3Unter der Lupe
Hauptschule
im Fokus
22 Schule & Politik
Von der Notwendigkeit,
auf schulische Konzepte
zurückgreifen zu können
28 Recht§ausleger
Keine Bagatelle!
6Im Brennpunkt
Gemeinsam
Verantwortung
übernehmen
Braucht es ein
Handyverbot?
Pädagogik & Hochschul Verlag . Graf-Adolf-Straße 84 . 40210 Düsseldorf · Foto: AdobeStock
1781 | Ausgabe 1/2026 | FEBRUAR | 70. Jahrgang
INHALT
lehrer nrw ·
1/2026
2
IMPRESSUM
lehrer nrw
– G 1781 –
erscheint sechs Mal jährlich
als Zeitschrift des
‘lehrer nrw’
ISSN 2568-7751
Der Bezugspreis ist für
Mitglieder des
‘lehrer nrw’
im Mitgliedsbeitrag enthal-
ten. Preis für Nichtmitglieder
im Jahresabonnement:
35,– inklusive Porto
Herausgeber und
Geschäftsstelle
lehrer nrw e.V.
Nordrhein-Westfalen,
Graf-Adolf-Straße 84,
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Redaktion
Sven Christoffer,
Christopher Lange,
Tom Schipper,
Jochen Smets,
Sarah Wanders,
Tobias Braune,
Düsseldorf
Verlag und
Anzeigenverwaltung
PÄDAGOGIK &
HOCHSCHUL VERLAG
dphv-verlags-
gesellschaft mbH,
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Anzeigenpreisliste Nr. 24
vom 1. Oktober 2023
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lehrer nrw
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Namentlich gekennzeichnete
Beiträge geben die Meinung
ihrer Verfasser wieder.
UNTER DER LUPE
Sven Christoffer:
Hauptschule im Fokus 3
BRENNPUNKT
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Eine starke Partnerschaft zwischen Schule,
Eltern und Kommune ist eine Kern-
voraussetzung für gelingende Bildung 6
JUNGE LEHRER NRW
Tobias Braune: Das Update,
auf das wir gewartet haben?
Digitalpakt 2.0: Was jetzt passieren
muss und was nicht passieren darf 8
TITEL
»Die Handys müssen raus
aus den Klassenzimmern«
Interview mit dem Erziehungswissenschaftler
Prof. Dr. Klaus Zierer 10
Jochen Smets: So sind die
Handyregeln an NRW-Schulen 12
SCHULE & POLITIK
»…und seid menschlich!« 13
ABC-Klassen für einen
besseren Schulstart 14
Post für die Ministerin 18
Entwicklungshilfe mit
Realschul-Unterstützung 20
Tom Schipper: Von der Notwendigkeit,
auf schulische Konzepte zurückgreifen
zu können 22
FORTBILDUNGEN
Souveräner Auftritt 24
SENIOREN
Kultur und Genuss in und um Saarbrücken 26
Herbstreise: Fünf Tage
auf der Sonnenseite des Harzes 26
Drei Tagestouren
Im Zeichen von Wissenschaft, Salzwelten,
Prominenten und Karnevalisten 27
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange:
Keine Bagatelle! 28
ANGESPITZT
Jochen Smets: Ein winterliches
Shitstörmchen 30
HIRNJOGGING
Aufgabe 1: Karneval-Wortgitter
Aufgabe 2: Karneval-Anagramme
Aufgabe 3: Sätze mit Homonymen
und Homophonen 31
Hauptschule
im Fokus
Zukunftsperspektiven für eine
zu wenig wertgeschätzte Schulform.
A
Am 13. Januar war ich zu einer Sachverstän-
digenanhörung im Landtag eingeladen, in
der ein Antrag der FDP-Fraktion zum Thema
»Bildung mit Profil – Hauptschulen zu modernen
‘Praxis-Schulen’ weiterentwickeln« diskutiert wurde.
Grund genug, mich im Vorfeld noch einmal intensiv
mit der Gegenwart und den Zukunftsperspektiven
dieser aus meiner Sicht viel zu wenig wertgeschätz-
ten Schulform auseinanderzusetzen.
Im Schuljahr 2005/2006 gab es in Nordrhein-
Westfalen noch 730 Hauptschulen. Nicht einmal eine
Dekade später (2013/2014) lag ihre Zahl nur noch
bei 535, heute sind es 159. Was war passiert? Im
Jahr 2011 hatte der Landtag ein Gesetz beschlossen,
mit dem die institutionelle Garantie der Hauptschule
in der Landesverfassung aufgegeben wurde. Ab die-
sem Zeitpunkt erfolgte ein drastischer Einbruch,
erst seit dem Schuljahr 2023/2024 liegt die Zahl der
Hauptschulen stabil auf dem Niveau von 159 Ein-
richtungen. Die Landesregierung erklärt diese Ent-
wicklung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage
folgendermaßen: »Die Abnahme der Zahl der Haupt-
schulen in dem benannten Zeitraum beruht auf ei-
nem geänderten Schulwahlverhalten und der aus-
laufenden Auflösung von Hauptschulen infolge der
Errichtung von Sekundarschulen und Gesamtschulen
im Nachgang des Schulkonsenses.« Das ist faktisch
richtig, greift aus meiner Sicht aber dennoch zu kurz.
Abitur für alle?
Das veränderte Schulwahlverhalten hängt eng mit
einer veränderten Anspruchshaltung der Eltern zu-
sammen. Ziel der schulischen Laufbahn ist immer
häufiger das Abitur. Für mich ist das »Abitur für
alle« aber nicht der allein selig machende Weg –
weder mit Blick auf das einzelne Kind, noch aus
gesamtgesellschaftlicher Perspektive. Dabei wird
zudem oft verkannt, dass an der Hauptschule jeder
Abschluss der Se-
kundarstufe I vergeben
wird, also auch der mittlere Schulab-
schluss mit Qualifikationsvermerk, der zum
Besuch der gymnasialen Oberstufe berechtigt.
Sträflich vernachlässigt
Das weitaus größere Problem ist jedoch, dass sich
die Hauptschule trotz hervorragender Arbeit in der
öffentlichen Wahrnehmung und beim Image unter
dem Radar bewegt. Und das hat viel damit zu tun,
dass diese Schulform seit Jahrzehnten trotz anders-
lautender Lippenbekenntnisse nicht im Fokus von
Politikerinnen und Politikern steht. Die Wahrheit ist:
Sie wurde sträflich vernachlässigt.
Eine löbliche Ausnahme ist der Hauptschultag,
den Schulministerin Dorothee Feller 2024 unter dem
Motto ‘#Hauptsache Hauptschule’ ins Leben gerufen
hat. Auf Dauer braucht es allerdings mehr als Sym-
bolpolitik, um die Hauptschulen in Nordrhein-West-
falen nachhaltig zu stärken.
Die Hauptschule als Praxis-Schule
Die Fraktion der FDP stellt sich mit dem Antrag
»Bildung mit Profil – Hauptschulen zu modernen
‘Praxis-Schulen‘ weiterentwickeln« dieser Aufgabe.
Sie intendiert, die Hauptschule als eigenständige
Schulform zu stärken, indem sie zur modernen ‘Praxis-
Schule’ weiterentwickelt wird. Ich halte den Weg, die
Hauptschulen durch eine am Praxislernen ausgerich-
tete Profilschärfung zukunftsfest zu machen, für rich-
tig und zielführend. Eine derart profilierte Hauptschu-
le würde mit ihren ohnehin schon vorhandenen Stär-
ken (kleine Systeme, die einen individuellen Blick auf
Schülerinnen und Schüler ermöglichen, die Schule als
»zweites Zuhause«, die individuelle Förderung und
Zuwendung, die intensive Erziehungs- und Bezie-
hungsarbeit sowie Begleitung, die regionale Einbin-
dung und die Möglichkeit, Bildungsanschlüsse wahr-
nehmen zu können) dauerhaft ein wichtiger Baustein
in der nordrhein-westfälischen Schullandschaft
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lehrer nrw
UNTER DER LUPE
von SVEN CHRISTOFFER
lehrer nrw ·
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UNTER DER LUPE
sein. Als pädagogisch orientierte Lebensweltschule
hätte sie ein attraktives Alleinstellungsmerkmal.
Fünf Kernelemente
Die FDP-Fraktion konkretisiert das Konzept der
‘Praxis-Schule’ durch fünf Kernelemente:
1. Langzeitpraktika in den höheren Jahrgangs-
stufen in Betrieben oder sozialen Einrichtungen
als integraler Bestandteil des Curriculums und
als gleichwertiger Bildungsbestandteil
Die Aufwertung der Langzeitpraktika folgt aus meiner
Sicht konsequent dem Ansatz, eine neue Kultur der
Wertschätzung für praxisorientiertes Lernen zu eta-
blieren. Lernen in diesem Sinne meint eben nicht nur
den Erwerb von Wissen im Klassenraum, sondern auch
und gerade die Aneignung von Fertigkeiten in der Le-
benswelt. Handlungs-, Lebenswelt- und Praxisorientie-
rung richten den Blick auf mögliche Stärken, Ressour-
cen und Potenziale von Schülerinnen und Schülern
und deren Förderung. Gerade für Hauptschülerinnen
und Hauptschüler birgt das enorme Chancen.
2. Verbindliche Bewertung von Praktikumsleis-
tungen, gemeinsam mit den Partnerbetrieben,
die nach pädagogisch abgestimmten Kriterien
in Zeugnisse einfließen
Die verbindliche und für das Zeugnis relevante Bewer-
tung von Praktikumsleistungen ist für mich eine logi-
sche Folge des Ansatzes, das Praxislernen als gleich-
wertigen Bildungsbestandteil zu betrachten. Eine
wesentliche Gelingensbedingung ist aber, dass den
Lehrkräften umfangreiche zeitliche Ressourcen ein-
geräumt werden, um die Schülerinnen und Schüler
während der Praktika engmaschig zu begleiten und
deren Leistungen fundiert, kriteriengeleitet und in
Abstimmung mit den Partnerbetrieben zu bewerten.
Eine verbindliche Bewertung von Praktikumsleis-
tungen, die ins Zeugnis einfließt, hätte zudem den
Vorteil, dass Ausbildungsbetriebe künftig bei Bewer-
bungen von Hauptschülerinnen und Hauptschülern
um einen Ausbildungsplatz Hinweise auf Fertigkei-
ten und Potenziale erhalten, die sich im ‘klassischen’
Zeugnis nicht finden.
3. Curriculare Freiräume, um schulinterne Schwer-
punkte in den Bereichen Berufsorientierung,
Lebenspraxis (zum Beispiel Haushaltsführung,
Gesundheit, digitale Kompetenzen), soziale
Kompetenz und Alltagsbewältigung zu setzen
Rückmeldungen aus der Praxis zeigen deutlich, dass
es oftmals herausfordernd ist, einerseits eine konse-
quente Berufsorientierung zu betreiben und die Aus-
bildungsfähigkeit der Hauptschülerinnen und Haupt-
schüler in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen, an-
dererseits aber gleichzeitig den Erfordernissen der
Kerncurricula gerecht zu werden und die Schülerin-
nen und Schüler adäquat auf zentrale Abschlussprü-
fungen vorzubereiten. Insofern müsste ein Mehr an
praktischen Unterrichts- und Prüfungsinhalten in der
Chance für Hauptschulen
und Hauptschüler: Das Konzept
der Praxis-Schule kann der politisch
lange vernachlässigten Schulform eine
neue Perspektive und ein attraktives
Alleinstellungsmerkmal eröffnen.
Foto: AdobeStock/auremar
Ausbildungs- und Prüfungsordnung meiner Meinung
nach einhergehen mit einer kritischen Überprüfung
und etwaigen Verschlankung der bisherigen Vorga-
ben und Anforderungen.
4. Verzahnung mit Projekten in außerschulischen
Lernorten wie Werkstätten, Höfen,
Sportvereinen oder Jugendzentren
Das Praxislernen braucht abseits der Schülerbetriebs-
praktika auch außerschulische Lernorte und außer-
schulische Lernerfahrungen, damit ein ganzheitli-
ches Lernangebot entsteht. In der Praxis bestehen
zahlreiche solcher Verzahnungen bereits, so dass es
hier vorrangig um Ausweitungen und Vertiefungen
gehen dürfte.
5. Einbindung von ‘Bildungslotsen für Praxis
und Lebenswelt’, die ihre Berufs- und Lebens-
erfahrung in den Schulalltag einbringen und
Lehrkräfte in der praktischen Bildung sowie
in sogenannten ‘Life-Lessons’ begleiten
Abseits der Frage, ob sich solches Personal gewin-
nen lässt, ist der Angang für mich richtig und deckt
sich mit einer Handlungsempfehlung der Enquete-
kommission ‘Chancengleichheit in der Bildung’:
»Die Enquetekommission empfiehlt die Stärkung
außerschulischer Lernorte und externer Akteurinnen
und Akteure, um die intrinsische Motivation und das
Interesse an Schule und Lernen zu steigern. Externe
Akteurinnen und Akteure aus Kultur, Sport, Ehren-
amt, Hochschulen, Instituten, Unternehmen, Wirt-
schaft und politischen Stiftungen sollen stärker in-
volviert und Kooperationsstrukturen verfestigt wer-
den.«
Wie ich es sehe
Insgesamt sind die Antragsziele aus meiner Sicht da-
zu geeignet, die Hauptschule in Nordrhein-Westfa-
len noch stärker als bisher zu profilieren. Praxisnahe
Bildung, ein klarer Lebensweltbezug und konse-
quente Berufsorientierung können Fundamente
sein, um das Haus der Hauptschule zukunftsfest zu
machen. Verdient hätte es diese Schulform allemal!
