3Unter der Lupe
Schulvielfalt
erhalten!
22 Schule & Politik
Vom Frust, als Lehrkraft die
Probleme der Gesellschaft
auffangen zu müssen
28 Recht§ausleger
Alimentation 2.0
6Im Brennpunkt
Lifestyle-Teilzeit:
Eine unsägliche
Debatte
SPD-Pläne
zur Schulreform
Vielfalt
in Gefahr!
Pädagogik & Hochschul Verlag . Graf-Adolf-Straße 84 . 40210 Düsseldorf · Foto: AdobeStock
1781 | Ausgabe 2/2026 | MAI | 70. Jahrgang
INHALT
lehrer nrw ·
2/2026
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UNTER DER LUPE
Sven Christoffer: Schulvielfalt erhalten! 3
BRENNPUNKT
Sarah Wanders: Lifestyle-Teilzeit
Eine unsägliche Debatte 6
JUNGE LEHRER NRW
Tobias Braune: Warum Lehrkraft werden? 8
TITEL
Starker Auftritt
lehrer nrw und VDR auf der didacta 10
SCHULE & POLITIK
Keine Neutralität gegenüber
Verfassungsfeinden! 13
Notversorgung ist keine Dauerlösung 14
Den Anschluss erreicht!
Ein Kompromiss mit fadem Beigeschmack 16
Ein bisschen Mitbestimmung 18
Michael von Kunhardt: Mentale Stärke
und Leistung gehören zusammen
Resilienz als Schlüsselkompetenz
im Bildungssystem 20
Tom Schipper: Vom Frust,
als Lehrkraft die Probleme der
Gesellschaft auffangen zu müssen
Eine Klage 22
FORTBILDUNGEN
Ersatzschulen rechtliche Besonderheiten 24
SENIOREN
Auf den Spuren von Nobelpreisträgern 26
IT-Fortbildung: Alles rund
um Smartphone, PC & Co. 27
Herbstfahrt nach Bad Lauterberg 27
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange: Alimentation 2.0 28
ANGESPITZT
Jochen Smets: Basisdemokratie
ohne Lehrkräfte 30
HIRNJOGGING
Aufgabe 1: Buchstabenjagd im Frühling
Aufgabe 2: Buchstabensuche
Aufgabe 3: Finger-Koordination 31
IMPRESSUM
lehrer nrw
– G 1781 –
erscheint sechs Mal jährlich
als Zeitschrift des
‘lehrer nrw’
ISSN 2568-7751
Der Bezugspreis ist für
Mitglieder des
‘lehrer nrw’
im Mitgliedsbeitrag enthal-
ten. Preis für Nichtmitglieder
im Jahresabonnement:
35,– inklusive Porto
Herausgeber und
Geschäftsstelle
lehrer nrw e.V.
Nordrhein-Westfalen,
Graf-Adolf-Straße 84,
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Redaktion
Sven Christoffer,
Christopher Lange,
Tom Schipper,
Jochen Smets,
Sarah Wanders,
Tobias Braune,
Düsseldorf
Verlag und
Anzeigenverwaltung
PÄDAGOGIK &
HOCHSCHUL VERLAG
dphv-verlags-
gesellschaft mbH,
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vom 1. Oktober 2023
Zuschriften und
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Für unverlangt eingesandte
Manuskripte kann keine
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Namentlich gekennzeichnete
Beiträge geben die Meinung
ihrer Verfasser wieder.
Schulvielfalt
erhalten!
Die NRW-SPD kramt mal wieder ihr Lieblings-
thema aus der Wahlkampf-Mottenkiste – und
offenbart dabei ein merkwürdiges Verständnis
von Chancengleichheit.
D
Die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen
werfen ihre Schatten voraus. Die SPD hat
mit Jochen Ott ihren Spitzenkandidaten
gekürt. Der ehemalige schulpolitische Sprecher
und jetzige Fraktionschef der SPD-Landtagsfrakti-
on ist von Beruf Lehrer. Es überrascht deshalb we-
nig, dass er die Bildungspolitik zu einem zentralen
Wahlkampfthema seiner Partei machen will. Er-
klärtes Ziel ist der radikale Umbau der nordrhein-
westfälischen Schulstruktur. Auf der Strecke blei-
ben sollen Realschulen, Hauptschulen und Sekun-
darschulen.
Nicht konsensfähig
Werfen wir einen Blick zurück in den Herbst 2025.
Eine fraktionsübergreifende Enquetekommission
des NRW-Landtags zum Thema ‘Chancengleich-
heit in der Bildung’ legt nach über zwei Jahren
Arbeit ihren Abschlussbericht vor. Herzstück des
Berichts ist Kapitel 7 mit nicht weniger als 248
Handlungsempfehlungen. Kapitel 8 enthält Son-
dervoten einzelner Fraktionen, die nicht konsens-
fähig waren und deshalb keinen Eingang in die
Handlungsempfehlungen gefunden haben. Hier
findet sich auch das Sondervotum der Fraktion
der SPD zum Thema Schulstruktur:
»Aus Sicht der SPD-Fraktion fehlt in den Hand-
lungsempfehlungen zum Thema Schulstruktur ei-
ne Empfehlung zu Schulformen. Die SPD-Fraktion
empfiehlt daher, an den sog. Schulfrieden sowie
das 17. SchRÄG anzuknüpfen und das Schulform-
angebot im Sinne einer besseren Nachvollziehbar-
keit für die Eltern und einer verbesserten System-
kenntnis, einer effizienteren Steuerung sowie ei-
ner in der Fläche gleichmäßigen Verteilung aller
Bildungsgänge binnen einer Dekade schrittweise
auf ein zweigliedriges Modell bestehend aus den
beiden Schulformen der Sekundarstufe I und Se-
kundarstufe II (Gymnasien und Gesamtschulen)
und einer Schulform für die Sekundarstufe I zu
reduzieren. Die Gymnasien und Gesamtschulen
bleiben als Schulen der Sekundarstufe I und II
bestehen. Haupt-, Sekundar- und Realschulen
werden sukzessive auf eine Schulform der Sekun-
darstufe I verschmolzen, die alle Abschlüsse der
Sekundarstufe I anbietet.«
»Im Wesentlichen nur noch
Gymnasien und Gesamtschulen«
Nur wenige Monate später kündigt Jochen Ott,
der designierte SPD-Spitzenkandidat für die Land-
tagswahl 2027, an, er wolle im Falle eines Wahl-
siegs ein zweigliedriges Schulsystem in Nord-
rhein-Westfalen einführen. Bis zum Ende der
nächsten Wahlperiode im Jahr 2032 strebe er ein
Schulsystem an, das nach den Grundschulen im
Wesentlichen nur noch Gymnasien und Gesamt-
schulen umfassen solle. Da staunt der Laie und
der Fachmann wundert sich! Sollten die Haupt-,
Sekundar- und Realschulen im Herbst nach dem
Willen der SPD noch zu einer Schulform ver-
schmolzen werden, spielen sie im Frühjahr ‘im
Wesentlichen’ überhaupt keine Rolle mehr. Wenn
die SPD auf ihrem bildungspolitischen Parforceritt
in dem Tempo weitermacht, gibt es im kommen-
den Winter nur noch eine weiterführende Schul-
form als Zielperspektive. Welche das dann wohl
wäre, überlasse ich ganz Ihrer geschätzten Fanta-
sie.
Ein elitäres Bildungsverständnis
Geht es nach Jochen Ott, haben wir in Nordrhein-
Westfalen künftig ‘im Wesentlichen’ nur noch
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lehrer nrw
UNTER DER LUPE
von SVEN CHRISTOFFER
lehrer nrw ·
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UNTER DER LUPE
weiterführende Schulformen, die zum Abitur füh-
ren. Dahinter steckt aus meiner Sicht ein elitäres
Bildungsverständnis, das so gar nicht zu der tradi-
tionellen Arbeiterpartei SPD passt: Eine erfolgrei-
che Schulkarriere endet mit dem Abitur, wer die
Schule ‘nur’ mit einem Real- oder Hauptschulab-
schluss verlässt, ist quasi gescheitert. Weiterfüh-
rende Schulformen, die den direkten Weg zum
Abitur nicht im Repertoire haben, gehören des-
halb abgeschafft – mindestens aber verschmolzen
und somit ihres Profils beraubt. Jochen Ott ver-
kennt, dass Realschulen, Hauptschulen und Se-
kundarschulen herausragende Arbeit leisten, ins-
besondere auch im Umgang mit Schülerinnen und
Schülern, die es im Leben oft nicht leicht haben.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Für viele Schü-
lerinnen und Schüler sind die Gymnasien und die
Gesamtschulen die richtigen Schulformen, aber
eben nicht für alle. Liefe es auf eine
Zweigliedrigkeit hinaus, gäbe es in Nord-
rhein-Westfalen nur noch große weiterführende
Systeme. Die SPD zöge damit sehr vielen Kindern
den Boden unter den Füßen weg – nämlich jenen,
die übersichtliche Systeme und familiäre Struktu-
ren brauchen. Und genau das bieten Realschulen,
Hauptschulen und Sekundarschulen, an denen die
Schülerzahlen in der Regel deutlich geringer sind
als an den Gymnasien und den Gesamtschulen.
Bildungskarrieren im Vergleich
Ist es denn wirklich so, dass allein das Abitur selig
macht? Ist jemand, der die Schule mit einem
Hauptschulabschluss verlässt, erfolgreich eine
Ausbildung im Handwerk absolviert, seine Gesel-
len- und Meisterprüfung ablegt und sich selbst-
ständig macht, ein Bildungsverlierer? Sicherlich
nicht. Und ist jemand, der mit Ach und Krach und
unter großem Aufwand das Abitur besteht, ein
Foto: AdobeStock/sutadimages
Mangelnde Weitsicht:
Der SPD-Vorschlag zur Schul-
struktur offenbart ein elitäres
Bildungsverständnis und wird
den Bedürfnissen vieler
Schülerinnen und Schüler
nicht gerecht.
Studium beginnt, um nach zwei bis drei Semes-
tern festzustellen, dass er überfordert ist, automa-
tisch ein Bildungsgewinner? Nicht zwangsläufig.
In diesem Zusammenhang zitiere ich gerne Pro-
fessor Dr. Rainer Dollase, der auf dem Mülheimer
Kongress einmal äußerte, er habe keine Angst da-
vor, dass es irgendwann einmal nicht mehr genü-
gend Doktorarbeiten über Mao Tse-tung geben
werde, dass er aber sehr wohl Angst davor habe,
dass ihm irgendwann einmal niemand mehr sein
Dach reparieren könne. Schulformen in den Regen
zu stellen, deren Profil auf Praxis- und Berufs-
wahlorientierung ausgerichtet ist und die enorme
Wertschätzung durch die regionale Wirtschaft er-
fahren, ist kurzsichtig – sowohl unter pädagogi-
schen als auch unter ökonomischen und gesamt-
gesellschaftlichen Aspekten.
Debatte zur Unzeit
Ich stelle mir vor, wie nordrhein-westfälische Bil-
dungsexpertinnen und -experten der SPD um ei-
nen Tisch versammelt sind, befasst mit der Frage:
Was sind die drängendsten bildungspolitischen
Probleme unserer Zeit? Unter welcher Überschrift
wollen wir in den Wahlkampf ziehen, um die
Hoheit über die Völklinger Straße zu gewinnen?
Erste zaghafte Äußerungen: Der Lehrkräftemangel
könnte ein Thema sein, eventuell auch der Unter-
richtsausfall, defizitäre Ergebnisse der nordrhein-
westfälischen Schülerinnen und Schüler in Bil-
dungsstudien oder auch der katastrophale Zu-
stand vieler Schulgebäude. Dann steht einer auf
und ruft lauthals: »Ich hab’s! Wir verschmelzen
einfach ein paar Schulformen oder schaffen sie
am besten gleich ganz ab. Fünf sind viel zu un-
übersichtlich, die Hälfte tut’s auch. Das löst auch
alle anderen ProblemeWohlwollendes Nicken
im ganzen Raum. An dieser Stelle breche ich ab,
denn meine Mutter hat mich gelehrt, die Überzeu-
gungen anderer Menschen zu respektieren, auch
wenn sie den eigenen zuwiderlaufen. Schließlich
ist des Menschen Wille sein Himmelreich.
Sven Christoffer ist Vorsitzender des
lehrer nrw
sowie stellv. Vorsitzender des HPR Realschulen
E-Mail: christoffer@lehrernrw.de
UNTER DER LUPE
lehrer nrw ·
2/2026
6
D
Die Debatte um die sogenannte ‘Life-
style-Teilzeit’ hat in den vergange-
nen Monaten deutlich an Schärfe
gewonnen. Der Antragsentwurf der Mittel-
stands- und Wirtschaftsunion ‘Kein An-
spruch auf Lifestyle-Teilzeit’ schlug bundes-
weit hohe Wellen, auch bei Beschäftigten
an Schule. In Nordrhein-Westfalen werden
schon jetzt Anträge auf Teilzeitbeschäfti-
gung, die nicht aus familiären Gründen
gestellt werden, angesichts des eklatanten
Lehrkräftemangels häufig nur eingeschränkt
oder gar nicht mehr genehmigt. Der Begriff
‘Lifestyle-Teilzeit’ suggeriert, unter anderem
Lehrkräfte reduzierten ihre Arbeitszeit aus
Bequemlichkeit oder zur Optimierung ihrer
Work-Life-Balance – gewissermaßen als in-
dividuelles Komfortmodell auf Kosten des
Systems. Diese Verkürzung greift nicht nur
zu kurz, sie verkennt auch die Realität an
unseren Schulen.
