Beispiel durch Lern-
standserhebungen und Schülerfeedback.
Verstärkte Fortbildung von Lehrkräften,
klare Rolle der Schulleitungen, Unter-
stützung der Schulen bei der Umsetzung.
Wie bereits in der Ausgabe 4/2025 dieser
Verbandszeitschrift ausführlich dargestellt,
sind die Ziele des Schulkompasses 2030 un-
bestritten richtig und wichtig, auch wenn
unser Verband dem Weg des Schulministeri-
ums dorthin nicht in Gänze zustimmt. Eins
steht jedoch fest: Für das Erreichen dieser
Ziele benötigen die Schulen mehr zeitliche
und personelle Ressourcen.
Doch wie soll das gelingen, wenn immer
neue Themen in den Schulalltag integriert
werden, ohne dass zusätzliche Unterrichts-
zeit oder Personal bereitgestellt werden?
Ein strukturelles Dilemma
Das Dilemma ist offensichtlich: Demokratie-
bildung, Antisemitismusprävention und Ge-
sundheitsförderung sind unverzichtbar für
eine mündige Gesellschaft. Gleichzeitig darf
die Schule als Lernort für Wissen und Kom-
petenzen nicht überfordert werden. Wenn
Lehrkräfte zwischen politischer Bildung und
Mathematik, zwischen Erste-Hilfe-Kurs und
Deutschförderung jonglieren müssen, droht
beides zu verlieren: die Tiefe der fachlichen
Bildung und die Nachhaltigkeit der gesell-
schaftlichen Erziehung.
Viele Schulleitungen und Kollegien versu-
chen, beide Welten zu verbinden – etwa in-
dem gesellschaftliche Themen projektorien-
tiert in den Fachunterricht eingebettet wer-
den. Doch das erfordert Planung, Zeit und
Unterstützung, die im hektischen Schulall-
tag oft fehlen. Deshalb benötigen die Schu-
len dringend mehr zeitliche und personelle
Ressourcen, um gesellschaftliche Themen
adäquat zu vermitteln. Es können nicht
immer weitere zusätzliche Aufgaben
– so sinnvoll und wichtig sie auch sein
mögen – in unsere Schulen verlagert werden,
ohne dass die Ressourcen erhöht und die
Rahmenbedingungen verbessert werden.
Schule kann viel – aber nicht alles gleich-
zeitig. Wer Bildung ernst nimmt, muss ihr Zeit
geben – und die Prioritäten neu sortieren.
Sarah Wanders ist stellv. Vorsitzende des
lehrer nrw
sowie Vorsitzende des HPR Realschulen
E-Mail: wanders@lehrernrw.de
Foto: AdobeStock/Bangkok Click Studio
Noch Fragen? Durchaus:
Wann darf Schule neben den ihr zuge-
dachten gesellschaftlichen Erziehungs-
aufgaben noch an der Erfüllung ihres
Bildungsauftrags arbeiten?
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JUNGE LEHRER NRW
Sich selbst beschenken
Eine Auszeit für Lehrerinnen und Lehrer:
Besinnlichkeit und Erholung in der Weihnachtszeit
W
Wenn in den Klassenzimmern
selbstgebastelte Sterne und
winterliche Kunstwerke an den
Fenstern hängen, die Tage kürzer werden
und die Straßenlaternen schon am späten
Nachmittag angehen, dann weiß ich:
Es ist wieder soweit, die Weihnachtszeit
steht vor der Tür. Egal, welche Feste
gefeiert werden, für mich ist sie die
zauberhafteste Zeit des Jahres. In den
Schulen bringt diese Zeit jedoch nicht nur
festliche Stimmung mit sich, sondern auch
Trubel, Klassenarbeiten, Schulfeste und
den berüchtigten Endspurt vor den Ferien.
Umso wichtiger ist es jetzt, sich zwischen-
durch kleine Momente der Ruhe zu gön-
nen.
von dem aus man mit etwas Glück dem
Schneefall zuschauen kann oder einfach den
trubeligen Alltag draußen beobachtet. Oder
der Lieblingssessel, der schon lange auf ei-
nen ruhigen Moment wartet. Solche Augen-
blicke geben Raum für Gedanken, Ruhe und
Reflexion. Ich weiß, dass wir in dieser Jah-
reszeit viel zu tun haben und oft zu selten
an solche Dinge denken. Umso bewusster
sollten wir uns machen, wie wichtig diese
Auszeiten für unser Wohlbefinden und unse-
re Gesundheit sind.
Gönnen wir uns diese kleinen Momente
bewusst! Sie geben uns Kraft, Gelassenheit
und Freude für diese besondere Zeit im Jahr.
Kleine Auszeiten
mit großer Wirkung
Die Weihnachtszeit lädt mich immer dazu
ein, wieder bewusster wahrzunehmen, was
von TOBIAS BRAUNE
Foto: AdobeStock/LianeM
Zwischen Adventskranz
und Korrekturstapel Raum
für uns selbst schaffen
Wir Lehrerinnen und Lehrer schenken täglich
Energie, Geduld und Herzblut. Wir hören zu,
motivieren, begleiten, trösten, strukturieren
und gestalten Lernwege. Das alles tun wir
mit einem hohen Maß an Verantwortungs-
bewusstsein und Leidenschaft für unseren
Beruf. Gerade in dieser besonderen Jahreszeit
ist es deshalb besonders wichtig, auch auf
die eigenen Bedürfnisse zu achten. Zwischen
Unterrichtsvorbereitung, Elterngesprächen
oder Schulfesten sollten wir uns bewusst
Zeit für Pausen nehmen – echte Pausen!
Das kann bedeuten, sich am Nachmittag
mit einer warmen Tasse Tee oder Kaffee an
einen Ort zurückzuziehen, der gut tut. Eine
gemütliche Leseecke, ein Platz am Fenster,
JUNGE LEHRER NRW
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lehrer nrw
mir und meiner Familie Freude bereitet.
Das sind oft kleine Dinge: Ein kurzer Spa-
ziergang durch den winterlichen Wald, bei
dem man an der frischen Luft den Trubel
des Tages sortiert. Ein Bummel über den
Weihnachtsmarkt, begleitet von Lichter-
ketten und dem Duft frisch gebrannter
Mandeln. Oder ein Abend voller Lieblings-
filme, eingehüllt in eine Decke – ohne
schlechtes Gewissen und ohne Zeitdruck.
Es sind genau diese kleinen Gesten der
Selbstfürsorge, die neue Kraft schenken.
Sie erinnern uns daran, dass unser eigenes
Wohlbefinden genauso wichtig ist wie das
der Schülerinnen und Schüler. Denn nur
wer selbst genug Kraft schöpft, kann sie
auch an andere weitergeben.
Ein Fest der Wertschätzung
Die Adventszeit ist eine Zeit der Dankbar-
keit. Viele Lehrerinnen und Lehrer erfahren
in dieser Phase liebevolle Zeichen der An-
erkennung von ihren Schülerinnen und
Schülern – kleine Karten, selbstgebastelte
Sterne, warme Worte. Doch ebenso wichtig
ist es, sich selbst Wertschätzung zu schen-
ken. Das kann bedeuten, bewusst »Nein«
zu sagen, sich eine ruhige Stunde zu reser-
vieren oder Pläne zu schmieden, die aus-
schließlich der eigenen Erholung dienen.
Gerade jetzt darf man innehalten und
sich bewusst darüber freuen, was man im
vergangenen Jahr geleistet hat. Die vielen
Lernschritte, gelungenen Projekte und un-
zähligen Momente, in denen Schülerinnen
und Schüler durch die Unterstützung ge-
wachsen sind. Hinter all dem steckt eine
enorme pädagogische und menschliche
Leistung! Und all das hast Du mit möglich
gemacht!
Ein Blick nach vorn –
mutig und zuversichtlich
Wer sich in der Weihnachtszeit eine Aus-
zeit gönnt, legt gleichzeitig einen wichti-
gen Grundstein für das kommende Jahr.
Ruhe schafft Klarheit, Erholung schenkt
Ideen und ein gelassener Geist öffnet
Türen für neue Perspektiven. So beginnt
das neue Jahr nicht nur mit frischem Taten-
drang, sondern auch mit erneuter Begeis-
terung für diesen wertvollen Beruf und für
all die Kinder, die wir dabei begleiten dür-
fen.
Die Weihnachtszeit ist ein idealer
Moment, um sich bewusst zu fragen:
»Was tut mir gut?« und diesen Gedanken
in die Tat umzusetzen. Eine wohlverdiente
Auszeit für Lehrerinnen und Lehrer ist kein
Luxus, sondern eine Notwendigkeit – eine
liebevolle Geste des Selbstrespekts, die
neue Kraft wachsen lässt. Möge diese
Weihnachtszeit voller Wärme, Licht und
leiser Momente sein. Und möge sie uns
allen ermöglichen, mit einem Lächeln und
einem gestärkten Herzen in das neue Jahr
zu starten.
Tobias Braune ist Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft
junge
lehrer nrw
E-Mail: braune@lehrernrw.de
Gerade in der trubeligen Adventszeit
ist es wichtig, sich auch mal eine
kleine Auszeit zu gönnen, zum
Beispiel mit einem Bummel über
den Weihnachtsmarkt.
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TITEL
MMiitt CCoouurraaggee
ggeeggeenn VVoorruurrtteeiillee
E
Eingangs lädt Prof. Dr. Lorenz Narku
Laing sein Publikum zu einer kleinen
Zeitreise durch die Kulturgeschichte
ein. Nennen Sie mir einen Komponisten, der
vor 1960 gestorben ist, lautet der erste Auf-
trag an die Zuhörerschaft. Namen wie Beet-
hoven, Mozart, Brahms schwirren durch die
Luft. Und nun nennen Sie mir bitte einige
Philosophen. Das Spiel geht weiter. Aristote-
les, Rousseau, Descartes, Schopenhauer,
Nietzsche ruft es aus dem Publikum. Und
nun gerne einige Künstler. Michelangelo,
da Vinci, Monet, Rembrandt, van Gogh wer-
den in den Raum geworfen. Zum Schluss
bittet der Professor noch um ein paar Auto-
ren, Schriftsteller oder Dichter. Nun werden
Goethe, Schiller, Fontane ins Feld geführt.
Laing steht vorn und nimmt dieses beachtli-
che Potpourri abendländischer Hochkultur
mit einem Lächeln zur Kenntnis.
Charmant entlarvt
Ob etwas an dieser Liste auffällig sei, fragt
der Professor sein geneigtes Publikum. Rat-
lose Gesichter im Saal. »Sie haben mir aus-
schließlich weiße Männer genannt.« Keine
Clara Schumann, keine Hildegard von Bin-
gen, keine Frida Kahlo, keine Jane Austen.
Die Zuhörerschaft ist sicht- und hörbar ver-
blüfft. Soeben hat jemand auf äußerst char-
Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
sowie zahlreiche Ehrengäste erlebten
beim 56. Mülheimer Kongress
ein spannendes Programm.
Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung in der Schule
begegnen: So lautete das Thema des 56. Mülheimer Kongres-
ses. Keine leichte Kost – doch der Kongress brachte dank her-
vorragender Referenten einen hohen Erkenntnisgewinn und
viele Anregungen für die schulische Praxis.
mante Weise ihr männlichkeitsdominiertes,
eurozentristisches Weltbild entlarvt.
