3Unter der Lupe
Faire Laufbahn-
perspektiven
für die Sek I
10 Titel
‘Fit for Life’
28 Recht§ausleger
Zwischen Lehrer-
mangel und
Lebensplanung
6Im Brennpunkt
Warnsignal für
die Bildungspolitik
PISA-Studie:
Ohne Sprache
ist alles nichts
Pädagogik & Hochschul Verlag . Graf-Adolf-Straße 84 . 40210 Düsseldorf · Foto: AdobeStock
1781 | Ausgabe 4/2026 | SEPTEMBER | 70. Jahrgang
INHALT
lehrer nrw ·
4/2026
2
UNTER DER LUPE
Sven Christoffer: Faire
Laufbahnperspektiven für die Sek I 3
BRENNPUNKT
Sarah Wanders: Warnsignal
für die Bildungspolitik 6
JUNGE LEHRER NRW
Tobias Braune: Neues Schuljahr,
neue Chancen
Über den Reiz eines neuen Anfangs 8
TITEL
‘Fit for Life’ 10
SCHULE & POLITIK
Von Zöllen bis Altersvorsorge 14
Verbandsarbeit wirkt 16
Jochen Smets: Chance und
Risiko im PISA-Hype 17
Hardi Gruner: Aufbruch in ein neues
Zeitalter? 18
Christoph Fahle: A 13 für alle!
Wirklich für alle? 20
Tom Schipper: Von der Unverschämtheit,
als Lehrkraft Gewalt erdulden zu müssen
Eine Anklage 22
FORTBILDUNGEN
Wege in den Ruhestand 24
SENIOREN
Printenbäckerei und
weihnachtliches Aachen 29
Trauer um Ulrich Jers 29
Textilmuseum und Stadtführung
in Bocholt 29
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange: Zwischen
Lehrermangel und Lebensplanung 28
ANGESPITZT
Jochen Smets: Vierzhen
Wochen Sommerferien 30
HIRNJOGGING
Aufgabe 1: Aus Silben werden Bilder
Aufgabe 2: Silbenraster
Aufgabe 3: Auseinandergerissen 31
IMPRESSUM
lehrer nrw
– G 1781 –
erscheint sechs Mal jährlich
als Zeitschrift des
‘lehrer nrw’
ISSN 2568-7751
Der Bezugspreis ist für
Mitglieder des
‘lehrer nrw’
im Mitgliedsbeitrag enthal-
ten. Preis für Nichtmitglieder
im Jahresabonnement:
35,– inklusive Porto
Herausgeber und
Geschäftsstelle
lehrer nrw e.V.
Nordrhein-Westfalen,
Graf-Adolf-Straße 84,
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Redaktion
Sven Christoffer,
Christopher Lange,
Tom Schipper,
Jochen Smets,
Sarah Wanders,
Tobias Braune,
Düsseldorf
Verlag und
Anzeigenverwaltung
PÄDAGOGIK &
HOCHSCHUL VERLAG
dphv-verlags-
gesellschaft mbH,
Graf-Adolf-Straße 84,
40210 Düsseldorf,
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Zur Zeit gültig:
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vom 1. Oktober 2023
Zuschriften und
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,
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40210 Düsseldorf
Für unverlangt eingesandte
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Gewähr übernommen werden.
Namentlich gekennzeichnete
Beiträge geben die Meinung
ihrer Verfasser wieder.
Faire Laufbahn-
perspektiven
für die Sek I
Wer will schon an einer Schulform
arbeiten, an der es keine Aufstiegschancen gibt?
D
Der Lehrkräftemangel in der Sekundarstufe II
ist ‘lediglich’ fachspezifischer Natur, der
Mangel in der Primarstufe wird in einigen
Jahren überwunden sein, nachdem man richtiger-
weise die Anzahl der Studienplätze massiv hochge-
fahren hat – an Interessentinnen und Interessen hat
es ja nie gemangelt. In der Sekundarstufe I ist es
genau umgekehrt: Die Anzahl der Studienplätze ist
auskömmlich, aber es fehlen die Interessentinnen
und Interessenten. Ein Grund dafür ist sicherlich
auch, dass die Laufbahnperspektiven im Sekundar-
bereich II deutlich attraktiver sind: Wer will schon
an einer Schulform arbeiten, in der es jenseits von
Schulleitung keinerlei Aufstiegschancen gibt?
Ein Rückblick in den September 2022: Die frisch
gewählte schwarz-grüne Landesregierung löst ihr
Wahlversprechen ein und stellt den Stufenplan zur
schrittweisen Anhebung der Einstiegsbesoldung
der Lehrkräfte im Bereich der Primar- und der Se-
kundarstufe I nach A 13 bzw. EG 13 vor. 900 Millio-
nen Euro kostet dieses Projekt – ein echtes Zei-
chen der Wertschätzung und für den Verband
lehrer nrw,
der sich jahrelang auch mit aufwän-
digen Kampagnen (»Ich verdiene A 13!«) für
»A 13 für alle« eingesetzt hat, der wahrscheinlich
größte Erfolg in der Verbandsgeschichte.
Weiterhin zwei Laufbahngruppen
Gleichzeitig traf die Landesregierung eine weitere
Entscheidung, die bis heute nachwirkt: Sie führte die
Laufbahngruppen nicht zusammen, sondern beließ
es bei der Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegsamt
(dem ehemaligen gehobenen Dienst) für Lehrkräfte
im Primarbereich und der Sekundarstufe I sowie der
Laufbahngruppe 2, zweites Einstiegsamt (früher als
höherer Dienst bezeichnet) für Lehrkräfte der Sekun-
darstufe II. In der Laufbahngruppe 2.2 wird das erste
funktionslose Beförderungsamt nach A 14 besoldet,
in der Laufbahngruppe 2.1 wurde es bis zum 1. Au-
gust 2026 nach A 13 besoldet. Da das Eingangsamt
in dieser Laufbahngruppe zum 1. August 2026 nach
A 13 angehoben wurde, trat mit diesem Datum die
absurde Situation ein, dass Eingangsamt und erstes
Beförderungsamt im Primarbereich sowie der Sekun-
darstufe I nunmehr besoldungsgleich sind.
So wertschätzend der Umgang der Landesregie-
rung gegenüber den Lehrkräften im Eingangsamt ist,
so wenig wertschätzend ist er gegenüber den Kolle-
ginnen und Kollegen im ersten Beförderungsamt: Sie
haben sich dienstlich beurteilen lassen, im Rahmen
der Bestenauslese durchgesetzt und eine zusätzliche
Aufgabe an Schule übernommen und werden seit
dem 1. August monetär behandelt wie Lehrkräfte im
Eingangsamt. Der Wegfall des ersten funktionslosen
Beförderungsamtes hat zur Folge, dass es an Grund-,
Haupt- und Realschulen jenseits von Schulleitung
keinerlei Aufstiegschancen mehr gibt. Systemisch
gedacht bedeutet das auch, dass den Schulleitungen
dieser Schulformen ein wichtiges Führungsinstru-
ment genommen wird: Gerade kleinere Schulen mit
einer flachen Leitungshierarchie sind darauf ange-
wiesen, dass außerunterrichtliche Aufgaben (deren
zusätzliche Übernahme mit dem ersten Beförde-
rungsamt stets verbunden war), die oftmals der
Schulentwicklung dienen, von einzelnen Kolleginnen
und Kollegen übernommen werden – personenscharf
und mit klarer Verantwortlichkeitszuschreibung.
Zweites Besoldungspaket
Im Gesetzentwurf zur Anpassung der Lehrkräftebe-
soldung vom 21. Dezember 2022 findet sich
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lehrer nrw
UNTER DER LUPE
von SVEN CHRISTOFFER
lehrer nrw ·
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UNTER DER LUPE
folgende Formulierung: »Die Landesregierung wird
in der Folge prüfen, welche Anpassungsbedarfe bei
Beförderungs-, Funktions- und Leitungsämtern im
Schulbereich sowie bei der Besoldung der Fachlei-
tungen aufgrund der Neubewertung der Einstiegs-
ämter der Lehrerinnen und Lehrer notwendig sind.«
Diese Prüfung scheint mittlerweile abgeschlossen zu
sein, Mitte Juli verkündete die Landesregierung,
dass das Kabinett Eckpunkte für den Haushalt be-
schlossen habe und in diesem Kontext ein zweites
Besoldungspaket für Schulleitungen und Lehrkräfte
auf den Weg bringen werde. Im Jahr 2027 wolle die
Landesregierung hierfür rund vier Millionen Euro be-
reitstellen. Ab 2028 beliefen sich die jährlichen Kos-
ten dann auf rund zehn Millionen Euro. Im Einzel-
nen:
Die Besoldung von Rektorinnen und Rektoren an
Grund- und Hauptschulen mit mehr als 360 Schüle-
rinnen und Schülern wird von A 14 auf A 14 mit
Amtszulage (‘A 14 Z’) angehoben; ein Plus von über
250 Euro im Monat. Zugleich wird die Besoldung
von Konrektorinnen und Konrektoren dieser Schu-
len von A 13 Z auf A 14 angehoben.