UNTER DER LUPE
Sven Christoffer ist Vorsitzender des
lehrer nrw
sowie stellv. Vorsitzender des HPR Realschulen
E-Mail: christoffer@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
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BRENNPUNKT
Gemeinsam Verantwortung
übernehmen
Eine starke Partnerschaft zwischen Schule, Eltern und
Kommune ist eine Kernvoraussetzung für gelingende Bildung.
S
Schule ist längst mehr als ein Ort der
Wissensvermittlung. Sie ist sozialer
Raum und für viele Kinder und Ju-
gendliche ein zentraler Lebensort. Damit
Schule diesen vielfältigen Aufgaben ge-
recht werden kann, braucht sie starke Part-
ner, denn alleine sind diese Aufgaben für
Lehrkräfte nicht zu stemmen. Eine gelin-
gende Kooperation zwischen Schule, El-
ternhaus und Kommune ist deshalb kein
‘Zusatzangebot’ oder ‘nice to have’, son-
dern eine zentrale Voraussetzung für Bil-
dungsgerechtigkeit und schulischen Erfolg.
Schule als Teil kommunaler
Bildungslandschaften
In Nordrhein-Westfalen ist Schule rechtlich
und organisatorisch in kommunale Struk-
turen eingebettet. Schulträger sind in der
Regel Städte, Gemeinden oder Kreise. Sie
verantworten Gebäude, Ausstattung,
Ganztagsangebote und zunehmend auch
sozialpädagogische Unterstützungsstruk-
turen. Gleichzeitig stehen Schulen vor
wachsenden Herausforderungen: Hetero-
gene Lerngruppen, Inklusion, Sprachförde-
rung, psychosoziale Belastungen, Digitali-
sierung und Fachkräftemangel prägen den
Alltag. Diese Aufgaben lassen sich nicht al-
lein durch pädagogisches Engagement der
Lehrkräfte bewältigen.
An dieser Stelle können die Schulträger
dazu beitragen, dass den Kindern und Ju-
gendlichen in ihren Kommunen zusätzliche
Angebote, die über das hinausgehen, was
von den Lehrkräften geleistet werden
kann, gemacht werden. Jugendhilfe, Schul-
verwaltung, Sozialarbeit, Gesundheits-
dienste, Kultur- und Sporteinrichtungen
können Schule sinnvoll ergänzen – voraus-
gesetzt, die Zusammenarbeit ist struktu-
riert und verlässlich. Wo dies gelingt, ent-
stehen kommunale Bildungslandschaften,
die Kindern und Jugendlichen durchgängige
Förderketten bieten.
Eltern als Bildungspartner –
zwischen Anspruch und
Realität
Eltern sind die ersten und wichtigsten Bil-
dungspartner ihrer Kinder. Ihre Einbindung
ist ausdrücklich im Schulgesetz NRW veran-
kert. In der Praxis zeigt sich jedoch ein sehr
differenziertes Bild. Während einige Eltern-
häuser Schule aktiv unterstützen, Eltern-
pflegschaften beleben und konstruktiv mit-
arbeiten, bleiben andere schwer erreichbar.
Sprachliche Barrieren, eigene Schulerfahrun-
gen, Zeitmangel oder soziale Belastungen
erschweren die Zusammenarbeit.
Für Lehrkräfte bedeutet dies häufig einen
erheblichen zusätzlichen Aufwand: Elternge-
spräche weit außerhalb der Unterrichtszeit,
Konfliktmoderation, Kommunikationsarbeit.
Kooperation darf daher nicht allein als indi-
viduelle Aufgabe der Lehrkraft verstanden
von SARAH WANDERS
BRENNPUNKT
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1/2026 ·
lehrer nrw
werden. Notwendig sind professionelle Un-
terstützungsstrukturen, etwa durch Schulso-
zialarbeit, Dolmetscherdienste oder niedrig-
schwellige Beratungsangebote in Kooperati-
on mit kommunalen Stellen.
Bereits im Januar 2024 forderte Schulmi-
nisterin Dorothee Feller in einem Interview
mit der Rheinischen Post: »Schulen brau-
chen die Unterstützung der Eltern. Denn das
Elternhaus wird immer einen Einfluss auf
die Kinder haben, und die Schule wird nie
alles allein regeln können. Es ist wichtig, El-
tern dafür zu sensibilisieren, dass Bildung in
der Schule und zu Hause stattfindet. Das ist
der Kerngedanke der Bildungs- und Erzie-
hungspartnerschaft von Schule und Eltern-
haus
Entlastung statt Mehr-
belastung für Lehrkräfte
Aus Sicht von
lehrer nrw
ist entscheidend,
dass Kooperation nicht zur zusätzlichen Be-
lastung wird. Gute Zusammenarbeit braucht
Zeit, klare Zuständigkeiten und Ressourcen.
Lehrkräfte dürfen nicht die Rolle von Sozial-
arbeiterinnen und -arbeitern, Verwaltungs-
fachkräften oder Krisenmanagerinnen und
-managern übernehmen, ohne dafür qualifi-
ziert oder entlastet zu werden. Kommunale
Kooperation kann hier einen wichtigen Bei-
trag leisten, wenn Aufgaben sinnvoll ver-
teilt und multiprofessionelle Teams etabliert
werden.
Wo Schulsozialarbeit fest verankert ist,
wo Jugendhilfe regelmäßig an schulischen
Konferenzen teilnimmt und wo Kommunen
als aktive Partner auftreten, profitieren alle
Beteiligten – insbesondere die Lehrkräfte.
Unterricht kann sich stärker auf pädagogi-
sche Kernaufgaben konzentrieren, Konflikte
werden frühzeitig aufgefangen, Elternarbeit
wird professionell begleitet.
Voraussetzungen für
gelingende Kooperation
Damit die Kooperation zwischen Schule,
Eltern und Kommune nachhaltig gelingt,
braucht es verbindliche Strukturen statt
projektbezogener Einzelmaßnahmen. Re-
gelmäßige Austauschformate, klare Kom-
munikationswege, transparente Entschei-
dungsprozesse, eine auskömmliche Finan-
zierung und zeitliche Ressourcen sind uner-
lässlich.
Politik und Schulträger sind gefordert,
entsprechende Rahmenbedingungen zu
schaffen. Dazu gehören verlässliche Stellen
für Schulsozialarbeit, Fortbildungsangebote
zur Elternkommunikation, Zeitkontingente
für Kooperation sowie eine stärkere Verzah-
nung von Schul- und Jugendhilfeplanung.
Kooperation ist kein Selbstzweck. Sie ent-
scheidet darüber, ob Schule den gesell-
schaftlichen Anforderungen gerecht werden
kann – und ob Lehrkräfte langfristig gesund
und motiviert im Beruf bleiben. Eine starke
Partnerschaft zwischen Schule, Eltern und
Kommune ist daher auch eine Frage der
Arbeitsbedingungen. Wer Bildung stärken
will, muss Kooperation systematisch ermög-
lichen und professionell absichern.
Sarah Wanders ist stellv. Vorsitzende des
lehrer nrw
sowie Vorsitzende des HPR Realschulen
E-Mail: wanders@lehrernrw.de
Foto: AdobeStock/atipong
Im Dialog:
Wenn Lehrkräfte
und Eltern an
einem Strang ziehen,
kann Schule
viel bewegen.
lehrer nrw ·
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JUNGE LEHRER NRW
Das Update, auf das wir
gewartet haben?
Digitalpakt 2.0: Was jetzt passieren muss
und was nicht passieren darf
A
Als ich mich als Medienbeauftragter
unserer Schule am ersten Tag im
neuen Jahr 2026 in der ersten Pau-
se mit meinen Kolleginnen und Kollegen
über die Probleme im Bereich Medien infor-
mierte, gab es dieselben Rückmeldungen
wie so oft: In einem Raum lässt sich das
iPad nicht mit dem Multi-Touch-Display
verbinden, auf einem anderen iPad ist nicht
genug Speicher vorhanden für ein Update,
während andere Kollegen verzweifelt ver-
sucht haben, eine WLAN-Verbindung für
eine Gruppenarbeit mit den iPads herzustel-
len.
Nun, im Jahr 2026 befinden wir uns an
der Schwelle zum Digitalpakt 2.0. Nach
Jahren des politischen Tauziehens zwischen
Bund und Ländern ist die Finanzierung
bis 2030 gesichert. Doch damit der neue
Digitalpakt nicht nur die Fehler des alten
verwaltet, müssen wir ehrlich darüber
sprechen, woran wir im ersten Anlauf fast
gescheitert wären.
Der erste Digitalpakt (2019 bis 2024) war
zwar gut gemeint, fühlte sich in der Umset-
zung aber leider zu oft nach einem Hausbau
an, bei dem zunächst die teuersten Möbel
gekauft wurden, bevor das Fundament ge-
gossen war. Milliarden flossen in iPads und
digitale Tafeln, über die laufenden Neben-
kosten wollte hingegen kaum jemand spre-
chen. Für Wartung, Ersatzbeschaffung oder
den langfristigen Betrieb der Geräte stan-
den nahezu keine Mittel zur Verfügung.
Viele Schulen stehen daher heute vor einem
Berg an Geräten, deren Akkus schlappma-
chen und/oder deren Betriebssysteme nicht
mehr unterstützt werden. Das Schlimme da-
ran ist, dass all dies absehbar war: Ein iPad
zu kaufen ist einfach. Es fünf Jahre lang im
Dauerbetrieb eines Schulalltags funktions-
fähig zu halten, ist fast unmöglich.
Strukturelle Fehler
im Digitalpakt 1
Es lassen sich viele weitere strukturelle Feh-
ler im Digitalpakt 1 finden. Vor allem auch,
dass viele Aufgaben und Verantwortlichkei-
ten einfach und ohne ausreichende Ressour-
cen an uns Lehrkräfte weitergereicht wur-
den. Wir sollten nun nicht nur Experten für
Inklusion, Integration und Erziehung sein,
sondern »nebenbei« noch das lokale Netz-
werk administrieren: Wer kümmert sich um
die MDM-Profile? Wer spielt die Sicherheits-
updates ein? Viel zu oft blieb das an enga-
gierten Kolleginnen und Kollegen hängen,
die dafür teilweise nicht mal Entlastungs-
stunden bekamen.
Die Beantragung der Mittel war zudem
ein bürokratischer Hürdenlauf. Lehrkräfte
mussten Medienentwicklungspläne ausar-
beiten, die dann oft schon wieder veraltet
waren, bevor die erste Genehmigung ein-
traf. Dieser Antragsstau führte dazu, dass
Gelder jahrelang nicht abflossen, während
die Schülerinnen und Schüler in den Klassen
weiterhin auf einen verpixelten Beamer
starrten.
Was der Digitalpakt 2.0
jetzt heilen muss
Die Einigung für die Jahre 2026 bis 2030
weckt große Hoffnungen, da sie erstmals
strukturelle Probleme angeht, statt nur
von TOBIAS BRAUNE
JUNGE LEHRER NRW
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lehrer nrw
Symptome zu bekämpfen: Die wichtigste
Neuerung ist aus meiner Sicht die Abkehr
von der reinen Hardware-Förderung.
Der Digitalpakt 2.0 sieht vor, dass Mittel
explizit für Support und Wartung eingesetzt
werden dürfen. Das Ziel sollte dabei klar
sein: Jede Schule braucht ausgebildete
IT-Techniker. Wenn die Technik nicht läuft,
muss ein Ticket geschrieben werden kön-
nen, das innerhalb von Stunden gelöst
wird – und zwar von Profis, nicht von der
Mathelehrerin oder dem Physiklehrer in
der großen Pause.
Anstatt komplizierter Anträge soll nun
auch verstärkt auf eine zügige Umset-
zung und weniger Bürokratie gesetzt
werden. Die Schulträger (Kommunen) er-
halten somit hoffentlich auch mehr Pla-
nungssicherheit. Wenn ein Gerät zum Bei-
spiel nach vier Jahren kaputt ist, könnte
das Geld für den Ersatz bereits im System
vorgesehen sein. Diese Verlässlichkeit
nimmt enormen Stress aus der Planung.
Der Digitalpakt 2.0 legt zudem einen
massiven Fokus auf die fortlaufende
Lehrkräftequalifizierung. Es geht nicht
mehr darum, wie man ein iPad bedient,
sondern wie man zum Beispiel KI-gestütz-
tes Lernen individualisiert, oder wie man
Medienkompetenz in Zeiten von Deepfakes
vermittelt und wie digitales kollaboratives
Arbeiten Kompetenzen aufbaut.
Meine große Hoffnung liegt auch in einer
Vereinheitlichung der Ausstattung bzw.
Chancengerechtigkeit. Wir dürfen nicht zu-
lassen, dass der Bildungserfolg vom Geld-
beutel der Eltern abhängt. Der neue Digi-
talpakt muss darauf abzielen, dass jedes
Kind, unabhängig von der sozialen Her-
kunft, Zugang zu einem persönlichen End-
gerät und zu einer leistungsstarken Lern-
plattform hat, die auch von zu Hause aus
funktioniert.
Meine Hoffnung
Wir Lehrerinnen und Lehrer wollen keine
‘digitalen Visionäre’ sein müssen, die stän-
dig gegen Windmühlen und mit WLAN-
Empfang kämpfen. Wir wollen Werkzeuge,
die funktionieren, damit wir uns auf das
konzentrieren können, was wir gelernt
haben: guten Unterricht.