Der Vortrag von Prof. Laing ist
das
High-
light des Mülheimer Kongresses 2025. Das
liegt nicht zuletzt an der Person des Sozial-
wissenschaftlers und Rassismusforschers,
der an der Evangelischen Hochschule Bo-
chum lehrt. Die Professur trat er 2022 mit
nur dreißig Jahren an. Außerdem ist er Grün-
der der Diversityberatung Vielfaltsprojekte
GmbH. Dieser Prof. Dr. Lorenz Narku Laing
hat eine faszinierende Biografie. Geboren in
Mainz als Sohn eines jamaikanischen Vaters
und einer ghanaischen Mutter, wächst er un-
ter ärmlichen Bedingungen auf. Alltagsras-
Alle Fotos: Smets
Beeindru-
ckende Per-
sönlichkeit,
herzerwär-
mender Vor-
trag: Prof.
Dr. Lorenz
Narku Laing
begeisterte
das Publikum.
13
6/2025 ·
lehrer nrw
TITEL
sismus ist ein ständiger Begleiter in Kindheit
und Jugend. Zuhause nennen seine Eltern
ihn Narku, aber sie haben ihm in kluger
Voraussicht auch einen deutschen Vornamen
gegeben. Lorenz ist dein Bewerbungsname,
schärft der Vater ihm ein. Den muss er zum
ersten Mal benutzen, als er aufs Gymnasium
wechselt. Wie er denn heiße, fragt ihn der
Klassenlehrer. »Narku.« – Ob er denn auch
einen richtigen Namen habe, fragt der
Pädagoge. Alltagsrassismus eben. Seitdem
heißt Narku in der Schule Lorenz.
»Wegen solcher
Menschen kann ich
heute Professor sein«
Laing erzählt das ohne jede Verbitterung.
Denn er hat auch andere Lehrerinnen und
Lehrer kennengelernt. Frau Weber zum Bei-
spiel. Die war fassungslos, als ihr zwölfjähri-
ger Schüler Lorenz Narku weinend und in
Handschellen von zwei Polizisten »zur Klä-
rung eines Sachverhalts« in der Schule ab-
geliefert wurde. In dem Gymnasium war an
jenem Tag wegen einer Lehrerkonferenz un-
terrichtsfrei. Das wollten die Beamten dem
schwarzen Jungen, den sie in der Stadt an-
getroffen hatten, nicht glauben – und schon
gar nicht, dass er überhaupt Gymnasiast sei.
Frau Weber spie den Polizisten entgegen,
dass sie Rassisten seien und jagte sie brül-
lend vor Zorn vom Hof. »Sie ist komplett es-
kaliert«, erinnert sich Laing, »und ich war
glücklich, weil mich da jemand mit Leiden-
schaft und Herz verteidigt hat.« Eine Kolle-
gin von Frau Weber zahlte aus eigener Ta-
sche Schulbücher für den Jungen, weil sich
seine Familie das zeitweise nicht leisten
konnte. »Wegen solcher Menschen kann ich
heute Professor sein und zu Ihnen spre-
chen«, sagt Laing.
Selten hat ein Referent sein Publikum bei
einem Mülheimer Kongress derart berührt
Dr. Rüdiger
Fleiter
vom Klett-
Verlag führte
aus, wie sich
die Darstel-
lung jüdischen
Lebens in
Schulbüchern
verändert hat.
Katja
Kuklinski
schilderte
einige
aufwühlende
Fälle von
Antisemi-
tismus
in Schulen.
Dr. Urban Mau-
er, Staatssekre-
tär im NRW-
Schulministeri-
um, warb für
eine offene
Debattenkultur,
um Hass und
Hetze etwas ent-
gegenzusetzen.
Florian Beer (oben) und Dr. Marc Grimm
stellten einen Leitfaden für eine diskrimi-
nierungssensible Schulentwicklung vor.
Ina Holev er-
läuterte Merk-
male von Anti-
semitismus
und Rassismus.
Thorsten
Schmalt
moderierte
den Mülheimer
Kongress ge-
wohnt souve-
rän und streute
hier und da ei-
ne humoristi-
sche Note ein.
wie Prof. Dr. Lorenz Narku Laing. Mit profun-
dem Wissen, das er nicht mit erhobenem
Zeigefinger, sondern mit Witz und großer
Warmherzigkeit präsentiert, sensibilisiert er
sein Publikum anhand vieler Beispiele dafür,
dass Diskriminierung gesellschaftliche Nor-
malität ist. Antidiskriminierung hingegen sei
»eine aktive professionelle Haltung und
keine passive Normalität«. Wünschenswert
wäre, sagt er, »dass wir in Deutschland
Diskriminierung so ernst nehmen würden
wie Datenschutz«. Laings mit sehr langem
Applaus und begeisterten Reaktionen gefeier-
ter Vortrag setzt den Ton für den 56. Mülhei-
mer Kongress. Er nimmt dem Kongressthema
ein wenig die Schwere. Ganz wichtig, betont
er in seinem Schlusswort: »Antidiskriminie-
rung muss Spaß machen. Feiern Sie Vielfalt!«
Eine Schule mit Courage
Wie das geht, zeigen am zweiten Tag zum
Beispiel einige Lehrkräfte, Schülerinnen und
Schüler der Willy-Brandt-Schule in Mülheim.
Die Gesamtschule gehört zum mittlerweile
bundesweit über 1400 Schulen umfassen-
den Netzwerk Schule ohne Rassismus –
Schule mit Courage. Dort sind mittlerweile
13 Lehrkräfte sowie 35 Schülerinnen und
Schüler in der Courage-Arbeit engagiert,
berichtet SV-Lehrer Pascal Heina. Den Stein
ins Rollen gebracht, lobt er, habe die inzwi-
schen ehemalige Schülerin Farida. Die frühe-
re Schülersprecherin, die heute studiert, for-
cierte einen Neustart: »Wir hatten ein Schild
an der Fassade, dass wir ‘Schule ohne Ras-
sismus – Schule mit Courage‘ sind, aber es
gab wenig Aktivität.« Das hat sich nachhal-
tig geändert: Seither haben zum Beispiel
über vierzig Workshops stattgefunden.
Schule mit Courage (v.l.): Lehrer Alexander Knöpke, Schülerin Tessa, Lehrer
Pascal Heina, Ex-Schülersprecherin Farida, Christian Hüttemeister (Landeskoordinator),
Andrea Stern (Regionalkoordinatorin Mülheim), Schülerin Amelie, Lehrerin Daniela Hawes.
lehrer nrw ·
6/2025
14
TITEL
Für das Schulleben sei das eine enorme
Bereicherung, hebt Pascal Heina hervor.
Erschütternde Fälle
von Antisemitismus
Katja Kuklinski von der Servicestelle für An-
tidiskriminierungsarbeit / Beratung bei Ras-
sismus und Antisemitismus (SABRA) hat we-
niger Erfreuliches zu berichten. Sie spricht
über Antisemitis-
musarbeit nach
dem 7. Oktober
2023, dem Tag des
Hamas-Überfalls
auf Israel. Seitdem
sei die Zahl und
Intensität antisemi-
tischer Vorfälle
sprunghaft gestie-
gen, auch und be-
sonders in Schulen.
Sie schildert einige
aufwühlende Fälle, etwa den des Schülers
Max, der von drei Mitschülern erst gemobbt
und wenig später angegriffen wird – weil er
Jude ist. Eines Tages reißen sie ihm den Da-
vidstern, den er bei einer Ferienfreizeit für
jüdische Kinder geschenkt bekommen hat,
vom Rucksack und fordern ihn auf, ‘Free
Palestine’ zu sagen. Als er das verweigert,
verprügeln sie ihn so brutal, dass er wegen
seiner Gesichtsverletzungen im Kranken-
haus operiert werden muss. Für die drei
Täter gab es übrigens keine nennenswerten
Konsequenzen. Stattdessen muss in fast
allen Fällen das betroffene Kind die Schule
wechseln, sagt Katja Kuklinski. So war es
am Ende auch bei Max.
Hochsensible Aufgabe
Antisemitismus ist schwer greifbar, erläutert
die Medienkulturwissenschaftlerin Ina Holev
am zweiten Kongresstag. In den seltensten
Fällen basieren antisemitische Hetze oder
Straftaten auf realen Erfahrungen mit dem
Judentum und seiner Geschichte, sondern auf
verzerrten Vorstellungen über »die Juden«,
so die Expertin. Wie wichtig und hochsensi-
bel vor diesem Hintergrund die Aufgabe von
Bildungsmedien und insbesondere Schulbü-
chern ist, erklärte Dr. Rüdiger Fleiter, Histori-
ker und Redakteur beim Ernst Klett Verlag.
»Wir dürfen keine problematischen Stereoty-
pen zulassen – mehr noch: Unsere Materia-
lien müssen zu deren Abbau beitragen.« Wie
sorgsam Schulbücher gerade beim Thema
Judentum und Antisemitismus recherchiert,
quergeprüft und lektoriert werden, machte
Fleiter anhand zahlreicher Beispiele deutlich.
60 Minuten Unterricht
gegen 60 Sekunden TikTok
Nicht leichter wird die Arbeit der Schulen
und Schulbuchverlage gegen Antisemitis-
mus durch die ‘Konkurrenz’ zu Social Media.
»Wie sollen wir mit 60 Minuten Unterricht
gegen 60 Sekunden TikTok ankommen?«,
fragte Dr. Marc Grimm von der Bergischen
Universität Wuppertal ebenso plakativ wie
provokativ. In der Tat finde Antisemitismus
auf Social Media, weil bildbasiert und emo-
tionalisierend, leicht den Weg in die Köpfe.
Gemeinsam mit Grimm umriss Florian
Beer (SABRA) daher Grundzüge einer diskri-
minierungssensiblen Schulentwicklung. Da-
zu haben die beiden einen praxisorientier-
ten Handlungsleitfaden entwickelt, der in
35 Fragen und Antworten zentrale Aspekte
der Prävention, Intervention und Repression
von Antisemitismus im schulischen Kontext
behandelt. Der Leitfaden richtet sich an
Pädagoginnen, Schulleitungen und weitere
Akteure im Bildungsbereich und steht zum
kostenlosen Download zur Verfügung:
https://omp.ub.rub.de/index.php/
Empathia3/catalog/book/330 Jochen Smets
INFO
Im nächsten Jahr wird es
keinen Mülheimer Kon-
gress geben. Der Grund
sind umfassende Renovie-
rungsarbeiten in der Ka-
tholischen Akademie ‘Die
Wolfsburg’ in Mülheim.
Der nächste MüKo findet
dann wieder 2027 am
gewohnten Ort statt.
Zum Ausklang bot die Big Band der Erich-Klausener-Realschule wieder
einige mitreißende Arrangements.
Bildungsforscher Hattie
warnt vor falsch verstandener
Individualisierung des Lernens
Viele Schulen setzen auf individualisiertes, selbstgesteuertes oder personalisiertes Lernen – in
der Hoffnung, jedem Kind damit bestmögliche Lernchancen zu eröffnen. Doch der neuseeländi-
sche Bildungsforscher John Hattie warnt: Zu viel Eigensteuerung kann das Lernen eher bremsen
als beflügeln. Er plädiert für ein »maßgeschneidertes Lernen«, das auf professioneller Diagnostik
und gemeinschaftlichem Lernen basiert.