Teilzeit ist selten ‘Lifestyle’
Ein Blick auf die Gründe für Teilzeitbeschäf-
tigung zeigt ein differenziertes Bild. Ein er-
heblicher Anteil der Kolleginnen und Kolle-
gen arbeitet aus familiären Gründen in re-
duziertem Umfang: Kinderbetreuung, Pflege
von Angehörigen, Vereinbarkeit von Beruf
und Familie. Gerade in einem Berufsfeld, in
dem flexible Arbeitszeiten nur begrenzt
möglich sind und Präsenzzeiten fest im
Stundenplan verankert werden, ist Teilzeit
oft das einzige Instrument, um familiäre
Verantwortung zu übernehmen.
Hinzu kommen gesundheitliche Gründe.
Die Zahl der Lehrkräfte, die ihre Stundenzahl
aus Gründen der physischen oder psy-
chischen Belastung reduzieren, ist in den
vergangenen Jahren spürbar gestiegen.
Burnout-Symptome, stressbedingte Erkran-
kungen, Stimmprobleme oder psychosoma-
tische Beschwerden sind keine Randerschei-
nungen mehr. Wer hier von ‘Lifestyle’
spricht, blendet die realen Belastungen
des Schulalltags aus.
Zunehmende
Arbeitsverdichtung
Die Arbeitsbelastung im Lehrberuf hat sich
in den letzten Jahren erheblich verändert.
Neben dem Kerngeschäft – Unterricht pla-
nen, durchführen und reflektieren – sind
zahlreiche zusätzliche Aufgaben zu bewälti-
gen: individuelle Förderung, Inklusion, Inte-
gration, Sprachförderung, Digitalisierung,
Dokumentationspflichten, Schulentwick-
lung, Elternarbeit und vieles mehr. Reformen
wie zum Beispiel die Umsetzung der Inklusi-
on oder die Einführung zusätzlicher Ver-
gleichsarbeiten im Rahmen des Schulkom-
passes 2030 erhöhen den Koordinations-
und Abstimmungsaufwand.
Die Digitalisierung schreitet auch an
unseren Schulen endlich voran. Allerdings
verbessert die technische Ausstattung allein
den Unterricht nicht; sie verlangt Fortbil-
dung, Konzeptentwicklung und Support-
strukturen – Aufgaben, die häufig zusätzlich
auf den Schultern der Lehrkräfte lasten.
Gleichzeitig bleibt die personelle Ausstat-
tung vieler Schulen hinter dem Bedarf zu-
rück. Vertretungsreserven sind knapp, Stel-
len bleiben unbesetzt, Seiteneinsteigerinnen
und -einsteiger müssen eingearbeitet wer-
den. Die Folge ist eine strukturelle Arbeits-
verdichtung. Wer unter diesen Bedingungen
seine Stundenzahl reduziert, tut dies häufig,
um langfristig arbeitsfähig zu bleiben –
nicht, um sich ein bequemes Leben zu
machen.
von SARAH WANDERS
Lifestyle-
Teilzeit
Eine unsägliche Debatte
Foto: AdobeStock
BRENNPUNKT
BRENNPUNKT
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lehrer nrw
Teilzeit als
Präventionsinstrument
Teilzeit kann ein wirksames Instrument der
Gesundheitsprävention sein. Studien zur
Lehrkräftegesundheit zeigen seit Jahren,
dass chronische Überlastung zu erhöhten
Krankheitsquoten und Frühpensionierungen
führt. Eine moderate Reduzierung der Unter-
richtsverpflichtung kann helfen, Belastungs-
spitzen abzufedern, Regenerationszeiten
zu schaffen und damit die Verweildauer im
Beruf zu verlängern.
Gerade vor dem Hintergrund des Lehr-
kräftemangels ist es kontraproduktiv, Teilzeit
pauschal zu problematisieren. Jede Kollegin,
jeder Kollege, der durch eine reduzierte
Stundenzahl langfristig im Dienst gehalten
werden kann, ist ein Gewinn für das Sys-
tem. Die Alternative wäre nicht selten eine
Teildienstfähigkeit oder sogar vollständige
Dienstunfähigkeit – mit deutlich gravieren-
deren Folgen für die Unterrichtsversorgung
und hohen Kosten für das Land. Diese Ent-
wicklung hat seit dem Inkrafttreten des
Handlungskonzeptes Unterrichtsversorgung
im Dezember 2022 mit der Beschränkung
der anlasslosen Teilzeit (also nicht aus fami-
liären Gründen) deutlich zugenommen.
Hierzu möchte ich aus der Antwort auf eine
Kleine Anfrage der FDP vom 22. Januar
2025 (Drucksache 18/16843) zitieren:
1. Welche Zahlen liegen der Landesregie-
rung über die Deputatsreduzierungen
durch begrenzte Dienstfähigkeit
(‘Teildienstfähigkeit’) vor? (Bitte
aufschlüsseln nach Regierungsbezirken
und Schulformen)
2. Wie haben sich die Fälle von Teildienst-
fähigkeit und damit einhergehender
Deputatsreduzierung in absoluten
Zahlen in den letzten fünf Jahren
entwickelt? (Bitte aufschlüsseln nach
Regierungsbezirken und Schulformen)
Die Fragen 1 und 2 werden aus
Gründen des Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Das Landesamt für Besoldung und
Versorgung hat für die Jahre 2020 bis
2024 folgende Zahlfälle bei Lehrkräf-
ten ermittelt:
2020: 195
2021: 495
2022: 558
2023: 685
2024: 1067
4. Welche Kosten sind dem Land Nord-
rhein-Westfalen in den vergangenen
fünf Jahren durch die Zuschüsse zu Teil-
zeitgehältern bei Lehrkräften mit be-
grenzter Dienstfähigkeit entstanden?
Das Landesamt für Besoldung und Ver-
sorgung NRW hat für die Jahre 2020
bis 2024 folgende Kosten bei Lehr-
kräften ermittelt:
2020: 1 139 047,26 Euro.
2021: 4 500 148,56 Euro.
2022: 5 181 553,64 Euro.
2023: 6 972 757,91 Euro.
2024: 10 443 259,13 Euro.
Ich denke, diese sehr eindeutigen Zahlen
bedürfen keiner weiteren kommentierenden
Einordnung. Zudem sollte nicht außer Acht
gelassen werden, dass die Kolleginnen und
Kollegen, die in Teilzeit arbeiten, schließlich
auch auf Geld verzichten, um gesund und
somit dem System erhalten zu bleiben.
Strukturelle Ursachen
statt individueller
Schuldzuweisungen
Die Diskussion um ‘Lifestyle-Teilzeit’ ver-
schiebt den Fokus von strukturellen Pro-
blemen auf individuelle Entscheidungen.
Statt die Arbeitsbedingungen zu verbes-
sern, wird implizit die Verantwortung bei
den Lehrkräften gesucht. Doch der Lehr-
kräftemangel ist nicht das Resultat indivi-
dueller Arbeitszeitmodelle, sondern einer
über Jahre unzureichenden Personalpla-
nung, steigender Anforderungen und
demografischer Entwicklungen.
Wenn Teilzeit noch stärker reguliert
oder nur noch aus familiären Gründen
genehmigt wird, stellt sich die Frage nach
der Attraktivität des Berufs. Junge Men-
schen entscheiden sich nicht nur auf-
grund der Besoldung für oder gegen den
Lehrberuf, sondern auch aufgrund der
Arbeitsbedingungen. Eine restriktive
Teilzeitpolitik sendet hier ein proble-
matisches Signal.
Statt Teilzeit zu stigmatisieren, braucht
es nachhaltige Maßnahmen zur Entlas-
tung: eine ehrliche Debatte über die tat-
sächliche Wochenarbeitszeit, administrati-
ve Unterstützung durch nichtlehrendes
Personal, multiprofessionelle Teams, ver-
lässliche Vertretungsreserven. Ebenso er-
forderlich sind Investitionen in Prävention
und Gesundheitsmanagement.
Die Rede von der ‘Lifestyle-Teilzeit’ ver-
kennt die Realität an unseren Schulen. Sie
individualisiert strukturelle Probleme und
droht, die falschen Anreize zu setzen. Teil-
zeit ist für viele Kolleginnen und Kollegen
kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit –
aus gesundheitlichen, familiären oder be-
lastungsbedingten Gründen.
Eine starke Schule braucht gesunde,
motivierte Lehrkräfte. Wer Teilzeit pauschal
infrage stellt, riskiert das Gegenteil. Die
eigentliche Herausforderung liegt nicht in
der Arbeitszeit einzelner, sondern in den
Rahmenbedingungen des Systems.
Sarah Wanders ist stellv. Vorsitzende des
lehrer nrw
sowie Vorsitzende des HPR Realschulen
E-Mail: wanders@lehrernrw.de
Wer als Lehrkraft
in Teilzeit geht
(und dafür auf nicht wenig
Geld verzichtet), hat dafür
gute Gründe – und die
haben in den seltensten
Fällen mit Lifestyle
zu tun.
lehrer nrw ·
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JUNGE LEHRER NRW
Warum Lehrkraft werden?
Weil es, bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen, ein ganz toller Beruf ist.
Ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht.
I
In letzter Zeit hört man immer wieder die
Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt,
Lehrkraft zu werden. Und diese Diskussi-
on kommt nicht von ungefähr. Die Rahmen-
bedingungen an vielen Schulen sind, gelin-
de gesagt, schwierig. Personalmangel, im-
mer neue Aufgaben, hohe Erwartungen aus
allen Richtungen und gleichzeitig oft zu we-
nig Unterstützung. Der Lehrkräfteberuf ist
in vielen Bereichen nicht mehr so, wie er
früher einmal war. Und man muss auch
sagen: Die Politik tut bisher viel zu wenig,
um diese Situation wirklich grundlegend zu
verbessern.
Eine ziemlich unüberlegte
Entscheidung…
Genau deshalb habe ich mir vorgenommen,
einmal ganz persönlich darüber zu spre-
chen. Vor allem auch, weil mein eigener
Weg in den Lehrkräfteberuf gar nicht so
typisch war. Viele erzählen ja, dass sie schon
als Kinder wussten, dass sie später einmal
Lehrkraft werden möchten. Bei mir war das
nie der Fall. Ich habe ursprünglich Bio-Inge-
nieurwesen studiert. Ich habe aber relativ
schnell gemerkt, dass mir etwas fehlt. Es hat
mich fachlich zwar sehr beschäftigt (sehr
viel Mathe), aber es hat mich nicht wirklich
erfüllt. Der entscheidende Moment kam
dann eigentlich ganz unspektakulär. Zwei
gute Freunde von mir wollten sich an der
Universität für ein Lehramtsstudium ein-
schreiben. Ich habe sie damals begleitet,
habe ihnen gezeigt, wo sie sich anmelden
müssen und wie alles funktioniert. Und wäh-
rend wir dort standen, kam mir plötzlich der
Gedanke: Warum eigentlich nicht?
Und dann habe ich etwas gemacht, was wir
unseren Schülerinnen und Schülern NIEMALS
empfehlen: Ich habe eine ziemlich unüberleg-
te Entscheidung getroffen. Ich habe mich
ebenfalls für das Lehramt eingeschrieben.
… und eine der besten Ent-
scheidungen meines Lebens
Nun, wenn ich heute darauf zurückblicke,
muss ich sagen, dass das eine der besten
von TOBIAS BRAUNE
Gemeinsam lernen,
gemeinsam wachsen:
Das zu erleben, macht den
Lehrberuf so besonders.
Foto: AdobeStock/Gorodenkoff
JUNGE LEHRER NRW
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lehrer nrw
Entscheidungen meines Lebens war. Denn
spätestens im ersten Praktikum habe ich
gemerkt, was diesen Beruf so besonders
macht. Man steht plötzlich in einem Klas-
senzimmer und merkt, wie lebendig dieser
Beruf ist. Da ist ein Schüler, der vorher noch
ratlos war und es plötzlich verstanden hat.
Oder eine Schülerin, die sich erst nichts zu-
traut, und plötzlich meldet sie sich doch und
merkt, dass sie gehört wird, dass sie etwas
kann.
Diese Momente sind manchmal ganz
klein – ein Satz, ein Blick, ein »Jetzt habe
ich es verstanden«. Aber genau diese Mo-
mente bleiben im Kopf. Sie geben einem das
Gefühl, dass die eigene Arbeit wirklich Sinn
hat. Natürlich sprechen wir auch häufig
über die Herausforderungen im Lehrkräfte-
beruf. Und ja, diese Herausforderungen sind
sehr groß. Aber wenn man diese einmal
ausblendet und sich auf die tollen Momente
besinnt, weiß man, warum der Beruf so
wichtig ist.
Lernen ist etwas Lebendiges
Wenn ich vor einer Klasse stehe und sehe,
wie Schülerinnen und Schüler gemeinsam
nachdenken, diskutieren, lachen, manchmal
auch mit einer Aufgabe überfordert sind und
sich am Ende über eine Lösung freuen, dann
merke ich immer wieder, dass Lernen etwas
Lebendiges ist. Da sind junge Menschen die
an sich zweifeln und dann kommt dann ir-
gendwann dieser Moment. Dann sieht man
dieses Leuchten in den Augen oder hört
diesen einfachen Satz: »Jetzt habe ich es
verstanden.« Und genau dann weiß man,
warum dieser Beruf so toll ist.
Und auch, wenn ich ursprünglich gar
nicht geplant hatte, Lehrkraft zu werden
und die Rahmenbedingungen wirklich nicht
gut sind, bin ich unglaublich gerne Lehrer.
Denn dieser Beruf gibt einem etwas zurück,
das man in vielen anderen Berufen nur sel-
ten erlebt: Ein Gefühl wirklich etwas bewirkt
zu haben. Zu wissen, dass man jemanden
ein Stück begleitet hat, dass man vielleicht
Mut gemacht hat, dass man gezeigt hat,
dass etwas möglich ist, was vorher unmög-
lich schien.
Natürlich ist der Lehrkräfteberuf kein
einfacher Beruf. Er fordert einen, oft mehr
als das zumutbar sein sollte. Aber gleich-
zeitig ist er ein unglaublich lebendiger,
menschlicher und bereichernder Beruf.