Ich hoffe, dass der Digitalpakt 2.0 das
Potenzial hat, die Digitalisierung von einem
Sonderereignis in eine selbstverständliche
Infrastruktur zu verwandeln. Wenn die Um-
setzung der Politik nun so mutig verläuft
wie die Ankündigungen, dann könnten wir
2030 tatsächlich etwas mehr in einer Schu-
le arbeiten, in der die Technik uns dient und
nicht umgekehrt.
Tobias Braune ist Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft
junge
lehrer nrw
E-Mail: braune@lehrernrw.de
Foto: AdobeStock/Oleksandr
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht:
Viel Geld ist im Zuge des Digitalpakts 1 in neue Geräte
geflossen. Leider war für Wartung, Ersatzbeschaffung oder
den langfristigen Betrieb kaum noch etwas übrig.
lehrer nrw ·
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TITEL
Im Interview: Der Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer sieht einen
‘nationalen Bildungsnotstand’ in Deutschland. Er macht einen konkreten Vorschlag
für ein Handyverbot in der Schule und hat auch zum Notensystem eine klare Meinung.
Herr Zierer, Sie haben für Deutschland
einen »nationalen Bildungsnotstand«
ausgerufen. Wird das den Lehrerinnen
und Lehrern im Land gerecht, die den
Laden am Laufen halten?
KLAUS ZIERER:
KLAUS ZIERER: Ich verstehe, dass das für
die Akteure im System – und ich zähle mich
ja selber auch dazu – hart erscheinen mag.
Aber wir haben massive Probleme im Bil-
dungssystem: Die Kompetenzen im Bereich
Lesen, Rechnen, Schreiben fallen nun seit
über zehn Jahren massiv ab. Gleichzeitig
befindet sich die körperliche Verfassung im
Sinkflug – Schulen verlegen die erste Klasse
nur noch ins Erdgeschoss, weil das Treppen-
steigen schwieriger wird. Und die psychoso-
matische Situation der Kinder und Jugendli-
chen mit Depressionen und Vereinsamung
ist nicht viel besser. Ich glaube, man muss
Klartext sprechen und deutlich sagen, dass
hier vieles im Argen liegt.
Welche Rolle spielt die vermehrte Hand-
ynutzung von Kindern und Jugendlichen?
ZIERER:
ZIERER: Die Studienlage ist in dem Bereich
in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren rela-
tiv konstant: Die Aufmerksamkeitsspanne
und die Lernleistungen gehen zurück und die
Fähigkeiten schwinden, sich zu konzentrieren
und kreativ zu denken. Wenn ich heute an
der Universität neunzig Minuten lang eine
klassische Vorlesung abhalten würde, dann
wäre nach zwei Sitzungen keiner mehr da.
Zudem führt allein die bloße Anwesenheit
von digitalen Geräten dazu, dass das Hirn
abgelenkt ist. Man denkt nur an die nächste
Nachricht oder warum diese oder jene Person
noch nicht geschrieben hat. In der Forschung
wird das als ‘Brain Drain’-Effekt bezeichnet.
»Die
Handys
müssen
raus aus den
Klassenzimmern«
Keine gute Idee: Während des Unterrichts
mal kurz eine Textnachricht abzusetzen, kann
gemäß den Handyregeln an vielen Schulen in
Nordrhein-Westfalen zu temporärem Verlust
des Smartphones führen.
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lehrer nrw
TITEL
Als Lösungsvorschlag wird ein Handy-
verbot in Schulen diskutiert. Was
halten Sie von diesem Vorschlag?
ZIERER:
ZIERER: Das ist absolut sinnig und richtig.
Die wenigen Studien, die es dazu gibt, wer-
den heiß diskutiert und sprechen eine ein-
deutige Sprache. Das Wohlbefinden der
Kinder steigt, sie gehen wieder lieber in die
Schule und sprechen in den Pausen mehr
miteinander. Die Handys müssen also raus
aus den Klassenzimmern, weil kein Kind im
Unterricht ein privates Handy braucht, um
dort erfolgreich lernen zu können. Das gilt
übrigens auch für die Lehrer.
Wie könnte solch ein Verbot konkret
ausgestaltet sein? Dass Jugendliche
den ganzen Tag auf ihr Handy verzich-
ten müssen, dürfte auf große
Widerstände treffen.
ZIERER:
ZIERER: Das Verbot sollte für alle Schüler
von der Grundschule bis zur Oberstufe
gelten. Die Kinder müssten, wenn sie ein
Handy haben, beim Betreten des Schulge-
bäudes das Handy in eine Handygarage
legen und bekommen es nach Schulschluss
zurück. Wenn digitaler Unterricht ge-
wünscht ist, sollten Schulgeräte zur Verfü-
gung gestellt werden. Die einzig sinnvolle
Lockerung: Ab der Sekundarstufe II, also
wenn die meisten Schüler Nachmittagsun-
terricht haben, sollte ein fester Raum und
eine feste Zeit für die Handynutzung fest-
gelegt werden. Zum Beispiel eine halbe
Stunde um 15 Uhr, wo die Schüler Zeit
haben, Kontakte zu pflegen oder vielleicht
Absprachen mit dem Sportverein zu tref-
fen.
Klingt nicht sehr verlockend für
16-jährige Teenager...
ZIERER:
ZIERER: Das ist interessant, weil es sich
anders verhält, als man vielleicht vermutet:
Aus Befragungen wissen wir, dass die
Schüler die Handynutzung selbst gerne
mehr reguliert hätten. Die Resonanz auf
Testversuche ist nur positiv – die Kinder
und Jugendlichen sind dankbar dafür, dass
ihnen geholfen wird, mehr Zeit füreinander
zu haben.
Ebenfalls heiß diskutiert wird, ob
Schulnoten noch zeitgemäß sind und
abgeschafft werden sollten. Haben Sie
Sympathien für diesen Vorschlag?
ZIERER:
ZIERER: Nein, und zwar aus einem ent-
scheidenden Punkt: Schule hat den gesamt-
gesellschaftlichen Auftrag, Menschen mit
bestimmten Kompetenzen auszuwählen
und bestimmten Berufsgruppen zuzuord-
nen. Das Fachwort ist hier Selektion und Al-
lokation, also auswählen und zuordnen. Ein
Mediziner muss bestimmte Kompetenzen
nachweisen können, denn ansonsten wür-
de ich mich nicht auf seinen Operations-
tisch legen wollen. In gleicher Weise muss
der Handwerksmeister bestimmte Kompe-
tenzen in seinem Bereich haben. Noten
sind wegen der Standardisierung ein gutes
Instrument, um diese Kompetenzen zu er-
heben – auch wenn es nicht immer hun-
dertprozentig genau ist und das System
natürlich missbraucht werden kann.
Kritiker von Schulnoten argumentieren
vor allem mit hohem Druck, Angst und
Stress für Schülerinnen und Schüler.
ZIERER:
ZIERER: Es ist richtig, dass Noten Druck
und Stress erzeugen. Menschen müssen
lernen, damit umzugehen. Erst wenn der
Mensch das nicht schafft, kann Angst ent-
stehen – und selbst Angst ist per se nicht
negativ. Wir müssen lernen, mit unseren
Emotionen umzugehen, auch für den spä-
teren Beruf. Wenn nicht in der Schule, wo
sonst soll man das lernen?
Bei der Notenvergabe haben Schüle-
rinnen und Schüler mit engagierteren
Eltern oder Eltern, die Deutsch spre-
chen, vermutlich einen Vorteil.
ZIERER:
ZIERER: Das ist richtig. Überspitzt gesagt,
beginnt der Vorteil des Menschen sogar
schon im Mutterleib. Das Bildungssystem
wird jedoch niemals die Ungleichheit, mit
der die Kinder in die Schule kommen, voll-
ständig auflösen können. Viel wichtiger ist,
dass in der Schule selbst nach gerechten
Maßstäben agiert wird. Ein Beispiel: Lehrer
neigen laut Studien dazu, Kindern, bei de-
nen sie niedrige Erwartungen haben, weni-
ger Zeit zum Antworten zu geben als Kin-
dern, bei denen sie höhere Leistungen er-
warten. Das darf nicht sein.
ZUR PERSON
Prof. Dr. Klaus Zierer
ist Ordinarius für
Schulpädagogik an
der Universität Augs-
burg. Seit über zehn
Jahren arbeitet Zierer
unter anderem mit
dem Bildungsforscher John Hattie zu-
sammen. Dessen Werk ‘Visible Learning’
übersetzte er 2013 ins Deutsche und ver-
öffentlichte daraufhin mehrere Arbeiten
zusammen mit Hattie im Kontext von
‘Visible Learning’.
Foto: AdobeStock/Syda Productions
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TITEL
So sind die Handyregeln
an NRW-Schulen
Kommunikation via Smart-
phone: Das ist inzwischen ein vertrautes
Bild auf Schulhöfen. Viele Schulen wollen
mit ihren Handyregeln wieder zu mehr Mit-
einander von Mensch zu Mensch finden.
Foto: AdobeStock/bokan
Welche Verbesserungsmöglichkeiten
gibt es, um das Notensystem modern
zu gestalten?
ZIERER:
ZIERER: Wir brauchen diese Flut an Noten
nicht. In Bayern werden, ich spreche da
gerne vom Grundschulabitur, 18 Noten bis
zum Halbjahreszeugnis vergeben. Das
heißt, jede Woche wird eine Schulaufgabe
oder ein Test geschrieben. Wahrscheinlich
würde die Hälfte an Noten schon ausrei-
chen – vorausgesetzt die Qualität der Tests
lassen aussagekräftige Ergebnisse zu. Und
es braucht eine neue Fehlerkultur.
Was meinen Sie damit?
ZIERER:
ZIERER: Wir haben eine zu fehlerkritische
Kultur – nach dem Motto ‘Fehler sollten
nicht passieren und müssen vermieden
werden’. Dabei ist der Fehler der Motor des
Lernens. Deshalb sollte die Note auch nie
das einzige Instrument der Lehrer sein, um
eine Rückmeldung zu geben. Die Schüler
sollten neben der Note zusätzlich ausführli-
ches Feedback erhalten, um Fehler sichtbar
zu machen.
Wie kann ein konstruktives Feedback
abseits der Note aussehen?
ZIERER:
ZIERER: Am wichtigsten ist das soge-
nannte ‘Feedforward’, das die Frage beant-
wortet: Was sind die nächsten Schritte? Die
Lehrer müssen dem Schüler nach dem Test
sagen, woran er arbeiten muss oder was er
verbessern kann. Das ist das Feedback, das
der Schüler am meisten braucht, in der
Realität aber so gut wie nie bekommt.
Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste
Wandel, den das Schulsystem in den
nächsten Jahren vollziehen muss?
ZIERER:
ZIERER: Ein Haltungswandel bei allen Be-
teiligten. Bildung hat mit Einsatz und An-
strengung zu tun. Wir müssen die Kinder
wieder darin stärken, ihr Leben selbst in die
Hand zu nehmen. Das ist nämlich der Kern-
gedanke von Bildung – und der ist in den
letzten Jahren ein bisschen abhandengekom-
men.
Das Interview mit Prof. Zierer führte Torben Kessen
für die Rheinische Post. Der Nachdruck erfolgt mit
freundlicher Genehmigung der Rheinische Post
Mediengruppe.
Die Handyregeln sind im Länderver-
gleich uneinheitlich. Während Hessen
und Schleswig-Holstein ein Handyverbot
für Grundschulen und weiterführende
Schulen erlassen haben, gilt in mehreren
anderen Bundesländern, zum Beispiel Bay-
ern und Sachsen, ein Verbot lediglich für
Grundschulen. Wieder andere Länder
überlassen den Schulen die Entscheidung.
Dazu gehört auch Nordrhein-Westfalen.
Hier hatte das Schulministerium (MSB) die
Schulen in Nordrhein-Westfalen im Früh-
jahr 2025 aufgerufen, bis zum Herbst
2025 eigene, verbindliche Regelungen zur
Handynutzung zu entwickeln. Das Ministe-
rium hat diesen Prozess mit Handlungs-
empfehlungen und exemplarischen
Handyordnungen unterstützt. Dieser parti-
zipative Weg habe sich bewährt, konsta-
tierte NRW-Schulministerin Dorothee
Feller Anfang Januar 2026 in einer ersten
Zwischenbilanz.
Verbindliche Handyrege-
lung an fast allen Schulen
Inzwischen verfügen laut einer landeswei-
ten Umfrage des Schulministeriums rund
98 Prozent aller öffentlichen Schulen in
Nordrhein-Westfalen über eine verbindli-
che Handyregelung, bei den weiterführen-
den Schulen sind es sogar 100 Prozent.
Die weiterführenden Schulen setzen auf
differenzierte, altersgerechte Regelungen.
79 Prozent der Gesamtschulen und 86
Prozent der Gymnasien unterscheiden
nach Jahrgangsstufen, wie die Umfrage
ergab. Andere Schulen regeln die Nutzung
nach Zeiten oder Bereichen. Etwa die Hälf-
te aller Schulen untersagt die Handynut-
zung während des Schulbetriebs vollstän-
dig, die andere Hälfte erlaubt eine klar be-
grenzte Nutzung. Mit zunehmendem Alter
der Schülerinnen und Schüler wachsen die
Freiräume. In der Praxis gilt meist: Handys
dürfen mitgebracht werden, ihre Nutzung
ist jedoch eingeschränkt oder untersagt.
Bei Regelverstößen greifen abgestufte
Konsequenzen.