Diese Besoldungserhöhung ist sicherlich positiv zu
bewerten. Gleichzeitig aber ist es vollkommen un-
verständlich, dass Funktionsstelleninhaber an den
übrigen Schulformen der Sekundarstufe I (Realschu-
len, Gesamt- und Sekundarschulen) nicht an dieser
Besoldungsentwicklung teilhaben dürfen. Zudem
hat eine Anfrage der FDP-Fraktion ergeben, dass von
den mehr als 2800 Grundschulen im Schuljahr
2025/2026 nur 386 die verlangte Grenze von 360
Kindern überschritten. Das entspricht gerade mal
rund vierzehn Prozent aller Einrichtungen. Bei den
Hauptschulen erreichten 35 Schulen die nötige
Größe für die Verbesserung – weniger als ein Vier-
tel aller Einrichtungen.
An Grund-, Haupt- und Realschulen wird bereits
bei mehr als 480 Schülerinnen und Schülern eine
zweite Konrektorenstelle eingerichtet. Bislang
brauchte es hierfür mehr als 540 Schülerinnen und
Schüler.
Diese Absenkung halte ich fast schon für die wert-
vollste Neuerung im zweiten Besoldungspaket. Be-
reits vor Jahren hat der
lehrer nrw
geführte HPR Re-
alschule das Ministerium darauf aufmerksam ge-
macht, dass dreizügige Realschulen, die im Ge-
meinsamen Lernen (GL) sind, aufgrund der
Absenkung der Klassengrößen unter die
540 Schülerinnen und Schüler-Grenze rut-
schen könnten und somit der Verlust der
zweiten Konrektorenstelle drohe. Die
Schulen würden quasi dafür bestraft, dass
sie inklusiv arbeiteten und diese wichtige
Querschnittsaufgabe schulterten. Ein erster
Angang des Schulministeriums, dieses Problem
zu lösen, scheiterte seinerzeit am Widerstand des
Finanzministeriums. Umso erfreulicher, dass die Pro-
blematik nunmehr geheilt wird.
Neben den Schulleitungen sollen nach dem Willen
der Landesregierung auch Lehrerinnen und Lehrer
mehr Geld bekommen, die sich in der Lehrkräfte-
ausbildung engagieren. Dazu soll sich die Stellen-
zulage für Fachleitungen in den Lehrämtern an
Grundschulen, Haupt-, Real-, Sekundar- und Ge-
samtschulen sowie für sonderpädagogische Förde-
rung im Vergleich zu heute auf dann 350 Euro mo-
natlich mehr als verdoppeln.
Dass sich das Kabinett durchringen konnte, die Stel-
lenzulage für Fachleitungen im Primarbereich und
der Sekundarstufe I auf 350 Euro in etwa zu verdop-
peln, klingt zunächst positiv und ist sicherlich auch
dem Einsatz von
lehrer nrw
im Verbund mit dem
Netzwerk Fachleiter/innen NRW geschuldet. Den-
noch lässt der Kabinettsbeschluss die Fachleitungen
in den genannten Schulformen enttäuscht zurück.
Denn ungeachtet dieser eher symbolischen Geste
bleibt eine gewaltige Besoldungslücke zu den Fach-
leitungs-Kollegen in der Sekundarstufe II, die für die
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Ende Gelände: Lehrkräfte
an Haupt- und Realschulen
haben de facto keine Aufstiegs-
perspektiven mehr.
gleiche Tätigkeit ein gut dotiertes Beförderungsamt
bekleiden.
Juristische Klärung
Unterm Strich gehen zahlreiche Schulleitungsmit-
glieder in der Laufbahngruppe 2.1 leer aus, ebenso
fast alle Funktionsstelleninhaberinnen und -inhaber
(einzige Ausnahme: Beamtinnen und Beamte mit
dem Amt ‘Gesamtschulrektorin, Gesamtschulrektor
– als Koordinatorin oder Koordinator’ der Besol-
dungsgruppe A 13 erhalten nunmehr eine Amtszu-
lage) sowie alle Kolleginnen und Kollegen im ersten
funktionslosen Beförderungsamt.
Aus Sicht von
lehrer nrw
und auch aus Sicht des
VBE NRW hat sich deshalb die Frage gestellt, ob die
vollständige Einebnung des Besoldungsabstands
zwischen erstem Beförderungsamt und Eingangs-
amt nicht einen unmittelbaren Verstoß gegen das
Abstandsgebot darstellt und ob nicht auch schon
die deutliche Reduktion des Abstands der Funktions-
und Leitungsämter auf das Eingangsamt einen sol-
chen Verstoß beinhaltet. Ein gemeinsam in Auftrag
gegebenes ‘Rechtsgutachten zur Verfassungsmäßig-
keit der Nichtberücksichtigung der Beförderungs-
und Funktionsämter bei der Überleitung der Lehr-
kräfte der Primarstufe und der Sekundarstufe I in
Ämter der Besoldungsgruppe A 13 zum 1. August
2026 in Nordrhein-Westfalen’ liefert dafür jedenfalls
zahlreiche Argumente.
Musterverfahren gestartet
Gemeinsam haben deshalb der VBE und
lehrer nrw
betroffene Kolleginnen und Kollegen für Musterver-
fahren gewonnen, eine Kanzlei mit der rechtlichen
Vertretung beauftragt und übernehmen die entste-
henden Kosten. Begleitet werden die Verfahren
durch die Rechtsabteilungen beider Verbände. Über
deren Ausgang werde ich Sie selbstverständlich in-
formieren. Bis dahin wünsche ich Ihnen einen guten
Start ins neue Schuljahr!
Sven Christoffer ist Vorsitzender des
lehrer nrw
sowie stellv. Vorsitzender des HPR Realschulen
E-Mail: christoffer@lehrernrw.de
UNTER DER LUPE
lehrer nrw ·
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BRENNPUNKT
Warnsignal für
die Bildungspolitik
Das Deutsche Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung widmete sich in der 2026er Umfra-
ge den Belastungen von Lehrkräften im Schulalltag. Die Ergebnisse sind besorgniserregend.
Und Nordrhein-Westfalen steht besonders unter Druck.
D
Die Befunde der diesjährigen Befra-
gung unter rund 1500 Lehrerinnen
und Lehrern sind eindeutig: Die Be-
lastungen im Schulalltag nehmen weiter zu,
während die gesellschaftlichen Erwartungen
an Schule kontinuierlich wachsen. Gleichzei-
tig zeigen die Ergebnisse aber auch eine ho-
he berufliche Motivation und Professionali-
tät der Lehrkräfte, die trotz schwieriger Rah-
menbedingungen ihre Arbeit überwiegend
gerne ausüben.
Hohe Belastungen
auf beiden Seiten
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei
den größten Belastungsfaktoren. Erstmals
nennen 46 Prozent der Lehrkräfte das Ver-
halten der Schülerinnen und Schüler als
größte Herausforderung ihres Berufsalltags.
Damit hat dieser Wert innerhalb von nur
zwei Jahren deutlich zugenommen. 2024
lag der Anteil noch bei 35 Prozent. Auffälli-
ges Sozialverhalten, fehlende Lernmotivati-
on, Konzentrationsprobleme, psychische Be-
lastungen und zunehmende Konflikte prä-
gen nach Einschätzung vieler Lehrkräfte den
Unterrichtsalltag stärker als je zuvor. Die
Ergebnisse stehen dabei in engem Zusam-
menhang mit dem im Frühjahr veröffentlich-
ten Deutschen Schulbarometer Schüler. Dort
zeigte sich erstmals seit dem Ende der Coro-
na-Pandemie wieder ein Anstieg psychischer
Belastungen bei Kindern und Jugendlichen.
Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schü-
ler weist psychische Auffälligkeiten auf, ein
Drittel berichtet von regelmäßigen Mob-
bingerfahrungen. Beide Studien ergänzen
sich zu einem konsistenten Gesamtbild: Die
gesellschaftlichen Belastungen der jungen
Generation erreichen zunehmend den Un-
terricht und stellen Lehrkräfte vor immer
größere pädagogische Herausforderungen.
Im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem
Jahr 2025 haben sich weitere Entwicklun-
gen deutlich verstärkt. Der regelmäßige Ein-
satz von KI-Werkzeugen durch Lehrkräfte ist
von 32 Prozent in 2025 auf mittlerweile
52 Prozent in 2026 gestiegen. Gleichzeitig
bleibt der Wunsch nach Fortbildungen groß.
Lehrkräfte sehen erhebliche Potenziale für
Unterrichtsvorbereitung, Differenzierung
und individuelle Förderung, fühlen sich aber
vielfach noch unzureichend qualifiziert.