Kein Tag ist wie der andere, jede Klasse ist
anders. Man lernt jeden Tag etwas Neues.
Die besonderen Momente
Und oft hat man dabei ganz automatisch
ein Lächeln im Gesicht, weil Kinder und
Jugendliche noch diese wunderbare Unbe-
fangenheit haben. Sie haben eine Ehrlich-
keit, eine Direktheit und manchmal auch
eine herrlich naive Sicht auf die Welt, die
wir Erwachsenen längst verloren haben.
Dinge werden einfach ausgesprochen, Fra-
gen werden einfach gestellt, ohne lange
darüber nachzudenken. Genau diese unge-
filterte Art sorgt im Schulalltag immer wie-
der für diese besonderen Momente. Diese
Offenheit, diese ehrliche Neugier und
dieser unverstellte Blick auf die Welt sind
etwas unglaublich Wertvolles. Meiner Mei-
nung nach ist das vielleicht der entschei-
dende Punkt. Dieses echte Miteinander,
dieses gemeinsame Lernen und Wachsen –
das ist etwas, wonach wir als Gesellschaft
eigentlich suchen. Etwas, das in vielen
Bereichen unseres Alltags leider immer
seltener geworden ist.
In der Schule erlebt man genau das
immer wieder. Echte Begegnungen, echte
Gespräche, gemeinsames Lachen, gemein-
sames Scheitern und gemeinsames Weiter-
kommen. Diese Momente schaffen eine
Form von innerer Zufriedenheit und Ge-
nugtuung, die man nur schwer beschreiben
kann, die man aber sehr deutlich spürt.
Diese Momente haben weit über den eige-
nen Arbeitsplatz hinaus Bedeutung – auch
weil man sie in vielen anderen Berufen so
nicht findet. Und genau deshalb kann ich
allen, die darüber nachdenken, nur sagen:
Werdet Lehrkraft. Ja, der Beruf ist heraus-
fordernd. Und ja, die Bedingungen müssen
dringend besser werden. Aber trotz allem
lohnt es sich an jedem einzelnen Tag.
Tobias Braune ist Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft
junge
lehrer nrw
E-Mail: braune@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
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TITEL
SSttaarrkkeerr
AAuuffttrriitttt
lehrer nrw
und VDR
auf der didacta
M
Mit einem überzeugenden Auftritt
auf der didacta hat
lehrer nrw
Werbung für sich selbst und für
den Lehrberuf betrieben. Der Messestand
in Halle 7 war ein Ankerpunkt nicht nur für
Verbandsmitglieder, sondern auch für viele,
überwiegend junge Lehrkräfte, die sich
dort Rat und Informationen holen konnten.
Die meisten waren sehr angetan vom Ser-
viceangebot von
lehrer nrw
– einige traten
dem Verband sogar spontan bei.
Im Gespräch mit
der Ministerin
Prominentester Gast am Gemeinschafts-
stand von
lehrer nrw
und dem Verband
Deutscher Realschullehrer war die oberste
Dienstherrin der Lehrerschaft in Nordrhein-
Westfalen: Schulministerin Dorothee Feller
schaute gleich zweimal vorbei und tauschte
sich angeregt mit dem Landesvorsitzenden
Sven Christoffer aus. Zu den Themen zählte
ein von der Landesregierung auf den Weg
gebrachtes 19. Schulrechtsänderungsgesetz,
das zeitnah in die Verbändebeteiligung ge-
hen wird. Es soll unter anderem eine Erwei-
terung des Katalogs der Ordnungsmaßnah-
men beinhalten.
Podiumsdiskussion
»Warum Lehrkraft werden?«
Auch in inhaltlicher Hinsicht hinterließ
leh-
rer nrw
Eindruck bei der didacta. So war der
Verband federführend bei einer Podiumsdis-
kussion im Rahmenprogramm der Messe.
‘Warum Lehrkraft werden?’ lautete der Titel
der von Verbands-Pressesprecher Jochen
Smets moderierten Runde, in der vier erfah-
rene Pädagoginnen und Pädagogen mit viel
Empathie berichteten, warum sie sich für
den Lehrberuf entschieden haben – und ihn
immer noch voller Leidenschaft und Herz-
blut ausüben. Wobei »immer noch« auf Po-
diumsteilnehmerin Pia Hegener nicht ganz
Der Gemeinschaftsstand von
lehrer nrw
und VDR
in Halle 7 war ein rege frequentierter Anlaufpunkt auf der didacta.
Alle Fotos: ©
lehrer nrw
Im Gespräch: NRW-Schulministerin Dorothee Feller nutzte die Gelegenheit, sich mit
dem
lehrer nrw
-Vorsitzenden Sven Christoffer über aktuelle bildungspolitische Themen
auszutauschen.
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lehrer nrw
TITEL
zutrifft: Sie ist seit 2014, zunächst als Refe-
rentin, dann als Referatsleiterin, im NRW-
Schulministerium tätig, doch die ausgebil-
dete Sonderpädagogin hat zuvor mehr als
die Hälfte ihres bisherigen Berufslebens im
Schuldienst verbracht – nämlich als Lehre-
rin und später Schulleiterin im Förderschul-
Bereich. Ihre Begeisterung für den Lehrbe-
ruf klang dabei immer wieder durch – und
das galt erst recht für die drei noch aktiven
Lehrerinnen und Lehrer auf dem Podium:
Hauptschullehrerin und Fachleiterin Wieb-
ke Meyer, Realschullehrer und Vorsitzender
junge lehrer nrw
Tobias Braune sowie Re-
alschulleiter Olaf Korte, der zugleich Leiter
des Referats Schulleitung im
lehrer nrw
ist.
Sie schilderten ihren Werdegang und
machten (ohne die teils schwierigen Rah-
menbedingungen auszublenden) deutlich,
wie erfüllend der Lehrberuf für sie immer
noch ist. Exemplarisch dafür stand ein
Brief, den ein früherer Schüler an Wiebke
Meyer geschrieben hatte. Der Junge
stammte aus Nigeria und hatte denkbar
schlechte Integrationsvoraussetzungen,
als er an ihre Schule kam. Doch dank en-
gagierter Lehrkräfte und großem persönli-
chen Fleiß ging er seinen Weg. Später
schrieb er besagten Brief, aus dem Wiebke
Meyer zitierte: »Danke, dass Sie mich in-
spiriert haben, das Beste aus mir herauszu-
holen und dass Sie für mich da waren, als
ich Hilfe brauchte
Stehtisch-Talk
mit Sarah Wanders
Um das Thema ‘Gewalt und Gesundheit an
Schulen’ drehte sich der Stehtisch-Talk der
Landeselternschaft Realschulen NRW am
dritten Messetag. Dort machte Sarah Wan-
ders, stellvertretende Vorsitzende von
lehrer
nrw
, im Gespräch mit Karin Bültbrune von
der LE-RS deutlich, dass verbale und körper-
liche Gewalt gegen Lehrkräfte in den letzten
Jahren massiv zugenommen haben. Ihr
Appell: »Jeder Angriff muss auch als Angriff
auf die gesamte Schulgemeinde verstanden
und sanktioniert werden.« Zur Bekämpfung
von Gewalt an Schulen sei es daher uner-
lässlich, dass Lehrkräfte, Eltern und auch
Schülerinnen und Schüler gemeinsam
Warum Lehrkraft werden?
Dieser Frage widmeten sich in einer Podi-
umsdiskussion (v.l.) Moderator Jochen
Smets, Schulleiter Olaf Korte (Leiter Refe-
rat Schulleitung im
lehrer nrw
), Referats-
leiterin Pia Hegener (MSB NRW), Haupt-
schullehrerin und Fachleiterin Wiebke
Meyer sowie Realschullehrer und Vorsit-
zender junge
lehrer nrw
Tobias Braune.
Stehtisch-Talk bei der
Landeselternschaft
Realschulen NRW: Sarah Wanders,
stellv. Vorsitzende von
lehrer nrw
, im
Gespräch mit Karin Bültbrune (l.) von
der LeRs.
lehrer nrw ·
2/2026
12
TITEL
ein klares Zeichen gegen Gewalt setzten,
denn eine gewaltfreie Lernumgebung sei
eine Grundvoraussetzung für gelingendes
Lehren und Lernen.
‘Lernen und Prüfen
neu denken’
Der VDR-Bundesvorsitzende Ralf Neu-
gschwender war Gast auf einer Podiumsdis-
kussion mit dem Titel ‘Lernen und Prüfen
neu denken’. Er betonte: »Künstliche Intelli-
genz verändert bereits heute, wie Schülerin-
nen und Schüler lernen – deshalb müssen
wir auch unsere Prüfungsformate neu den-
ken. Schule braucht einen positiven Leis-
tungsbegriff, der individuelle Stärken und
Kompetenzen wie Kommunikation, Kollabo-
ration, Kreativität und kritisches Denken
stärker berücksichtigt. Damit das gelingt,
brauchen Lehrkräfte klare rechtliche Rah-
menbedingungen. Vor allem aber müssen
die Bundesländer den Schulen mehr Zeit
und Ressourcen geben, damit Kollegien
gemeinsam innovative und rechtssichere
Prüfungsformate entwickeln können.«
Neugschwender nahm auf der didacta
außerdem am Panel ‘Next Level Berufsorien-
tierung: Individualisiert. Digital. Wirkungs-
voll.’ teil. Dort stand vor allem die Frage im
Mittelpunkt, wie Schulen Jugendliche in ei-
ner zunehmend komplexen Bildungs- und
Arbeitswelt besser bei der Orientierung un-
terstützen können.
Ein großer Dank ans Team
»Die didacta hat ihren Ruf als Innovations-
treiber der Bildung klar bestätigt«, resümier-
te der
lehrer nrw
-Vorsitzende Sven Christof-
fer. »Ganz besonders freut mich, dass wir
mit unserem Team einen starken Eindruck
hinterlassen haben – sowohl am Messe-
stand als auch in den verschiedenen Ge-
sprächs- und Diskussionsformaten. Großer
Dank gebührt unseren Stand-Managern
Thorsten Schmalt und Marcel Werner, die
sich wieder einmal selbst übertroffen ha-
ben, sowie den zahlreichen freiwilligen Hel-
INFO
didacta 2026 setzt Bestmarken
Vom 10. bis 14. März brachte die didacta als Europas größte Bildungsmesse die Branche
in Köln zusammen. Unter dem Motto ‘Alles im Wandel. Bildung im Fokus’ diskutierten
Aussteller, Fachpublikum, Politik und Wirtschaft über die zentralen Herausforderungen
unserer Zeit und gaben konkrete Lösungsansätze für alle Bildungsbereiche.
An der didacta 2026 beteiligten sich 729
Aussteller aus 58 verschiedenen Ländern.
Insgesamt kamen rund 75 000 Besucherin-
nen und Besucher nach Köln. Damit erzielte
die Messe einen Besucherzuwachs von rund
zwanzig Prozent gegenüber der Vorveran-
staltung.
Im Bereich des Eventprogramms verzeichnete die Messe einen neuen Rekord. In kei-
nem Jahr zuvor fanden so viele Panels, Podiumsdiskussionen, Workshops und Seminare
statt. Bemerkenswert war auch die hohe Beteiligung an den über 2000 Events, heißt es
im Schlussbericht der KölnMesse.
Die nächste didacta findet vom 23. bis 27. Februar 2027 in Hannover statt.
Foto: Koelnmesse GmbH/Thomas Klerx
Die beiden Verbands-
vorsitzenden Sven Christoffer
(
lehrer nrw
) und Ralf Neugschwender
(VDR) freuten sich über den erfolgreichen
Messeauftritt und dankten den zahlrei-
chen Helferinnen und Helfern.
In wechselnder Besetzung betreuten Teams von
lehrer nrw
den Messestand.
Fast immer dabei: Stand-Manager Thorsten Schmalt.
fern, die den Messestand während der fünf
didacta-Tage betreut haben.«
»Der gemeinsame Stand von VDR und
lehrer nrw
auf der didacta war ein voller
Erfolg«, so das Fazit von Ralf Neugschwen-
der. »Besonders wertvoll waren die vielen
Gespräche mit Lehrkräften sowie Entschei-
dungsträgern aus Politik, Wirtschaft und
Verwaltung – etwa zu Themen wie Lehrkräf-
temangel, Digitalisierung und Schulentwick-
lung. Mein herzlicher Dank gilt
lehrer nrw
für die hervorragende Organisation und das
vertrauensvolle, partnerschaftliche Mitei-
nander Jochen Smets
SCHULE & POLITIK
13
2/2026 ·
lehrer nrw
Keine Neutralität gegenüber
Verfassungsfeinden!
Starkes Zeichen in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung: Ende
2025 haben alle Schulen in der Stadt Siegburg den ‘Siegburger
Konsens’ beschlossen. Darin bekennen sich die Lehrkräfte zur
aktiven Förderung einer demokratischen, offenen und viel-
fältigen Gesellschaft.
»
»A
Angesichts der zunehmenden Ge-
fährdung demokratischer Werte
bekennen wir uns als Lehrkräfte der Schulen
in Siegburg zu den Grundprinzipien einer
demokratischen und vielfältigen Gesell-
schaft. Unser Bildungsauftrag basiert auf
dem Grundgesetz der Bundesrepublik
Deutschland und der Verpflichtung, Demo-
kratie aktiv zu fördern. Wir stellen uns als
Lehrkräfte klar gegen jedwede Demokratie-
feindlichkeit und jede Form von Diskriminie-
rung.« So lautet die Einleitung zum Siegbur-
ger Konsens.