»Ein absolutes No-Go«
»Handys haben, falls sie nicht für unter-
richtliche Zwecke genutzt werden, insbe-
sondere im Klassenraum nichts zu su-
chen«, betont Sarah Wanders, stellvertre-
tende Vorsitzende von
lehrer nrw
und
Vorsitzende des Hauptpersonalrats Real-
schulen beim MSB. »Dass Schülerinnen
und Schüler im Unterricht ihre Social Me-
dia Accounts pflegen oder gar Foto- und
Videoaufnahmen vom Unterrichtsgesche-
hen machen und womöglich online stel-
len, ist ein absolutes No-Go.« Zudem solle
der Schulhof, so Wanders, »ein Ort der
Kommunikation und Begegnung sein –
und zwar von Mensch zu Mensch. Denn
Sozialverhalten lernt man im Miteinander
und nicht in einer digitalen Blase
Jochen Smets
»…und seid
menschlich!«
Auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen können Holo-
gramme von Holocaust-Überlebenden befragt werden. Mit
dem Projekt HOLO-VOICES ist ein einzigartiger Erinnerungs-
und Lernort entstanden. Hier bekommen die Zeitzeuginnen
und Zeitzeugen eine Stimme für die Ewigkeit.
A
Am 27. Januar, dem internationalen
Gedenktag an die Opfer des Natio-
nalsozialismus, hat Kultur- und
Wissenschaftsministerin Ina Brandes einen
in Europa einzigartigen, neuen Erinnerungs-
und Lernort auf dem UNESCO-Welterbe
Zollverein in Essen eröffnet.
Dank KI und Digitaltechnik
mit Holocaust-
Überlebenden sprechen
Das Projekt HOLO-VOICES des Ministeriums
für Kultur und Wissenschaft des Landes
Nordrhein-Westfalen (MKW) und der Techni-
schen Universität Dortmund gibt den Über-
lebenden des Holocausts eine Stimme für
die Ewigkeit. Für HOLO-VOICES wurden
lange Interviews mit Zeitzeuginnen und
Zeitzeugen digitalisiert und aus den Auf-
nahmen fotorealistische, dreidimensionale
Hologramme erstellt. Dank Künstlicher Intel-
ligenz wird es möglich sein, den Hologram-
men Fragen zu stellen. Die KI ermittelt an-
hand von Schlüsselbegriffen die Antwort,
die am besten zur Frage passt. Die Antwor-
ten der Holocaust-Überlebenden werden
nicht verfremdet, zusammengeführt, gekürzt
oder ergänzt.
Ministerpräsident Hendrik Wüst würdigte
das einzigartige Projekt: »Erinnerungsorte
sind unverzichtbar, um Geschichte greifbar
zu machen und Verantwortung für Gegen-
wart und Zukunft zu vermitteln.« Als Gast
der Eröffnungsfeier zeigte sich auch der
leh-
rer nrw
-Vorsitzende Sven Christoffer sehr
beeindruckt: »Die HOLO-VOICES bieten ei-
nen völlig neuen Zugang zur Shoa, da hier
nicht nur kognitive, sondern vor allem auch
affektive Lernziele erreicht werden können,
die in derselben Tiefe im Klassenraum nur
schwer zu erzielen sind.«
Da viele der Holocaust-Überlebenden
neunzig Jahre und älter seien, »schaffen wir
mit HOLO-VOICES eine Möglichkeit, mit
Überlebenden der Shoah auch in Zukunft in
einen Dialog treten zu können, um zu erfah-
ren, was ihnen passiert ist – und was wir
heute daraus lernen können«, sagte Ministe-
rin Ina Brandes. Besonders herzlich begrüßte
sie die Holocaust-Überlebende Eva Weyl, die
als Ehrengast nach Essen gekommen war.
Die 90-Jährige ist ebenfalls Teil von HOLO-
VOICES. Sie war im September 2024 von Stu-
dentinnen und Studenten der TU Dortmund
interviewt worden und wird demnächst als
Hologramm auf Zollverein zu sehen sein.
»Helft mit gegen Intoleranz,
Respektlosigkeit und
Entwürdigung«
Die Zeitzeugin war begeistert: »Die moder-
ne Technik mit KI ist fantastisch. So kann
ich mithelfen, dass die Geschichte bewahrt
bleibt. Besonders den jungen Menschen
möchte ich sagen: Ihr müsst die Vergangen-
heit kennen, um zu helfen, dass der Frieden
bewahrt bleibt. Helft mit gegen Intoleranz,
gegen Respektlosigkeit und gegen Entwür-
digung. Und sprecht über das, was ihr bei
HOLO-VOICES erfahrt. Erzählt es Euren
Eltern, sprecht zu Hause darüber – und
seid menschlich!«
INFO
Der Besuch von HOLO-VOICES mit sei-
nen Begleitausstellungen ‘Frag nach!’
und ‘Unter Tage. Unter Zwang’ ist kos-
tenfrei und für Einzelpersonen täglich
von 12:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.
Gruppenangebote, Führungen und
Workshops (zum Beispiel für Schulklas-
sen) müssen über ein Online-Formular
auf der Website von HOLO-VOICES im
Voraus angemeldet werden.
Informationen: www.holo-voices.de
Holocaust-Zeitzeugin Eva Weyl
am Rande der Eröffnungsfeier im Austausch
mit Schülerinnen und Schülern
Foto: Land NRW/Bernd Thissen
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SCHULE & POLITIK
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SCHULE & POLITIK
W
Wenn der Ministerpräsident höchst-
persönlich gemeinsam mit der
Schulministerin vor die Presse
tritt, dann muss es um Großes gehen. Und
so verkündeten Henrik Wüst und Dorothee
Feller am 13. Januar in Düsseldorf, dass die
Landesregierung einen neuen Maßstab für
die frühzeitige schulische Sprachförderung
zu setzen gedenke. Durch frühere Sprach-
standserhebung und verpflichtende Kurse in
ABC-Klassen soll sichergestellt werden, dass
Kinder über die Sprachkompetenz verfügen,
die sie bei der Einschulung benötigen.
Bessere Sprachförderung
noch vor der Grundschule
»Grundvoraussetzung für erfolgreiches schu-
lisches Lernen ist eine ausreichende Sprach-
kompetenz, denn ohne sie endet Bildung für
viele Kinder, bevor sie so richtig begonnen
hat. Genau hier setzt die Landesregierung
mit den ABC-Klassen und einer besseren
Sprachförderung noch vor dem Beginn der
Grundschule an – für all die Kinder, die hier
noch Schwierigkeiten haben. Mit dieser bil-
dungspolitischen Reform sorgt die Landesre-
gierung für einen besseren Schulstart, besse-
re Bildungschancen und bessere Schulkarrie-
ren«, betonte der Ministerpräsident.
Schulministerin Dorothee Feller ergänzte:
»Mit verbindlichen ABC-Klassen setzen wir
in Nordrhein-Westfalen einen neuen Maß-
stab für die frühzeitige schulische Sprachför-
derung. Aufbauend auf unserem klaren
Schwerpunkt zur Stärkung der Basiskompe-
tenzen in der Grundschule machen wir jetzt
den nächsten großen Schritt, damit alle Kin-
der bei der Einschulung gut genug Deutsch
können, um erfolgreich am Unterricht teilzu-
Das sichere Beherrschen
der deutschen Sprache ist die alles
entscheidende Voraussetzung für
eine erfolgreiche Bildungslaufbahn.
Foto: AdobeStock/lassedesignen
ABC-Klassen
für einen
besseren
Schulstart
Nordrhein-Westfalen will ab dem Schuljahr 2028/2029 landesweit ABC-Klassen einführen,
um die Sprachkompetenz von Kindern im Jahr vor der Einschulung gezielt zu fördern.
Das Landeskabinett hat einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht.
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SCHULE & POLITIK
nehmen. Mit einer guten Sprachfähigkeit
schaffen wir gute Startchancen für alle
Kinder in Nordrhein-Westfalen.«
Verpflichtende schulische
Vorkurse
ABC-Klassen sind verpflichtende schulische
Vorkurse im Schuljahr vor der Einschulung,
in denen Kinder gezielt auf die sprachlichen
Anforderungen des Unterrichts vorbereitet
werden. Die Planungen zur Einführung der
ABC-Klassen sehen folgende Neuerungen vor:
Künftig durchlaufen alle Kinder bei der
Schulanmeldung an öffentlichen Schulen
sowie an Ersatzschulen in privater Träger-
schaft eine landesweit einheitliche
Sprachstandsfeststellung.
Um auf dieser Grundlage ausreichend
Zeit für eine gezielte Förderung bis zur
Einschulung zu gewinnen, ist vorgesehen,
die Schulanmeldung vom Herbst auf das
Frühjahr des Jahres vor der Einschulung
vorzuziehen. Dazu wird die Ausbildungs-
ordnung für die Grundschule geändert. Im
Jahr 2028 wird die Anmeldung zur Grund-
schule erstmals im Frühjahr stattfinden.
Verfügen die Kinder nicht über die not-
wendigen deutschen Sprachkenntnisse,
um aktiv am Unterricht teilzunehmen, be-
suchen sie im Schuljahr vor der Einschu-
lung in der Regel zweimal pro Woche für
jeweils zwei Stunden verpflichtend eine
ABC-Klasse. In diesen ABC-Klassen zur ge-
zielten Sprachförderung sollen die Kinder
vor allem in ihren sprachlichen und kom-
munikativen Fähigkeiten gefördert wer-
den, damit sie ab dem Schulbeginn erfolg-
reich am Unterricht teilnehmen können.
Die ABC-Klassen liegen in schulischer
Verantwortung und werden in den Räum-
lichkeiten einer öffentlichen Schule, einer
Kindertageseinrichtung oder an einem
anderen Ort durchgeführt, den ein Träger
zur Verfügung stellen kann.
Die ABC-Klassen werden grundsätzlich
von Grundschullehrkräften sowie von
sozialpädagogischen Fachkräften aus
der Schuleingangsphase durchgeführt.
Sie ergänzen gezielt den ganzheitlichen
Erziehungs- und Bildungsansatz der
Kindertageseinrichtungen.
Die Schulaufsicht weist die Kinder nach
Anhörung des Schulträgers einer ABC-
Klasse zu. Damit wird gewährleistet, dass
alle Kinder ein bedarfsgerechtes Angebot
erhalten.
Die Eltern sind für die regelmäßige Teil-
nahme ihrer Kinder verantwortlich. Kinder,
die eine Kindertageseinrichtung besuchen,
werden durch den Schulträger zwischen
der Kindertageseinrichtung und dem Ort
der ABC-Klasse befördert. Für Kinder, die
keine Kindertageseinrichtung besuchen,
werden vom Schulträger die Fahrkosten
für die wirtschaftlichste Beförderung er-
stattet. Einzelheiten werden in einer ent-
sprechenden Verordnung geregelt.
Die Teilnahmeverpflichtung gilt für Kin-
der, die ab dem 1. August 2029 schul-
pflichtig werden. Die ersten verpflichten-
den ABC-Klassen beginnen entsprechend
im Schuljahr 2028/2029.
50 000 Kinder in
ABC-Klassen
Mit der Einführung der ABC-Klassen entste-
hen den kommunalen Schulträgern voraus-
sichtlich ab dem Haushaltsjahr 2028 zusätz-
liche Kosten. Diese betreffen insbesondere
die Beförderung der Kinder, den zu erwarten-
den zusätzlichen Raumbedarf, die etwaige
Ausstattung mit digitalen Endgeräten sowie
die Bereitstellung notwendiger Lernmittel.
Das Land wird den erforderlichen finanziel-
len Ausgleich in einem Belastungsausgleichs-
gesetz regeln, kündigte Wüst an.
Das Schulministerium geht davon aus,
dass bei etwa 50000 Kindern Bedarf für den
Besuch einer ABC-Klasse besteht, heißt es in
einer Schulmail des MSB. Dafür seien voraus-
sichtlich 1650 Lehrer oder Sozialpädagogen
notwendig – eine beträchtliche Zahl in Zeiten
des Lehrkräftemangels. Auch finanziell wird
das Vorhaben zu einer Herausforderung:
Von zusätzlichen Personalkosten von etwa
100 Millionen Euro im Jahr war die Rede.
Das Schulministerium wird einen Grundla-
generlass sowie Materialien für die inhaltli-
INFO
Sprach- und
Lesekompetenz sind
das A und O
Aus Sicht von
lehrer nrw
sind die Ba-
siskompetenzen Sprechen und Zuhö-
ren, Lesen und Schreiben das Funda-
ment, auf dem alles Weitere aufbaut.
Wird es in der Grundschule nicht ge-
legt, sind die Defizite in der Sekundar-
stufe I kaum noch aufzuholen. »Ohne
eine frühe und intensive Förderung
von Sprachkenntnissen wird es uns
nicht gelingen, die in diversen Studien
festgestellten Kompetenzdefizite abzu-
bauen«, so der
lehrer nrw
Vorsitzende
Sven Christoffer.
Vor diesem Hintergrund könnten
die ABC-Klassen dazu beitragen, das
Sprachniveau bei Eintritt in die Schule
deutlich zu heben, was wiederum dazu
führen würde, dass mehr Kinder am
Ende der Primarstufe die Mindeststan-
dards erreichten. Davon würden auch
die weiterführenden Schulen erheblich
profitieren. Denn Sprach- und Lese-
kompetenz sind die Voraussetzung für
Bildungserfolg und Teilhabe. Voraus-
setzung für den Erfolg des Konzepts
ist allerdings, dass es der Landesregie-
rung gelingt, die damit verbundenen
personellen, finanziellen und räumli-
chen Herausforderungen zu lösen.
che Ausgestaltung der ABC-Klassen und für
die zusätzliche individuelle Förderung in der
Schuleingangsphase erarbeiten und den
Schulen frühzeitig zur Verfügung stellen. Zu-
dem wird das Ministerium erprobte digitale
Tools zur Sprachförderung bereitstellen.