52 Prozent der befragten Lehrkräfte möch-
ten ihre Kompetenzen in diesem Bereich
weiterentwickeln.
Handlungsbedarf in puncto
Demokratiebildung
Neu ist außerdem der Fokus auf Demokra-
tiebildung. Die Studie zeigt, dass viele Lehr-
kräfte hier noch immer erheblichen Nach-
holbedarf sehen, auch wenn hier die Pro-
zentsätze im Verhältnis zu 2025 leicht rück-
läufig sind (56 Prozent in 2025 zu 48 Pro-
zent in 2026). Somit ist rund jede zweite
von SARAH WANDERS
Stress, Arbeitsverdichtung, herausfordern-
des Schülerverhalten, emotionale
Erschöpfung: Viele Lehrkräfte arbeiten am
Limit – oder darüber hinaus.
Foto: AdobeStock/oksa_studio
BRENNPUNKT
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lehrer nrw
Lehrkraft der Auffassung, dass an der eige-
nen Schule mehr für Demokratiebildung
getan werden müsste. Gleichzeitig fühlt
sich fast jede fünfte Lehrkraft durch ein
vermeintliches Neutralitätsgebot gehemmt,
wenn politische Themen im Unterricht be-
handelt werden. Angesichts gesellschaftli-
cher Polarisierung, zunehmender Desinfor-
mation und extremistischer Tendenzen ist
dies ein alarmierender Befund. Lehrkräfte
benötigen mehr Rechtssicherheit, Qualifizie-
rung und Unterstützung, um demokratische
Werte selbstbewusst vermitteln zu können.
Trotz der steigenden Belastungen bleibt
die Berufszufriedenheit erstaunlich hoch.
83 Prozent der Befragten geben an, ihren
Beruf grundsätzlich gerne auszuüben. Die-
ses Ergebnis verdient besondere Aufmerk-
samkeit. Es zeigt, dass die hohe Belastung
nicht aus mangelnder Motivation resultiert,
sondern aus strukturellen Defiziten des Sys-
tems. Dennoch würden laut Studie 28 Pro-
zent der Befragten den Beruf wechseln,
wenn sie die Möglichkeit hätten. Dieser
Befund ist besonders ausgeprägt an Haupt-,
Real- und Gesamtschulen. Etwa ein Viertel
aller Befragten berichtet von emotionaler
Erschöpfung mehrmals pro Woche, zwölf
Prozent sogar täglich. Dies ist ein deutlicher
Hinweis auf ein steigendes Burnout-Risiko.
Nordrhein-Westfalen belegt
traurigen Spitzenplatz
Für Nordrhein-Westfalen fallen die Ergebnis-
se besonders kritisch aus. Lehrkräfte in Nord-
rhein-Westfalen berichten bundesweit über
die höchsten Werte emotionaler Erschöp-
fung. Gleichzeitig liegt ihre Berufszufrieden-
heit unter den Werten mehrerer anderer
Bundesländer. Diese Entwicklung überrascht
nicht. Nordrhein-Westfalen kämpft seit Jah-
ren mit einem erheblichen Lehrkräfteman-
gel, zahlreichen unbesetzten Stellen, einer
besonders hohen Heterogenität der Schüler-
schaft sowie einem erheblichen Sanierungs-
bedarf vieler Schulgebäude. Hinzu kommen
eine hohe Arbeitsverdichtung, umfangreiche
Verwaltungsaufgaben und wachsende Anfor-
derungen durch Inklusion, Integration sowie
individuelle Förderung. Die Ergebnisse des
Sarah Wanders ist stellv. Vorsitzende des
lehrer nrw
sowie Vorsitzende des HPR Realschulen
E-Mail: wanders@lehrernrw.de
INFO
Den vollständigen Bericht ‘Deutsches
Schulbarometer – Befragung Lehrkräf-
te’ aus dem Jahr 2026 finden Sie hier:
www.bosch-stiftung.de/
de/publikation/deutsches-
schulbarometer-
lehrkraefte-2026
Foto: Bosch-Stiftung
Schulbarometers machen deutlich, dass die-
se strukturellen Probleme inzwischen unmit-
telbar auf die Gesundheit der Beschäftigten
durchschlagen.
Gerade für Nordrhein-Westfalen ergibt
sich daraus ein klarer politischer Hand-
lungsauftrag. Wer die Qualität von Schule
sichern will, muss die Arbeitsbedingungen
der Lehrkräfte verbessern. Dazu gehört zu-
nächst eine konsequente Entlastung von
bürokratischen Aufgaben. Lehrkräfte müs-
sen mehr Zeit für Unterricht, Erziehung und
individuelle Förderung erhalten. Verwal-
tungsaufgaben sollten verstärkt auf nicht-
pädagogisches Personal übertragen wer-
den.
Was jetzt wichtig ist
Ebenso notwendig ist der flächendeckende
Ausbau multiprofessioneller Teams. Schulso-
zialarbeit, Schulpsychologie, Sonderpädago-
gik sowie IT-Fachkräfte dürfen keine Aus-
nahme mehr sein, sondern müssen an jeder
Schule selbstverständlich zur Verfügung ste-
hen. Die Herausforderungen, die aus psy-
chischen Belastungen, sozialer Benachteili-
gung oder Verhaltensauffälligkeiten entste-
hen, können nicht allein von Lehrkräften
bewältigt werden.
Darüber hinaus müssen Aus- und Fortbil-
dung grundlegend weiterentwickelt wer-
den. Die Förderung sozialer und emotiona-
ler Kompetenzen, der professionelle Um-
gang mit psychischen Belastungen, Demo-
kratiebildung sowie der sinnvolle Einsatz
Künstlicher Intelligenz sollten verbindlich
bereits ins Studium integriert werden, um
angehende Lehrkräfte bestmöglich auf die
Herausforderungen ihres späteren Berufsall-
tags vorzubereiten.
Nicht zuletzt braucht Nordrhein-Westfa-
len eine nachhaltige Personaloffensive.
Die Gewinnung neuer Lehrkräfte bleibt
ebenso wichtig wie die Bindung der bereits
Beschäftigten. Gute Arbeitsbedingungen,
verlässliche Karriereperspektiven und wirk-
same Gesundheitsprävention sind keine
freiwilligen Leistungen, sondern Vorausset-
zungen für ein leistungsfähiges Bildungs-
system.
Auftrag an Bildungspolitik:
Entschlossenes Handeln ist
gefragt
Das Deutsche Schulbarometer 2026 zeigt
eindrucksvoll, dass Schule heute weit mehr
leisten soll als Wissensvermittlung. Sie über-
nimmt zentrale gesellschaftliche Aufgaben –
von Integration über Demokratiebildung bis
zur psychosozialen Stabilisierung junger
Menschen. Diese Erwartungen können je-
doch nur erfüllt werden, wenn die politi-
schen Rahmenbedingungen stimmen. Nord-
rhein-Westfalen steht dabei in besonderer
Verantwortung. Die alarmierenden Ergebnis-
se dürfen nicht lediglich zur Kenntnis genom-
men werden. Sie müssen endlich Konsequen-
zen nach sich ziehen. Gute Bildung braucht
motivierte Lehrkräfte – und motivierte Lehr-
kräfte brauchen verlässliche Unterstützung,
ausreichende Ressourcen und eine Bildungs-
politik, die ihren Herausforderungen gerecht
wird. Das Schulbarometer liefert dafür erneut
eine eindeutige empirische Grundlage. Jetzt
ist die Politik gefordert, daraus entschlosse-
nes Handeln abzuleiten.
lehrer nrw ·
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JUNGE LEHRER NRW
Neues Schuljahr, neue Chancen
Über den Reiz eines neuen Anfangs
D
Die ersten Schultage liegen hinter uns.
Für mich ist der Beginn eines neuen
Schuljahres jedes Mal eine ganz be-
sondere Zeit. Es fühlt sich nach den langen
Sommerferien immer ein bisschen unge-
wohnt an. Dabei wissen wir eigentlich im-
mer ganz genau, wie die ersten Wochen lau-
fen: Wir schauen uns Stundenpläne an, stu-
dieren Klassenlisten, sortieren Materialien,
notieren Termine und stellen uns gedanklich
wieder auf den Schulalltag ein. Die ersten
Tage sind jedes Jahr aufs Neue eine Mi-
schung aus Vorfreude, Aufregung und viel-
leicht auch ein wenig Wehmut darüber, dass
die Ferien schon wieder vorbei sind.
Doch ein neues Schuljahr ist vor allem
eines – ein neuer Anfang. Neue Schülerin-
nen und Schüler, neue Klassen, neue Kolle-
ginnen und Kollegen, neue Herausforderun-
gen und viele neue Möglichkeiten. Und ge-
nau darin liegt für mich immer die Beson-
derheit des Schuljahresbeginns. Natürlich
gehört auch ein bisschen Chaos dazu. Nicht
alles läuft von Anfang an nach Plan, man-
che organisatorischen Fragen klären sich
erst in den ersten Wochen und der schöne
Stundenplan ändert sich doch wieder. Schu-
le lebt eben auch davon, dass nicht alles
vorhersehbar ist. Jeder neue Jahrgang bringt
seine eigene Dynamik mit, jede Klasse ihre
ganz besonderen Persönlichkeiten und jeder
Schultag neue Situationen. Aber genau das
macht unseren Beruf so abwechslungsreich.