»Wir müssen die
Demokratie und die
Menschenrechte
verteidigen!«
Die Vereinbarung ist eine Erweiterung und
Aktualisierung des Beutelsbacher Konsen-
ses, der aus den 1970er Jahren stammt und
bisher als Richtschnur der Politikdidaktik
gilt. Zu den darin formulierten Grundsätzen
– Überwältigungsverbot, Kontroversitätsge-
bot und Schüler/innen-Orientierung – be-
kennt sich auch der Siegburger Konsens,
stellt aber einen vierten Grundsatz voran:
»Keine Neutralität gegenüber verfassungs-
feindlichen Positionen!« Wo Beutelsbach oft
als Neutralitätsgebot interpretiert (und gern
von extremistischen Parteien und Gruppie-
rungen in diesem Sinne instrumentalisiert)
wird, bezieht Siegburg glasklar Stellung:
»Oft wird behauptet, Lehrkräfte müssten
sich politisch neutral verhalten und dürften
sich nicht öffentlich gegen bestimmte Ideo-
logien positionieren. Dem widersprechen
wir entschieden. Gleichgültigkeit gegen-
über verfassungsfeindlichen Positionen darf
es in der politischen Bildung nicht geben.
Wir müssen die Demokratie und die Men-
schenrechte verteidigen. Mehr noch: Das
Grundgesetz verpflichtet Beamtinnen und
Beamte sogar dazu, aktiv für die freiheit-
lich-demokratische Grundordnung, die
Menschenwürde und die übrigen Grund-
rechte einzustehen. Daraus folgt: Lehrkräfte
dürfen und müssen sich gegen jede Form
der Demokratiefeindlichkeit und damit ge-
gen Rassismus, Antisemitismus sowie jede
Form von Extremismus, sei er politisch oder
religiös motiviert, positionieren.«
»Kinder ermutigen,
selbst zu denken«
Dem Siegburger Konsens haben sich mit
ihrer Unterschrift nahezu alle Lehrkräfte
der Siegburger Schulen angeschlossen. Eine
von ihnen ist Anja Däther, Lehrerin an der
Alexander-von-Humboldt-Realschule und
langjährige Funktionsträgerin bei
lehrer
nrw
. Sie hofft, dass von Siegburg ein Signal
ausgeht, das über die Stadtgrenzen hinaus
Strahlkraft entwickelt. Anja Däther sieht die
Schulen und die dort tätigen Lehrkräfte als
wichtige Akteure in einer wehrhaften De-
mokratie: »Wir sind ja diejenigen, die die
Kinder unterrichten und sie darin bestär-
ken, sich eine eigene, fundierte Meinung
zu bilden, statt sich von TikTok-Videos über-
rennen zu lassen, wie sie zum Beispiel die
Rechten gerne ins Netz stellen. Aus diesem
Grund haben wir beispielsweise beschlos-
sen, Handys aus unserer Schule zu verban-
nen. Wir wollen unsere Kinder ermutigen
und befähigen, selbst zu denken.«
INFORMATIONEN
Web: www.siegburger-konsens.de • Mail: konsens@siegburg.de
Instagram: instagram.com/siegburgerkonsens
Siegburger Konsens zum PDF-Download:
https://siegburg.de/medien/dokumente/siegburger-konsens.pdf?cid=2cnp
Die Siegburger Schulen geben sich im
Siegburger Konsens eine Selbstverpflichtung:
»Wir müssen die Demokratie und die Menschenrechte verteidigen.«
Foto: AdobeStock/accogliente
lehrer nrw ·
2/2026
14
SCHULE & POLITIK
Notversorgung
ist keine
Dauerlösung
Angesichts des Lehrkräftemangels und
des weiter steigenden Personalbedarfs
an nordrhein-westfälischen Schulen
versucht das NRW-Schulministerium
nun, mit einem neuen Modell zur Stellen-
steuerung Abhilfe zu schaffen. Aus Sicht
von
lehrer nrw
reicht diese Lösung je-
doch bei weitem nicht, um den Personal-
mangel insbesondere im Bereich der
Sekundarstufe I abzufedern.
D
Das Schulministerium will mit dem
neuen Modell die Voraussetzungen
schaffen, um in den kommenden
Jahren Lehrerinnen und Lehrer gezielt an
Schulen in besonders herausfordernden
Lagen einsetzen zu können. So sollen Stel-
len aus dem Pool für den Ausgleich von
Unterrichtsausfall (UA), für Vertretungsauf-
gaben oder für besondere Förderaufgaben
künftig noch bedarfsgerechter vergeben
werden können. Ab dem nächsten Schul-
jahr gilt dies für bis zu 300 Stellen, ab dem
darauffolgenden Schuljahr für insgesamt
bis zu 600 Stellen.
Knapp 1300 Lehrkräfte
werden abgezogen
Hintergrund ist die Rückkehr der Gymna-
sien zu G9 zum kommenden Schuljahr. Im
Vorgriff darauf waren in den vergangenen
Jahren sogenannte Vorgriffstellen einge-
richtet worden, um den steigenden Perso-
nalbedarf an Gymnasien frühzeitig abzufe-
dern. Gleichzeitig kamen diese Stellen
auch anderen Schulformen zugute, da die
eingestellten Lehrkräfte in der Regel für
zwei Jahre an andere Schulformen abge-
ordnet wurden. Ab dem Sommer werden
diese Stellen wie vorgesehen wieder an
den Gymnasien benötigt. Aktuell seien im
Umfang von 1276 Vorgriffsstellen Lehrerin-
nen und Lehrer von Gymnasien an andere
Schulformen abgeordnet, teilte das MSB
Foto: AdobeStock/Christian Schwier
Am Tropf: Statt einer dauerhaften
Notversorgung fordert
lehrer nrw
einen Masterplan Sekundarstufe I,
der Chancengleichheit für Haupt-
schulen und Realschulen herstellt.
SCHULE & POLITIK
mit. Mit dem neuen Verfahren könnten weg-
fallende Vorgriffstellen teilweise kompen-
siert und betroffene Schulformen weiterhin
gezielt unterstützt werden. Auch künftig
bestehe in einem begrenzten Umfang die
Möglichkeit, Lehrkräfte einzustellen und
sie für in der Regel zwei Jahre an besonders
belastete Schulen abzuordnen. Nach Ablauf
dieser Zeit wechseln die Lehrkräfte planmä-
ßig an ihre Stammschulen. Die neue Schul-
auswahl funktioniert mittels verschiedener
Indikatoren wie Personalausstattungsquote
und Schulsozialindex. Auch die Einschät-
zung der lokalen Schulaufsichtsbehörden
fließt in den Auswahlprozess ein.
Nur ein Tropfen auf
dem heißen Stein
Das Bemühen der Landesregierung, den
Lehrkräftemangel abzufedern, verdiene
Anerkennung, konstatiert
lehrer nrw
, doch
das nun vorgestellte Modell zur Stellen-
steuerung sei nur ein Tropfen auf dem hei-
ßen Stein. Tatsächlich werde sich die Perso-
nalnot insbesondere an den Haupt- und Re-
alschulen im kommenden Schuljahr noch er-
heblich verschärfen, mahnt der Landesvorsit-
zende Sven Christoffer: »Mal abgesehen
davon, dass die angekündigten Stellen bei
weitem nicht ausreichend sind, unterstreicht
die aktuelle Entwicklung einmal mehr die
krasse strukturelle Benachteiligung der
Schulen im Sekundarbereich I. Es kann doch
keine Dauerlösung sein, dass Hauptschulen
und Realschulen von abgeordneten Gymna-
sial-Lehrkräften oder aus sonstigen Pools
notversorgt werden.«
lehrer nrw
fordert
Masterplan Sekundarstufe I
lehrer nrw
fordert daher ein Gesamtkonzept,
das endlich Chancengleichheit für Haupt-
schulen und Realschulen herstellt – einen
Masterplan Sekundarstufe I. »Um im landes-
und schulformübergreifenden Wettbewerb
um Lehrkräfte-Nachwuchs nicht völlig unter-
zugehen, müssen die Rahmenbedingungen
zwischen den Schulformen der Sekundarstu-
fe I und der Sekundarstufe II zwingend ange-
glichen werden. Konkret fordern wir, erstens,
eine Angleichung der Pflichtstundendeputa-
te: Diese liegen bei 28 Wochenstunden für
Lehrkräfte an Haupt- und Realschulen und
bei 25,5 beispielsweise an Gymnasien«,
erklärt Christoffer. »Zweitens brauchen wir
an den Hauptschulen und Realschulen faire
Laufbahnchancen. Denn dort fällt mit der
zum kommenden Schuljahr vollendeten
Besoldungsangleichung nach A13 das erste
Beförderungsamt komplett weg. Damit gibt
es an den Sekundarstufe I Schulformen jen-
seits von Schulleitungs-Aufgaben de facto
keine Aufstiegschancen mehr. Da braucht
man nicht viel Phantasie, um sich auszuma-
len, für welche Laufbahn sich angehende
Lehramtsstudierende entscheiden werden.«
lehrer nrw ·
2/2026
16
SCHULE & POLITIK
Den Anschluss
erreicht!
Ein Kompromiss mit fadem Beigeschmack
N
Nach äußerst schwierigen Tarifver-
handlungen mit der Tarifgemein-
schaft deutscher Länder (TdL) wurde
in der dritten Verhandlungsrunde ein Kom-
promiss erzielt, der im Volumen an das letzt-
jährige Ergebnis für die Beschäftigten bei
Bund und Kommunen anschließt. Insofern
wurde auch das Hauptziel der Verbände und
Gewerkschaften erreicht, wie es an der Ba-
sis in den zahlreichen Regionalkonferenzen
und bei den Arbeitskampfmaßnahmen vor
Ort zum Ausdruck gebracht worden war.
An der Grenze zum Zynismus
Bei aller Erleichterung über das Erreichen
des Minimalziels bleibt jedoch auch ein
fader Beigeschmack, der sich aufgrund des
Mangels an strukturellen Verbesserungen
einstellt, die seit Jahren in relevanten The-
menbereichen ganz oben auf der Agenda
der Verbände und Gewerkschaften stehen.
Hierzu zählen im Lehrerbereich vor allem die
Verwirklichung der so
genannten Parallelta-
belle sowie der stufen-
gleichen Höhergruppie-
rung bei Beförderun-
gen. Hier zeigte sich
leider zum wiederhol-
ten Mal ein eklatanter
Mangel an Gestal-
tungswillen und -kraft
bei den Arbeitgebern, d.h. den jeweils Regie-
renden in den verschiedenen Bundesländern
(außer Hessen!).
Wer die Art und Weise der Arbeitgeber in
den Verhandlungen verfolgt hat, der stellt
nicht nur eine befremdliche Uneinigkeit im
Vorgehen und in der Zielrichtung fest, son-
dern nimmt auch eine bis an Zynismus rei-
chende Haltung wahr, wenn der sachliche
Diskurs zu einem Tarifthema mit inhaltlich
völlig anderen Themen verknüpft wird und
jede weitere Auseinandersetzung dazu
durch Androhung von Blockaden torpediert
wird.
Kritik am Kurs
der Arbeitgeber
Wer im Vorfeld Signale sendet, die als ‘Rote
Linien’ von vornherein die Grenzen der
Gespräche markieren, dann von der ersten
bis in die dritte Verhandlungsrunde hinein
‘auf stur stellt’, um ‘sein’ Thema durchzu-
boxen, der will gar nicht verhandeln, der
will erzwingen. Damit ändert er den Cha-
rakter von Tarifverhandlungen, wie sie
jahrzehntelange gängige Praxis waren
und auch zum Erfolg geführt haben.
Ein beiderseitiger Wille und ein Ziel des
Miteinanders für die zukünftige Zusam-
menarbeit sind das Wesen der Tarifpart-
nerschaft. Ein Beleg dafür, dass diese Ta-
rifpartnerschaft inzwischen weniger wert
zu sein scheint als das individuelle, von
Land zu Land unterschiedliche und unab-
hängige Vorgehen der Arbeitgeber, ist das
Nachsteuern durch Erlasse und andere
Regelungen bei den Defiziten im Tarif-
bereich. Denn die Not, Personal zu gewin-
nen, ist ja überall gleich.
Nur sind die notwendi-
gen Maßnahmen und vor
allem die finanziellen Res-
sourcen dafür von Land zu
Land verschieden. So dass
dann jedes Bundesland auf
seine Weise versucht, das
Personalproblem zu lösen.
Allerdings mit unübersicht-
lichem Instrumentarium
und hektischem Gebaren, um Menschen
in den Schuldienst zu locken. Ein wenig ver-
trauenserweckendes Vorgehen als Arbeit-
geber, das, so schnell es kommt, auch wie-
der auslaufen kann.
INFO
Wesentliche Details
des Tarifabschlusses
Entgelterhöhung zum
1. April 2026: 2,8 Prozent
1. März 2027: 2,0 Prozent
1. Januar 2028: 1,0 Prozent
Laufzeit: bis 31. Januar 2028
Bei einer Großdemonstration in Düsseldorf am 10. Februar waren
tausende Landesbeschäftigte unmittelbar vor der finalen Verhandlungsrunde für eine
angemessene Bezahlung auf die Straße gegangen. Auch
lehrer nrw
war in großer Zahl dabei.
Foto: Smets
von ULRICH GRÄLER
17
2/2026 ·
lehrer nrw
SCHULE & POLITIK
Keine konsensorientierte
Grundlage im Schulbereich
Tarifverträge dienen der Gleichwertigkeit
der Arbeitsverhältnisse über die Grenzen der
Bundesländer hinweg, sie sind Ausdruck ei-
nes gemeinsamen Gestaltungswillens der
Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in
den je verschiedenen Berufsfeldern. In eini-
gen davon geht es inzwischen sehr wert-
schätzend und maßvoll zu mit Ergebnissen,
die allseits von großer Akzeptanz getragen
werden. Im Schulbereich dagegen fehlt es
bei der TdL seit Jahrzehnten an einer kon-
sensorientierten Grundlage sowie einer ru-
higen Hand, die die Voraussetzung für eine
tarifliche Entwicklung und gedeihliche Aus-
gestaltung schafft.