Auch das digitale Screening zur Sprach-
standserhebung im Rahmen der Schulanmel-
dung soll allen Grundschulen landesweit zur
Verfügung gestellt werden, erläuterte Feller.
Der Gesetzentwurf der Landesregierung
ist bereits in der Verbändebeteiligung. Im
Anschluss will die Landesregierung den
Gesetzentwurf in den Landtag einbringen.
lehrer nrw ·
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SCHULE & POLITIK
Fotos: Smets
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lehrer nrw
SCHULE & POLITIK
Eindrucksvolles
Signal
Tausende Landesbeschäftigte haben am
10. Februar in Düsseldorf für eine leistungs-
gerechte Bezahlung und eine angemessene
Tariferhöhung demonstriert. Nach dem Auf-
takt vor dem NRW-Finanzministerium zog
der imposante Demonstrationszug durch die
Stadt zur Abschlusskundgebung vor dem
Landtag. Auch
lehrer nrw
demonstrierte in
großer Zahl mit.
Ziel war es, vor der am 11. Februar beginnenden dritten
Verhandlungsrunde im Öffentlichen Dienst (bei Redaktions-
schluss noch nicht beendet) den Druck auf die Arbeitgeber deutlich
zu erhöhen. Denn die bisheri-
gen beiden Runden endeten
ohne Ergebnis – die Arbeitge-
berseite, die Tarifgemein-
schaft deutscher Länder
(TdL), legte noch nicht einmal
ein Angebot vor. Aus Sicht
von
lehrer nrw
und vieler an-
derer Verbände und Gewerk-
schaften, die sich an der Großdemonstration beteiligten, ist diese
Blockadehaltung absolut inakzeptabel. dbb beamtenbund und ta-
rifunion waren mit der Forderung nach einer Erhöhung der Tabel-
lenentgelte um sieben Prozent, mindestens aber 300 Euro, in die
Tarifrunde gegangen.
Schon nach der ersten, ergebnislos zu Ende gegangenen Ver-
handlungsrunde formierte sich bei den Landesbeschäftigten in
Nordrhein-Westfalen der Protest. So setzten zum Beispiel die Leh-
rerverbände im dbb ein Zeichen. Zahlreiche Vertreterinnen und Ver-
treter unter anderem von
lehrer nrw
, Philologenverband NRW und
VBE kamen am 15. Dezember vor dem Finanzministerium in Düs-
seldorf zu einer Mahnwache zusammen. Weitere Mahnwachen
fanden in Köln, Münster, Arnsberg und Detmold statt.
»Gute Bildung braucht faire Bedingungen und eine angemesse-
ne Bezahlung. Darum ist die Verweigerungshaltung der Tarifge-
meinschaft deutscher Länder ebenso unverständlich wie inakzep-
tabel«, sagte der
lehrer nrw
-Vorsitzende Sven Christoffer.
INFO
Das Ergebnis der dritten und wohl ent-
scheidenden Verhandlungsrunde, die
vom 11. bis 13. Februar in Potsdam ter-
miniert war, lag bei Redaktionsschluss
dieser Ausgabe noch nicht vor. Aktuelle
Infos sind zu finden unter www.dbb.de
oder www.lehrernrw.de/aktuell/
lehrer nrw ·
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SCHULE & POLITIK
Post für die Ministerin
lehrer nrw
und der Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW)
haben sich mit einem gemeinsamen offenen Brief an Schulmi-
nisterin Dorothee Feller gewandt. Grund für den ungewöhnli-
chen Schritt ist ein gravierendes Problem, für das die Landes-
regierung bisher noch keine Lösung vorgelegt hat.
A
Am 1. August 2026 werden mit dem
Ende des auf vier Jahre angelegten
Stufenplans zur Überführung der
Eingangsbesoldung für alle Lehrämter nach
A13 das Eingangsamt (dann A13) und ers-
tes Beförderungsamt (schon jetzt A13) be-
soldungsgleich sein.
lehrer nrw
hatte schon
sehr frühzeitig vor den damit verbundenen
Folgen gewarnt und beim Schulministerium
eine Weiterentwicklung der Beförderungs-,
Funktions- und Leitungsämter sowie der
Besoldung der Fachleitungen angemahnt.
Dass dies bis heute nicht geschehen ist,
sorgt für Verunsicherung und Verärgerung
in den Kollegien, wie eine täglich wachsen-
de Zahl wütender Rückmeldungen von Lehr-
kräften zeigt.
Es drohen Demotivation,
weitere Vakanzen und
nachhaltiger Schaden
Um ihrem Anliegen mehr Nachdruck zu ver-
leihen, haben sich
lehrer nrw
und VBE ent-
schieden, einen Offenen Brief an Schulmi-
nisterin Dorothee Feller zu schreiben. »Die
zum 1. August 2026 vorgesehene Überfüh-
rung der Eingangsbesoldung der Lehrkräfte
der Primarstufe und der Sekundarstufe I
nach A 13 ist ein wichtiger und längst über-
fälliger Schritt. Beide Verbände haben die-
sen Prozess über Jahre vorangetrieben und
begleitet und begrüßen ausdrücklich die An-
erkennung der gleichwertigen Ausbildung
aller Lehrämter«, heißt es darin. Und weiter:
»Diese Entwicklung darf jedoch nicht iso-
liert betrachtet werden. Mit großer Sorge
stellen wir fest, dass der Haushaltsplan für
2026 keinerlei Weiterentwicklung für Beför-
derungs- und Funktionsstellen sowie für
Schulleitungen in der Primarstufe und der
Sekundarstufe I vorsieht.« Das ist fatal,
denn: »Ohne eine faire Besoldungs- und
Laufbahnentwicklung drohen Demotivati-
on, weitere Vakanzen und ein nachhaltiger
Schaden für das gesamte Schulsystem in
Nordrhein-Westfalen.«
lehrer nrw
und
VBE
fordern
daher gemeinsam:
die zeitnahe Weiterentwicklung der
Besoldung für Schulleitungen sowie
für Beförderungs- und Funktionsstellen
in der Primarstufe und der Sekundar-
stufe I,
verlässliche und gerechte Laufbahn-
perspektiven auch für Fachleitungen
dieser Schulformen,
eine klare haushalterische Absicherung
dieser Schritte zum Jahr 2027.
In der flankierenden gemeinsamen Presse-
mitteilung von
lehrer nrw
und VBE bringt
es Sven Christoffer, Vorsitzender
lehrer nrw
,
auf den Punkt: »Am 1. August 2026 stehen
wir vor der absurden Situation, dass Ein-
gangsamt und erstes Beförderungsamt be-
soldungsgleich sind. Das ist nicht akzepta-
bel. Die Wertschätzung für Kolleginnen und
Kollegen im ersten Beförderungsamt, in
Fach- und Schulleitungen sowie in Funkti-
onsämtern muss sich auch finanziell wider-
spiegeln. Denn wenn sich Leistung nicht
mehr lohnt und Engagement nicht mehr
gewürdigt wird, droht Stillstand. Eine
Landesregierung, die sich Bildungsqualität
und nachhaltige Schulentwicklung an allen
Schulformen auf die Fahnen geschrieben
hat, darf das nicht zulassen.«
INFO
Der Offene Brief von
lehrer nrw
und VBE
an Schulministerin Dorothee Feller ist zu
finden unter www.lehrernrw.de
Gemeinsame Initiative
(v.l.)
: Die Verbandsvorsitzenden Anne Deimel und
Stefan Behlau (VBE) sowie Sven Christoffer und Sarah Wanders (
lehrer nrw
) präsentieren
den Offenen Brief an Schulministerin Dorothee Feller.
Foto: VBE NRW
lehrer nrw ·
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SCHULE & POLITIK
Entwicklungshilfe mit
Realschul-Unterstützung
Die Realschule Ratheim und
‘Ingenieure ohne Grenzen’
haben im Rahmen einer
langjährigen Kooperation
ein Entwicklungshilfeprojekt
in Sierra Leone realisiert.
In einer Grundschule
konnten dort neue Sanitär-
anlagen errichtet werden.
S
Seit mehreren Jahren kooperiert die Re-
alschule Ratheim mit einer Projekt-
gruppe der gemeinnützigen Organisa-
tion ‘Ingenieure ohne Grenzen’, die in der
Entwicklungszusammenarbeit tätig ist.
Diese Zusammenarbeit verbindet schuli-
sches Lernen mit praktischem Engagement
und gibt den Schülerinnen und Schülern die
Möglichkeit, technische Lösungen für globa-
le Herausforderungen aus erster Hand ken-
nenzulernen.
Spendenläufe für
Entwicklungshilfeprojekte
Ein Teil dieser Kooperation sind Spendenläu-
fe der Schule, bei denen die Schüler für je-
den gelaufenen Kilometer Spenden von
Freunden und Familienmitgliedern sammeln.
Der erste Spendenlauf fand im März 2023
statt. Weitere Läufe folgten im Juni 2024
und im Oktober 2025. Ein Teil der Einnah-
men kam Initiativen von ‘Ingenieure ohne
Gemeinsam mit Helfern vor Ort baute die Projektgruppe von ‘Ingenieure ohne Grenzen’
die neuen Sanitäranlagen an den ‘Tonkolilis Grundschulen’ in Sierra Leone.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Foto: Gerrit Müller
Foto: Carl Dorndorf
Die neuen Toi-
lettenanlagen
tragen dazu
bei, die Ge-
sundheitssi-
tuation im
ländlichen
Tonkolili
District von
Sierra Leone
zu verbessern.
Foto: Henrik Wessel
SCHULE & POLITIK
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lehrer nrw
Grenzen’ zugute, darunter insbesondere
dem Projekt ‘Toilettenbau an Tonkolilis
Grundschulen’ in Sierra Leone.
Im Rahmen dieser wunderbaren Koopera-
tion führten Ehrenamtliche von ‘Ingenieure
ohne Grenzen’ im August 2023 ein Angebot
bei den Projekttagen der Realschule Rat-
heim durch. Mit Experimenten und kleinen
Bauvorhaben lernten die Schülerinnen und
Schüler, wie verschiedene Energieformen
genutzt werden können. Sie kochten allein
mit Sonnenstrahlung und Spiegeln, bauten
ein Fahrrad um, um damit Smoothies her-
stellen zu können, und konstruierten was-
serkraftbetriebene Mini-Fahrzeuge, die an-
schließend gegeneinander antraten. Ähnli-
che Angebote führt die Regionalgruppe
Aachen auch regelmäßig im Rahmen der
Ferienakademien der Städteregion Aachen
an verschiedenen Schulen durch. Im Mittel-
punkt steht dabei stets, Kinder und Jugend-
liche spielerisch an technische Fragestellun-
gen heranzuführen und ihre Begeisterung
für nachhaltige Lösungen zu wecken.
Sanitärversorgung für
Schulen in Sierra Leone
Das Projekt ‘Toilettenbau an Tonkolilis Grund-
schulen’ von ‘Ingenieure ohne Grenzen’, das
durch einen Teil der gesammelten Spenden
unterstützt wird, ist in einer sehr ländlichen
Gegend von Sierra Leone aktiv. In der Region
gibt es meist keine oder nur sehr baufällige
Toiletten, auch und insbesondere an Schulen.
Viele Menschen verrichten ihre Notdurft im
Freien oder in einfachen Grubenlatrinen, die
oft nicht mehr als ein Loch im Boden sind.
Dadurch können Krankheitserreger in die
obersten Schichten des Grundwassers gelan-
gen, vor allem in der Regenzeit, wenn der
Grundwasserspiegel steigt. Dies ist ein ernstes
Problem, da flache Brunnen die häufigste
Trinkwasserquelle sind. Diese Umstände be-
günstigen die Verbreitung von Durchfaller-
krankungen und eine hohe Kindersterblichkeit.
Bereits drei Schulen
versorgt
Um diesen Herausforderungen zu begeg-
nen, baut die Projektgruppe von ‘Ingenieure
ohne Grenzen’ seit 2018 zusammen mit der
lokalen Partnerorganisation MADAM siche-
re Sanitäranlagen an Grundschulen. Dabei
kommen Trockentrenntoiletten zum Einsatz,
die ohne Wasserspülung und Kanalisation
auskommen. Durch die Trennung von Fäka-
lien und Urin sowie das Trocknen des Fest-
stoffs entstehen keine unangenehmen Gerü-
che. Zudem können beide Stoffe nach mehr-
monatiger Lagerung oder Kompostierung
als Dünger genutzt werden. Das ist ein ent-
scheidender Vorteil für die lokalen Selbstver-
sorgerhaushalte, denn chemischer Dünger
ist im Verhältnis zur Kaufkraft der Familien
sehr teuer. Dank der Spendengelder aus Rat-
heim und anderen Unterstützern konnte ein
Team von Ehrenamtlichen zwischen Novem-
ber 2023 und Ende Januar 2024 die Grund-
schule des Dorfes Rowaka mit neuen Sani-
täranlagen ausstatten. Rowaka ist nach
Makali und Makenthie die dritte Schule, die
im Rahmen des Projekts mit Sanitäranlagen
ausgestattet wurde.
Verbesserung der
Gesundheitssituation
Jeder Toilettenbau wird von einem intensi-
ven Bildungsprogramm begleitet. Ein Teil
dieses Programms richtet sich an die Perso-
nen in der Dorfgemeinschaft, die für die
Instandhaltung der Toiletten, die Kompos-
tierung und die Ausbringung des Düngers
auf den Feldern zuständig sind. Der andere
Teil richtet sich an die Nutzenden, also ins-
besondere die Schülerinnen und Schüler.