Jeder Anfang braucht
seine Zeit
Besonders spannend ist für mich immer der
Moment, wenn die Schülerinnen und Schü-
ler nach den Ferien wieder durch die Schul-
tür kommen. Manche wirken noch etwas
verschlafen, andere erzählen aufgeregt von
ihren Ferienerlebnissen und wieder andere
von TOBIAS BRAUNE
Foto: AdobeStock/Robert Kneschke
JUNGE LEHRER NRW
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4/2026 ·
lehrer nrw
betreten das Klassenzimmer mit einer Mi-
schung aus Neugier und Unsicherheit. Und
natürlich gibt es in diesem Jahr auch Kinder,
die ganz neu an unsere Schule kommen. Für
sie beginnt ein besonders aufregender Ab-
schnitt. Neue Räume, neue Mitschülerinnen
und Mitschüler, neue Lehrerinnen und Leh-
rer und ganz viele Fragen.
Gerade am Anfang eines Schuljahres ha-
ben wir deswegen oft den Anspruch, mög-
lichst gut vorbereitet zu sein. Der Klassen-
raum soll ordentlich aussehen, die ersten
Stunden sollen funktionieren, alle Namen
sollen möglichst schnell sitzen und am liebs-
ten möchten wir bereits in den ersten Tagen
den perfekten Unterricht auf die Beine stel-
len.
Dann merken wir schnell, dass nicht alles
sofort perfekt sein muss. Das braucht Zeit
und diese Zeit dürfen wir uns geben. Ein
neues Schuljahr ist kein fertiges Konzept,
das am ersten Schultag vollständig funktio-
nieren muss.
Eine Zeit neuer Ideen
Der Beginn eines neuen Schuljahres ist für
mich aber auch immer eine Zeit der neuen
Ideen. Es gibt Projekte, die ich schon lange
ausprobieren wollte. Zum Beispiel mehr Zeit
für kreative Aufgaben einzuplanen, neue
Methoden auszuprobieren oder den Schüle-
rinnen und Schülern noch mehr Möglichkei-
ten zu geben, selbstständig zu arbeiten.
Ein neues Schuljahr führt bei mir immer
wieder dazu, solche Gedanken hervorzuho-
len und einige davon tatsächlich umzuset-
zen. Denn nicht nur unsere Schülerinnen
und Schüler dürfen Neues lernen. Auch wir
dürfen uns weiterentwickeln, Dinge auspro-
bieren und manchmal feststellen, dass et-
was nicht funktioniert hat. Natürlich müssen
wir nicht in jedem Schuljahr alles neu erfin-
den. Manchmal reicht es schon, etwas, das
gut funktioniert hat, wieder mit Freude zu
tun.
Die Momente, die man
nicht planen kann
Vielleicht ist ein neues Schuljahr deshalb
auch immer mehr als das Ende der Ferien.
Es ist ein kleiner Neuanfang. Wir dürfen
mit Vorfreude, Neugier und Zuversicht in
die kommenden Monate starten. Wir müs-
sen nicht alles wissen, nicht alles können
und schon gar nicht alles perfekt machen.
Wir dürfen einfach anfangen.
Und vielleicht ist genau das eine gute
Gelegenheit, sich auch daran zu erinnern,
warum wir diesen Beruf eigentlich so
gerne machen. Denn natürlich wissen wir
alle, dass der Lehrkräfteberuf nicht nur
aus schönen Momenten besteht. Es gibt
volle Schreibtische, lange Konferenzen,
Korrekturstapel, schwierige Gespräche
und Tage, an denen man abends nach
Hause kommt und sich fragt, wo eigent-
lich die ganze Energie geblieben ist. Und
trotzdem gibt es diese besonderen Mo-
mente, die all das immer wieder ein
Stück weit aufwiegen.
Ein Kind, das plötzlich etwas versteht.
Eine Schülerin, die über sich hinauswächst.
Ein Schüler, der nach mehreren Anläufen
endlich an sich glaubt. Eine Klasse, die
gemeinsam etwas schafft. Ein ehrliches
»Danke«. Ein Lächeln auf dem Flur. Ein
Gespräch, das vielleicht viel wichtiger war,
als es zunächst schien.
Mit Zuversicht
ins neue Schuljahr
Es sind diese kleinen und großen Augenbli-
cke, die unseren Berufsalltag so besonders
machen. Momente, die man nicht planen
kann und die manchmal ganz unerwartet
entstehen. Genau sie erinnern uns immer
wieder daran, warum wir diesen Beruf ge-
wählt haben und warum es sich lohnt, mit
neuen Ideen, offenen Augen und ein biss-
chen Zuversicht in jedes neue Schuljahr zu
starten.
Denn auch wenn wir heute noch nicht
wissen, was die kommenden Monate für
uns bereithalten: Es werden ganz sicher
viele Momente dabei sein, die wir nicht
geplant haben. Aber vielleicht genau die,
an die wir uns am Ende besonders gerne
erinnern.
Tobias Braune ist Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft
junge
lehrer nrw
E-Mail: braune@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
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10
TITEL
Fit
for Life
Nach erfolgreicher Pilot-
phase startet das Pro-
gramm ‘Fit for Life’ landes-
weit. Schulbesuche von
‘Life Teachers’, unter ande-
rem aus Unternehmen und
Handwerksbetrieben, sol-
len Schülerinnen und Schü-
lern praxisnahe Einblicke in
Lebens- und Arbeitswelten
eröffnen.
N
Nordrhein-Westfalen öffnet seine
Schulen für Expertinnen und Ex-
perten aus der Berufswelt. Schul-
ministerin Dorothee Feller und Ludwig
Thiede, Geschäftsführer der gemeinnützi-
gen Bildungsinitiative LifeTeachUs, haben
am 20. August 2026 in Düsseldorf ein
Memorandum of Understanding unter-
zeichnet. Damit wird das von der Minis-
terin ins Leben gerufene Programm ‘Fit
for Life – mehr Lebenswissen in Schule’
nach einer erfolgreichen Pilotphase im
Regierungsbezirk Münster auf das ganze
Bundesland ausgeweitet. Schulen können
sich ab sofort landesweit über die App
von LifeTeachUs mit Unternehmen, Hand-
werksbetrieben, öffentlichen Einrichtun-
gen, Vereinen und weiteren gesellschaft-
lichen Akteuren vernetzen und gemein-
sam ergänzende Lernangebote für den
Unterricht gestalten, um Schülerinnen
und Schülern Praxis- und Lebenswissen
zu vermitteln.
Spannende Einblicke
Die Verantwortung für den Unterricht ver-
bleibt bei der Lehrkraft, aber in die Schulen
kommen dann LifeTeacher wie Andrea
Müller oder Michael Martini. Andrea Mül-
ler aus Solingen arbeitet für Unternehmen
im Marketing und Vertrieb. Michael Marti-
ni ist Tischlermeister in Meerbusch. Beide
waren bereits in nordrhein-westfälischen
Schulen zu Gast, haben dort aus ihren Be-
rufen berichtet und für die Kinder und Ju-
Spannende Einblicke: Life Coaches
bringen neue Perspektiven in die Schulen.
Foto: LifeTeachUs
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lehrer nrw
TITEL
gendlichen spannende interaktive Stunden
gestaltet. Andrea Müller thematisiert dabei
mal Änderungen in der Arbeitswelt durch
Künstliche Intelligenz, mal Werbekampa-
gnen und andere Formen, Ideen sichtbar
zu machen. Michael Martini zeigt den
Schülerinnen und Schülern zum Beispiel
anhand von Glasmustern, Aluminiumplat-
ten und auch einer Holzkugel, die er selbst
in seiner Lehrzeit gedrechselt hat, wie aus
den Händen eines Handwerkers Besonde-
res entstehen kann.
»Als Externe kann ich neue Impulse in
die Schulen bringen«, sagt Andrea Müller,
»dabei entsteht ein lebendiger Austausch
über spannende Themen. So kann ich Inte-
resse und Begeisterung wecken und den
jungen Menschen neue Perspektiven eröff-
nen.« Diesen Aspekt betont auch Michael
Martini und spricht davon, dass der Be-
such in einem Klassenraum »für die Schü-
lerinnen und Schüler und auch für mich ein
tolles Erlebnis ist«.