Ein Mangel, der immer wieder zum
Problem bei Tarifverhandlungen wird,
der aber nicht mehr zeitgemäß erscheint.
Und der zu Versäumnissen führt, die immer
weiter auflaufen und dadurch das Vertrau-
en in den Arbeitgeber erheblich erschüt-
tern.
KOMMENTAR
Mehr nicht?
Diese Frage mag sich manch einer stellen. Auch nicht zu Unrecht!
Denn der Abschluss bleibt mit seinen Entgelterhöhungen, die sich
lediglich im Rahmen der im Vorfeld statistisch erfassten bzw. prognos-
tizierten Inflation bewegen, nicht nur gefühlt, sondern häufig auch
ganz real hinter der Teuerungsrate zurück.
Erst recht, wenn man bestimmte Bereiche des statistischen ‘Waren-
korbs’ in den Blick nimmt, zumal die Unwägbarkeiten des politischen
Geschehens immens zugenommen und dadurch manche Preissprünge
verursacht haben. Wie zum Beispiel die kriegerischen Auseinandersetzun-
gen, die sich auf die Energiepreise oder den Zugang zu wichtigen Roh-
stoffen auswirken. Denn dadurch verteuert sich unter anderem das Hei-
zen der Gebäude, die Mobilität von Mensch und Gütern, aber auch die
Beschaffung von Hardware im Prozess der zunehmenden Digitalisierung.
Gleichzeitig nehmen die finanziellen Spielräume der öffentlichen
Gebietskörperschaften ab, weil deren Ausgaben allein für Pflichtauf-
gaben ebenfalls von dieser Preisentwicklung betroffen sind. Und das
alles trotz des gigantischen ‘Sondervermögens’, das, wenn die politi-
schen Wechsel auf eine zukünftige Wirtschaftsentwicklung nicht in
Erfüllung gehen sollten, der nächsten Generation mit sehr hohen
Zinsraten massiv auf die Füße fallen wird.
Insofern bleibt das Ergebnis nicht nur im strukturellen Bereich,
sondern allein schon im Bereich der Anpassung der Entgelte hinter
den eigentlich berechtigten Erwartungen der Beschäftigten zurück.
Die Versäumnisse der Vergangenheit sowie die veränderten Rah-
menbedingungen führen nun dazu, dass die Verteilungsspielräume
so lange begrenzt bleiben, bis eine wirtschaftliche Erholung wieder
höhere Zuwächse ermöglicht. Diese Spielräume gaben die aktuellen
Entwicklungen nicht her. Und deshalb gab es in dieser Tarifrunde …
leider ... nicht mehr! Ulrich Gräler
Mitglied der dbb-Bundestarifkommission, VdR-Tarifverantwortlicher,
lehrer nrw
-Referatsleiter Tarif
Ulrich Gräler ist Vorsitzender des Personalrats Realschule
im Regierungsbezirk Arnsberg
E-Mail: graeler@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
2/2026
18
SCHULE & POLITIK
Ein bisschen
Mitbestimmung
Mit einem Zentralen Schülerfeedback will das NRW-Schulmi-
nisterium (MSB) Schülerinnen und Schülern ein Instrument zur
Partizipation an die Hand geben. Sie können digital und ano-
nym rückmelden, ob sie sich an ihrer Schule wohlfühlen und
wie sie das Klima und die Lernkultur dort wahrnehmen.
F
Fühle ich mich in meiner Schule sicher
und gesehen? Gehen wir an unserer
Schule respektvoll miteinander um?
Kann ich mitentscheiden, wie wir unser
Schulleben gestalten? Fragen wie diese hat
sich Lina überlegt. Sie besucht die neunte
Klasse einer Gesamtschule in Münster und
hat über das Beteiligungsprogramm Your
Vision – Schule NRW (www.yourvision-nrw.de)
am Fragebogen für das neue Schülerfeed-
back mitgearbeitet, das seit Mitte März an
nordrhein-westfälischen Schulen erprobt
wird.
Altersgerechte Fragebögen
für alle Schulformen
»Soziale und emotionale Kompetenzen«,
so erklärt Schulministerin Dorothee Feller,
»sind genauso wichtig wie das Lesen,
Schreiben, Zuhören und Rechnen. Über das
neue Schülerfeedback können unsere Schü-
lerinnen und Schüler ihren Schulen umfas-
sende Rückmeldung über ihr Wohlbefinden
und darüber geben, wie sie die Schul- und
Lernkultur wahrnehmen.« Hierzu hat das
Schulministerium gemeinsam mit der QUA-
LiS, Schülerinnen und Schülern von YourVisi-
on-Schulen, der Landesschülervertretung
NRW und der AG Schulleitung altersgerech-
te Fragebögen entwickelt. Sie umfassen an
Grundschulen rund dreißig Fragen und an
weiterführenden Schulen (5. bis 7. Klasse,
8. bis 10. Klasse, Sekundarstufe II) sowie an
den Berufskollegs rund vierzig Fragen, die
von den Schülerinnen und Schülern in ei-
nem digitalen Portal anonym beantwortet
werden können. Lehrkräfte und Schulleitun-
gen erhalten anschließend digitale Ergeb-
nisberichte, in denen die Rückmeldungen
auf Klassen- und Kurs- bzw. Schulebene
zusammengefasst sind.
Das Schulministerium hatte alle öffentli-
chen Schulen sowie die privaten Ersatzschu-
len eingeladen, sich am ersten großen Test-
lauf des neuen Schülerfeedbacks zu beteili-
gen. Zuvor war die Praxistauglichkeit des
Portals und der Fragebögen in einzelnen
Schulen erfolgreich getestet worden.
Auszug aus dem Fragebogen
für das neue Schülerfeedback für die Jahrgangsstufen 8 bis 10.
Foto: Your Vision – Schule NRW/MSB NRW
INFO
Das MSB stellt unter diesem Link ein
Ansichtsexemplar des Fragebogens
für die Schulklassen 8 bis 10 zum
Download zur Verfügung:
www.schulministerium.nrw
/system/files/media/
document/file/schueler
feedback_fragebogen_
sekundarstufe-ib-klasse
8-10_260316.pdf
SCHULE & POLITIK
19
2/2026 ·
lehrer nrw
KOMMENTAR
Und wie geht es weiter?
Dies sind vier von insgesamt 38 Aussagen aus dem Fragebogen zum Zentralen Schülerfeedback für die Klassen 8 bis 10.
Die Schülerinnen und Schüler können dazu digital und anonym in jeweils vier Antwortmöglichkeiten ankreuzen,
ob sie diesen Aussagen zustimmen, eher zustimmen, eher nicht zustimmen oder gar nicht zustimmen.
So weit, so gut. Aber was passiert, wenn in den digitalen Ergebnisberichten, die die Lehrkräfte und Schulleitungen erhalten sollen,
Auffälligkeiten festgestellt
werden? Wie geht es dann
weiter? Es reicht nicht aus,
Daten zu erheben, wenn
daraus keine Konsequen-
zen folgen. Das wäre we-
nig wertschätzend den
Schülerinnen und Schülern
gegenüber.
Beziehungsarbeit und
psychische Unterstützung
kosten aber Zeit – gut
investierte Zeit, die Lehr-
kräfte im Schulalltag
aufgrund schlechter Rah-
menbedingungen und
mangelnder Ressourcen
häufig nicht oder zu
wenig haben. (Nebenbei
bemerkt: Ein Fragebogen
zur Arbeitssituation und
-belastung von Lehrkräf-
ten brächte mit Sicherheit
ebenfalls sehr erhellende
Befunde.)
Wenn also das Minis-
terium für Schule und Bil-
dung das Instrument des
Schülerfeedbacks ernst
nimmt, muss es in den
Schulen endlich entspre-
chende Rahmenbedin-
gungen schaffen. Alles
andere würde den Schü-
lerinnen und Schülern
nur Partizipation vorgau-
keln. Sarah Wanders
»In der Schule erlebe
ich oft, dass ich
ausgeschlossen werde
»Andere Schülerinnen
und Schüler behandeln
mich schlecht.«
»In der Schule
bin ich oft
gestresst.«
»Manchmal
habe ich so große
Angst vor der
Schule, dass ich
lieber zuhause
bleiben würde
lehrer nrw ·
2/2026
20
SCHULE & POLITIK
Mentale Stärke und Leistung
gehören zusammen
Resilienz als Schlüsselkompetenz im Bildungssystem
von MICHAEL VON KUNHARDT
M
Mentale Gesundheit ist längst zu einem zentralen Thema
im Bildungsbereich geworden. Lehrkräfte erleben zu-
nehmend, dass Schülerinnen und Schüler unter Druck
stehen, sei es durch Prüfungen, Vergleiche innerhalb der Klasse
oder eigene hohe Ansprüche. Gleichzeitig bleibt der Auftrag von
Schulen unverändert: Leistung einfordern, Kompetenzen vermit-
teln und auf die Zukunft vorbereiten. Die entscheidende Frage ist
daher nicht, ob Anforderungen reduziert werden sollten, sondern
wie junge Menschen befähigt werden können, mit ihnen souve-
rän umzugehen.
Resilienz beginnt im Alltag
Mentale Stärke entwickelt sich nicht erst in Krisensituationen, son-
dern zeigt sich im täglichen Unterricht. Sie entsteht vor allem dort,
wo Schülerinnen und Schüler Selbstwirksamkeit erleben. Wenn sie
erkennen, dass ihr eigenes Handeln einen Unterschied macht, dass
Übung Fortschritt bringt und dass sie Herausforderungen selbst be-
wältigen können, wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Diese Erfahrung ist zentral. Wer erlebt, dass Anstrengung Wirkung
zeigt, kann auch mit Druck besser umgehen. Mentale Stärke be-
ginnt also genau dort, wo Lernen als gestaltbarer Prozess erfahr-
bar wird und nicht als etwas, das von außen übergestülpt wird.
Zwischen Motivation und Überforderung
Noten, Vergleiche und Leistungsdruck können auf Menschen unter-
schiedlich wirken. Während sie einige Schülerinnen und Schüler
motivieren, reagieren andere mit Angst oder Rückzug. Besonders
gefährdet sind Jugendliche, die Schwierigkeiten im Umgang mit
Misserfolg haben oder zu Perfektionismus neigen. Versagensangst
lässt sich im Alltag nicht einfach ausschalten, da sie eng mit der
persönlichen Haltung zu Fehlern und Misserfolgen verbunden ist.
Deshalb reicht es nicht aus, Leistungssysteme einfach beizubehal-
ten oder abzuschaffen. Vielmehr braucht es eine begleitende För-
derung von Resilienz. Schülerinnen und Schüler müssen lernen,
Rückschläge als normalen Bestandteil von Entwicklung zu verste-
hen und daraus konstruktive Schlüsse zu ziehen.
Fehlschläge als Lernchance begreifen
Ein wirkungsvoller Ansatz zur Stärkung mentaler Gesundheit liegt in
der gezielten Förderung von Misserfolgstoleranz. Wenn Schülerinnen
und Schüler lernen, Niederlagen auszuhalten und daraus zu lernen,
verlieren Prüfungen ihren bedrohlichen Charakter. Dafür muss sich
die schulische Kultur in mehreren Bereichen grundlegend wandeln.
Herausforderungen und Wettbewerbe sollten bewusst positiv gestal-
tet werden. Schülerinnen und Schüler sollten Freude daran erleben
und lernen, mit Erfolgen und Niederlagen konstruktiv umzugehen.
Ein klassisches Beispiel ist die Abschaffung der Bundesjugendspiele,
SCHULE & POLITIK
21
2/2026 ·
lehrer nrw
die vielen Jugendlichen nun die Chance nimmt, den Umgang mit
Misserfolg zu üben. Dabei kann durch einfache gezielte Übungen,
in denen Scheitern erlaubt und sogar gewünscht ist, eine ganz neue
Lernkultur entstehen. Ein Verfahren besteht darin, dass Lehrkräfte
bewusst Aufgaben mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad einsetzen, die
nicht von allen sofort erfolgreich gelöst werden. Anschließend wird
gemeinsam besprochen, an welcher Stelle Schwierigkeiten entstan-
den sind und welche Strategien in solchen Situationen weiterhelfen
können. Auch die Implementierung sogenannter ‘Fehlerstunden’ ist
ein Ansatz: Dabei werden typische Fehler anonymisiert gesammelt
und im Plenum nicht als Defizite, sondern als Lernanlässe betrachtet.
Eine weitere Maßnahme ist das Führen eines kurzen Reflexionsbo-
gens nach Tests, Referaten oder Übungsphasen. Darin halten die
Schülerinnen und Schüler fest, was bereits gelungen ist, wo Proble-
me aufgetreten sind und welchen konkreten nächsten Schritt sie sich
vornehmen. Parallel muss die Persönlichkeitsentwicklung aktiv geför-
dert werden. Dazu gehören die gezielte Vermittlung von sozialen
Kompetenzen, die Integration von Gesellschafts- und Lebenskompe-
tenzen in den Unterricht und gegebenenfalls sogar die Einführung
von Coaching als festes Schulfach.
Schule als Lern- und Lebensraum
Ein weiterer unterschätzter Faktor im schulischen Kontext ist das
starke Streben nach Anerkennung. Viele junge Menschen knüpfen
ihren Selbstwert eng an Noten, Lob oder die Einschätzung durch
andere. Hier gehört es zur Aufgabe von Lehrkräften, zwischen Per-
son und Sache klar zu trennen. Schließlich sagt eine schlechte Note
oder ein Fehler lediglich etwas über eine konkrete Leistung in einer
bestimmten Situation aus. Diese Differenzierung hilft Kindern und
Jugendlichen, Kritik oder Rückschläge anzunehmen, ohne ihr
Selbstwertgefühl infrage zu stellen. Damit einher geht eine aus-
gewogene Balance aus positiver und negativer Rückmeldung.