15
6/2025 · lehrer nrw
Das Schulsystem ist durchdrungen von Schlagwör-
tern und Modebegriffen. Begriffe wie ‘individua-
lisiertes’, ‘personalisiertes’ oder ‘selbstgesteuertes Ler-
nen’ sind allgegenwärtig. Sie tauchen in Panel-Dis-
kussionen auf Kongressen, in bildungspolitischen
Papieren und Debatten in den sozialen Medien auf.
Foto: AdobeStock/Monkey Business
‘Maßgeschneidertes Lernen’
so lautet der Vorschlag von John Hattie. Der
Lehrkraft kommt dabei die Aufgabe zu, ihren
Unterricht dem Lernfortschritt der einzelnen
Schülerinnen und Schüler gezielt anzupassen.
Dieser Ansatz beruht auf der
professionellen Experti-
se und dem Urteil der
Lehrkräfte.
Obwohl diese Konzepte oft synonym verwendet wer-
den, bezeichnen sie unterschiedliche Ansätze. Beim
individualisierten Lernen passen Lehrkräfte Aufga-
ben an das Leistungsniveau einzelner Schülerinnen
und Schüler an. Sie durchlaufen eine auf sie zuge-
schnittene Aufgabenabfolge in ihrem eigenen Tem-
po, auch wenn der Lehrplan in der Regel die Ziele
vorgibt. Beim personalisierten und selbstgesteuerten
Lernen hingegen haben die Lernenden mehr Autono-
mie: Sie setzen sich eigene Ziele, wählen Lernmateria-
lien aus und entscheiden, auf welche Weise sie ihre
Leistung nachweisen möchten. Diese Ansätze beru-
hen auf der ansprechenden Idee, dass Lernen von
Natur aus individuell sei – dass jedes Kind am besten
auf seine eigene Weise lerne.
Eine unbequeme Wahrheit
Diese Ideen sind zweifellos attraktiv. Jedes Kind ist
einzigartig, und wir wünschen uns, dass Schülerin-
nen und Schüler Verantwortung für ihr Lernen über-
nehmen und es selbst steuern können. Doch trotz der
intuitiven Anziehungskraft dieser Ideen müssen wir
uns einer unbequemen Wahrheit stellen: Es gibt nur
wenig belastbare Forschung, die großflächige Lern-
gewinne durch so organisierte Lernarrangements
zeigt – und viele Studien, die nur minimale Effekte
nachweisen. Die vorhandenen Daten weisen auf
niedrige oder moderate durchschnittliche Effektstär-
ken hin: 0,03 für schülergesteuertes Lernen und 0,26
für individualisiertes Lernen. Beide liegen deutlich
unter der Schwelle von 0,4, die als Grenze für eine
bedeutsame Wirksamkeit gilt.
Wie steht es also um das personalisierte Lernen? Rich-
tig umgesetzt, kann es ein Gefühl von Eigenverant-
wortung und Motivation fördern. Schlecht umgesetzt
jedoch verkommt es oft zu einer Orientierung an
oberflächlichen Auswahlmöglichkeiten – etwa dazu,
Unterricht an sogenannte ‘Lernstile’ anzupassen –,
die kaum zu besseren Ergebnissen führen. Auf den
ersten Blick deuten Metaanalysen zu personalisier-
tem Lernen auf eine Effektstärke von etwa 0,46 hin.
Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass dieser
vergleichsweise hohe Wert vor allem aus Studien
stammt, die Korrelationen statt Kausalzusammen-
hänge messen. Diese Studien zeigen lediglich, dass
Schülerinnen und Schüler mit bestimmten Lernpräfe-
renzen (zum Beispiel einer Vorliebe für verbale Infor-
mationen) tendenziell besser abschneiden – nicht
16 6/2025 · lehrer nrw
aber, dass die Anpassung des Unterrichts an diese
Präferenzen das Lernen tatsächlich verbessert. Be-
rücksichtigt man nur Studien, die den Unterricht auf
die Lernstile der Schülerinnen und Schüler abstim-
men, sinkt die Effektstärke nahezu auf Null.
Kurz gesagt: Der Hype um individualisiertes und
personalisiertes Lernen übersteigt die Stärke der
Forschungsergebnisse bei Weitem. Das Versprechen
der Individualisierung ist größtenteils rhetorisch.
Die Gefahr des ‘Einzel-Lernenden’
Das größte Problem von individualisiertem und per-
sonalisiertem Lernen liegt in der Überbetonung des
Alleinarbeitens. Der Kern schulischen Lernens war
schon immer Zusammenarbeit und soziales Lernen –
das Lernen mit und von anderen. Nicht jeder, nicht
jede lernt am besten, wenn er oder sie völlig allein
entscheidet. Viele Lernende brauchen Struktur, Anlei-
tung und ein gemeinsames Ziel. Wenn Schülerinnen
und Schüler hauptsächlich individuell, in ihrem eige-
nen Tempo und auf ihre eigene Weise lernen, laufen
sie Gefahr, zu isolierten ‘Einzel-Lernenden’ zu werden,
anstatt die kollaborativen Fähigkeiten zu entwickeln,
die für bedeutsames Lernen entscheidend sind.
Diese Ansätze widersprechen auch gut belegten For-
schungsergebnissen zum effektiven Lernen. Lernen
lebt von Herausforderung, Feedback und von ge-
meinsamem Verstehen. Übermäßig individualisiertes
Lernen läuft Gefahr, die kognitiven Anforderungen zu
senken, weil Schülerinnen und Schüler, wenn sie
selbst entscheiden dürfen, dazu neigen, in ihrer Kom-
fortzone zu bleiben. Sie wählen dann Aufgaben, die
sie bereits können oder angenehm finden. Schülerin-
nen und Schüler wissen oft nicht, was sie nicht wissen.
Genau deshalb gibt es Lehrkräfte: um ihnen das bei-
zubringen, was sie noch nicht wissen.
Ein falsches Verständnis von Differenzierung
und Bildungsgerechtigkeit
Die Gefahr des Scheiterns von individualisiertem und
personalisiertem Lernen liegt demnach in einem
grundlegenden Missverständnis von Differenzierung.
Kaum eine didaktische Idee wird so häufig fehlinter-
pretiert. Gute Differenzierung bedeutet nicht, dass
Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Aufgaben
erhalten. Dieser fehlgeleitete Ansatz im Umgang mit
den Unterschieden zwischen Schülerinnen und Sc-
lern ist besonders in Klassenzimmern mit niedrigen
Leistungserwartungen weitverbreitet. In solchen
Klassen werden Schülerinnen und Schüler nach
vermeintlichen Leistungsfähigkeiten gruppiert
und erhalten Aufgaben, die als ihrem Niveau
‘angemessen’ gelten – ein Vorgehen, das, so gut
es gemeint sein mag, ihr Lernpotenzial begrenzt.
Die Erwartungen, die wir an Schülerinnen und
Schüler haben, haben enorme Auswirkungen
auf ihre Lernergebnisse. Die Forschung zeigt:
Hohe Erwartungen können die Lernrate von
Schülerinnen und Schülern verdoppeln. Lehrkräf-
te mit hohen Erwartungen differenzieren nicht in-
nerhalb ihrer Erwartungen, sondern beim Weg
und bei dem Tempo, um diese zu erreichen. Trau-
rigerweise differenzieren Lehrkräfte mit niedrigen
Erwartungen durchaus – und die Auswirkungen
auf ihre Schülerinnen und Schüler können ver-
heerend sein.
Ein großes Risiko besteht darin, Personalisierung
mit Bildungsgerechtigkeit zu verwechseln. Bil-
dungsgerechtigkeit bedeutet nicht, jedem Kind
seinen eigenen Lernpfad zu geben, sondern si-
cherzustellen, dass jeder Schüler und jede Sc-
lerin mindestens ein Jahr Lernfortschritt in jedem
Schuljahr erzielt. In der Praxis können personali-
sierte Ansätze Ungleichheiten sogar noch verstär-
ken. Denn Schülerinnen und Schüler aus bil-
dungsfernen Haushalten landen oft in ‘indivi-
dualisierten Lernpfaden, die nur begrenzten
Zugang zu hochwertigen Unterrichtsgesprächen
oder zum Austausch mit leistungsstarken Mit-
schülerinnen und Mitschülern bieten. Diese Sc-
lerinnen und Schüler arbeiten häufig Arbeits-
blätter ganz allein ab, ohne Gelegenheit zu tiefe-
rem Lernen, zu Transfer oder kritischem Denken.
Echte Bildungsgerechtigkeit würde erfordern,
dass Lehrkräfte allen Lernenden – unabhängig
von ihrer Herkunft – anspruchsvolle Aufgaben,
reichhaltige Dialoge und Aufgaben zumuten,
die sie aus ihrer Komfortzone holen.
Vom individualisierten zum
maßgeschneiderten Lernen
Anstelle von individualisiertem, selbstgesteuer-
tem oder personalisiertem Lernen schlage ich
deshalb einen anderen Ansatz vor – ich nenne
ihn ‘maßgeschneidertes Lernen. Maßgeschnei-
dertes Lernen bedeutet eben nicht, jedem Kind
17
6/2025 · lehrer nrw
INFO
Der Beitrag erschien am 27. Oktober 2025 auf dem Deutschen Schulportal der
Robert Bosch Stiftung. Das Deutsche Schulportal ist die größte deutschsprachi-
ge Onlineplattform zu den Themen Schulentwicklung und Unterrichtsentwick-
lung. Getragen vom Erfahrungsschatz zahlreicher mit dem Deutschen Schul-
preis ausgezeichneter Schulen bietet es Praxisimpulse und aktuelle Informatio-
nen für pädagogische Fachkräfte und alle, die sich für gute Schulen in
Deutschland einsetzen.
Der Beitrag von Professor John Hattie basiert auf seiner Keynote, die er im
September 2025 auf der ‘Konferenz Bildung Digitalisierung’ (KonfBD) in Berlin
gehalten hat.
ein eigenes Curriculum zu geben oder den Ler-
nenden die Kontrolle über ihr Lernen zu geben.
Vielmehr bedeutet es, dass Lehrkräfte ihren Unter-
richt basierend auf dem Lernfortschritt jedes ein-
zelnen Schülers, jeder einzelnen Schülerin gezielt
anpassen.
Schulen passen Unterricht, Ressourcen und Leis-
tungsüberprüfungen an bestimmte Gruppen,
Kontexte oder Individuen an – etwa durch
temporäre Einzel- oder Kleingruppenförderung
(ohne dabei Kinder abzustempeln oder dauer-
haft abzusondern). Maßgeschneidertes Lernen
wiederum verlangt von Lehrkräften, Lernstände
zu diagnostizieren, Feedback zu geben und den
Schwierigkeitsgrad anzupassen, sodass jeder
Schüler und jede Schülerin angemessen heraus-
gefordert wird. Gleichzeitig setzt maßgeschnei-
dertes Lernen auf die Kraft der Gemeinschaft:
Schülerinnen und Schüler lernen in erheblichem
Maße voneinander – im Guten wie im Schlech-
ten. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass
sie auf die richtige Weise voneinander lernen.