5400 Fachleute und
200 Schulen sind
bereits an Bord
Die Grundlage dafür, dass noch mehr
ehrenamtliche LifeTeacher diese Erlebnis-
se in nordrhein-westfälischen Schulen ha-
ben werden, bildet das Memorandum of
Understanding zwischen dem Schulminis-
terium und LifeTeachUs. In dem Memo-
randum heißt es: »Ziel ist es, Expertinnen
und Experten in den Unterricht einzubin-
den, um Schülerinnen und Schülern pra-
xisnahe Einblicke in wirtschaftliche, ge-
sellschaftliche und berufliche Themen zu
ermöglichen. Das Vorhaben leistet einen
Beitrag zur Öffnung von Schule und stär-
keren Verzahnung von formalen, non-
formalen und informellen Lern- und Bil-
dungsangeboten. Es fördert die Koopera-
tion zwischen Schulen und externen Part-
nern, stärkt Demokratiebildung und bietet
jungen Menschen Orientierung für reflek-
tierte Bildungs- und Berufsentscheidun-
gen.«
Basis für die Begegnungen ist die Da-
tenbank von LifeTeachUs. Darin sind lan-
desweit bereits 5400 Fachleute aus Nord-
rhein-Westfalen registriert. 200 nordrhein-
westfälische Schulen machen aktuell mit.
Insgesamt vermittelt die App von Life
TeachUs Kontakte zu mehr als 20 000 Ex-
pertinnen und Experten. Die Bandbreite
der Kenntnisse, welche die LifeTeacher in
die Schulen transportieren, umfasst unter
anderem finanzielle Bildung, Gesundheit,
Demokratie, Digitalisierung oder Nachhal-
tigkeit.
Erfolgreiches Pilotprojekt
Schulministerin Dorothee Feller: »Bei mei-
nen Schulbesuchen wünschen sich Schüle-
rinnen und Schüler immer wieder mehr
praktisches Wissen für ihren Alltag: Wa-
rum ist eine Haftpflichtversicherung wich-
tig? Worauf muss ich bei Verträgen ach-
ten? Wie funktioniert eine Steuererklä-
rung? Zugleich möchten Menschen aus
Unternehmen, Handwerk, Verwaltungen,
Vereinen und sozialen Einrichtungen ihre
Erfahrungen weitergeben. Aus diesen bei-
den Anliegen entstand vor etwa zwei Jah-
ren die Idee zu ‘Fit for Life‘, die ich ge-
meinsam mit Ute von Lojewski, der ehe-
maligen Präsidentin der Fachhochschule
Münster, und vielen Kammern, stellvertre-
tend sei die IHK Nord-Westfalen genannt,
zu einem Pilotprojekt entwickelt habe. Die
erfolgreiche Pilotphase zeigt: Dieser An-
satz bringt Schule und Praxis zusammen
und ist ein Gewinn für alle Beteiligten.
Deshalb laden wir jetzt Schulen und enga-
gierte Menschen ein, Teil des Netzwerks
zu werden.«
INFO
Interessierte Schulen können sich ab sofort
online unter www.lifeteachus.org/
partnerschulen kostenfrei informieren,
registrieren und passende LifeTeacher in
den Unterricht einladen oder für Projektta-
ge anfragen. Auch können sich Unterneh-
men, Handwerksbetriebe, öffentliche Ein-
richtungen, Vereine und engagierte Einzel-
personen auf dieser digitalen Plattform als
LifeTeacher anmelden.
lehrer nrw ·
4/2026
12
TITEL
Ludwig Thiede, Geschäftsführer von Life-
TeachUs: »Bildung gelingt am besten,
wenn sich möglichst viele Menschen daran
beteiligen. Überall in Nordrhein-Westfalen
gibt es Persönlichkeiten, die Erfahrungen
und Wissen weitergeben möchten. Mit der
landesweiten Zusammenarbeit schaffen
wir die Möglichkeit, dieses Engagement
einfach und wirkungsvoll in die Schulen zu
bringen. Wir freuen uns sehr, gemeinsam
mit dem Land Nordrhein-Westfalen ein
starkes Netzwerk aufzubauen, das Schüle-
rinnen und Schülern wertvolle Einblicke in
das Leben und die Arbeitswelt ermög-
licht.«
Berthold Schröder, Präsident des West-
deutschen Handwerkskammertags
(WHKT): »Fit for Life ist ein wichtiger
Schritt, um Schule stärker an den Anfor-
derungen des Lebens auszurichten. Dazu
gehört nicht nur Wissen aus Schulbü-
chern, sondern auch die Fähigkeit, den
Alltag selbstbewusst und eigenständig zu
meistern. Viel zu lange wurde angenom-
men, dass Alltagskompetenzen wie Fi-
nanzbildung, praktische Fertigkeiten, Ver-
braucherschutz, Umgang mit Konflikten
und die eigene Gesundheitsvorsorge au-
tomatisch in Familie und Freizeit erlernt
werden. Mit der landesweiten Einführung
von Fit for Life kommt mehr Praxis in die
Schulen und mehr Selbstständigkeit in
den Alltag junger Menschen. Genau das
brauchen die kommenden Generatio-
nen.«
Einladung an Schulen und
engagierte Menschen
Die Aufgaben sind bei der Ausweitung
des Programms klar verteilt: LifeTeachUs
stellt die digitale Plattform bereit, ge-
winnt und qualifiziert die LifeTeacher und
vermittelt sie an interessierte Schulen.
Das Schulministerium unterstützt die lan-
desweite Einführung, informiert Schulen
über das Angebot und wirbt gemeinsam
mit Partnern dafür, weitere Unternehmen,
Institutionen und gesellschaftliche Akteu-
re für eine Beteiligung zu gewinnen. Die
Teilnahme am Programm ist freiwillig.
»Wir laden nun alle Schulen in Nordrhein-
Westfalen und engagierte Menschen aus
allen Bereichen unserer Gesellschaft ein,
Teil dieses Netzwerks zu werden«, sagt
Ministerin Feller.
Schulministerin Dorothee Feller und Ludwig Thiede, Geschäftsführer der gemeinnützi-
gen Bildungsinitiative LifeTeachUs, unterschrieben die Kooperationsvereinbarung.
Foto: MSB NRW/Mark Hermenau
ÜBER LifeTeachUs
LifeTeachUs ist ein Social-Start-up, das die doppelte Herausforderung
von Unterrichtsausfall und mangelnder praxisnaher Bildung in Schu-
len angeht. Gegründet von Ludwig Thiede, entstand die Initialidee für
LifeTeachUs vor fast einem Jahrzehnt. Ziel ist es, mit Hilfe einer App
echte Menschen, genannt LifeTeacher, in die Schulen zu bringen, um
Schülerinnen und Schüler praxisnah auf das Leben nach der Schule
vorzubereiten. Schulen können über die App kurz- und langfristige An-
fragen stellen, die in Echtzeit an geprüfte und qualifizierte LifeTeacher
übermittelt werden. Die Plattform ist für eine breite Palette von Men-
schen offen: von Auszubildenden und Studierenden bis hin zu Berufstä-
tigen, Handwerker:innen, Senior:innen und Zeitzeug:innen. Aktuell hat
LifeTeachUs 21000 LifeTeacher und mehr als 900 Schulpartnerschaften.
www.lifeteachus.org · www.instagram.com/lifeteachus_official/
www.linkedin.com/company/lifeteachus/ · www.tiktok.com/@lifeteachus
Mit kreativen Plakaten und Social Media Posts wirbt
LifeTeachUs um Schulen und LifeTeacher.
Foto: LifeTeachUs
lehrer nrw ·
4/2026
14
SCHULE & POLITIK
Von Zöllen bis Altersvorsorge
Der diesjährige econo=me Wettbewerb hat wieder eindrucksvoll gezeigt, wie junge Menschen
wirtschaftliche Zusammenhänge erschließen. Der von der Flossbach von Storch Stiftung bereits zum
elften Mal ausgelobte Wettbewerb beweist immer wieder, was ökonomische Bildung leisten kann.
E
Ein Zoll wirkt an einer Grenze. Alters-
vorsorge wirkt über Jahrzehnte. Auf
den ersten Blick liegen beide Themen
weit auseinander. Tatsächlich verlangen sie
dieselbe Fähigkeit: Folgen zu erkennen, die
nicht sofort sichtbar sind. Wie ernsthaft
junge Menschen solche Zusammenhänge
durchdringen können, zeigte sich am 24.
Juni in Köln. Dort wurden die besten Bei-
träge der elften Runde des econo=me
Wettbewerbs Wirtschaft und Finanzen aus-
gezeichnet. Insgesamt erhielten 45 Schüle-
rinnen und Schüler sowie 14 Lehrkräfte
eine Auszeichnung. Die zwölf prämierten
Teams kamen aus sechs Bundesländern.
Unter der Fragestellung »Was ZOLL das?
Wir und der Welthandel« untersuchten die
Teams, wie Zölle und Handelshemmnisse
auf Preise, Unternehmen, Arbeitsplätze
und internationale Beziehungen wirken.