Neben der richtigen Nutzungsweise der
Toiletten werden auch grundlegende Hy-
gieneregeln im Zusammenhang mit der
Toilettennutzung, aber auch bei der Es-
senszubereitung und Wasserbeschaffung
vermittelt. Ebenso wird Wissen über Krank-
heitsübertragung und zu Schutzmaßnah-
men weitergegeben. Mit dem Projekt
möchte die Projektgruppe und unsere
Organisation einen Beitrag zu der Verbesse-
rung der Gesundheitssituation im ländlichen
Tonkolili District von Sierra Leone leisten.
Blick nach vorn
Die Projektgruppe plant für das Jahr 2026
eine weitere Projektreise nach Sierra
Leone, um auch die Schule im Dorf Mamuri
mit Sanitäranlagen auszustatten. Damit
wären seit 2018 insgesamt vier Schulen
mit sicheren, hygienischen Toiletten aus-
gestattet. Anschließend möchte sich das
Team einem neuen Projekt widmen: der
Verbesserung der Sanitärversorgung für
Haushalte in derselben Region. Für das
neue Projekt ‘Toiletten für ländliche Haus-
halte im Tonkolili District’ werden bereits
parallel zum bestehenden Projekt Erkun-
dungsmaßnahmen durchgeführt. Die Arbeit
der Projektgruppe vor Ort kann ab Anfang
2026 in regelmäßigen Blogeinträgen auf
der Homepage von ‘Ingenieure ohne Gren-
zen’ verfolgt werden:
www.ingenieure-ohne-grenzen.org/de
Gerrit Müller
Ingenieure ohne Grenzen
INFO
Damit diese und andere Projekte von
uns voranschreiten können, ist ‘Inge-
nieure ohne Grenzen’ auf Spenden
angewiesen. Bitte un-
terstützen Sie unsere
Arbeit. Hier geht es
zum Spendenformular:
Unterricht unter schwierigen
Bedingungen: Blick in einen
Klassenraum der Tonkolilis Grundschule.
Foto: Gerrit Müller
lehrer nrw ·
1/2026
22
SCHULE & POLITIK
Von der Notwendigkeit,
auf schulische Konzepte
zurückgreifen zu können
von TOM SCHIPPER
Konzeptlos? Besser
nicht! Mit einigen schlüssi-
gen Konzepten lässt sich der
schulische Alltag deutlich
effizienter gestalten.
Vollzeitkräfte. Themen wie der Einsatz in
Vertretungsstunden, die Anzahl der Spring-
stunden, der nachmittägliche Einsatz an
Ganztagsschulen, die Anzahl der Pausenauf-
sichten und vieles mehr sollten in diesem
Konzept Eingang finden. Falls sie bereits an
Ihrer Schule ein Teilzeitkonzept haben (und
das haben beileibe nicht alle Schulen!),
dann prüfen Sie es gegebenenfalls auf
Aktualität.
Inklusionskonzept
An den Schulen des längeren gemeinsamen
Lernens, also an Sekundar- und Gesamt-
schulen, ist ein Inklusionskonzept vonnö-
ten. Da alle Lehrerinnen und Lehrer, die an
diesen Schulformen unterrichten, zur
Inklusion verpflichtet sind, ist es
obligatorisch, dieses Konzept
zu kennen und umzuset-
zen. Ein Inklusionskon-
zept regelt beispiels-
weise den Umgang
mit den verschie-
denen Förderschwerpunkten. Es definiert
zudem das Verfahren bei der Aufnahme von
Kindern und Jugendlichen mit sonderpäda-
gogischem Förderbedarf, außerdem den per-
sonellen Einsatz, mögliche Differenzierungs-
maßnahmen und Nachteilsausgleiche, die
räumliche Ausstattung sowie die Kommuni-
kationsstruktur zwischen Sonderpädagogen
und -pädagoginnen sowie Regellehrkräften.
Medienkonzept
Ein weiteres Konzept, das es an jeder Schule
geben sollte, ist das Medienkonzept. Im
Eine Empfehlung
In der letzten Ausgabe unserer Verbands-
zeitschrift formulierte ich ein paar anklagen-
de Sätze über die zunehmend ausufernde
Bürokratie im schulischen Umfeld. Aller-
dings gibt es tatsächlich ein Gebiet, in dem
sich ein gewisser bürokratischer Aufwand
lohnt: im Bereich der schulischen Konzepte.
Der Weg zu einem gelungenen Konzept
ist arbeitsintensiv, zeitaufwändig und daher
mühselig. Zunächst muss eine Notwendig-
keit für ein Konzept erkannt werden, dann
muss sich eine Gruppe finden, die sich um
dessen Erstellung federführend kümmert,
anschließend müssen Gedanken und Ideen
gesammelt und zu Papier gebracht werden,
bis das Ganze dann in der Lehrerkonferenz
vorgestellt und verabschiedet wird. Das ist
in der Tat ein ganz schöner Aufwand für ein
paar Seiten Papier! Aber das Ziel ist es,
dadurch unseren schulischen Alltag trans-
parent zu gestalten und zu erleichtern.
Na, und da lohnt sich doch die mühevolle
Erarbeitung!
Im Folgenden möchte ich Ihnen einen
Überblick geben über eine Reihe von Kon-
zepten, die im schulischen Alltag hilfreich
sein können. Und nein, ich werde hier nicht
bürokratisch vorgehen und die Konzepte
alphabetisch ordnen …
Teilzeitkonzept
Ein sehr wichtiges Konzept an allen Schul-
formen ist ohne Zweifel das Teilzeitkon-
zept. Es regelt im Idealfall nicht nur Belan-
ge aller Teilzeitkräfte, sondern auch die der
23
1/2026 ·
lehrer nrw
SCHULE & POLITIK
IHRE ERFAHRUNG
Wie ist Ihre Erfahrung mit schulischen
Konzepten? Ich freue mich über Ihre
Antworten und Reaktionen, kritische
sowie zustimmende:
schipper@lehrernrw.de
Foto: AdobeStock/Andrew505
Tom Schipper ist stellvertretender Vorsitzender
des
lehrer nrw
E-Mail: schipper@lehrernrw.de
Zuge der Digitalisierung erhält dieses Kon-
zept eine zunehmende Bedeutung in unse-
rem Unterrichtsalltag. Festgezurrt werden
sollten hier die pädagogischen Ziele im Rah-
men der digitalen Bildung. Wichtig ist auch
die Feststellung des Ausstattungs- und Ge-
rätebedarfs sowie die Benennung von Fort-
bildungsbedarfen für das Kollegium. Was in
der Regel merkwürdigerweise fehlt, ist eine
Festlegung, ab und bis wann eine Lehrkraft
erreichbar – oder besser: nicht erreichbar! –
sein muss. Hier ist eventuell ein Unterpunkt
‘Umgang mit dienstlichen E-Mails’ sinnvoll.
Auch das Thema ‘Netiquette’ wird leider oft
vernachlässigt, ist meines Erachtens aber so
wichtig, dass es erwähnt werden sollte.
Vertretungskonzept
Wie oben bereits erwähnt, regelt ein gutes
Teilzeitkonzept auch die Anzahl der Vertre-
tungsstunden, die eine Lehrkraft pro Woche
maximal geben sollte.
Nichtsdesto-
trotz ist
ein schuleigenes Vertretungskonzept sinn-
voll. Dieses klärt beispielsweise, was ‘Vertre-
tungsbereitschaft’ überhaupt bedeutet, aber
auch und vor allem das Vorgehen im Vertre-
tungsfall, wann Vertretungsmaterial gege-
ben werden muss und wann nicht usw. Auch
hier gilt: Das Konzept sollte aktuell sein und
ggf. evaluiert werden.
Beratungskonzept
Es soll tatsächlich noch Schulen ohne Bera-
tungslehrerinnen und -lehrer geben. Das ist
kaum zu glauben und gehört, schon im Inte-
resse des Kollegiums, dringend geändert!
Als Beratungslehrer an meiner Schule ist mir
diese Anmerkung sehr wichtig. An allen
Schulen mit Beratungslehrkräften ist ein
Beratungskonzept obligatorisch. Es regelt
vor allem die wichtigen Modalitäten im Fal-
le einer Beratung: was gehört dazu und was
nicht, wann wird beraten und wann nicht,
wer berät (Achtung: Aktualität auch hier be-
achten!), Zusammenarbeit mit der Schulso-
zialarbeit, geltende Grundsätze für eine Be-
ratung. Im Gegensatz zu den bisher erwähn-
ten Konzepten gehört das Beratungskonzept
zwingend auf die Schulhomepage, da sich
auch Eltern im Beratungsfall an
die entsprechenden Kol-
leginnen und Kolle-
gen wenden
können.
Abordnungskonzept
Überraschend viele Schulen haben noch
kein Abordnungskonzept! Dabei ist ein
solches meines Erachtens ungemein wich-
tig, ist doch das Thema Abordnung’ vor al-
lem an Grundschulen, aber auch an weiter-
führenden Schulen, zur Zeit recht aktuell.
Dieses Konzept muss regeln, wie die Schule
mit geplanten Abordnungen verfahren wür-
de. Zu berücksichtigen ist der Fächerbedarf
der eigenen Schule, die Fahrzeit zur Schule
sowie das Alter und der Familienstand der
Lehrkraft. Es gibt ferner durchaus Kollegin-
nen und Kollegen, die sich abordnen lassen
möchten – auch das sollte beachtet werden.
Sicher decken die von mir beschriebenen
Konzepte nicht alles ab. Es sind auch nicht
alle möglichen Konzepte in diesem Artikel
mit Ausführungen erwähnt (zum Beispiel
LRS-Konzept, Schutzkonzept, Fortbildungs-
konzept oder Lernzeitkonzept). Nicht ausrei-
chend klären kann ich in diesem Artikel
auch die Zuständigkeiten, also wer sich um
die Initiierung eines Konzeptes kümmern
sollte. Nur so viel: Ich meine, dass bei der
Erstellung sowohl der Lehrerrat als auch die
Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen
beteiligt sein sollten. Damit ist aber keines-
falls gemeint, dass dieser Personenkreis al-
lein für die Erstellung verantwortlich ist.
Vielmehr funktioniert ein Konzept dann gut,
wenn es auf breiter Basis angefertigt wor-
den ist.
Ich rate Ihnen zum Ende meiner Ausfüh-
rungen dazu, dass Sie sich an ihren jeweili-
gen
lehrer nrw
-Personalrat wenden, wenn
sie zu bestimmten Konzepten konkrete Fra-
gen haben. Dies gilt selbstverständlich auch
bei der Erstellung oder Aktualisierung eines
Konzeptes.
lehrer nrw ·
1/2026
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Souveräner Auftritt
‘Die Präsenz einer Lehrkraft – persönlicher Erfolgsfaktor für
gelungenen Unterricht’: So lautet das Thema eines Seminars
von
lehrer nrw
. Weitere Fortbildungs-Highlights finden Sie in
der Tabelle rechts. Anmeldungen sind online möglich.
D
Die Präsenz einer Lehrkraft ist das Tor zur Aufmerksamkeit der Schülerinnen und
Schüler. Sie ist die Grundlage für eine effektive und klare Unterrichtsführung.
Ebenso sind die individuelle Ausstrahlung und Gegenwärtigkeit eines Pädagogen
zentrale Faktoren für ein Vertrauensverhältnis zu Schülerinnen und Schülern und für
eine offene Lernatmosphäre. Die Stärkung des Persönlichkeitsfaktors ‘Präsenz’ ist also
eine lohnenswerte Investition, die Ihre Wirksamkeit als Lehrkraft deutlich erhöhen kann.
Detaillierter Seminarinhalt siehe nebenstehendem QR-Code:
Seminartitel: ‘Die Präsenz einer Lehrkraft –
persönlicher Erfolgsfaktor für gelungenen Unterricht’
Referentin: Gabi Schmidt, Lehrkräftecoach und Trainerin für
persönliche Entwicklung, Stimme & Präsenz
(www.happy-teachers.de)
Seminar-Nr.: 2026-0427
Termin: Montag, 27. April, 10:00 Uhr bis Dienstag,
28. April 2026, 16:30 Uhr
Ort: Premier Inn Köln City Mediapark, Hansaring 97, 50670 Köln
Kosten: 350 Euro für
lehrer nrw
Mitglieder,
400 Euro für sonstige Teilnehmer
(inklusive Tagesverpflegung und Übernachtung)
Anmeldeschluss: 23. März 2026
Foto: AdobeStock/stockmotion
ANMELDUNG
www.lehrernrw.de/lehrernrw-de-fortbildungen/lehrernrw-de-fortbildungsuebersicht/
Leichter Lehren mit
Charisma: Präsenz als
entscheidender Persönlichkeits-
faktor ist erlernbar. Wie
das geht, vermittelt die
Fortbildung am 27. und 28. April.
FORTBILDUNGEN
lehrer nrw
(vormals RLV NRW)
feiert sein
80-jähriges Bestehen!
Profitieren Sie als
lehrer nrw
-
Mitglied mit einem einmaligen
Rabatt von 20 Euro auf die Teil-
nahmegebühr für eine beliebige
Fortbildung aus dem Programm
von
lehrer nrw
.
Bitte bei der Anmeldung unter
‘Zusätzliche Bemerkungen’
das Wort ‘Jubiläum’ eingeben.
Die Aktion ist auf das Jahr 2026 begrenzt.
www.lehrernrw.de
Seminar
Nr. Titel Kurzinhalt Referenten Wo Wann Uhrzeit
Gebühr
lehrer nrw-
Mitglied
Gebühr
sonst.