Anerkennung für Fortschritte und Anstrengung motiviert, während
konstruktive Kritik Orientierung gibt, wo Entwicklungspotenzial
liegt. Entscheidend ist dabei, dass beides sachlich und lösungsorien-
tiert vermittelt wird. Nicht zuletzt üben erwachsene Vorbilder einen
erheblichen Einfluss aus: Wenn Eltern und Lehrkräfte selbst Resi-
lienz, Zuversicht und Lösungsorientierung vorleben, übernehmen
Kinder und Jugendliche diese Haltung oft ganz selbstverständlich.
Auf diese Weise entsteht Schritt für Schritt ein gesunder Umgang
mit Leistung, Fehlern und persönlichen Herausforderungen.
Persönlichkeitsentwicklung fördern
Damit mentale Gesundheit kein Randthema bleibt, braucht es auch
strukturelle Veränderungen. Persönlichkeitsentwicklung sollte eben-
so selbstverständlich Teil der Schule sein wie fachliches Lernen.
Dazu gehören soziale Kompetenzen, der Umgang mit Rückschlägen
und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Auch Pausen, Bewegung und
bewusste Erholung spielen eine zentrale Rolle. Sie sind kein Luxus,
sondern Voraussetzung für konzentriertes und erfolgreiches Lernen.
DER AUTOR
Michael von Kunhardt ist Speaker, Mentalcoach, Buchautor sowie
Experte für Spitzenleistungen und mentale Stärke. Er arbeitet mit
Profisportlern, Nationalmannschaften und Olympiasiegern ebenso
wie mit internationalen Top-Unternehmen und DAX-40-Konzernen.
Als Gründer der von Kunhardt Akademie am Schloss in Dehrn be-
gleitet er Führungskräfte, angehende Speaker, Coaches und Buchau-
toren sowie Privatmenschen in ihrer persönlichen und beruflichen
Weiterentwicklung. Der Erfahrungsschatz des diplomierten Wirt-
schaftswissenschaftlers mit zusätzlichem Studium in Sport und So-
ziologie gründet auf einer langjährigen Erfahrung im Leistungssport:
15 Jahre Hockey-Bundesliga, mehrfacher Deutscher Meister sowie
seit 2011 kontinuierlich Spieler der Senioren-Hockeynationalmann-
schaft. www.vonkunhardt.de
Foto: Rebecca Hammer
Eine schwierige Aufgabe zu lösen, eine
Herausforderung selbst zu bewältigen,
stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähig-
keiten. Nicht minder wichtig für die Per-
sönlichkeitsentwicklung ist aber das
Scheitern. Schülerinnen und Schüler, die
lernen, mit Erfolgen und Niederlagen
konstruktiv umzugehen, halten den
Schlüssel zu mentaler Gesundheit in der
Hand.
Fotos: AdobeStock/Robert Kneschke / Montage: Dömges
lehrer nrw ·
2/2026
22
SCHULE & POLITIK
Vom Frust,
als Lehrkraft
die Probleme
der Gesellschaft
auffangen zu müssen
Eine Klage
A
Anfang der 2020er Jahre warb das
NRW-Schulministerium um pensio-
nierte Lehrerinnen und Lehrer – mit
dem Ziel, sie für eine Rückkehr in den Schul-
dienst zu gewinnen. Ich hatte mich in den
Jahren danach immer wieder mit Pensionä-
ren oder verrenteten Lehrkräften unterhal-
ten und sie gefragt, ob sie nicht wieder als
Vertretungslehrkraft an einer Schule tätig
werden wollen. Ausnahmslos schlug mir
Gelächter entgegen und es wurde energisch
der Kopf geschüttelt.
Ein kategorisches »Nein!«
Meine Frage war, ich muss es gestehen, nie
ganz ernst gemeint. Der Lehreralltag ist an-
strengend genug, und das zunehmend, und
man ist froh, wenn man ihm entflohen ist.
Wie sagte eine Kollegin bei ihrer Verabschie-
dung: »Sonntags nicht mehr an Montag
denken …!« Dennoch frage ich mich, wa-
rum fast alle Kolleginnen und Kollegen es
massiv ablehnen, nach Erreichen der Alters-
grenze länger zu arbeiten, also so ganz oh-
ne Überlegung. Kategorisch ein »Nein!«
Natürlich gibt es private Gründe, gesund-
heitliche Einschränkungen oder neue Pläne,
die ein Verbleiben im Schulsystem nicht
denkbar erscheinen lassen. Allerdings haben
mir viele der von mir Befragten geantwor-
tet, dass sie unter den gegebenen Um-
ständen nicht weitermachen möchten.
Was aber sind »die gegebenen Umstän-
de«?
Ich bin jetzt, inklusive Referendariat, seit
27 Jahren Lehrer, zunächst 15 Jahre an einer
Realschule und nun an einer Gesamtschule.
Die Unterrichtsbedingungen haben sich in
dieser Zeit massiv verändert. Die erfahrenen
Kolleginnen und Kollegen unter Ihnen wer-
den jetzt wissend nicken.
Die Sozialen Medien und
die Pandemie haben das
Schulklima verändert
Einen ersten großen Knick bei den Unter-
richtsbedingungen gab es meines Erachtens
um das Jahr 2012 herum, als sich die sozia-
len Netzwerke zunehmend durchsetzten. In
der Folge wurde es immer schwieriger für die
Schülerinnen und Schüler, sachgerecht zu dis-
kutieren, mit Respekt vor dem Gegenüber zu
streiten oder überhaupt Kritik auszuhalten.
Vielmehr nahm das zu, was heute leider bei
einem Teil der Gesellschaft schon Usus ist,
nämlich Bedrohung und Beschimpfung über
das Internet. Oftmals wurden zudem Streitig-
keiten, die über die sozialen Netzwerke ent-
standen, weiter in der Schule ausgetragen.
Der zweite große Knick entstand durch die
Corona-Pandemie. Neben den schon vorher
existierenden Herausforderungen gab es
jetzt noch verstärkt die Probleme der Lustlo-
von TOM SCHIPPER
Im System Schule ist
mächtig Dampf auf’m Kessel.
Die Institution wird von immer mehr gesell-
schaftlichen Erwartungen und politischem
Aktionismus überfrachtet.
23
2/2026 ·
lehrer nrw
SCHULE & POLITIK
sigkeit, der Egalisierung, des Schulabsentis-
mus und allgemein der Tatsache, dass man
zu Kindern und Jugendlichen nicht mehr
durchdringen konnte. Interessanterweise
waren die Beobachtungen, die ich bei Kin-
dern und Jugendlichen gemacht hatte, auch
bei so manchen Eltern mir gegenüber zu
beobachten. Neben zunehmender Respekt-
und Distanzlosigkeit kam irgendwann die
Überforderung und – in auffälliger Weise –
das Sich-Nicht-Kümmern dazu.
Dazu hat sich ein weiterer unguter Trend
in den letzten 15 bis 20 Jahren entwickelt.
Alle Probleme, die man in der Gesellschaft
und/oder im Elternhaus beobachten kann,
sollen von der Schule aufgefangen werden.
Ich erläutere exemplarisch zwei von ihnen.
Berufsorientierung:
Die Qual der Wahl
Das erste Beispiel ist die Berufsorientierung.
An Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamt-
schulen ist dieser Bereich ein wichtiges
Puzzlestück, um Jugendliche ins Berufsle-
ben zu bringen. Doch wo früher eine gute
Kooperation mit den Eltern herrschte, fin-
den sich heute zunehmend Elternhäuser,
die sich nicht oder nur unzulänglich um
die berufliche Zukunft ihrer eigenen Kinder
kümmern. Wer muss es nun richten? Die
Schule, na klar! Dies hat zur Folge, dass es
dort ein überbordendes Angebot gibt, um
Schülerinnen und Schülern den Einstieg ins
Berufsleben zu ermöglichen. Interessanter-
weise nimmt parallel allerdings auch die
Orientierungslosigkeit der Jugendlichen zu.
Ich nenne das gerne das ‘Pizzakarten-Syn-
drom’. Wenn ich im Restaurant acht Pizzen
zur Auswahl habe, muss ich nicht lange
nachdenken und nehme mir eine Pizza,
die mir schmeckt. Dabei nehme ich in Kauf,
dass es vielleicht eine fehlende Zutat gibt
– es schmeckt mir trotzdem. Heutzutage
enthält die Speisekarte eine unübersichtli-
che Anzahl an Pizzas, die überfordernd ist,
weil man vor allen Dingen das Gefühl hat,
dass irgendeine Zutat für die ausgewählte
Pizza fehlt. Am Ende entscheidet man sich
für eine Pizza, mit der man nicht zufrieden
ist – nicht weil eine Zutat fehlt, sondern
weil man das Gefühl hat,
nicht die optimale Pizza
bekommen zu haben. So
auch bei der Berufswahl.
Zunehmend mehr Ju-
gendliche brechen ihre
Ausbildung ab, treten sie
gar nicht erst an, wechseln Schule und
Schulformen, immer in der Hoffnung, das
Optimum herauszuholen. Und die Eltern
flüstern im Hintergrund vernehmlich:
»Abitur, Abitur!« Dass diese Einstellung
zu Überforderung und im schlimmsten Fall
zum Phlegma führt, dürfte kaum verwun-
dern.
Medienerziehung:
Fluch und Segen
des Smartphones
Zweites Beispiel ist die Medienerziehung.
Ja, sie gehört auch in die Schule. Und ja,
natürlich gibt es noch viele Eltern, die sich
um einen gesunden Medienkonsum ihres
Kindes kümmern. Ihnen gebührt große
Hochachtung, denn es ist keine leichte
Aufgabe, hier entsprechend umsichtig zu
erziehen, wenn ein nicht unerheblicher Teil
der Eltern dies nicht mehr tut. Mit dem
Smartphone, das die Kinder als Geschenk
erhalten, meinen viele Eltern offenbar, dass
sich alles Weitere schon fügen wird und
wenn nicht, sind immer die anderen schuld.
Dazu kommt, dass den Erwachsenen und
damit auch den Lehrkräften oft das Know-
how fehlt, was den Umgang und die viel-
fältige (auch gefährliche) Nutzung mit den
nicht mehr ganz so neuen Medien angeht.
Wie man beispielsweise gerade am Beispiel
Australien sieht, schaffen es viele Jugend-
liche, das Social-Media-Verbot der Regie-
rung trickreich zu umgehen.
Und schon rennt die
nächste Sau durchs Dorf…
Die Schule muss sich also zunehmend um
die Probleme der Gesellschaft kümmern.
Alles schön und gut, aber es gibt eben
nicht mehr Unterrichtsstunden! Und so
wird in schöner Regelmäßigkeit von irgend-
welchen Experten die nächste Sau durchs
Dorf getrieben: Kinder
sollen auf das Wirt-
schaftsleben vorbe-
reitet werden, auf
den Umgang mit
Medien, auf das deut-
sche Rechtssystem,
das Berufsleben, die eigene Gesundheit.
Und nun erlebt man noch, wie die Gesell-
schaft zunehmend nach rechts rückt. Mich
wundert das nicht – wenn die Schulminis-
terien der Bundesländer zunehmend den
Geschichts- und Politikunterricht vernach-
lässigen, kommt so etwas dabei raus! Aber
natürlich soll es die Schule richten, wäh-
rend gleichzeitig finanzielle Mittel für De-
mokratie-Erziehung weiter gekürzt werden.
Und gleichzeitig soll eine fundierte Ausbil-
dung in diversen Unterrichtsfächern ge-
währleistet sein. Wie soll das gehen?
SIE SIND GEFRAGT
Wie ist Ihre Meinung dazu?
Ich freue mich über Ihre Reaktionen,
kritische sowie zustimmende:
schipper@lehrernrw.de
Tom Schipper ist stellvertretender Vorsitzender
des
lehrer nrw
E-Mail: schipper@lehrernrw.de
Foto: AdobeStock/Pixelzone
lehrer nrw ·
2/2026
24
FORTBILDUNGEN
lehrer nrw
(vormals RLV NRW)
feiert sein
80-jähriges Bestehen!
Profitieren Sie als
lehrer nrw
-
Mitglied mit einem einmaligen
Rabatt von 20 Euro auf die Teil-
nahmegebühr für eine beliebige
Fortbildung aus dem Programm
von
lehrer nrw
.
Bitte bei der Anmeldung unter
‘Zusätzliche Bemerkungen’
das Wort ‘Jubiläum’ eingeben.
Die Aktion ist auf das Jahr 2026 begrenzt.
Ersatzschulen
Da uns immer häufiger Fragen zum Ersatzschuldienst erreichen,
bieten wir neben unserer kostenfreien Beratung für Mitglieder
auch eine Fortbildung zu diesem Thema an. Weitere Fortbil-
dungs-Highlights finden Sie in der Tabelle rechts. Anmeldungen
sind online möglich.
D
Das Seminar beleuchtet die rechtlichen Besonderheiten des Dienstes an Ersatzschulen
und bietet fundierte Informationen für Lehrkräfte, die bereits an einer solchen Schule
tätig sind, sowie für Kolleginnen und Kollegen, die sich für einen Wechsel in den Ersatz-
schuldienst interessieren. Rolf Fischer, Leiter des Referats Privat- und Ersatzschulen im
lehrer nrw
, erläutert die Grundlagen des Rechts der Ersatzschulen gemäß Grundgesetz,
Landesverfassung, Schulgesetz und einschlägiger Verordnungen. Weiterhin geht es um
die Auswirkungen dieser rechtlichen Gegebenheiten auf pädagogische Gestaltungs-
möglichkeiten und auf die Beschäftigungsverhältnisse der Lehrkräfte.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können im Vorfeld spezielle Fragestellungen
einreichen, die dann im Seminar erörtert werden.