Die Tragweite wirtschafts-
politischer Entscheidungen
Die Teams wählten dafür sehr unterschied-
liche Formen – von Filmen und Magazinen
bis zu Webseiten, Podcasts und Escape
Rooms. Wichtiger als das Medium war je-
doch die gedankliche Arbeit dahinter. Die
Schülerinnen und Schüler mussten Infor-
mationen ordnen, Perspektiven verglei-
chen und Folgen abschätzen. Dabei zeigte
sich schnell, dass wirtschaftspolitische Ent-
scheidungen selten nur eine Wirkung haben.
Maximilian, Schüler der zehnten Jahr-
gangsstufe vom Ehrenbürg-Gymnasium in
Forchheim, formulierte eine zentrale Er-
kenntnis seiner Recherche so: »Ich habe
gelernt, dass für viele Unternehmen nicht
einmal die Höhe eines Zolls das eigentliche
Problem ist, sondern vor allem die damit
verbundene Unsicherheit.«
Die Beobachtung trifft einen zentralen
wirtschaftlichen Mechanismus. Politische
Entscheidungen verändern nicht nur Kosten,
sondern auch Erwartungen. Wenn Regeln
unklar sind oder sich kurzfristig ändern,
werden Investitionen schwerer planbar und
mitunter verschoben. Die sichtbare Maß-
Foto: Flossbach von Storch Stiftung
15
4/2026 ·
lehrer nrw
SCHULE & POLITIK
hänge verstehen. Die ausgezeichneten Bei-
träge zeigen, wie ernsthaft und differenziert
sie das tun«, sagt Kurt von Storch, Stifter
der Flossbach von Storch Stiftung.
»Rente gut, alles gut?«:
Altersvorsorge im Fokus der
nächsten Wettbewerbsrunde
Die zwölfte Wettbewerbsrunde führt diesen
Anspruch fort. Unter dem Thema »Rente
gut, alles gut? Thema: Altersvorsorge« be-
schäftigen sich die Teilnehmenden mit den
drei Säulen der Altersvorsorge, den Heraus-
forderungen des demografischen Wandels
und möglichen Reformen. Dabei analysieren
und beurteilen sie einzelne Maßnahmen zur
Zukunftssicherung der Rente.
Bei Zöllen verlaufen wirtschaftliche Wir-
kungen über Grenzen. Bei der Altersvorsorge
verlaufen sie über Zeit und Generationen.
Was heute beschlossen oder zurückgelegt
wird, beeinflusst die finanziellen Möglichkei-
ten von morgen. Auch hier gibt es keine ein-
zelne Antwort, die für alle Menschen und
jede Lebenssituation gleichermaßen passt.
Es gilt, Ziele, Risiken, Zeithorizonte und ge-
sellschaftliche Faktoren zusammenzudenken.
Gerade deshalb eignet sich das Thema für
den econo=me Wettbewerb. Altersvorsorge
verbindet demografische Entwicklung, poli-
tische Rahmenbedingungen, individuelle
Lebensplanung und langfristige finanzielle
Entscheidungen. Die Teilnehmenden unter-
suchen, wie das Rentensystem funktioniert,
welche Verantwortung Staat, Arbeitgeber
und private Haushalte tragen und wie Ent-
scheidungen zu beurteilen sind, deren Fol-
gen erst viele Jahre später sichtbar werden.
Folgen und Wechsel-
wirkungen mitdenken
Der Wettbewerb schafft dabei einen Rah-
men, in dem junge Menschen selbst recher-
chieren, prüfen und argumentieren. Es geht
darum, genau hinzusehen, Zusammenhänge
zu erkennen, Unsicherheit einzuordnen und
die eigene Einschätzung zu begründen.
Genau darin treffen sich Zölle und Alters-
vorsorge. Das eine Thema verlangt Weitblick
über Grenzen hinweg, das andere über Jahr-
zehnte. Beide zeigen, warum es darauf an-
kommt, nicht beim unmittelbaren Effekt
stehenzubleiben, sondern langfristige Fol-
gen und Wechselwirkungen mitzudenken.
Wenn Sie sich ebenfalls für eine Teilnah-
me am econo=me Wettbewerb interessie-
ren, finden Sie weitere Informationen unter
www.econo-me.de.
Den ersten Platz im Sek I-Bereich belegten Maxi, Iskren, Valentin, Hannes und Michael
vom Anton-Bruckner-Gymnasium im bayerischen Straubing. Als Thema hatten die
Zehntklässler ‘Zoll-Check: Dein Leben ohne Welthandel’ gewählt.
Foto: Flossbach von Storch Stiftung
Alle Sieger und Platzierten der
Wettbewerbsrunde 2025/2026 bei
der Preisverleihung in Köln.
nahme ist dann nur ein Teil der Wirkung.
Der andere entsteht durch die Reaktionen,
die sie auslöst.
Ökonomische Bildung
macht Zusammenhänge
deutlich
Der Wettbewerb macht sichtbar, was ökono-
mische Bildung leisten kann. Er gibt keine
Position vor, sondern fordert die Teilneh-
menden auf, Ursachen und Wirkungen zu
unterscheiden, Interessen zu erkennen und
ihre Meinungen zu begründen. Offene For-
mate und die Arbeit im Team lassen Raum
für eigene Zugänge. So übernehmen die Ju-
gendlichen Verantwortung für ein gemein-
sames Ergebnis und für das Urteil, das sie
darin vertreten. »Die Themen wechseln, un-
ser Anspruch bleibt: Junge Menschen sollen
wirtschaftliche Entscheidungen nicht nur zur
Kenntnis nehmen, sondern ihre Zusammen-
lehrer nrw ·
4/2026
16
SCHULE & POLITIK
Verbandsarbeit
wirkt
Nach massiven Protesten, unter anderem von
lehrer nrw
,
hat die Landesregierung ihr umstrittenes Landesantidiskri-
minierungsgesetz (LADG) in einem kleinen, aber entschei-
denden Punkt geändert.
D
Die Proteste hatten sich nicht gegen das im LADG verankerte Ziel des Schutzes
gegen Diskriminierung gerichtet, sondern gegen einen implizierten General-
verdacht gegen Lehrkräfte. Der Stein des Anstoßes lag in Paragraf 8 des Gesetzent-
wurfs:
»§ 8 Beweislast: Wenn im Streitfall die eine Partei Indizien beweist, die eine Diskrimi-
nierung, Belästigung oder Maßregelung nach § 4 vermuten lassen, trägt die andere
Partei die Beweislast dafür, dass kein Verstoß gegen die Bestimmungen zum Schutz
vor Diskriminierung vorgelegen hat.«
Dies hätte die Beweislast bei Diskriminierungsvorwürfen den Lehrkräften zugescho-
ben und diese damit unter permanenten Rechtfertigungsdruck gesetzt. Die Proteste,
die auch
lehrer nrw
auf verschiedenen Kanälen artikulierte, zeigten jedoch Wirkung:
Die beiden Regierungsfraktionen von CDU und Grünen änderten den eigenen Ge-
setzentwurf in dem strittigen Punkt. Paragraf 8 liest sich in der letztlich verabschie-
deten Fassung nun so:
»§ 8 Kausalitätsnachweis: Wenn im Streitfall die eine Partei Tatsachen beweist, die ei-
ne Diskriminierung nach § 4 Absatz 2 bis 5 überwiegend wahrscheinlich machen, ob-
liegt der anderen Partei der Nachweis dafür, dass kein Verstoß gegen die Bestimmun-
gen zum Schutz vor Diskriminierung vorgelegen hat.«
Diese Formulierung bietet aus unserer Sicht zwar immer noch keinen vollumfängli-
chen Schutz gegen falsche Anschuldigungen, macht es betroffenen Lehrkräften im
Fall der Fälle aber leichter, sich zu verteidigen.
In eigener Sache
Neue Mitgliedsbeiträge für Lehr-
kräfte, die sich ab dem 1. August
2026 im neuen Eingangsamt be-
finden bzw. höhergruppiert wur-
den.
Nachdem A13 / EG 13 für alle’ zum 1. Au-
gust 2026 vollzogen ist, liegt die Ein-
gangsbesoldung für Lehrkräfte im Sekundar-
stufe I-Bereich nun nicht mehr bei A12,
sondern bei A13.
lehrer nrw
hat zu diesem
großen Erfolg durch Beharrlichkeit und viele
kreative Aktionen maßgeblich beigetragen.
Da unsere Beitragsstruktur für beamtete
Verbandsmitglieder an die Besoldungsstufe
gekoppelt ist, bringt dies für Lehrkräfte, die
sich ab dem 1. August 2026 im neuen Ein-
gangsamt befinden, eine – allerdings sehr
moderate – Beitragserhöhung mit sich. Diese
liegt für vollzeitbeschäftigte Kolleginnen und
Kollegen bei 2,11 Euro pro Monat. Bei Teilzeit-
beschäftigten fällt die Erhöhung entsprechend
geringer aus und hängt von der Höhe des indi-
viduellen Pflichtstundendeputats ab. Da wir
die Mitgliedsbeiträge quartalsweise einziehen,
werden dementsprechend pro Quartal 6,33
Euro mehr abgebucht, und zwar erstmals zum
1. Oktober 2026. Dies erfolgt automatisch.
Soweit Sie verbeamtet sind, müssen Sie also
nichts weiter unternehmen.