Maßgeschneidertes Lernen beruht daher auf der
professionellen Expertise und dem Urteil der Lehr-
kräfte. Die Klarheit einer Lehrkraft hat beispiels-
weise einen mehr als doppelt so starken Einfluss
auf die Lernergebnisse wie eine oberflächliche
Personalisierung im Unterricht. Statt Hypes nach-
zujagen, sollte sich das professionelle Lernen von
Lehrkräften auf die Klärung von Lernzielen, Er-
folgskriterien und Feedback richten – und sicher-
stellen, dass Schülerinnen und Schüler diese hö-
ren, verstehen und danach handeln. Natürlich
müssen Schülerinnen und Schüler ebenfalls ler-
nen, Verantwortung zu übernehmen und sowohl
eigenständig zu arbeiten wie auch mit anderen.
Aber es gibt eine richtige Zeit für Schülerautono-
mie – und eine falsche Zeit dafür.
18 6/2025 · lehrer nrw
LITERATURTIPPS
Lernen sichtbar
machen
Überarbeitete deutschsprachige
Ausgabe von‘Visible
Learning’
‘Visible Learning’ wurde 2009 von
John Hattie nach 15-jähriger Ar-
beit veröffentlicht. Es enthält eine
Synthese von über 800 Meta-
Analysen, die auf über 50000
Studien mit etwa 250 Millionen Lernenden
zurückgreifen. Damit ist ‘Visible Learning’ der umfangreichste
Versuch, empirische Forschungsergebnisse zum Lehren und
Lernen systematisch zusammenzufassen. Hattie extrahiert da-
raus 138 Faktoren, die in unterschiedlicher Stärke mit den Lern-
leistungen interagieren. Er beschreibt diese detailliert und
zieht Schlüsse für die künftige Gestaltung von Schule und ins-
besondere Unterricht.
Um diesen Meilenstein der internationalen Bildungsfor-
schung einem breiten Publikum zugänglich zu machen,
haben Wolfgang Beywl und Klaus Zierer in Zusammenarbeit
mit John Hattie eine deutschsprachige Ausgabe besorgt. Sie
richtet sich an Studierende der Pädagogik, an Lehrpersonen
und Schulleitende, an Bildungsforscher und Bildungspoliti-
ker sowie an alle, die sich für die Erfolgsbedingungen von
Bildung und Erziehung in schulischen Kontexten interessie-
ren. Das vorliegende Buch soll damit die kritisch-konstruktive
Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen Grundla-
gen von Lehren und Lernen unterstützen.
Hattie, J.; Beywl, W. & Zierer, K. (2018). John Hattie. Visible Learning 2.0.
Deutschsprachige Ausgabe von ‘Lernen sichtbar machen.’
Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von ‘Visible Learning’.
Bielefeld: wbv Publikation. ISBN: 9783834014504
Visible Learning 2.0
Deutschsprachige Ausgabe
von ‘Visible Learning:
The Sequel’
Die Forschung, auf der die vorlie-
gende Weiterentwicklung von
Visible Learning basiert, stützt
sich inzwischen auf mehr als
2100 Meta-Analysen (mehr als
doppelt so viele wie in der ur-
sprünglichen Veröffentlichung
mit etwa 800 Meta-Analysen), die mehr als
130 000 Studien umfassen und an denen geschätzt mehr als
400 Millionen Lernende aus aller Welt teilgenommen haben.
Dieses Buch ist jedoch mehr als nur eine Neuauflage: Es ist ei-
ne Weiterentwicklung, die das große Ganze beleuchtet, die
Umsetzung von Visible Learning in den Schulen reflektiert,
wie es verstanden – und manchmal auch missverstanden –
wurde und welche Richtung die Forschung in Zukunft ein-
schlagen sollte. Visible Learning 2.0 bekräftigt John Hatties
Wunsch, nicht nur das in den Blick zu nehmen, was funktio-
niert, sondern auch und vor allem das, was am besten funktio-
niert, indem er entscheidende Fragen stellt wie: Warum ist die
derzeitige Grammatik des Schulunterrichts in so vielen Klassen-
zimmern so fest verankert und wie können wir sie verbessern?
Warum ist die Lernentwicklungskurve für Lehrpersonen nach
den ersten Berufsjahren so flach? Wie können wir die Denkwei-
se von Lehrpersonen so entwickeln, dass sie sich mehr auf das
Lernen und Zuhören konzentrieren (und weniger auf das Leh-
ren und Sprechen)? Wie können wir Forschungsergebnisse in
die Diskussionen der Schulen und der Kollegien bringen?
Aufbauend auf dem Erfolg des Originals erweitert diese mit
Spannung erwartete Weiterführung John Hatties Modell des
Lehrens und Lernens auf der Grundlage von Einflussgrößen
und ist eine unverzichtbare Lektüre für alle, die im Bildungs-
bereich tätig sind – sei es als Forschende, Lehrpersonen,
Lernende, Schulleitungen, Lehrerbildnerinnen und Lehrer-
bildner oder politische Entscheidungsträger.
Hattie, J.; Wernke, S. & Zierer, K. (2024). John Hattie. Visible Learning
2.0. Deutschsprachige Ausgabe von ‘Visible Learning: The Sequel’
besorgt von Stephan Wernke und Klaus Zierer (1. Auflage). Bielefeld:
Schneider bei wbv Publikation. ISBN: 9783834022509
Hattie für gestresste
Lehrer 2.0
Kernbotschaften aus
Visible Learning’ mit
über 2100 Meta-Analysen
Die Neuauflage von Hattie für
gestresste Lehrer bietet eine kom-
pakte Einführung in die Erkennt-
nisse aus über 2100 Meta-Analy-
sen der ‘Visible Learning’-For-
schung. Klaus Zierer, deutscher
Übersetzer von John Hatties Werk, stellt zentrale Befunde und
Handlungsempfehlungen für Schule und Unterricht vor – ver-
ständlich, praxisnah und didaktisch fundiert aufbereitet.
Das Buch vermittelt einen Überblick über die erweiterte Da-
tenbasis, erläutert die wichtigsten Einflussfaktoren auf schuli-
sches Lernen und enthält konkrete Umsetzungsmöglichkeiten
für den Schulalltag. Ein aktuelles Ranking von über 360 Fak-
toren ergänzt die Darstellung.
Als fundiertes Standardwerk bietet es Lehrkräften, Schullei-
tungen und Bildungsexpert:innen im deutschsprachigen
Raum eine solide Grundlage für evidenzbasierte Schul-
und Unterrichtsentwicklung.
Zierer, K. (Hg.) (2023). Hattie für gestresste Lehrer 2.0
(4. erweiterte & aktualisierte Auflage). Bielefeld:
Schneider im wbv. Publikation. ISBN: 978-3-8340-2222-6
SCHULE & POLITIK
Klett Whitepaper
Superdiversität in der Bildung
M
Mehr als ein Drittel aller Schülerinnen
und Schüler in Deutschland hat eine
Einwanderungsgeschichte. 74 Prozent der
Personen ohne Schulabschluss stammen
aus Familien mit Migrationserfahrung, und
42 Prozent dieser Kinder sind von Armuts-
gefährdung betroffen. Diese Zahlen zeigen:
Schule ist längst ein Spiegel der gesell-
schaftlichen Superdiversität und steht vor
der Aufgabe, Bildungsgerechtigkeit unter
zunehmend komplexen Bedingungen zu
sichern.
Der Ernst Klett Verlag widmet sich dieser
Herausforderung mit dem neuen Whitepa-
per ‘Schule in der Superdiversität’. Die Publi-
kation bietet einen Überblick, wie Schulen
mit der zunehmenden Heterogenität umge-
hen, die aus geänderten sozioökonomi-
schen, kulturellen und strukturellen Fakto-
ren resultiert.
Das Whitepaper ‘Schule in der Superdiver-
sität’ vereint unterschiedliche Perspektiven
aus Forschung und Praxis, zum Beispiel:
Interviews mit Schulen, die Wege
gefunden haben, Vielfalt konstruktiv
in ihre Unterrichtskultur einzubinden.
Ein Gespräch mit Gloria Boateng,
Lehrerin in Hamburg und Gründerin von
SchlauFox
, die über ihre eigenen Migra-
tionserfahrungen berichtet und erläutert,
wie diese ihren pädagogischen Blick auf
den Unterricht prägen.
Eine exklusive Analyse der Rechtschreib-
kompetenzen der letzten fünfzehn Jahre
auf Basis der
Hamburger Schreib-Probe
.
Ein Beitrag zur Rolle von Künstlicher
Intelligenz, die Lehrkräfte künftig bei
der Förderung und Individualisierung
unterstützen kann.
Das Whitepaper steht ab dem 15. November
zum kostenlosen Download zur Verfügung:
https://ernst-klett-verlag.de/
ernst-klett-verlag/engagement/
lehrer nrw ·
6/2025
20
SCHULE & POLITIK
Anschlüsse
erreichen!
D
Die Tarifverhandlungen für die
Beschäftigten bei den Ländern
(Ausnahme: Hessen) haben mit der
Einkommensforderung der Verbände und
Gewerkschaften ihren Auftakt genommen.
Der dbb (Deutscher Beamtenbund und
Tarifunion) geht mit der Forderung einer
Entgelterhöhung von sieben Prozent und
weiteren wesentlichen strukturellen Ver-
besserungen in diese Tarifauseinanderset-
zung, die in der dritten Verhandlungsrunde
am 13. Februar 2026 ihren Abschluss fin-
den soll.
Foto: AdobeStock/pusteflower9024
von ULRICH GRÄLER
Anschluss verpasst?
Wer beim Öffentlichen Dienst
spart, verschärft damit den Lehrkräftemangel und verbaut
Kindern und Jugendlichen Zukunftschancen.
Drohende
Einkommensverluste
Die Vorzeichen für diese Verhandlungen
jedoch sind denkbar schlecht, da nicht nur
die medialen Vorboten der Arbeitgeber ein
äußerst schlechtes Signal in diese Auseinan-
dersetzung tragen, sondern auch die funda-
mentalen Kennzahlen sowie die politische
Gemengelage die Gesprächsbasis erheblich
belasten.
Es scheint, als ob das Tarifergebnis im öf-
fentlichen Dienst, wie in früheren Zeiten oft
geschehen, jetzt wieder als mögliches Ein-
sparpotenzial betrachtet wird, das für das
Stopfen von Haushaltslöchern herangezo-
gen werden soll. Eigentlich hatte man diese
Zeiten überwunden gesehen, doch dieser
Griff in die ‘Mottenkiste’ politischer Maß-
nahmen scheint neue Konjunktur zu erle-
Anschlüsse
erreichen!
Die dbb-Bundestarifkommission hat ihre Forderungen zur
Einkommensrunde 2025/2026 für die Beschäftigten des
öffentlichen Dienstes in den Bundesländern beschlossen.
Angestrebt wird eine Entgelterhöhung von sieben Prozent.
21
6/2025 ·
lehrer nrw
SCHULE & POLITIK
ben. Ist dieses Handlungsmuster überhaupt
noch zeitgemäß? Mitnichten!