Seminartitel: Ersatzschulen (staatlich anerkannt) – Rechtliche Besonderheiten
Referent: Rolf Fischer, Leiter des Referats Privat- und Ersatzschulen
im
lehrer nrw
Seminar-Nr.: 2026-0617
Termin: Mittwoch, 17. Juni 2026, 13:30 Uhr bis 17:00 Uhr
Tagungsort: Die Wolfsburg, Falkenweg 6, 45478 Mülheim a.d. Ruhr
Kosten: 80 Euro für
lehrer nrw
Mitglieder,
120 Euro für sonstige Teilnehmer
(inklusive Mittagsimbiss, Kaffee- und Kuchenpause.)
Anmeldeschluss: 4. Mai 2026
Foto: AdobeStock/MQ-Illustrations
ANMELDUNG
www.lehrernrw.de/lehrernrw-de-fortbildungen/lehrernrw-de-fortbildungsuebersicht/
www.lehrernrw.de
Seminar
Nr. Titel Kurzinhalt Referenten Wo Wann Uhrzeit
Gebühr
lehrer nrw-
Mitglied
Gebühr
sonst.
Teilnehmer
Anmelde-
schluss
2026-0514 Fortbildung für
KI-Neuentdecker
Diese Fortbildung richtet sich an Lehrkräfte, die KI bisher kaum oder noch nicht systematisch einsetzen. In diesem
Seminar verschaffen wir uns gemeinsam einen fundierten Überblick: Was verändert KI gerade wirklich im Schulalltag –
für Ihre Unterrichtsvorbereitung, Ihre Materialien und Ihre tägliche Arbeit? Wir schauen uns an, wie KI bei der Differenzie-
rung von Inhalten, der Individualisierung von Lernwegen und der Entlastung von Routineaufgaben konkret helfen kann.
educaite Webinar Dienstag
12.05.2026
14:00 bis
16:30 Uhr
120 150 24.04.2026
2026-0601 Methoden der schulischen
Suchtprävention
In diesem Seminar werden die Grundlagen der schulischen Suchtprävention vorgestellt. Daneben werden konkrete
Methoden ausprobiert und angespielt, die Jugendliche ohne erhobenen Zeigefinger über Themen der Suchtprävention
informieren und sie motivieren, sich mit ihrem eigenen Konsum auseinanderzusetzen.
Yvonne
Michel
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Montag
01.06.2026
09:30 bis
17:00 Uhr
169 219 28.04.2026
2026-0609 Elternabend mal anders!
Ideen und Methoden für aktive
Elternabende und schulinterne
Arbeitsgruppen
Sie lernen Formate aus Moderation, Facilitation und Groupwork kennen, um mehr Beteiligung und konstruktive
Beiträge zu erzielen und auch zurückhaltende Eltern zu integrieren. Lehrkräfte mit Führungsaufgaben, die Arbeitsgruppen,
Gremien und Teilkonferenzen leiten, können ebenfalls viele praxisnahe Anregungen erhalten.
Tanja
Schmitz-
Remberg
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Dienstag
09.06.2026
09:30 bis
16:00 Uhr
169 219 08.05.2026
2026-0610 Demokratieerziehung:
Meinungsfreiheit und
ihre Grenzen in der Schule
In jedem schulischen Kontext werden Lehrkräfte mit Meinungsäußerungen von Schülerinnen und Schülern konfrontiert.
Doch was ist zu tun, wenn es grenzverletzend oder extrem wird? Dieses Seminar geht auf den Beutelsbacher Konsens
und die korrespondierenden Rechtsvorschriften ein. Anhand von Praxisbeispielen werden Grenzen der Meinungsfreiheit
ausgemacht.
Sebastian
Potschka
Webinar Mittwoch
10.06.2026
14:00 bis
17:00 Uhr
20 30 27.05.2026
2026-0615 Präsenz in Konflikten Dieses Seminar wird Ihnen konstruktive Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, mit denen Sie durch konsequentes und
gleichzeitig wertschätzendes Verhalten Konflikte wirksam bewältigen und Regeln leichter durchsetzen können.
Gabi
Schmidt
Ringhotel Drees
Hohe Straße 107
44139 Dortmund
Montag
15.06.2026
09:30 bis
17:00 Uhr
169 219 11.05.2026
2026-0616 Fortbildung für KI-Explorer Für Lehrkräfte, die KI aktiv im Schulalltag einsetzen. In diesem Seminar denken wir Unterricht, Prüfungskultur und
Lernformate grundlegend weiter – und setzen das in Bezug zu den aktuellen bildungspolitischen Entwicklungen in Nord-
rhein-Westfalen, die längst Antworten auf genau diese Fragen einfordern. Wir diskutieren algorithmische Verzerrungen,
Desinformation und KI-Literacy nicht als Randthemen, sondern als Kernaufgaben moderner Bildung.
educaite Webinar Dienstag
16.06.2026
14:00 bis
16:30 Uhr
120 150 27.05.2026
2026-0619 Wege in den Ruhestand Beamtenversorgung und Altersteilzeit Horst
Joosten
Akademie Franz Hitze Haus
Kardinal-von-Galen-Ring 50
48149 Münster
Dienstag
18.06.2026
15:00 bis
18:00 Uhr
65 95 15.05.2026
2026-0622 Burnout Prävention:
Die Sprache des Körpers
erlernen
Lehrerinnen und Lehrer brennen für ihren Beruf, doch jede vierte Lehrkraft ist laut aktueller Studien dabei auszubrennen.
Das Seminar unterstützt Sie, Strategien zu erlernen, die Ihnen helfen, positiven von negativem Stress zu unterscheiden
und die Alarmsignale Ihres Körpers zu verstehen. Sie entwickeln ein Bewusstsein für sich und Ihren Körper und entdecken
Methoden der Lebenspflege und des Selbstmanagements, um sich vor Burnout zu schützen.
Lea
Lindemann
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Montag
22.06.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 18.05.2026
lehrer nrw ·
2/2026
26
SENIOREN
Auf den Spuren von Nobelpreisträgern
D
Das Max-Planck-Institut für Kohlen-
forschung gibt es bereits seit 1914,
und es ist die älteste wissenschaftliche
Forschungseinrichtung des Ruhrgebiets.
Hinter dem historischen Namen verbirgt
sich heute innovative Katalyseforschung.
In der Geschichte des Instituts gibt es
zwei Nobelpreisträger, Karl Ziegler (1963)
und Benjamin List (2021), sowie zahlrei-
che chemische Entdeckungen von großer
Tragweite, wie beispielsweise die Entkof-
feinierung aus Kaffeerohbohnen.
Nach einer kurzen Einführung in einem
Hörsaal erhielten die Teilnehmenden Einbli-
cke in verschiedene Arbeits- und Forschungs-
bereiche. In einem Projekt wird zum Beispiel
erforscht, wie Biomasse anstelle von Erdöl
als Rohstoff für chemische Produkte genutzt
werden kann. Aber auch der Aufbau und die
Arbeitsweise eines Gaschromatographen zur
Analyse oder die Druckkammern im Techni-
kum wurden uns erklärt. Bei allen Begegnun-
gen wurde deutlich, wie sehr die Mitarbeiter
und Wissenschaftler für ihre Forschung bren-
nen. Die Mittagspause in einem Restaurant
bot eine Gelegenheit zum Erholen und zum
Austausch in gemütlicher Runde.
Einen spannenden Kontrast zum Vormit-
tagsprogramm bildete die Kuratorenführung
durch die Sammlung Ziegler. Teil 2 der Aus-
stellung im Kunstmuseum befasst sich mit
dem Leben und Werk von Marc, Macke,
Heckel und Jawlewsky, geht aber über die
künstlerischen Einzeldarstellungen hinaus
und macht das Sammeln selbst und das
Sammlerpaar Ziegler zum Ausgangspunkt
der Betrachtung. So entsteht durch Tapeten,
Fotografien und historische Möbel eine
stimmige Ausstellungskulisse, in der die
Bilder ihre private Herkunft lebendig vor
Augen führen. Petra Wiora-Köster
Zwanzig
lehrer nrw
Seniorinnen und Senioren trafen sich
am 18. März zu einem ebenso informativen wie kurzweili-
gen Tag in Mülheim. Auf dem Programm standen Natur-
wissenschaften und Kunst.
Die
lehrer nrw
Gruppe im Mülheimer
Max-Planck-Institut.
Salzwelten in Bad Sassendorf
am 20. Mai
In Bad Sassendorf besuchen wir die Salzwelten und werden selbst das Handwerk
des Salzsiedens erleben können, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch.
Der Besuch des Kurparks rundet unseren Tag ab.
Es sind noch einige Plätze frei und wir bitten die Interessenten um Anmeldung
bis spätestens 5. Mai bei: Monika Holder, Telefon 02739 1899 oder per Mail unter
holder@lehrernrw.de
Frühjahrsfahrt
nach Saarbrücken
Die Frühjahrsfahrt nach Saarbrücken vom 3. bis
7. Juni kann erfreulicherweise mit genügend
Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattfinden.
Wir können uns auf sehr interessante und
ereignisreiche Tage in Saarbrücken und
Umgebung freuen.
27
2/2026 ·
lehrer nrw
SENIOREN
IT-Fortbildung:
Alles rund um Smartphone, PC & Co.
Unter fachkundiger Leitung des Dozenten Jan Jantzen erhielten
die Teilnehmenden der IT-Fortbildung viele nützliche Tipps.
A
Am 10. und 11. Februar 2026 fand in
Köln die inzwischen schon fast tradi-
tionelle zweitägige IT-Schulung für Pensio-
närinnen und Pensionäre von
lehrer nrw
statt. Insgesamt nahmen elf ehemalige
Lehrkräfte an der Veranstaltung teil, um
ihre digitalen Kenntnisse aufzufrischen und
zu vertiefen. Unter der Leitung des hervorra-
genden Dozenten Jan Jantzen erhielten die
Teilnehmenden eine praxisnahe Einführung
in den Umgang mit Laptop, Smartphone
und weiteren digitalen Anwendungen.
Geschult wurde an eigenen Geräten
(Smartphone, iPhone, Tablet oder Laptop).
Die Sicherheit im Internet bildete ebenfalls
eine Lerneinheit. Hier lernten wir das Erken-
nen von verdächtigen Links und Phishing-
Mails und das Verwenden sicherer Passwör-
ter. Nützliche Apps für den Alltag wurden
ebenfalls vorgestellt und eingerichtet.
Am zweiten Tag stand die Anwendung des
Betriebssystems Windows im Fokus. Hier ging
es unter anderem um Dateien und Ordner,
wie zum Beispiel das Auffinden von Bildern
und Downloads, Papierkorb leeren, Dateien
umbenennen und verschieben und vieles
mehr. Ein weiterer Bereich war das sichere
Surfen und Schreiben von E-Mails. Das Aus-
gestalten von E-Mails mit Anhängen und er-
weiterten Funktionen wie verdeckten Vertei-
lerlisten wurde geübt. Wir erfuhren zudem,
worauf man achten sollte, um seriöse Web-
seiten von betrügerischen zu unterscheiden.
Fortsetzung folgt: Für den September
läuft bereits die Planung für ein weiteres,
vom dbb unterstütztes IT-Seminar für die
Seniorinnen und Senioren des
lehrer nrw
.
Der angedachte Termin ist am 29. und
30. September (noch unter Vorbehalt).
Herbstfahrt nach Bad Lauterberg
D
Diese Herbstfahrt vom 4. bis 8. Oktober wird endlich auch die
Reise in den Harz ‘nachholen’, die durch den Ausbruch der
Pandemie abgesagt werden musste. Untergebracht sind wir im
4* Parkhotel Weber-Müller in Bad Lauterberg. Die Anmeldungen lau-
fen schon seit geraumer Zeit und können noch bis 15. Juli erfolgen.
Hier noch eine Anmerkung zur An- und Rückreise: Vielfach wur-
de eine Anreise mit einem Bus gewünscht. Zwischenzeitlich sind
aber die Kosten für einen Bus, der an mehreren Stellen die Teilneh-
menden einsammeln würde, viel zu hoch.
Hier hat sich erfreulicherweise eine andere Option aufgetan:
Das Hotel hat zwei Kleinbusse für je acht Personen und Gepäck.
Es bietet den Teilnehmenden der Fahrt an, sie an einem bestimm-
ten Ort (zum Beispiel Paderborn, Dortmund, etc.) abzuholen.
Bei entsprechender Nachfrage könnte dann ein Bus für Hin- und
Rückreise bestellt werden, sofern das gewünscht wird. Die Busse
sind auch vor Ort von allen Hotelgästen für Ausflüge nutzbar.
Ausführliche Reiseinformationen gibt es hier:
www.lehrernrw.de/wp-content/uploads/
lehrernrw-Anmeldung-Harz-2026.pdf
Anmeldung: Klüber Touristik GmbH,
Haarener Straße 18, 33178 Borchen,
Tel: 05251 6879990,
info@reisen-joamar.de, www.reisen-joamar.de
lehrer nrw ·
2/2026
28
Alimentation 2.0
Das Bundesverfassungsgericht hat die Beamten-
besoldung des Landes Berlin für 2008 bis 2020
für verfassungswidrig erklärt – eine Entscheidung
mit Tragweite auch für Nordrhein-Westfalen.
D
Das Bundesverfassungsgericht
(BVerfG) hat die Beamtenbesoldung
des Landes Berlin für 2008 bis 2020
für verfassungswidrig erklärt. Ja, und? Was
geht’s mich an?, mag sich die eine oder der
andere im nicht nur geografisch weit ent-
fernten Nordrhein-Westfalen denken. Nun,
zumindest die verbeamteten Zeitgenossin-
nen und -genossen sollten aufmerken. Denn
die Entscheidung des obersten deutschen
Gerichts setzt Maßstäbe letztlich für alle
Besoldungsgesetzgeber aller Bundesländer
und des Bundes selbst 1.