Teilnehmer
Anmelde-
schluss
2026-0316 Resilienz Was die einzelnen Resilienzaspekte für Menschen bedeuten, die unterrichten, erziehen
und begleiten, wird mit Hilfe des Dynamischen Resilienzkonzeptes nach Gruhl/Körbächer in
diesem Seminar nähergebracht. Des Weiteren wird seine Wirkung in individuellen Alltags-
und Schulsituationen erörtert.
Dorthe
Leschnikowski-
Bordan
Ringhotel Drees
Hohe Straße 107
44139 Dortmund
Mo. - Di. 16.03.
bis 17.03.2026
10:00 bis
16:30 Uhr
350 400 auf Anfrage
2026-0323 Elterngespräche konstruktiv
gestalten
Ziel der Veranstaltung ist es, auch schwierige Elterngespräche souverän, zielorientiert und
erfolgreich führen zu können. Dazu ist es erforderlich, unterschiedliche ‘Elterntypen’ und
die damit verbundene Motivation zu erkennen und eigene Kommunikationsstrategien zu
entwickeln.
Dorthe
Leschnikowski-
Bordan
Ringhotel Drees
Hohe Straße 107
44139 Dortmund
Montag
23.03.2026
09:00 bis
16:00 Uhr
169 219 auf Anfrage
2026-0416 Stress lass nach! – Einfache
und effektive Selbstregulierung
mit EFT-Tapping
Stressige Phasen und belastende Gefühle sind im aufreibenden Schulgeschehen mitunter
nicht zu vermeiden. In dieser Fortbildung lernen die Teilnehmenden die wissenschaftlich fun-
dierte EFT-Klopftechnik kennen, mit der sie ihr Nervensystem und Gehirn beruhigen, heraus-
fordernde Gefühle regulieren können und dadurch Entlastung und Erleichterung erfahren.
Gabi
Schmidt
Premier Inn Köln City Mediapark
Hansaring 97
50670 Köln
Donnerstag
16.04.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 15.03.2026
2026-0420 Führungskraft im Fachgespräch:
Gelassen mit Eltern umgehen
Erfolgreiche Schule funktioniert immer nur, wenn Eltern und Lehrkräfte am gleichen Strang
ziehen. Das Seminar bietet Ihnen Gesprächsleitfäden, damit Sie entspannt mit den Eltern Ihrer
Schülerinnen und Schüler ins Gespräch und vor allem auf den Punkt kommen.
Lea
Lindemann
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Montag
20.04.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 16.03.2026
2026-0427 Die Präsenz einer Lehrkraft –
persönlicher Erfolgsfaktor für
gelungenen Unterricht
Die Präsenz einer Lehrkraft ist das Tor zur Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler.
Die Stärkung des Persönlichkeitsfaktors ‘Präsenz’ ist also eine lohnenswerte Investition,
die Ihre Wirksamkeit als Lehrkraft deutlich erhöhen kann.
Gabi
Schmidt
Premier Inn Köln City Mediapark
Hansaring 97
50670 Köln
Mo. - Di. 27.04.
bis 28.04.2026
10:00 bis
16:30 Uhr
350 400 23.03.2026
2026-0504 Wohlwollende Autorität
die überzeugende Kern-
kompetenz einer Lehrkraft
Gerade die Mischung aus freundlicher Zugewandtheit einerseits und entschlossener
Führungsstärke andererseits fällt vielen Lehrkräften besonders schwer. In dieser Fortbildung
werden die Teilnehmenden in einer Mischung aus Theorie und praktischen Übungen gezielt
in ihrem Auftreten, ihrer inneren Haltung, ihrer Eigenregulationsfähigkeit und in ihrem Selbst-
wertgefühl gestärkt.
Gabi
Schmidt
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Montag
04.05.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 23.03.2026
2026-0511 Mobbing-Intervention Mobbing ist und bleibt ein Thema an Schulen. Der No Blame Approach (wörtlich: Ansatz ohne
Schuldzuweisung) ist eine wirksame Vorgehensweise, um Mobbing zeitnah und nachhaltig
zu beenden. In allen Schritten der Durchführung richtet sich der Blick darauf, konkrete Ideen
zu entwickeln, die eine bessere Situation herbeiführen. Fokussiert wird ausschließlich auf
Lösungen, die dazu beitragen, das Mobbing zu stoppen.
Dorthe
Leschnikowski-
Bordan
Ringhotel Drees
Hohe Straße 107
44139 Dortmund
Montag
11.05.2026
09:00 bis
16:00 Uhr
169 219 23.03.2026
2026-0601 Methoden der schulischen
Suchtprävention
In diesem Seminar werden die Grundlagen der schulischen Suchtprävention vorgestellt.
Daneben werden konkrete Methoden ausprobiert und angespielt, die Jugendliche ohne
erhobenen Zeigefinger über Themen der Suchtprävention informieren und sie motivieren,
sich mit ihrem eigenen Konsum auseinanderzusetzen.
Yvonne
Michel
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Montag
01.06.2026
09:30 bis
17:00 Uhr
169 219 20.04.2026
Saarbrücken: Blick über die Alte Brücke
und auf die Altstadt mit Basilika Sankt
Johann und die Alte evangelische Kirche
lehrer nrw ·
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SENIOREN
Herbstreise:
Fünf Tage auf
der Sonnenseite
des Harzes
B
Bad Lauterberg, das Kneipp-
und Schroth-Heilbad auf der
Harzer Sonnenseite, ist das Ziel
der diesjährigen Herbstreise, die
vom 4. bis 8. Oktober stattfindet.
Unser Domizil dort wird das sich
über siebzig Jahre im Familienbe-
sitz befindende 4* Parkhotel
Weber-Müller sein, das liebevoll
renoviert und erweitert worden
ist. Es liegt in einem Garten mit
Wassertretbecken und vis-à-vis
dem Kurpark. Die komfortablen
Zimmer haben Balkone und ein
Bad mit Dusche.
Die Reise wird durchgeführt ab
einer Teilnehmerzahl von fünfzehn
Personen. Eine individuelle Verlän-
gerung (vorher/nachher) ist gegen
Aufpreis und Verfügbarkeit mög-
lich, bitte anfragen.
Das detaillierte Reise-Pro-
gramm, die Kosten und Anreise-
möglichkeiten entnehmen Sie
bitte dem Ausschreibungstext
des Reiseunternehmens JOAMAR-
Reisen
www.lehrernrw.de/wp-content/
uploads/lehrernrw-Anmeldung-
Harz-2026.pdf
Anmeldungen sind bis
zum 15. Juli 2026 erbeten.
Foto: AdobeStock/fotoschlick
Faszinierendes Farbenspiel und wunder-
schöne Natur: Blick zum Brocken im Herbst.
Foto: AdobeStock/ferkelraggae
Kultur und Genuss
in und um Saarbrücken
Kultur und Genuss
in und um Saarbrücken
Vom 3. Juni bis zum 7. Juni erkunden die
lehrer nrw
Senioren und Seniorinnen
die Landeshaupt- und Universitätsstadt Saarbrücken samt Umgebung.
Das vorgesehene Programm:
1. Tag: Mittwoch, 3. Juni
Individuelle Anreise per PKW oder per Bahn nach Saarbrücken zum 4* Hotel Mercure
Saarbrücken City, Hafenstraße 8, 66111 Saarbrücken, Check-in um 15:00 Uhr. Um 15:30 Uhr:
Führung Ludwigskirche und Stadtbesichtigung (Dauer etwa 2,5 Stunden). Abendessen im Hotel.
2. Tag: Donnerstag, 4. Juni
Nach dem Büffet-Frühstück steht der Vormittag zur freien Verfügung (Parks, Museen…).
Am späten Mittag Bahnfahrt nach Mettlach (etwa 30 bis 40 Minuten) und individuelle Besich-
tigung der Villeroy & Boch Welt und des Outlet Centers. Rückfahrt per Bahn, ggf. individuell.
3. Tag: Freitag, 5. Juni
Nach dem Frühstück um 9:30 Uhr Führung im Staatstheater (Dauer etwa 2 Stunden).
Nach der Mittagspause um 14:30 Uhr Schlossführung mit der Kammerzofe Frau Link
(Dauer etwa zwei Stunden).
4. Tag: Samstag, 6. Juni
Nach dem Frühstück per Bahn nach Mettlach. Tour mit dem Fahrgastschiff: ‘Saargold’ oder
‘Saarstern’ nach Saarburg. Insgesamt etwa 3 Stunden Aufenthalt im malerischen Saarburg,
Rückweg zu Fuß zum Schiff ab Wasserfall. Nach der Rückkehr in Mettlach gegen 17:15 Uhr
geht es per Bahn zurück nach Saarbrücken. Abendessen im Hotel.
5. Tag: Sonntag, 7. Juni
Nach dem Frühstück individuelle Heimreise oder optionale Verlängerung. Vorschlag:
Besuch der Völklinger Hütte.
Reisepreis: (bei 15 Personen) im EZ 720 Euro, ½ DZ 547 Euro. Darin enthalten sind: 4 Hotel/Ü/F,
2 HP, Stadt-, Kirchen-, Schloss- und Theaterbesichtigung, Eintritt Villeroy & Boch,
Schiffstour Mettlach-Saarburg-Mettlach und Kleinbahnfahrt.
Das 4-Sterne-Hotel Mercure Saarbrücken City, Hafenstraße 8, 66111 Saarbrücken liegt im
Stadtzentrum und verfügt über moderne, schallisolierte Zimmer (Nichtraucherzimmer) mit
Klimaanlage, Minibar, Kaffeemaschine und Sat-TV sowie über ein Restaurant mit Terrasse und
eine Bar. Das Restaurant Schlemmerie serviert deutsche und internationale Gerichte.
Anmeldung: bis 31. März 2026 unter www.lehrernrw.de/wp-content/uploads/lehrernrw-Anmeldung-Saarland-2026.pdf
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1/2026 ·
lehrer nrw
SENIOREN
Drei Tagestouren
Im Zeichen von Wissenschaft, Salzwelten, Prominenten und Karnevalisten
Exkursion nach Mülheim zum Max-Planck-Institut
A
Am 18. März besuchen die
lehrer nrw
Senioren und Seniorinnen das Max-Planck-Institut in Mülheim an der Ruhr. Dort erleben die Teil-
nehmenden eine informative und interessante Führung im Institut für Kohlenforschung.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgt um 15:00 Uhr eine Führung in der Sammlung Ziegler durch die Ausstellung ‘Im Garten der
Kunst: Marc, Macke, Heckel Jawlensky’. Das nach einer Renovierung 2024 neu eröffnete Kunstmuseum bietet in seinem historischen Gebäu-
de der ehemaligen Hauptpost ein besonderes Ambiente und überzeugt mit seinem Konzept. Kosten entstehen nur für das Mittagessen.
Anmeldungen sind noch bis zum 5. März möglich bei Petra Wiora-Köster, die die Planung und Durchführung übernommen hat:
wiora-koester@lehrernrw.de
Salzwelten in Bad Sassendorf
Prominente und Karnevalisten
A
Am 16. April treffen sich die Seniorinnen und Se-
nioren von
lehrer nrw
zu einer Führung auf dem
Melaten-Friedhof – dem ältesten und größten Friedhof
in Köln. Prominente wie Willy Millowitsch, Dirk Bach
oder Alfred Biolek haben hier ebenso ihre letzte Ruhe-
stätte gefunden wie mehrere Legenden des Kölner Kar-
nevals – von Willi Ostermann bis Marie-Luise Nikuta.
Mit dem Zug Anreisende treffen sich um 10:00 Uhr
am Hauptportal des Domes direkt am Hauptbahnhof.
Von dort fahren wir mit der Bahn zum Melaten-Fried-
hof. Autofahrer können ihr Auto auf dem Parkplatz an
der Piusstraße in Nähe vom Friedhof abstellen.
Die Führung dauert etwa 1,5 Stunden. Im Anschluss
daran fahren wir zurück in die Innenstadt zum Mittages-
sen in ein gemütliches Brauhaus. Beiträge für die Führung werden vor Ort eingesammelt. Nach dem Mittagessen ist Gelegenheit für
individuelle Erkundungen in Köln.
Anmeldung: bis 31. März 2026 bei Monika Holder unter Tel. 02739 1899 oder per Mail: holder@lehrernrw.de
I
In den Westfälischen Salzwelten erwartet die Teilnehmenden dieser Exkursion
am 20. Mai ein ganz besonderer Workshop. Ab 11:00 Uhr dreht sich alles
ums Salzsieden. Der Workshop dauert zwei bis drei Stunden und beinhaltet das
Sieden an der Siedepfanne und viele Informationen über die Kunst des Salzsie-
dens. Während die Salzsole kristallisiert, bekommen wir eine Führung durch die
Salzwelten. Zum Schluss kehren wir an die Siedepfanne zurück und können un-
sere eigene auskristallisierte Bad Sassendorfer Natursole mitnehmen.
Anschließend geht es weiter zum Kurpark, wo die
lehrer nrw
-Gruppe gegen
14:00 Uhr im Café Brunnenhaus einkehrt. Danach kann man den Kurpark, die
Saline oder das Thermalbad besichtigen. Wer möchte, kann auch im Thermal-
bad in der Sole schwimmen gehen.
Kosten: Der Workshop mit Eintritt kostet für
eine Gruppe bei maximal 25 Personen 270 Euro.
Bei 15 bis 25 Teilnehmenden entstehen Eintrittskosten
zwischen 10 und 18 Euro.
Anreise:
Mit der Bahn
(RB 89): Der Bahnhof liegt
etwa fünf Gehminuten von den Salzwelten entfernt.