Die Notwendigkeit höherwertiger Ausbil-
dungsniveaus und -abschlüsse steht in
krassem Gegensatz zu einer Politik, die die
Personalausgaben für den Bildungsbereich
zu beschränken bzw. inflationsbereinigt
sogar zu kürzen gedenkt. Die Teuerungsrate
für die Ausgaben in der Daseinsvorsorge
(Nahrungsmittel, Wohnkosten, Kranken-
und Pflegeversicherung, etc.) liegt ver-
gleichsweise sehr hoch, so dass ein Ab-
schluss unterhalb des Tarifergebnisses für
die Beschäftigten bei Bund und Kommunen
einen Reallohnverlust bedeuten würde.
Konkurrierende
Personalgewinnung
Unabhängig davon ist jedoch eine ange-
messene Entgelterhöhung zwingend not-
wendig, damit die Gewinnung von qualifi-
ziertem und geeignetem Personal gelingen
kann. Beim Wettbewerb um die besten Köp-
fe auf dem Arbeitsmarkt buhlen die Arbeit-
geber der freien Wirtschaft mit mannigfa-
chen Vorzügen um Fachkräfte, die deren
wirtschaftlichen Unternehmenserfolg sicher-
stellen können. Fachkräfte, die eventuell
auch für den Schuldienst zu gewinnen
wären.
Ein ‘Drücken’ der Personalkosten für die
Beschäftigten im öffentlichen Dienst durch
unzulängliche Lohnzuwächse ist deshalb
ein äußerst kurzsichtiges Ansinnen, führt
es doch dazu, dass in den Schulen weiter-
hin Lehrkräfte fehlen werden, die eine qua-
lifizierte Grundbildung der Schülerinnen
und Schüler für eine spätere Berufsausbil-
dung überhaupt erst gewährleisten.
Darüber hinaus bleibt in diesem Zusam-
menhang das Ziel der Persönlichkeitsbil-
dung in den Schulen oftmals unberücksich-
tigt, die bei zurückgehender Erziehungsleis-
tung in den Elternhäusern sowie bei über-
mäßigem Medienkonsum der Kinder und
Jugendlichen mit entsprechenden Folgewir-
kungen kaum gelingen kann. Die jedoch
von erheblicher Bedeutung für eine erfolg-
reiche Schulausbildung und Berufslaufbahn
ist.
Unzureichende
Arbeitsstrukturen
Die Schulen bieten derzeit nicht die Bedin-
gungen und Voraussetzungen, um eine um-
fassende Bildung autonomer Persönlichkei-
ten leisten zu können. Denn die Gruppen-
größen und die Zeitumfänge, die für den
Aufbau personaler Beziehungen zu Schüle-
rinnen und Schülern erforderlich sind,
reichen bei weitem nicht aus.
Es ist ein Trugschluss, Verbesserungen im
Bildungssektor zu erwarten, ohne die Struk-
turen des Bildungsprozesses insgesamt in
den Blick zu nehmen. Wenn jetzt bei dem
gigantischen Sondervermögen des Bundes
auch der Bildungsbereich bedacht werden
soll, dann bedeutet das allein, dass in neue
Gebäude investiert wird. Bildung lebt aber
ganz entscheidend vom Personal, von Zeit
für die Arbeit mit Menschen. Diese sind in
diesem Prozess nicht zu ersetzen.
Wer deshalb an dieser Stelle Kürzungen
vorsieht, ist verantwortlich für Personalman-
gel. Und für Defizite, zu Lasten anderer! Er
tut dies auf Kosten der Kinder und Jugendli-
chen, die keine optimalen Bedingungen für
ihre Schullaufbahn vorfinden, aber auch auf
Kosten der Wirtschaft, die dann diese schuli-
schen Defizite ausgleichen muss. Oder auf-
grund von Mangel an geeigneten Fachkräf-
ten die eigene Produktion/Dienstleistung
beschränken muss.
Unbedingt Anschluss
halten!
Die Zielrichtung für die Tarifverhandlungen
der Länder kann daher nur dahin gehen, dass
eine Beschäftigung beim Land als attraktiv
und erstrebenswert angenommen wird, so
dass in der Konkurrenz zur Privatwirtschaft
eine erfolgreiche Personalgewinnung gelin-
gen kann. Der Bildungsbereich braucht das
beste Personal und der schulischen Aufgabe
angemessene Unterrichtsstrukturen. Nur so
kann wieder ein positives Gesamtbild von
Schule für Lehrkräfte, aber auch für Schülerin-
nen und Schüler entstehen.
KOMMENTAR
Kein Abschluss
ohne Anschluss!
Schulen zählen zur Infrastruktur einer Gesell-
schaft und ihrer Volkswirtschaft. In vielen Be-
reichen ist diese Infrastruktur leider marode. Das
Infrastrukturprogramm des Bundes soll Abhilfe
schaffen, ist aber mit dem Mangel behaftet,
dass es keine Personalausgaben beinhaltet.
Diese obliegen im Bildungsbereich den Ländern.
Bildung gelingt aber vor allem dann, wenn
genügend Menschen zur Verfügung stehen, die-
se zu vermitteln. Der Bund hat in den vergange-
nen Jahrzehnten den Ländern und Kommunen
weitreichende Aufgaben aufgebürdet, ohne sich
angemessen an den Kosten zu beteiligen. Kos-
ten, die sie in eine massive Verschuldung ge-
führt haben und die nun dazu führen, dass sie
sich nicht in der Lage sehen, das Geld für das
Wesentliche, die Bildung der nachwachsenden
Generation auskömmlich bereitzustellen.
Es ist zudem ein Unding, dass die Bundesländer
selbst als Arbeitgeber in den vergangenen Jahren
Schulen zunehmend mit weiteren Aufgaben be-
traut haben, ohne die personellen Ressourcen
dafür bereitzustellen. Die Lehrkräfte ächzen unter
diesen Arbeitsbedingungen, mit der Folge, dass
die psychischen Erkrankungen im Bildungsbereich
überproportional hoch ausfallen. Ein Umstand,
der den Personalmangel sogar noch verschärft.
Alles in allem Bedingungen, die den Schulen
das Leben schwer machen, ihren Auftrag zu er-
füllen. In vielen Fällen gelingt dies schon nicht
mehr. Deshalb sind die Ergebnisse dieser Tarif-
verhandlungen auch von so eminenter Bedeu-
tung, weil die Gesellschaft im Bildungsbereich
am Scheideweg steht.
Ein Anschluss an die Ergebnisse der Tarifver-
handlungen bei Bund und Kommunen, vor al-
lem aber der Privatwirtschaft sowie eine Ver-
besserung struktureller Arbeitsbedingungen
sind unerlässlich, um das System Schule wieder
auf ‘gesunde Füße’ zu stellen.
Wer im Bildungsbereich Einsparungen vor-
nimmt, der greift das Fundament eines system-
relevanten Bereiches der Gesellschaft an. Das
ist das Problem!
Deshalb ist ein politisches Umdenken unbe-
dingt vonnöten. Denn: Wir sind Teil der Lösung!
Ulrich Gräler
Ulrich Gräler ist Mitglied der dbb-Bundestarifkommission
und
lehrer nrw
-Referatsleiter Tarif
E-Mail: graeler@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
6/2025
22
SCHULE & POLITIK
Von der Last
der schulischen Bürokratie
Eine Klage
S
Sisyphus war ein erbarmungswürdiger
Mann. Er rollte mühsam einen Felsen
den Berg hoch, und dennoch musste
er immer wieder von vorne anfangen, weil
die griechischen Götter den Felsen immer
wieder runterrollen ließen.
Als Lehrer einer Gesamtschule fühle ich
mich ein wenig wie Sisyphus – denn uns
wird ebenfalls wieder und wieder die
gleiche unnötige Arbeit aufgebürdet.
Und dazu zähle ich beileibe nicht den
Elternsprechtagszettel, die Arbeit am
schulinternen Lehrplan oder die Protokolle,
die man anfertigt, wenn schwierige Eltern-
gespräche stattfinden. Es geht hier viel-
mehr um die Dokumentationswut, die eine
Lehrkraft im Laufe eines Schülerlebens er-
dulden und handhaben muss – und man
sich inzwischen ernsthaft fragt, wozu man
den Kram eigentlich macht.
Gehen Sie, liebe Leserin und lieber Leser,
doch bitte mal mit mir die ganzen Zettel,
Notizen und Dokumentationspflichten
durch. Und weil’s ja bürokratisch ist,
ordne ich von Klasse 5 aufsteigend.
dazu. Also wird das Foto von der Lehrkraft
mit Smileys bearbeitet, damit die entspre-
chenden Eltern keinen Klagegrund haben.
Sisyphus würde ausflippen (ich darf’s
nicht), wenn er wüsste, dass die gleichen
Eltern, die ihr Kind nicht auf schulischen
Fotos haben wollen, es oft mit schönster
Selbstverständlichkeit in allen sozialen
Netzwerken posten, weil: »Das ist ja meine
Entscheidung«.
von TOM SCHIPPER
Smileys auf
dem Klassenfoto
Da haben wir zunächst einmal den Zettel
zwecks Datenschutz, der immer bei der An-
meldung ausgefüllt werden muss. An mei-
ner Schule dürfen die Eltern beispielsweise
sechs verschiedene Optionen wählen und
müssen jede mit ‘ja’ oder ‘nein’ beantwor-
ten. Schön, man ist nun auf der rechtlich si-
cheren Seite. Aber das gemeinsame Klas-
senfoto macht nun kaum noch Lust und
Sinn, weil a) man vorher alle Zettel
penibel auswerten muss und
b) in der Regel bis zu vier
Schülerinnen und Schü-
ler nicht mit aufs
Bild dürfen. Dabei
würden sie das
gerne tun,
Stichwort
‘Klassenge-
meinschaft’,
und stellen
sich ein-
fach mit
SCHULE & POLITIK
23
6/2025 ·
lehrer nrw
Tom Schipper ist stellvertretender Vorsitzender
des
lehrer nrw
E-Mail: schipper@lehrernrw.de
Kapitulation vor der Papierflut: Viele Lehr-
kräfte schwanken zwischen Wut und Resignation an-
gesichts überbordender Dokumentationspflichten.
Foto: AdobeStock/detailblick-foto
len Seiten wirklich mit Verstand lesen (kön-
nen). Dass sich vermutlich bei der Hälfte der
Schülerinnen und Schüler über die Jahre
kein nennenswerter Erfolg einstellt, weil er-
gänzend zu den schulischen Bemühungen
keine Unterstützung aus dem Elternhaus
kommt, ist betrüblich. Dass Rechtschreibung
mittlerweile einen deutlich geringeren Stel-
lenwert in den Lehrplänen hat als noch vor
dreißig Jahren, kommt erschwerend dazu.
Dennoch dokumentieren wir uns blöde,
denn Mama und Papa müssen zwar ihr Kind
nicht unterstützen, damit es sein LRS in den
Griff bekommt, können allerdings ggf.
klagen, wenn die Schule keine lückenlose
Dokumentation nachweisen kann.