Dreistufiges Modell
ermittelt Verstöße gegen
das Alimentationsprinzip
Und diese Maßstäbe haben es in sich, denn
sie stellen die bisherigen Grundlinien für die
Beamtenbesoldung, die durch die bisherige
Rechtsprechung des Gerichts gezogen wur-
RECHT§AUSLEGER
von CHRISTOPHER LANGE
Ein
echter Hammer,
nicht nur für Berlin:
Das Bundesverfassungsgericht
hat die Besoldungspraxis im
Stadtstaat gekippt.
Foto: AdobeStock/Anna
29
2/2026 ·
lehrer nrw
den, ein Stück weit auf den Kopf bezie-
hungsweise entwickeln sie deutlich weiter.
Es ist dabei beim Grundprinzip der amtsan-
gemessenen Alimentation als Grundlage
der Beamtenbesoldung und -versorgung
geblieben. Das Gericht gibt aber nun neu
vor, wann es einen Verstoß gegen das Ali-
mentationsprinzip annimmt. Dazu stellt es
ein aus drei Prüfungsstufen bestehendes
Modell in den Mittelpunkt. Dieses besteht
aus dem Vorliegen der Min-
destbesoldung, der
Fortschreibungsprü-
fung sowie der even-
tuellen Notwendigkeit
von Ausnahmen.
Das bedeutet, dass zunächst
zu prüfen ist, ob die Besoldung nicht un-
ter der Untergrenze der Mindestbesoldung
bleibt. Das Niveau der Besoldung müsse, so
das BVerfG, hoch genug sein, um einen hin-
reichenden Abstand zu einem die Beamtin
beziehungsweise den Beamten samt Fami-
lie treffenden realen Armutsrisiko sicherzu-
stellen. Hintergrund ist, dass Beamtinnen
und Beamte so gut bezahlt werden sollen,
dass sie zum Beispiel wirtschaftliche
Schwankungen aushalten können, die
durch Ausgaben für erhöhte Lebenshal-
tungskosten oder ähnliches entstehen
können.
‘Prekaritätsschwelle’
als neuer Maßstab
Nach Feststellungen von Armutswissen-
schaftlern ist ein hinreichender Abstand zu
einem realen Armutsrisiko nur dann gege-
ben, wenn das Einkommen die sogenannte
Prekaritätsschwelle von achtzig Prozent
des Median-Äquivalenzeinkommens er-
reicht. Auch diese Schwelle stellt eine Inno-
vation dar. Bislang hatte man das Mindest-
niveau am Abstand zum Grundsicherungs-
niveau, das heißt dem Sozialhilfeniveau
festgemacht. Dazu wurden dann zu dem
Grundsicherungsniveau ein Sicherheitsab-
stand von einigen Prozentpunkten hinzuge-
rechnet. Dies hält das BVerfG nicht mehr
für angemessen. Damit erhöht sich die
Grenze, ab der die Alimentation noch ver-
fassungsgemäß ist, deutlich. Das BVerfG
hält dies für notwendig, denn es würde
ansonsten nicht zum Ausdruck gebracht,
»dass die Alimentation des Beamten und
seiner Familie etwas qualitativ anderes ist
als staatliche Hilfe zur Erhaltung des Min-
destmaßes sozialer Sicherung«, wenn man
die Mindestbesoldung weiter anhand des
Grundsicherungsniveaus bestimmen wollte.
Besoldung in angemessener
Relation zur wirtschaftlichen
Entwicklung
Im nächsten Schritt muss der Besoldungs-
gesetzgeber die Besoldung ‘fortschreiben’.
Er muss dabei in Teilschritt eins dieses zwei-
ten Prüfungspunktes zunächst darauf ach-
ten, wie sich die Verbraucherpreise entwi-
ckeln, mit anderen Worten, ob die Beamten-
besoldung »fortlaufend an die Entwicklung
der allgemeinen wirtschaftlichen und finan-
ziellen Verhältnisse und des allgemeinen
Lebensstandards angepasst wird.« Maßstab
dabei ist die Entwicklung der volkswirt-
schaftlichen Vergleichsgrößen Tariflohnin-
dex, Nominallohnindex und Verbraucher-
preisindex. Weicht die Besoldung von min-
destens einem der drei Vergleichswerte um
mindestens fünf Prozent ab, liegt eine Miss-
achtung des Alimentationsprinzips vor, so
das BVerfG. Ist dies nicht der Fall, ist aber
noch im Rahmen eines zweiten Teilschrittes
der Fortschreibungsprüfung zu kontrollieren,
ob die Berechnungen »stets mit weiteren
alimentationsrelevanten Kriterien im Rah-
men einer wertenden Betrachtung zusam-
mengeführt wurden«. Das bedeutet für den
Besoldungsgesetzgeber nichts anderes, als
dass er sich nicht darauf ausruhen kann,
regelmäßige Anpassungen vorgenommen
zu haben, wenn insgesamt betrachtet die
Besoldung doch nicht in angemessener Rela-
tion zur wirtschaftlichen Entwicklung steht.
Als dritten Prüfungsschritt verlangt das
BVerfG eine Untersuchung dahingehend,
ob eine Verletzung des Alimentationsprin-
zips ausnahmsweise verfassungsrechtlich
gerechtfertigt sein könnte. Dies kommt ins-
besondere bei der Kollision mit anderen
Werten von Verfassungsrang in Betracht.
Der Besoldungsgesetzgeber muss dann die
unterschiedlichen Interessen im Rahmen
einer Abwägung zu einem schonenden
Ausgleich bringen. Letztlich wird in diesem
Kontext auch die Wahrung von Abständen
zwischen höheren und niedrigeren Gruppen
der Besoldung überprüft, wie sie Ausdruck
des Alimentationsprinzips sind.
Bundesverfassungsgericht
kippt Berliner Lösung
Es liegt wohl nicht fern, eine zu geringe,
aber ausnahmsweise gerechtfertigte Besol-
dung aus einer schwierigen Haushaltslage
ableiten zu wollen – auf diese Rechtferti-
gungsbegründung war jedenfalls das Bun-
desland Berlin bei den in Rede stehenden
Besoldungsgesetzen gekommen. Diesen
Zahn hat das BVerfG jedoch Berlin gezogen.
Gemäß seinem Urteil kann der Umstand,
dass die Kassen klamm sind, grundsätzlich
nicht die Prinzipien der Alimentation der
Beamtinnen und Beamten beschneiden.
Dies gilt zumindest dann, wenn kein konkre-
tes Einsparkonzept vorliegt und die Besol-
dung nicht direkt wieder steigt, sobald das
Konzept aufgegangen ist.
Und was können Lehrkräfte aus Nord-
rhein-Westfalen nun vorrangig aus all dem
ziehen? Mögen die Grundsätze der amtsan-
gemessenen Alimentation zwar allgemein
nachvollziehbarer geworden sein, ein ge-
steigertes Interesse für diese rechtlichen
Hintergründe ist aber ja nicht jedem gege-
ben. Interessant ist mit Blick auf künftige
Anpassungen einer Besoldungsordnung
sicherlich, dass leere Kassen beim Landes-
gesetzgeber kein Hinderungsgrund für eine
Besoldungserhöhung sind.
1 Zum Ganzen M.Schneider. Berlin hat jahrelang zu schlecht
bezahlt: Verfassungsgericht macht neue Vorgaben zur
Beamtenbesoldung, https://www.lto.de/recht/hintergruen-
de/h/2bvl518-bverfg-berlin-besoldung-beamte-verfas-
sungswidrig-pruefung-alimentationsprinzip, abgerufen am
27. März 2026; Hotstegs/Amos, Berliner Beamtenbesol-
dung: »Das ist eine Ohrfeige aus Karlsruhe«, https://www.
beck-aktuell.de/heute-im-recht/rechtsprechung/interview-
hotstegs-bverfg-berlin-beamte-besoldung-haushalt-laen-
der-2025-11-21, abgerufen am 27. März 2026.
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange leitet die Rechtsabteilung
des
lehrer nrw
E-Mail: Rechtsabteilung@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
2/2026
30
ANGESPITZT
D
Das NRW-Schulministerium macht
jetzt in Basisdemokratie. Wenn
schon die Lehrerschaft gegenüber der
Obrigkeit nix zu sagen hat, sollen jetzt
wenigstens die Kinder mitreden dürfen.
Darum hat sich das Ministerium das
‘Zentrale Schülerfeedback’ ausgedacht.
Denn an der Völklinger Straße hat man
nach der Lektüre einschlägiger Studien
festgestellt, dass viele Schülerinnen
und Schüler Unterstützung bei ihrer
sozial-emotionalen Entwicklung brau-
chen. Darum will die Schulministerin
ihnen ganz genau zuhören, hat sie in
einer Pressemitteilung angekündigt.
Das geht mit dem neuen Schülerfeed-
back ganz prima. Damit können die
Kids ihren Lehrerinnen und Lehrern um-
fassende Rückmeldung geben, ob sie
sich auch wirklich wohlfühlen und ob
die Atmo an der Schule auch wirklich
angenehm ist.
Ja, richtig gelesen. Für die Interpretati-
on der Ergebnisberichte sind selbstver-
ständlich die Lehrkräfte und Schulleitun-
gen zuständig. Und sollte sich heraus-
stellen, dass irgendwas im Argen liegt,
muss selbstverständlich umgehend Ab-
hilfe geschaffen werden. Da wird sich
sicher zwischen dem Einholen der Nah-
rungsmittelunverträglichkeitsinfos für die
nächste Klassenfahrt der 7b, der War-
tung der Tablets für die nächste Stunde
mit der 8a, dem Gespräch mit den Eltern
des dauer-renitenten Nils-Leon (O-Ton
Erzeuger: »Stelln se sich ma nich so an,
der is halt ’n bisschen quirlig«) noch ein
Stündchen für die Erstellung eines fulmi-
nanten Konzepts zur nachhaltigen Ver-
besserung des Schulklimas finden.
Da bekommt die Aussage »In der
Schule bin ich oft gestresst« eine brand-
aktuelle Dimension. Sie findet sich übri-
gens exakt so im Fragebogen zum Zen-
tralen Schülerfeedback für die Klassen 8
bis 10. Leider dürfen da nur die Schüler
ankreuzen, ob sie dieser Aussage zustim-
men oder eher nicht zustimmen. Die
Lehrkräfte werden nicht gefragt.
Gleiches gilt für die Original-Aussage
aus demselben Schüler-Fragebogen:
»Ich fühle mich in meiner Schule sicher
Nun, auch da könnten Lehrerinnen und
Lehrer einiges beisteuern – wenn sie
denn gefragt würden. Ganz besonders
jene 1283 Kolleginnen und Kollegen in
Deutschland, die laut Polizeilicher Krimi-
nalstatistik im Jahr 2024 Opfer vorsätzli-
cher Gewalt gegen Lehrkräfte geworden
sind. Jochen Smets
Basisdemokratie ohne Lehrkräfte
Buchstabenjagd
im Frühling
1. Wählen Sie zwei Buchstaben, zum Beispiel B und S.
2. Stellen Sie sich einen Timer auf 60 Sekunden.
3. Nennen Sie abwechselnd je ein Wort, das zum Frühling
passt und mit dem jeweiligen Buchstaben beginnt:
Beispiel: Blüte Sprössling Biene Säen
4. Wechseln Sie anschließend auf zwei neue Buchstaben
(zum Beispiel F und M) und wiederholen Sie Schritt 3 für weitere
60 Sekunden.
Variante: Steigern Sie die Übung auf drei oder mehr Buchstaben
so wird zusätzlich das Kurzzeitgedächtnis gefordert.
Buchstabensuche
Diese Übung hat es in sich:
Visuelle Konzentration, Kurzzeitgedächtnis und Hand-Auge-
Koordination werden gefördert. Unterstreichen und zählen Sie
in diesem Text alle R und T. Versuchen Sie dabei, alles in einem
Durchlauf zu erledigen. Schaffen Sie es in unter einer Minute?
Annette von Droste-Hülshoff
Der Frühling ist die schönste Zeit
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Was kann wohl schöner sein?
Da grünt und blüht es weit und breit
Im goldnen Sonnenschein.
Am Berghang schmilzt der letzte Schnee,
Das Bächlein rauscht zu Tal,
Es grünt die Saat, es blinkt der See
Im Frühlingssonnenstrahl.
Die Lerchen singen überall,
Die Amsel schlägt im Wald!
Nun kommt die liebe Nachtigall
Und auch der Kuckuck bald.
Nun jauchzet alles weit und breit,
Da stimmen froh wir ein:
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Über Feedback zu meinen Gehirnjogging Übungen würde ich mehr sehr freuen: mail@heike-loosen.de Heike Loosen
Finger-Koordination
Kennen Sie den
Vulkanier Gruß?
Alle Finger liegen
aneinander – nur
zwischen Ring- und
Mittelfinger befindet
sich eine V-förmige
eine Lücke.
1.Versuchen Sie, diese Geste
hinzubekommen:
Legen Sie alle Finger
aneinander, dann
spreizen Sie Ring- und
Mittelfinger ab. Üben
Sie erst die ei-
ne, dann die
andere Hand –
immer abwechselnd.
2.Danach versuchen Sie eine zweite
Geste: Jetzt bleiben Mittel- und
Ringfinger zusammen und
Zeige- und kleiner
Finger spreizen sich ab.
Üben Sie auch hier beide
Hände abwechselnd.
HIRNJOGGING
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lehrer nrw
3.Jetzt wird es spannend: Die linke Hand macht den Spock-Gruß, während die rechte Hand gleichzeitig die zweite Geste macht.
Wechseln Sie nun gleichzeitig: Die linke Hand zeigt nun die zweite Geste, und die rechte Hand macht den Spock Gruß. Viel Spaß dabei!
AUFGABE 1
AUFGABE 2
AUFGABE 3