Etwas anders sieht es bei tarifbeschäftigten
Mitgliedern aus. Da die Höhergruppierung
nicht so einheitlich vollzogen wird wie bei den
beamteten Kolleginnen und Kollegen, bitten
wir die tarifbeschäftigten Mitglieder, die zum
1. August 2026 höhergruppiert wurden, uns
ihre neue Entgeltgruppe mitzuteilen. Dies
kann formlos per E-Mail an unseren Schatz-
meister Ingo Lürbke oder an die Geschäftsstel-
le geschehen: schatzmeister@lehrernrw.de
oder info@lehrernrw.de
Eine aktuelle Beitragsübersicht
finden Sie auf unserer
Website unter
https://lehrernrw.de/service/
lehrernrw-de-
mitgliedsbeitrag/
Die stellvertretende
lehrer nrw
-Vorsitzende
Sarah Wanders hatte
unter anderem in der
Verbandszeitschrift vor
den Konsequenzen des
LADG-Entwurfs gewarnt.
17
4/2026 ·
lehrer nrw
SCHULE & POLITIK
Chance und Risiko
im PISA-Hype
Die PISA-Ergebnisse sind mal wieder schlecht, sehr schlecht
sogar, und schon schrillen sämtliche Alarmsirenen am Anschlag.
Der maximale öffentliche Druck birgt Chance und Risiko: das
Risiko unbedachter bildungspolitischer Schnellschüsse, aber
auch die Chance für kluge, nachhaltige Weichenstellungen.
V
Von »historisch niedrigen Kompe-
tenzständen« sprach Studienleiter
Prof. Samuel Greiff von der Techni-
schen Universität München bei der Vorstel-
lung der PISA-Ergebnisse am 8. September.
So erreichen die Jugendlichen in Natur-
wissenschaften (486 Punkte), im Lesen
(465 Punkte) und in Mathematik (464 Punk-
te) noch niedrigere Ergebnisse als in der ers-
ten PISA-Studie vor 25 Jahren. Der ‘PISA-
Schock’ schaffte es damals bei der Wahl
zum Wort des Jahres 2002 auf den zweiten
Platz, knapp hinter dem ‘Teuro’, der die
Deutschen damals noch mehr beschäftigte
als das Bildungsniveau ihrer Schülerinnen
und Schüler. Nach jenem PISA-Schock hatte
sich Deutschland zunächst verbessern und
auf gutem Niveau halten können. Doch seit
rund zehn Jahren werden die Leistungen
stetig schwächer.
Viele andere Länder sind ebenfalls abge-
sackt, wie bei der Vorstellung der Studie in
der Bundespressekonferenz in Berlin deut-
lich wurde. »Aber auch Schülerinnen und
Schüler in mehreren OECD-Staaten, die mit
Deutschland vergleichbare wirtschaftliche
und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
haben, schneiden deutlich besser ab als die
Jugendlichen hierzulande. Das gilt insbeson-
dere für Estland, Kanada, die Schweiz und
Österreich«, heißt es in einer Pressemittei-
lung der TU München.
PISA nicht zum Maßstab
deutscher Bildungspolitik
erheben
Was folgt nun aus PISA 2025? Während ei-
nige Medien und Bildungsgewerkschaften
Radikalreformen fordern, empfiehlt zum
Beispiel der Deutsche Lehrerverband »eine
konsequente Konzentration auf die Grund-
lagen erfolgreichen Lernens«. Ähnlich sieht
es der Bundesverband Reale Bildung
(BVRB), der Dachverband von
lehrer nrw
,
und warnt zugleich davor, PISA zum Maß-
stab deutscher Bildungspolitik zu erheben.
Der Schlüssel zu besseren PISA-Ergebnissen:
Sprechen und Zuhören, Lesen und Schreiben sind die Basis für alles.
Frühe Förderung ist daher eminent wichtig.
Foto: AdobeStock/U.J. Alexander
Ob Deutschland im PISA-Ranking besser
oder schlechter dasteht, sei nicht ent-
scheidend. »Entscheidend ist, dass wir in
Deutschland ohne ideologische Scheuklap-
pen hinschauen, welche Faktoren zu guter
(Schul)Bildung beitragen und unter wel-
chen Bedingungen Schülerinnen und Schü-
ler besonders gut lernen. Grundvorausset-
zung dafür sind und bleiben auch im KI-
Zeitalter Menschen: gut ausgebildete Leh-
legte Entscheidungen, betont Christoffer:
»Entscheidend ist eine intensive, möglichst
schon vorschulische Förderung des Sprach-
erwerbs, samt konsequenter Diagnostik.
Sprechen und Zuhören, Lesen und Schrei-
ben sind das Fundament, auf dem alles
Weitere aufbaut. Wenn diese Basis fehlt,
führen zahllose Bildungsbiografien in die
Sackgasse – und in weitere PISA-Pleiten.«
Jochen Smets
rerinnen und Lehrer, um genau zu sein.
Daher muss oberste Priorität deutscher
Bildungspolitik die Bekämpfung des Lehr-
kräftemangels sein«, betont der BVRB-
Bundesvorsitzende Ralf Neugschwender.
Spracherwerb früh und
konsequent fördern
Ob solche Empfehlungen in den Schul- und
Kultusministerien der Bundesländer an-
kommen, darf bezweifelt werden, meint
Sven Christoffer Vorsitzender von
lehrer
nrw
: »Es steht zu befürchten, dass in der
Politik auch dieses Mal dem routinierten
Alarmismus wieder hektischer Reform-
Aktionismus folgt.« Dabei böte die aktuel-
le Situation durchaus Chancen: Schulische
Bildung steht ‘dank’ PISA gerade ganz
oben auf der Agenda. Daher wäre nun die
richtige Zeit für kluge und langfristig ange-
lehrer nrw ·
4/2026
18
SCHULE & POLITIK
Aufbruch in ein
neues Zeitalter?
Es ist ein erster, wenn auch kleiner Schritt: Die NRW-Landesregierung hat sich (endlich)
dazu durchringen können, die Fachleitungsbesoldung für die Lehrämter Grundschule,
Hauptschule, Realschule, Gesamtschule und Förderschule zu erhöhen. Was das bedeutet,
kommentiert ein Fachleiter aus erster Hand.
Aller Anfang ist schwer. Darum ist der Wille
der Landesregierung, die dramatische Schieflage in
der Fachleiterbesoldung zumindest ansatzweise zu be-
heben, durchaus zu loben. Weitere Schritte – gerne
auch mutigere – sind jedoch zwingend erforderlich.
Foto: AdobeStock/johannes
J
Ja, es tut sich etwas. Die Wertschätzung
der Tätigkeit als Fachleitung in den
Lehrämtern G, HRSGe und SF findet im
Rahmen des zweiten Besoldungspakets für
Schulleitungen und Lehrkräfte einen erkenn-
baren Ausdruck – und dies in wirtschaftlich
äußerst herausfordernden Zeiten, in denen
in anderen Bereichen massiv der Rotstift
angesetzt wird: Die Zulage soll von 153
auf 350 Euro steigen. Wir sprechen hier also
von mehr als einer Verdopplung. Sicherlich
ist dies ein Schritt in die richtige Richtung –
aber Schritte können unterschiedliche Län-
gen haben.
Expedition in die eigene
Besoldungs-Vergangenheit
Kennen Sie das? Dieses Gefühl, dass man
eine Situation schon einmal durchlebt hat?
Ein Déjà vu? Dieser Eindruck beschlich mich
– und so machte ich mich auf den mutigen
Weg (ausgerüstet mit lebenserhaltenden
Grundnahrungsmitteln) in die Tiefen meiner
BPSDB, der bereinigten persönlichen Samm-
lung der Besoldungsmitteilungen. Fündig
wurde ich im Jahr 2013; einige Fachleitun-
gen werden sich erinnern. Auch damals
fand eine vergleichbare Umgestaltung statt:
Die wegweisende Erhöhung der Zulage von
75 auf 153 Euro.
Setzt man dieses Intervall von 13 Jahren
fort, ergibt sich ein ernüchterndes Bild: In
meiner aktiven Berufszeit wäre dies die
wahrscheinlich letzte Anpassung. Das mag
19
4/2026 ·
lehrer nrw
SCHULE & POLITIK
vielleicht nur für mich traurig klingen – aber
ich schreibe ja auch diesen Text.
Strukturelle Bewertung?
Fehlanzeige.