Eine Entlastung hier,
zwei neue Belastungen dort
Wäre Sisyphus heutzutage Lehrer, würde
ihm eine Sache vermutlich die Zornesröte ins
Gesicht treiben (bei mir ist es so!), und das
ist der neueste tolldreiste Coup des MSB. Wir
erinnern uns: 2022 veröffentlichte das Minis-
terium das ‘Handlungskonzept Unterrichts-
versorgung’ und 2024 dessen Fortschrei-
bung. Ein Punkt in beiden Schriften war die
Reduzierung der Klassenarbeiten in den
Jahrgängen 7, 8 und 10. Dies geschah unter
der Überschrift ‘Wertschätzung und Entlas-
tung’. Die Freude und Dankbarkeit in den
Kollegien war groß, denn auch der Bereich
der Klassenarbeiten kann im weiteren Sinne
dem bürokratischen Bereich zugeordnet wer-
den. Kürzlich veröffentlichte das MSB nun
den ‘Schulkompass 2030’. Und was beinhal-
tet er? Korrekt: mehr Korrekturen, und zwar
in Form von zusätzlichen Lernstandserhe-
bungen in Klasse 5 und 7. Jede Lehrkraft,
die Deutsch, Mathematik oder Englisch un-
terrichtet, weiß, welch ein organisatorischer
Aufwand da auf uns zukommt. Und das ist
ein wesentlich höherer Aufwand als eine
reguläre Klassenarbeit. Und ohne Benotung.
Danke, liebes Ministerium, für nichts. Schüle-
rinnen und Schüler werden nämlich nicht
klüger, wenn man sie noch öfter testet.
Beruhigungsmittel
für Sisyphus
Kommen wir nun zur Mittelstufe, wo sich die
nächste Bürokratiewut aufbaut, und zwar ist
das die Dokumentation der beruflichen Bera-
tung. Es ist unglaublich, welche Zettel wir
Klassenlehrerinnen und -lehrer inzwischen
im Laufe der Schuljahre einsammeln müs-
sen: Girls-/Boys-Day, BFE-Tage, Potenzial-
analyse, Schülerbetriebspraktikum, Progno-
sebögen, Besuch der Ausbildungsmesse …
Ich möchte nicht missverstanden werden:
diese Instrumente der Berufswahlfindung
sind wichtig und richtig. Aber ich habe mich
schon mehrmals gefragt, warum die ganzen
Zettel ausgeteilt, eingesammelt und ausge-
wertet werden müssen. Geht es wirklich um
die berufliche Zukunft der Jugendlichen oder
will man sich mal wieder nur absichern ge-
gen mögliche Klagen wegen was auch im-
mer? Und wenn das alles wirklich helfen
soll: Warum fühlen sich dann deutlich mehr
Jugendliche als früher orientierungslos, was
ihre berufliche Zukunft angeht? Vielleicht,
weil zu viel Auswahl besteht?
Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber
der Platz setzt mir hier Grenzen. Ich glaube,
es ist auch so schon deutlich geworden,
wohin ich will. Und Sisyphus nimmt eh
schon Beruhigungsmittel.
Wie ist Ihre Meinung dazu? Ich freue
mich über Ihre Reaktionen, kritische sowie
zustimmende: schipper@lehrernrw.de
Glutenfrei, laktosefrei,
zuckerfrei, sinnfrei
Weiter geht es mit der ersten Klassenfahrt.
Auf Zetteln wird inzwischen jede Kleinigkeit
vermerkt, was das Essen angeht. Diese ei-
gentlich sehr gute Praxis (Feststellung von
Nahrungsmittelallergien, religiöse Bestim-
mungen) ist mittlerweile pervertiert worden.
Denn so manche Eltern geben mittlerweile
alles an, von dem sie meinen, dass es für ihr
Kind wichtig ist, weil gerade die neueste er-
nährungswissenschaftliche Erkenntnis als
Sau durchs Dorf getrieben wird: nur helles
Fleisch, kein Weißmehlbrot, aber Toastbrot
darf schon, Gemüse nur gedünstet und so
weiter und so fort. Da werden dann alle An-
gaben – die wirklich wichtigen (s.o.) ebenso
wie der Unsinn – hübsch gesammelt, auf
einem Extrablatt zusammengestellt und von
der Lehrkraft mit roten Ohren an die Küche
der Herberge übergeben.
Wir dokumentieren
uns blöde
Ein ‘schöner’ Zeitvertreib ist auch die Doku-
mentation der LRS-Förderung. Das System
der Schulen, die Schülerinnen und Schüler
adäquat zu fördern, muss immer ausgeklü-
gelter sein, um dokumentieren zu können,
was man als Schule in dieser Hinsicht alles
gemacht hat. Es beginnt mit einem
Sprachstandstest, der ausgewertet
werden muss und dessen mehrseiti-
ge Ergebnisdokumentation an
die Eltern geht. Ich frage mich
oft, wie viele Eltern die vie-
lehrer nrw ·
6/2025
24
FORTBILDUNGEN
Deeskalation und
Glücksforschung
Wie Lehrkräfte wirkungsvoll auf aggressi-
ves Verhalten von Schülerinnen und Schü-
lern reagieren können, ist Thema eines
Seminars von
lehrer nrw
. In einer anderen
Fortbildung erfahren die Teilnehmenden,
wie man mit Instrumenten der Glücksfor-
schung das eigene Wohlbefinden stärkt.
Weitere Seminar-Highlights finden Sie in
der Tabelle rechts.
ANMELDUNG
www.lehrernrw.de/lehrernrw-de-fortbildungen/lehrernrw-de-fortbildungsuebersicht/
Aggressive und gewaltaffine Schülerinnen und
Schüler sorgen in vielen Schulklassen für Unruhe. Wie Lehrkräfte ihnen
deeskalierend begegnen können, erklärt Lea Lindemann am 19. Februar.
Foto: AdobeStock/Iriyalo
»Schule ist Haltung: Gewaltfrei kommunizieren
und Eskalation vorbeugen«
Schon lange gehört aggressives und gewaltaffines Verhalten von Schü-
lerinnen und Schülern zum Alltag so mancher Lehrkraft. Nicht selten
eskalieren Konfliktsituationen schneller, als wir handeln können.
In diesem Seminar werden theoretische Hintergründe zu Eskalations-
prozessen erklärt und Sie erhalten praktische und praxisorientierte Tipps,
wie diese unterbrochen und anhand von Deeskalationsstrategien und der
gewaltfreien Kommunikation im Vorfeld vermieden werden können.
Darüber hinaus finden Methoden des Classroom-Managements Ein-
zug in Ihr unterrichtliches Handeln, die eine klare Haltung ermöglichen,
Grenzen aufzeigen und gleichzeitig Raum bieten, um aggressive Schü-
lerinnen und Schüler abzuholen, zu entspannen und erfolgreich in das
Klassensystem zu integrieren.
Inhalte:
Grundlagen der konfrontativen Pädagogik
Classroom-Management zum Einführen,
Festigen und Stärken der pädagogischen Haltung
Neurobiologische Hintergründe zu den Bereichen
Eskalation und Deeskalation
Referentin: Lea Lindemann
Seminar-Nr.: 2026-0219
Termin: Donnerstag, 19. Februar 2026, von 9:00 Uhr bis 16:30 Uhr
Ort: Ringhotel Drees, Hohe Straße 107, 44139 Dortmund
Kosten: 169 Euro für
lehrer nrw
Mitglieder,
219 Euro für sonstige Teilnehmer (inklusive Tagesverpflegung)
Anmeldeschluss: 15. Januar 2026
»Herr Rossi sucht das Glück«
Wie Sie mit Aspekten der Glücksforschung
das Wohlbefinden stärken
Zufriedener und glücklicher leben, die eigenen Stärken ein-
setzen, stressresistenter werden … dafür bietet die Positive
Psychologie – auch Glücksforschung genannt – hilfreiche
und gut erforschte Ansätze. Die Teilnehmenden lernen im
Seminar praxisnahe Übungen der Positiven Psychologie
kennen, die leicht für sich selbst und mit anderen im Alltag
integriert werden können.
Inhalte:
Was ist Glück überhaupt?
Was macht uns Menschen glücklich?
Welche Eigenschaften und Strukturen sind dazu nötig?
Welche positiven Auswirkungen hat Glück?
Was können wir aktiv tun,
um ein höheres Wohlbefinden zu erlangen?
Wie können wir Schülerinnen und Schüler beim Heran-
wachsen zu glücklichen, gesunden Menschen begleiten?
Referentin: Yvonne Michel
Seminar-Nr.: 2026-0226
Termin: Donnerstag, 26. Februar 2026, von 9:00 Uhr bis
17:00 Uhr
Ort: Leonardo Düsseldorf City Center, Ludwig-Erhard-Allee 3,
40227 Düsseldorf
Kosten: 169 Euro für
lehrer nrw
Mitglieder, 219 Euro für
sonstige Teilnehmer (inklusive Tagesverpflegung)
Anmeldeschluss: 22. Januar 2026
www.lehrernrw.de
Seminar Nr. Titel Kurzinhalt Referenten Wo Wann Uhrzeit
Gebühr
lehrer nrw-
Mitglied
Gebühr
sonst.
Teilnehmer
Anmelde-
schluss
2026-0113 »Dieses Mal schaffe ich es endlich besser
mit der Selbstfürsorge!« Ressourcen-
und Selbstwirksamkeitscoaching
In diesem praxisorientierten Coaching soll es um folgende Fragen gehen: Was brauche ich,
um mental und körperlich gesund zu bleiben und mich dem Schulalltag gewachsen zu fühlen?
Was mache ich schon gut, was will ich in diesem Schuljahr ändern?
Claudia Schäfer Sure Hotel
Schwanenstraße 27
40721 Hilden
Dienstag
13.01.2026
13.30 bis
17:00 Uhr
90 130 12.12.25
2026-0119 Chaos im Klassenzimmer:
Herausforderndes Verhalten von
Schülerinnen und Schülern entschärfen
Lernen Sie Erscheinungsformen von und vor allem Ursachen für auffällige Verhaltensweisen kennen.
Erarbeiten Sie praxisorientierte Strategien und alltagstaugliche Entscheidungsmöglichkeiten,
um zukünftig diesen Kindern ganz anders, gestärkt, ruhig und beharrlich entgegen treten zu können.
Lea Lindemann Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Montag
19.01.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 15.12.2025
2026-0122 »Alle mal herhören, bitte!« –
Die Stimme als unterschätzter
Erfolgsfaktor im Unterricht
In diesem Seminar geht es darum, wie Sie Ihre Stimme und Ihre Sprache in unterschiedlichen Unter-
richtssituationen variabel und zielführend verwenden können. Darüber hinaus werden Tipps für einen
schonenden Umgang mit der Stimme gegeben.
Gabi Schmidt Premier Inn Köln City Mediapark
Hansaring 97
50670 Köln
Donnerstag
22.01.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 18.12.2025
2026-0210 »Kinder und Jugendliche stark machen« –
Prävention von Mobbing in meiner Klasse
In dieser praxisorientierten Modulreihe geht es darum, Wege und Methoden kennen zu lernen, die den
Kindern helfen, auf der Grundlage gegenseitiger Wertschätzung zu ihrer mentalen Stärke zu finden.
Claudia Schäfer Sure Hotel
Schwanenstraße 27
40721 Hilden
Dienstag
10.02.2026
13.30 bis
17:00 Uhr
90 130 09.01.2026
2026-0211 »Den Berufseinstieg meistern« – Profi-
Support für Seiteneinsteiger, Vertretungs-
lehrkräfte und andere Novizen
Der Anfang im Schuldienst kann hart sein: eine Fülle didaktischer Fragen, Probleme mit der Klassenfüh-
rung, Umgang mit Unterrichtsstörungen. Als erfahrene und begeisterte Lehrkraft will der Referent Sie
dabei unterstützen, sich manches zu erleichtern, sich nicht unnötig aufzureiben und Unannehmlichkei-
ten gewinnbringend durchzustehen.