Mit dem Auto:
Adresse fürs Navi: Am Haullenbach 1,
59505 Bad Sassendorf. Die Parkplätze sind kostenlos.
Anmeldung: bis zum 5. Mai bei Monika Holder unter
Tel. 02739 1899 oder per Mail: holder@lehrernrw.de
Der Melaten-Fried-
hof zeichnet sich
durch eine besonde-
re Atmosphäre und
viel Natur aus.
Foto: AdobeStock/bilderstoeckchen
lehrer nrw ·
1/2026
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Eine Änderung bei der Mehrarbeitsvergütung bringt für teilzeitbe-
schäftigte Lehrkräfte eine deutliche Verschlechterung mit sich. Die
Einführung einer Bagatellgrenze macht die Teilzeit-Tätigkeit – und
damit auch den Lehrberuf als Ganzes – um einiges unattraktiver.
B
Bisher erfolgte die Abrechnung von
Mehrarbeit bei teilzeitbeschäftigten
Lehrkräften ab der ersten Vertre-
tungsstunde. Nach einer Änderung von § 61
Landesbeamtengesetz NRW (LBG) soll dies
nicht mehr gelten. Nachdem dies von der
Bezirksregierung Köln kommuniziert wurde,
ist davon auszugehen, dass Selbiges eher
über kurz als über lang auch in den anderen
Regierungsbezirken gelten soll.
Nachteile für teilzeit-
beschäftigte Lehrkräfte
Hintergrund ist, dass in § 61 Absatz 1 LBG
ein weiterer Satz neu eingefügt worden ist.
Das ist für teilzeitbeschäftigte Beamtinnen
und Beamte grundsätzlich eine gute Nach-
richt, da ihre Bagatellgrenze bei Mehrarbeit
abgesenkt wird. Allerdings ist das nicht für
alle Beamtinnen und Beamten eine gute
Nachricht. Denn für teilzeitbeschäftigte
Lehrkräfte galt bisher folgendes: Während
vollzeitbeschäftigte Lehrkräfte eine Mehrar-
beitsvergütung immer erst dann erhalten,
wenn mehr als drei Unterrichtsstunden in
einem Monat tatsächlich geleistet wurden1
und der Ausgleich dann ab der ersten Stun-
de erfolgt, galt eine derartige sogenannte
Bagatellgrenze bei der Vergütung von Mehr-
arbeit für Teilzeitbeschäftigte bislang nicht.
Teilzeitbeschäftigte Lehrerinnen und Lehrer
haben bisher ab der ersten Stunde, die über
ihr Deputat hinausgeht, eine Vergütung er-
halten. Diese richtet sich bis zur Stunden-
zahl eines Vollzeitdeputats nach der ent-
sprechenden anteiligen Besoldung und nicht
RECHT§AUSLEGER
von CHRISTOPHER LANGE
F
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Ab wann
wird geleistete
Mehrarbeit zur Bagatelle?
Die Einführung einer Bagatellgrenze
für teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte
trägt weder zu einer leistungs-
gerechten Bezahlung, noch zur
Attraktivität des Lehrberufs bei.
29
1/2026 ·
lehrer nrw
eingesetzt werden, also mindestens zwei
Unterrichtsstunden.
So soll es nach den Angaben der Be-
zirksregierung Köln sein. Es scheint, als
habe man schlicht eine passende Gele-
genheit gefunden, um die bisherige Rege-
lung zu beseitigen, dass keinerlei Baga-
tellgrenze für Lehrkräfte in Teilzeit gilt.
Die Devise scheint zu lauten: Wenn Beam-
te in Teilzeit eine quotenmäßige Bagatell-
grenze haben, warum dann nicht auch
Lehrkräfte in Teilzeit? Darauf gilt es, sich
fürs erste einzustellen, wenn man Teilzeit-
kraft ist.
Einige Unstimmigkeiten
Nimmt man die Anweisungen der Bezirks-
regierung Köln allerdings genauer unter
die Lupe, so fallen einige Unstimmigkeiten
auf: So wird in den neuen Vorgaben durch
die Bank von Lehrkräften gesprochen und
nicht nach Beamten- oder Angestelltensta-
tus unterschieden. Dabei gilt der besagte
§ 61 Absatz 1 LBG eigentlich nur für Beam-
tinnen und Beamte.
Außerdem ist nicht ausdrücklich klarge-
stellt, dass es sich bei den in Rede stehen-
den abgehaltenen Stunden einer Teilzeit-
kraft nur um die handeln kann, die sogar
über ein Vollzeitdeputat hinausgehen. Da-
von ist auszugehen, denn es wäre ein kla-
rer Verstoß gegen § 66 Absatz 2 Landesbe-
soldungsgesetz NRW und den Entgelt-
gleichheitsgrundsatz, wenn auch Stunden
einer Teilzeitkraft, die über ihr individuelles
Deputat, aber unterhalb eines Vollzeitde-
putats liegen, anders als für eine Vollzeit-
kraft aufgrund einer Bagatellgrenze nicht
vergütet würden.
Vorerst haben teilzeitbeschäftigte Lehr-
kräfte also ein Problem. Da ist es auch nur
ein schwacher Trost, dass es in Teilen des
NRW-Parteienspektrums dem Vernehmen
nach Überlegungen gibt, die Bagatellgren-
ze komplett abzuschaffen. Ob daraus et-
was wird, muss sich erst noch zeigen.
Bis auf Weiteres gilt es also, zähneknir-
schend die Umsetzung der Neuerungen
durch die Schulleitungen abzuwarten.
1Die Bagatellgrenze von fünf Zeitstunden entspricht
im Schulbereich drei Unterrichtsstunden.
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange leitet die Rechtsabteilung
des
lehrer nrw
E-Mail: Rechtsabteilung@lehrernrw.de
KLAR POSITIONIERT
lehrer nrw
hat zur Teilzeit-Problematik
bereits klar Stellung bezogen: »Teilzeit
hat Gründe. Wer an Schule in Teilzeit ar-
beitet, macht das nicht wegen des Life-
styles«, betonte die stellvertretende Ver-
bandsvorsitzende Sarah Wanders auf
dem Instagram-Kanal von
lehrer nrw
.
»Bagatellgrenzen sind keine Bagatelle«,
ergänzte Vorsitzender Sven Christoffer.
»Wer mehr arbeitet, muss auch mehr
verdienen – egal ob in Teilzeit oder in
Vollzeit!«
nach der Mehrarbeitsvergütungsverord-
nung im Schulbereich. Entsprechend dieser
Verordnung erfolgt bislang die Vergütung,
soweit tatsächlich darüber hinausgehend
Stunden geleistet werden. Die Bagatell-
grenze soll im Gegensatz dazu nun auch
für Teilzeitbeschäftigte gelten, und zwar
proportional zu deren individueller Teilzeit-
quote.
Mehrarbeits-Vergütung
erst ab Überschreiten
der Bagatellgrenze
Das heißt, eine Vergütung ab der ersten
Stunde soll künftig erst ab Überschreiten
dieser proportionalen Bagatellgrenze in
Betracht kommen. Kann eine Teilzeitlehr-
kraft kein Mehrarbeitsvolumen leisten,
welches die anteilige Bagatellgrenze über-
schreitet, soll sie im Gegensatz zur bisheri-
gen Praxis keinen finanziellen Ausgleich
für die geleistete Mehrarbeit unterhalb der
Bagatellgrenze erhalten.
Dies soll mit folgendem fiktivem Fall
veranschaulicht werden: Eine Lehrkraft
arbeitet sechzig Prozent Teilzeit. Ihre antei-
lige Bagatellgrenze beträgt dann sechzig
Prozent der regulären Bagatellgrenze in
Höhe von drei Unterrichtsstunden. Ihre in-
dividuelle Bagatellgrenze läge somit bei
1,8 Unterrichtsstunden. Um die Vergütung
auch für diese Mehrarbeitsstunden zu er-
halten, müsste sie also über 1,8 Unter-
richtsstunden im Rahmen von Mehrarbeit
lehrer nrw ·
1/2026
30
ANGESPITZT
N
Natürlich war früher alles besser. Die
Winter zum Beispiel: Wer erinnert
sich nicht an meterhohe Schneeverwe-
hungen, die ganze Häuser unter sich
begruben? Wochenlang war man von
der Außenwelt abgeschnitten. Die Ta-
geshöchstwerte lagen bei minus drei-
undzwanzig Grad – von ‘gefühlten’
Temperaturen gar nicht zu reden, die
waren damals noch nicht erfunden
(wie gesagt – früher war alles besser).
Aber ist wegen so ‘nem bisschen
Winter etwa die Schule ausgefallen?
Selbstverständlich nicht! Ein Facebook-
User, nennen wir ihn mal Harry, erinnert
sich recht lebhaft: »1978 sind wir bis zu
den Hüften im Schnee zu Fuß zur Schu-
le, sieben KilometerWer derart ge-
stählt ins Leben gestartet ist, muss
natürlich Schnappatmung kriegen
angesichts der Entscheidung des NRW-
Schulministeriums, am 12. Januar den
Präsenzunterricht auszusetzen. Wegen
Glättegefahr. Grundlage der Entschei-
dung war eine Warnung des Deutschen
Wetterdienstes vor gefrierendem Re-
gen, der das Land in der Nacht zu je-
nem schicksalhaften Montag überzie-
hen sollte. Nun ja, für das gefürchtete
Blitzeis hat es dann doch nicht gereicht,
weil die Temperaturen in weiten Teilen
des Landes schon in den frühen Nacht-
stunden deutlich ins Plus drehten.
Diverse Social Media-Experten dreh-
ten daraufhin ebenfalls, und zwar am
Rad. »Absolute Lachnummer. Wir bilden
nur noch Weicheier und Waschlappen
aus«, analysierte zum Beispiel unser
Facebook-Freund Harry gewohnt sach-
lich. Und so spannten sich in den sozia-
len Netzwerken abenteuerliche Argu-
mentationsketten von inkompetenten
Politkern, faulen Lehrern und verweich-
lichten Schülern in Mamataxis bis hin
zum ‘Billig-Abitur‘ und einem Land im
Abstieg. Ach ja, der Klimawandel kam
auch vor (»wo isser denn, euer Klima-
wandel?«).
Nun gut, ein solches Shitstörmchen
kann Schulministerin Dorothee Feller
souverän weglächeln. Man stelle sich
mal vor, was es für ein Geschrei gege-
ben hätte, wäre diese ministerielle Ent-
scheidung nicht gefallen und hätte sich
nur ein Kind auf dem Schulweg ein Bein
gebrochen (oder Schlimmeres). Dann
hätte die Facebook-Junta vermutlich
das Jüngste Gericht heraufbeschworen.
Ob die Entscheidung richtig oder
falsch war, konnte sich zwangsläufig
erst am Morgen danach herausstellen.
Die Ministerin aber musste am Tag da-
vor entscheiden – und sie hat in einer
nicht ganz einfachen Gemengelage Ver-
antwortung übernommen. Das verdient
Respekt und keine Pöbeleien. Womit wir
wieder beim Eingangssatz wären:
Früher war alles besser – vor allem die
Manieren, lieber Harry! Jochen Smets
Ein winterliches Shitstörmchen
Karneval-
Wortgitter
Finden Sie die zehn versteckten Kar-
nevalsbegriffe im Buchstabengitter.
Die Wörter können waagerecht,
senkrecht und diagonal verlaufen.
Umlaute sind ausgeschrieben
(ä = ae, ö = oe, ü = ue).
Diese Wörter sind versteckt:
BUETTENREDE
HELAU
MASKE
ALAAF
SCHUNKELN
KOSTUEM
FASTNACHT
KAMELLE
KONFETTI
KARNEVAL
Karneval-Anagramme
Da hat wohl jemand schon zu kräftig gefeiert und dabei die Buchstaben durcheinandergewirbelt. Können Sie diese fünf karnevalistischen
Begriffe entziffern? 1. NNRAPRPAKEE | 2. GWUGEAUZMSN | 3. PGAENIRRZDNE | 4. RMGEOSNAONT | 5. ECRTZIHAANMEN
Über Feedback zu meinen Gehirnjogging Übungen würde ich mehr sehr freuen: mail@heike-loosen.de Heike Loosen
Sätze mit Homonymen und Homophonen
Ergänzen Sie die fehlenden Wörter in diesen karnevalistischen
Redensarten und Sprichwörtern. Pro Lücke fehlt genau ein Wort.
1. Karneval ist die fünfte _ im Jahr.
2. Am Rosenmontag regnet es _ und _.
3. Jedem Narren gefällt seine _ am besten.
4. Wenn die Narren die Rathäuser stürmen, haben die _ Pause.
5. Dreimal Kölle _, dreimal hoch!
6. Nach dem Karneval ist vor dem _.
7. Die _ Tage vor Aschermittwoch sind die tollsten.
8. Wer im Karneval nicht _, hat das ganze Jahr schlechte Laune.
9. Am _ ist alles vorbei.
10. Narren haben mehr _ als Könige.
HIRNJOGGING
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1/2026 ·
lehrer nrw
Aufgabe 2 Lösung: 1. NARRENKAPPE | 2. UMZUGSWAGEN | 3. PRINZENGARDE | 4. ROSENMONTAG | 5. TANZMARIECHEN | Aufgabe 3 Lösung: 1. Jahreszeit | 2. Kamelle, Strüßjer | 3. Kappe |
4. Politiker | 5. Alaaf | 6. Karneval | 7. Tollen | 8. lacht (oder: feiert, tanzt) | 9. Aschermittwoch | 10. Freiheit
AUFGABE 1
AUFGABE 2
AUFGABE 3