Michael Felten Hotel Begardenhof
Brückenstraße 41
50996 Köln-Rodenkirchen
Dienstag
10.02.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 09.01.2026
2026-0218 »Aufgeben?! Für mich keine Option!« –
Unterrichten mit 50+
Modul 1 – Mein Growth Mindset • Wie entwickle ich einen gesunden Umgang mit der Digitalisierung –
im Schulalltag und nach der Schule? • Strategien, um Überlastung zu vermeiden • Konferenz-Yoga
• Meditation und Achtsamkeit im Alltag • Bewussterer Umgang mit den eigenen Glaubenssätzen –
was will ich ändern? • Übungen aus dem Bereich des Business-Yoga
Claudia Schäfer
und
Ulrike Fischer
Sure Hotel
Schwanenstraße 27
40721 Hilden
Mittwoch
18.02.2026
12:30 bis
17:00 Uhr
100 150 14.01.2026
2026-0219 Schule ist Haltung:
Gewaltfrei kommunizieren und
Eskalation vorbeugen
In diesem Seminar werden theoretische Hintergründe zu Eskalationsprozessen erklärt und Sie erhalten
praktische und praxisorientierte Tipps, wie diese unterbrochen und anhand von Deeskalationsstrategien
und der gewaltfreien Kommunikation im Vorfeld vermieden werden können.
Lea Lindemann Ringhotel Drees
Hohe Straße 107
44139 Dortmund
Donnerstag
19.02.2026
09:00 bis
16.30 Uhr
169 219 07.01.2026
2026-0226 »Herr Rossi sucht das Glück« –
Wie Sie mit Aspekten der Glücks-
forschung das Wohlbefinden stärken
Zufriedener und glücklicher leben, die eigenen Stärken einsetzen, stressresistenter werden. Dafür bietet
die Positive Psychologie – auch Glücksforschung genannt – hilfreiche und gut erforschte Ansätze.
Yvonne Michel Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Donnerstag
26.02.2026
09:30 bis
17:00 Uhr
169 219 22.01.2026
2026-0305 »Generation Alpha: Schülerinnen und
Schüler ohne Zuversicht und Anstre-
gungsbereitschaft? Kleine Nudging-Ideen
Im Seminar betrachten wir kurz die aktuelle Studienlage, um ‘diese Generation’ besser verstehen zu
können. Wir erkennen ihre Besonderheit und schauen in die lösungsorientierte Beratung, die hier Ideen
anbietet, mit kleinen Kniffen die Zuversicht und Anstrengungsbereitschaft ein wenig anzustupsen.
Tanja Schmitz-
Remberg
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Donnerstag
05.03.2026
09:30 bis
16:00 Uhr
169 219 29.01.2026
lehrer nrw ·
6/2025
26
SENIOREN
PPoottssddaamm
bbeeii jjeeddeemm WWeetttteerr eeiinnee RReeiissee wweerrtt!!
Dem Alten Fritz’ auf der Spur: die
lehrer nrw
Gruppe vor Schloss Sanssouci.
Mit dem Schiff ging es über die Havel auf Schlössertour.
Blick ins Holländische Viertel.
G
Gleich nach der Ankunft im Hotel,
in dem wir uns gut aufgehoben fühl-
ten, stand die erste Unternehmung
auf dem Programm: eine umfassende, span-
nende und fröhliche Führung durch die Ale-
xandrowka. Die in den 1830er Jahren errich-
tete russische Kolonie ist beeindruckend und
voller Überraschungen. So erfuhren wir bei-
spielsweise, dass dort rund 1358 Obstbäu-
me mit über 300 historischen Apfel- sowie
Die diesjährige Herbstfahrt vom 27. bis 31. Oktober bot sowohl Regen als auch Sonne. Doch diese
Wechselhaftigkeit konnte die Reiselust und die gute Laune der
lehrer nrw
Gruppe nicht schmälern.
Die Seniorinnen und Senioren machten das Beste draus und genossen die gemeinsamen Tage in
vollen Zügen.
27
6/2025 ·
lehrer nrw
SENIOREN
Vorläufige
Planung für 2026
Die Planungen für das Exkursions-
und Veranstaltungsprogramm der
lehrer nrw
-Senioren im kommenden
Jahr sind in vollem Gange. Einige
Termine stehen noch nicht auf den
Tag genau fest. Hier ein erster Über-
blick (Änderungen vorbehalten).
10./11. Februar
Köln: IT-Computerschulung
18. März
Mülheim a. d. Ruhr: Max-Planck-
Institut (Kohleforschung) und
Kunstmuseum Sammlung Ziegler
16. April
Köln: Melaten-Friedhof,
anschließend Mittagessen im
Brauhaus (evt. noch Besuch
des Hennesjetheaters)
Mai (21. KW)
Bad Sassendorf
ab 15. oder ab 22. Juni
vier- bis fünftägige
Reise ins Saarland
September
Fahrt in die Region Bielefeld
4. bis 8. Oktober
Harz-Reise nach Bad Lauterberg
November (45. KW)
Bocholt: Textil-Museum
Dezember
Aachen: Firma Talbot
(Schienenfahrzeughersteller)
und Printenbäckerei Klein
Zu guter Letzt
Ihnen und Ihren Familien wünsche ich eine schöne und entspannte Vorweihnachtszeit und wunderschöne Weihnachtsfeiertage.
Für das neue Jahr wünsche ich allen beste Gesundheit und viele frohe und glückliche Stunden.
Monika Holder
Leiterin des Referats Seniorinnen und Senioren im
lehrer nrw
Die russische Kolonie Alexandrowka
war ein Highlight der Fahrt.
weiteren Obstsorten wie Birnen, Kirschen,
Quitten und Pflaumen wachsen – eine
Tatsache, die uns doch sehr erstaunte.
Zu Land und zu Wasser
unterwegs
Am nächsten Tag erwartete uns am Vormit-
tag bereits der Alte Fritz’ zur Stadtrund-
fahrt. Trotz des Regens konnten wir die
wichtigsten Punkte mit dem Regenschirm
erkunden und freuten uns anschließend auf
das bestellte Mittagessen in den freundli-
chen und trockenen Räumen des Restau-
rants El Puerto, direkt gegenüber der Anle-
gestelle für das Ausflugsschiff. Zur anschlie-
ßenden Schlösserrundfahrt hörte der Regen
auf und die Sonne kam hervor. So konnten
wir vom Schiff aus die Aussicht auf die
Schlösser und weitere Sehenswürdigkeiten
sowie den stimmungsvollen Sonnenunter-
gang genießen.
In Sanssouci auf den
Spuren des Alten Fritz’
Der folgende Tag entschädigte uns mit Son-
nenschein und angenehmen Temperaturen.
So ließen wir den Schlosspark Sanssouci und
seine herbstliche Färbung auf uns wirken.
Eine entspannte Audioguide-Führung durch
das Schloss gewährte uns Einblicke in die
Lebensumstände des Alten Fritz’ und infor-
mierte uns über seine Vorlieben. Anschlie-
ßend konnte jede und jeder den Nachmittag
individuell gestalten, das sonnige Wetter bei
einer Außengastronomie genießen oder eine
der zahlreichen Ausstellungen besuchen.
Das gemeinsame Abendessen fand im
Restaurant Alexandrowka statt, wo wir
russische Spezialitäten wie Soljanka und
Borschtsch serviert bekamen.
Tour durch Berlin
Der Ausflug nach Berlin begann mit einer
Hop-on-Hop-off-Bustour, die uns an den
wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeiführ-
te. Zwar regnete es erneut, doch zumindest
saßen wir im Trockenen. Glücklicherweise
besserte sich das Wetter nach der ersten
Runde, sodass alle ihre Berlin-Visite an-
schließend selbstständig gestalten konnten.
Am Abend ließen wir unsere Reise beim
gemeinsamen Essen in der Historischen
Mühle ausklingen und verbrachten danach
noch eine gesellige Runde in der Hotellobby.
Wir blicken auf eine erlebnisreiche und –
trotz einiger Regenschauer – sehr angeneh-
me Herbstfahrt zurück, bei der es viel zu se-
hen und zu entdecken gab. Monika Holder
Foto: AdobeStock
lehrer nrw ·
6/2025
28
Und wieder mal:
Entfristung bei Vertretungslehrkräften
Vertretungslehrkräfte arbeiten befristet. Wem kann man aber verdenken,
dabei nicht auch die Entfristung des Arbeitsverhältnisses im Blick zu haben?
A
Als Vertretungslehrkraft in Nord-
rhein-Westfalen zu arbeiten – das
wäre doch was. Sich zu entschei-
den, in einer Zeit hohen Lehrkräftebedarfs
die Schulen in Nordrhein-Westfalen bei der
Sicherung des Unterrichts zu unterstützen
und damit Unterrichtsausfall zu vermeiden.
Mit Engagement und der eigenen individu-
ellen persönlichen Berufsbiographie das
Schulleben zu bereichern und eine wertvolle
Unterstützung zur Erfüllung des Bildungs-
und Erziehungsauftrags unserer Schulen zu
leisten.
Mit diesen Worten wird im Vorwort eines
Orientierungsleitfadens der QUA-LIS NRW,
der Qualitäts- und Unterstützungsagentur –
Landesinstitut für Schule, der Beruf der Ver-
tretungslehrkraft beschrieben und bewor-
ben1. Diese wohlformulierten Worte bringen
auf den Punkt, was man im Allgemeinen
von Vertretungslehrerinnen und
-lehrern mit ihren befristeten Arbeitsverhält-
nissen hält und warum man froh ist, dass es
sie gibt. Vorteile der Erteilung von Unterricht
im Rahmen einer befristeten Anstellung lie-
gen ja auch auf der Hand, angefangen von
der Sammlung frühzeitiger Erfahrungen im
Unterrichten bis hin zur Gelegenheit, be-
stimmte Wartezeiten überbrücken zu kön-
nen.
Die Hoffnung auf Entfristung
Das muss aber nicht darüber hinwegtäu-
schen, dass viele Vertretungslehrkräfte über
befristete Verträge ein derartiges befristetes
Arbeitsverhältnis beim Land NRW auch des-
halb eingehen, weil sie die Hoffnung haben,
dass dieses nach einer bestimmten Zeit ent-
fristet, das heißt in ein unbefristetes Be-
schäftigungsverhältnis an der Einsatzschule
umgewandelt wird. Wem sollte man auch
verdenken, dass er die eigenen Zukunftsaus-
sichten im Hinblick auf eine beruflich und
letztlich finanziell leichtere Planbarkeit ver-
bessern will?
Gerade in Zeiten massiven Lehrkräfte-
mangels kein allzu verkehrter Plan. Vor die-
sem Hintergrund klingelte es vermutlich in
den Ohren vieler Vertretungslehrerinnen und
-lehrer hell auf, als das Schulministerium
NRW vor ungefähr zweieinhalb Jahren im
Kontext des Handlungskonzeptes Unter-
richtsversorgung einen Erlass herausgege-
ben hatte, wonach eine Entfristung bereits
nach einer bis dato fast ausgeschlossenen
Zeitdauer von nur drei Jahren und bei Vor-
liegen ganz eindeutig festgelegter Voraus-
setzungen möglich werden konnte. Die Re-
gelungen galten für Lehrerinnen und -lehrer
an Grundschulen, an der Sekundarstufe I
und an Förderschulen. Voraussetzung war,
dass die betreffende Person mindestens
über einen Bachelorabschluss an einer
Hochschule verfügte,
dass sie in Summe mindestens drei Jahre
im Umfang von mindestens einer halben
Stelle innerhalb eines Zeitraumes von
fünf Jahren tätig war,
dass sie für die Übernahme in ein
Dauerschulbeschäftigungsverhältnis
geeignet war und
dass der Personalbedarf nicht anders
gedeckt werden konnte.
Eine gute und eine
weniger gute Nachricht
Zunächst war diese Maßnahme zur Personal-
gewinnung selbst befristet – bis zum 30.
April dieses Jahres, mit einem Evaluations-
vorhaben. Die gute Nachricht: Diese Praxis
wird aber tatsächlich auch noch fortgeführt2.
Die nicht so gute Nachricht allerdings: Diese
Möglichkeiten bestehen nach wie vor insbe-
sondere nur an den ausdrücklich genannten
Schulformen und auch nur dann, wenn das
notwendige Personal nicht durch herkömm-
RECHT§AUSLEGER
von CHRISTOPHER LANGE
Die berüchtigte Befristungskette durchbrechen: Vertretungslehrkräfte,
die immer wieder mit dem nächsten befristeten Beschäftigungsverhältnis vertröstet werden,
können sich möglicherweise auf Rechtsmissbrauch berufen.
Foto: AdobeStock/Justlight
Beschäftigungsdauer von sieben Jahren auf
Rechtsmissbräuchlichkeit zu überprüfen und
dabei einen wohlwollenden Maßstab anzu-
legen. Nach einem Urteil des Bundesarbeits-
gerichts aus dem Jahr 2016 liegt ein Miss-
brauchsverdacht bei einer Gesamtdauer von
mehr als sechs Jahren und insgesamt unge-
fähr zehn Einzelverträgen vor. In diesen Fäl-
len gilt es, bei der jeweiligen Bezirksregie-
rung die Entfristung zu beantragen, was im
Allgemeinen bedeutet, dass der letzte Ver-
trag grundsätzlich mit seinen jeweiligen Be-
stimmungen für unbefristet erklärt wird. Hat
man damit keinen Erfolg, kann man eine ar-
beitsgerichtliche Klage in Erwägung ziehen.
1 230731_broschuere_vertretungslehrkraft_nrw.pdf,
abgerufen am 13. November 2025
2 Missverständlicherweise geht dies aus dem Internetauf-
tritt des MSB nicht hervor, siehe https://www.schulminis-
terium.nrw/handlungskonzept-unterrichtsversorgung,
abgerufen am 13. November 2025
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange leitet die Rechtsabteilung
des
lehrer nrw
E-Mail: Rechtsabteilung@lehrernrw.de
lich einzustellende Lehrkräfte rekrutiert
werden kann, was sich nicht zuletzt auch
regional unterschiedlich gestalten kann.
Manch einer mag die engen Vorausset-
zungen im Zuge einer gewissen Euphorie
über diese bis dahin unbekannt frühen Ent-
fristungsmöglichkeiten zunächst übersehen
haben. So schnell, wie diese schnelle Entfris-
tungsmöglichkeit am Himmel der Varianten,
als Lehrerin oder Lehrer arbeiten zu können,
aufgetaucht ist, so schnell könnte sie daher
wieder verschwunden sein.
Verträge auf Rechts-
missbrauch prüfen
Deshalb sollte man aber bei Interesse, aus
einem befristeten Vertrag ein unbefristetes
Arbeitsverhältnis zu machen, nicht verza-
gen, sondern sich wieder weitere Gründe
und Konstellationen vor Augen führen, die
eine Durchsetzung einer Entfristung wahr
werden lassen können. In diesem Zusam-
menhang ist insbesondere wieder an das
Stichwort Rechtsmissbrauch zu denken, der
vorliegen kann, wenn sich bei einer Vertre-
tungslehrkraft mit den Jahren quasi ketten-
artig mehrere befristete Beschäftigungsver-
hältnisse aneinandergereiht haben. In
diesen Fällen können bereits unabhängig
davon, ob die einzelnen Verträge für sich
gesehen rechtlich einwandfrei sind, die
Gesamtzahl der Verträge und die gesamte
aufsummierte Laufzeit für einen Rechtsmiss-
brauch sprechen. Zur Beurteilung des Einzel-
falls werden vor allem auch die Laufzeiten
der einzelnen Verträge, dazwischen liegende
Unterbrechungen, nicht konkret benannter
Vertretungsbedarf, wechselnde Einsatzorte
und Schulformen sowie der Beschäftigungs-
umfang herangezogen.
Maßstab: Sechs Jahre
und zehn Einzelverträge
Bereits vor über zehn Jahren hatte das
Schulministerium die Bezirksregierungen
angewiesen, Kettenbefristungen nach einer
lehrer nrw ·
6/2025
30
ANGESPITZT
D
Die Oberen in der kleinen Kleinstadt
irgendwo in der Mitte zwischen
Nordrhein und Westfalen sind mächtig
stolz auf ihr Gymnasium. Nicht so sehr
wegen der hervorragenden Arbeit, die
Lehrer- und Schülerschaft dort leisten.
Nein, es ist mehr wegen der erst kürz-
lich feudal modernisierten Aula (die
Fördermittel für die Sanierung der ma-
roden Schultoiletten waren da kreativ
umgewidmet worden). Dazu muss man
wissen, dass Gastwirt Atze Kuballek
kürzlich die letzte Kneipe im Ort schlie-
ßen musste (wegen Einsturzgefahr, hat
ein so genannter Sachverständiger
behauptet). Und dann war auch noch
diese dumme Sache mit dem nicht ganz
so legalen Anbau eines Partyraums am
Feuerwehrgerätehaus aufgeflogen,
was zum behördlicherseits verordneten
Sofortabriss führte (ironischerweise we-
gen gravierender Brandschutzmängel,
aber das nur am Rande).
Das bedeutet, dass das Gymnasium
der einzige Ort ist, den man für Veran-
staltungen nutzen kann. Leider geht das
bisher nur am Wochenende, weil dann
weder Kinder noch Schulpersonal da
sind. Da trifft es sich prima, dass die
NRW-Landesregierung kürzlich eine
Aktualisierung der Distanzunterrichts-
verordnung beschlossen hat. Die besagt,
dass der ganze Schulapparat nicht mehr
nur wegen eines epidemischen Infekti-
onsgeschehens (Stichwort Corona) und
Extremwetterlagen (Stichwort hitzefrei,
Schneesturm, Tornado) ins Home Office
geschickt werden kann, sondern auch
bei zwei weiteren Szenarien: Zum einen
kann Distanzunterricht künftig stattfin-
den, wenn das Schulgebäude aufgrund
einer religiösen, wissenschaftlichen oder
kulturellen Veranstaltung von landes-
oder bundesweiter Bedeutung vorüber-
gehend nicht zur Verfügung steht. Zum
anderen ist Distanzunterricht möglich,
wenn ein unvorhersehbares Ereignis
(Stichwort Großbrand, Hochwasser und
sonstige Katastrophen) eine konkrete
Gesundheitsgefahr darstellt.
Was für eine Steilvorlage! Da erge-
ben sich plötzlich völlig neue Perspekti-
ven für die notorisch klamme kleine
Kleinstadt. Während Schüler und Lehr-
kräfte zuhause hocken und am lahmen
Internet verzweifeln, finden in der Aula
Top-Events mit überregionaler Strahl-
kraft statt. Nun ja, der erste Versuch ei-
nes internationalen Skatturniers war
noch ausbaufähig, weil der eigens en-
gagierte Belgier sich verfahren hatte, so
dass nur noch der Quoten-Holländer
blieb, der dem dreiköpfigen Skatklub
‘Ramschware’ immerhin einen Hauch
internationalen Flairs verlieh.
Aber ein Anfang ist gemacht.
Und Atze Kuballek hat schon Interesse
bekundet, im Lehrerzimmer einen Aus-
schank zu eröffnen. Läuft! Jochen Smets
Top-Events in der Schul-Aula
Spiegelbild zeichnen
Stellen Sie sich vor, diese
Stadtsilhouette würde
sich in einer glatten
Wasseroberfläche spie-
geln. Alles erscheint auf
dem Kopf – Linien,
Formen, Proportionen.
Zeichnen Sie in der
unteren Bildhälfte so
präzise wie möglich das
Spiegelbild der oberen
Silhouette ein. Achten
Sie dabei besonders auf
Höhen, Abstände und
markante Konturen.
Loblied an Sie
In diesem Text sind
die Leerzeichen
verschwunden. Versu-
chen Sie, ihn trotzdem
zügig zu lesen. Schaf-
fen Sie es auch, wenn
Sie den Text auf den
Kopf drehen?
Über Feedback zu meinen Gehirnjogging Übungen würde ich mehr sehr freuen: mail@heike-loosen.de Heike Loosen
Sätze mit Homonymen und Homophonen
Homonyme sind Teekesselchen. Sie
klingen gleich, sehen gleich aus, bedeuten
aber je nach Zusammenhang etwas anderes.
Beispiel: Die Lehrkraft zog die Tür
ins Schloss, denn die Klasse macht
einen Ausflug nach Schloss Burg.
Homophone sind Wörter, die gleich klingen,
aber unterschiedlich geschrieben werden und
eine andere Bedeutung haben.
Beispiel: Mit Hilfe einiger Technik-Gadgets, die
James Bond von Q erhalten hat, gelang ihm ein groß-
artiger Coup, bei dem auch eine Kuh zum Einsatz kam.
Aufgabe: Formulieren Sie ei-
gene Sätze, in denen Wörter mit
mehreren Bedeutungen vorkom-
men – entweder als Homonyme
oder als Homophone. Achten
Sie darauf, dass beide Bedeutun-
gen im Satz deutlich werden.
SIEBEGLEITENJUNGEMENSCHENDURCHTAGE,ANDENENALLESMÖGLICHSCHEINT,
UNDDURCHTAGE,ANDENENSELBSTKLEINESCHRITTESCHWERFALLEN.
SIEGEBENHALT,BEVORJEMANDDARUMBITTET,UNDZUVERSICHT,WENNSIEAMDRINGENDSTENGEBRAUCHTWIRD.
SIEERKENNENFUNKEN,DIENOCHNIEMANDSIEHT,UNDSCHÜTZENSIE,BISDARAUSMUTENTSTEHENKANN.
VIELESVONDEM,WASSIEBEWIRKEN,BLEIBTUNSICHTBAR –DOCHESBLEIBT.
INENTSCHEIDUNGEN,INWORTEN,INERINNERUNGEN,DIENOCHJAHRESPÄTERWÄRMEN.
WENNDERALLTAGLAUTWIRDUNDDERDANKLEISE,DENKENSIEDARAN:IHREARBEITSCHREIBTSPURENINDIEZUKUNFT,
UNDKAUMJEMANDSONSTGESTALTETSIESONAHUNDSOBEDEUTSAMWIESIE.
HIRNJOGGING
31
6/2025 ·
lehrer nrw
AUFGABE 1
AUFGABE 2
AUFGABE 3