Der Abstand zu Gy/Ge/BK bleibt gigantisch:
A13Z hier, A15 dort – zwei Besoldungswel-
ten, die sich berühren, aber eben nicht an
der richtigen Stelle: Gleiche Verantwortung,
gleiche Prüfungen, gleiche Qualifikationen,
gleiche Curricula und OVP – aber finanziell
strikt getrennt. Machen wir es an dieser
Stelle einfach konkret: Die durchschnittliche
Differenz nach der Reform beläuft sich, ge-
mittelt über alle Stufen hinweg, noch immer
auf 867 Euro monatlich (in meinem konkre-
ten Fall: 1174 Euro monatlich).
Es ist Zeit für
eine Funktionsstelle
Diese Diskrepanz ist nicht nur spürbar, sie
ist systemisch. Und genau deshalb wäre die
Reform der perfekte Moment, endlich eine
Funktionsstelle zu schaffen. Juristisch be-
trachtet, liegt der Kern des Problems offen
zutage: Die Tätigkeit der Fachleitungen ist
eine eigenständige, hochverantwortliche
‘Funktion’ innerhalb der Lehrerausbildung
– jedoch ohne funktionsgerechte Bewer-
tung in den oben genannten Schulformen.
Die Differenz zwischen A13Z und A15 do-
kumentiert eine strukturelle Ungleichbe-
handlung, die durch eine undynamische
Zulagenanhebung nicht in Ansätzen aufge-
hoben wird.
Selbst eine – weiterhin nicht ausreichen-
de – Besoldung nach A14 hätte das System
finanziell kaum mehr erschüttert. Aber sie
hätte etwas getan, was eine Zulage nicht
leisten kann: ein Zeichen setzen. Ein Zei-
chen dafür, dass alle Fachleitungen nicht
nur als zukunftsprägende, sondern auch
besoldungsrechtlich als tragende Säule der
Lehrerausbildung anerkannt werden.
Wertschätzung
braucht Struktur –
nicht nur Zahlen
Die angekündigte Erhöhung um 200 Euro
brutto ist ein erfreulicher Schritt, keine Fra-
ge. Dennoch bleibt es ein Schritt, kein Sys-
temwechsel. Eine Zulage kann ein Impuls
sein; sie ersetzt jedoch keine strukturelle
Einordnung. Die Wertschätzung für die Tä-
tigkeit als Fachleitung ist damit erkennbar –
doch sie darf nicht bei diesem ersten Schritt
stehenbleiben. Sie muss konsequent in eine
strukturelle Neubewertung und Anpassung
überführt werden.
Kontinuität, Funktionsstellen, klare Besol-
dungswege – und der Mut, jahrzehntelange
Stagnation nicht einfach fortzuschreiben –
sind dafür unerlässlich.
Hardi Gruner
Leiter des Referats Fachleitungen im
lehrer nrw
Mitglied im Netzwerk Fachleiter:innen NRW
lehrer nrw ·
4/2026
20
SCHULE & POLITIK
A 13 für alle! Wirklich für alle?
Warum tarifbeschäftigte Lehrkräfte in Nordrhein-
Westfalen erneut benachteiligt werden.
Z
Zum 1. August 2026 wurde in Nord-
rhein-Westfalen ein lange angekün-
digter Schritt umgesetzt: Das Ein-
gangsamt für alle Lehrämter wird auf A13
angehoben. Damit wird eine Forderung er-
füllt, die
lehrer nrw
seit Jahren unterstützt
hat. Ziel ist die Gleichwertigkeit der Lehräm-
ter und eine angemessene Anerkennung der
Arbeit aller Lehrkräfte.
Während verbeamtete Lehrkräfte von die-
ser Besoldungsanpassung und der damit ver-
bundenen Wertschätzung unmittelbar profi-
tieren, zeigt sich erneut, dass tarifbeschäftig-
te Kolleginnen und Kollegen von einer echten
Gleichbehandlung weit entfernt sind. Das
Tarifrecht führt dazu, dass die Höhergruppie-
rung vielfach mit finanziellen Nachteilen ver-
bunden sein kann oder sogar ganz ausbleibt.
Keine stufengleiche
Höhergruppierung
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Be-
amtenrecht und Tarifrecht besteht darin,
dass das Tarifrecht keine stufengleiche Hö-
hergruppierung vorsieht. Während verbeam-
tete Lehrkräfte ihre Erfahrungszeiten voll-
ständig mitnehmen und ohne Nachteile in
das höhere Eingangsamt wechseln, erfolgt
bei Tarifbeschäftigten die Eingruppierung
nach den tariflichen Regelungen des TV-L.
Dies kann dazu führen, dass trotz einer
höheren Entgeltgruppe die erreichte Erfah-
rungszeit nicht vollständig berücksichtigt
wird. Für viele Beschäftigte bedeutet dies
einen finanziellen Nachteil gegenüber ihren
verbeamteten Kolleginnen und Kollegen –
gegen dieses Ungleichgewicht kämpft
lehrer
nrw
.
Der Exspektanzverlust –
ein kaum vermittelbarer
Nachteil
Besonders problematisch ist der sogenannte
Exspektanzverlust. Tarifbeschäftigte, die in-
nerhalb der nächsten sechs Monate ohnehin
die nächsthöhere Erfahrungsstufe erreicht
hätten, verlieren diesen Vorteil durch die
Höhergruppierung. Betroffen sind insbeson-
dere Beschäftigte in den Erfahrungsstufen 2
bis 4. Die Höhergruppierung führt dazu,
dass der bereits nahezu erreichte Stufenauf-
Grün für die einen, Rot für die anderen:
A13 für alle’ führt zu neuen Ungerechtigkeiten und lässt
die Schere zwischen beamteten und tarifbeschäftigten Lehrkräften zum Teil sogar weiter auseinandergehen.
SCHULE & POLITIK
21
4/2026 ·
lehrer nrw
stieg faktisch verloren geht und die Warte-
zeit auf die nächste Erfahrungsstufe erneut
beginnt. Dadurch entsteht ein erheblicher
finanzieller Nachteil, obwohl die Höhergrup-
pierung eigentlich eine Verbesserung dar-
stellen sollte.
Für die betroffenen Kolleginnen und Kol-
legen ist kaum nachvollziehbar, dass eine
politisch gewünschte Aufwertung ihrer Tä-
tigkeit gleichzeitig zu Einkommenseinbußen
oder verzögerten Gehaltssteigerungen führt.
Auch hier sieht
lehrer nrw
Handlungsbedarf.
Quereinsteigende
werden nicht automatisch
berücksichtigt
Besonders kritisch ist die Situation der tarif-
beschäftigten Quereinsteigerinnen und
Quereinsteiger, der sogenannten Nichterfül-
ler mit Pädagogischer Einführung (PE). Die-
se Beschäftigtengruppe wird zum 1. August
2026 nicht automatisch höhergruppiert.
Eine Anpassung erfolgt ausschließlich auf
Antrag. Bereits diese unterschiedliche Be-
handlung gegenüber Lehrkräften mit einer
Lehramtsbefähigung wirft Fragen nach der
Gleichbehandlung auf.
Hinzu kommt ein weiterer gravierender
Unterschied: Tarifbeschäftigte Nichterfüllen-
de in der Entgeltgruppe 11 werden nicht au-
tomatisch der Entgeltgruppe 13 zugeordnet.
Sie erreichen lediglich die Entgeltgruppe 12.
Damit bleibt auch nach der Reform ein
deutlicher Abstand zu tarifbeschäftigten
Lehrkräften mit abgeschlossenem Lehramts-
studium bestehen.
Fehlende Entwicklungs-
perspektiven
Über die Eingruppierung hinaus bleibt ein
strukturelles Problem bestehen: Tarifbe-
schäftigte Quereinsteigerinnen und Querein-
steiger verfügen praktisch über keine tarifli-
che Karriereperspektive. Während verbeam-
tete Lehrkräfte durch Beförderungsämter zu-
sätzliche Entwicklungsmöglichkeiten erhal-
ten, existieren für tarifbeschäftigte Nichter-
füllende regelmäßig keine vergleichbaren
Aufstiegsmöglichkeiten. Engagement, Be-
rufserfahrung und erfolgreiche Arbeit an den
Schulen führen daher vielfach nicht nur zu
einer ausbleibenden entsprechenden tarifli-
chen Weiterentwicklung, Stellen in Schullei-
tungsebene, Zertifikatskurse usw. bleiben
den Quereinsteigenden verwehrt, ungeachtet
ihrer langjährigen guten Arbeit.
Gerade vor dem Hintergrund des anhal-
tenden Lehrkräftemangels sind diese Ent-
wicklungen schwer nachvollziehbar. Schulen
sind in hohem Maße auf qualifizierte tarifbe-
schäftigte Lehrkräfte und Quereinsteigende
angewiesen. Wer dauerhaft Verantwortung
übernimmt und erfolgreich unterrichtet, soll-
te auch eine faire Perspektive hinsichtlich
Vergütung und beruflicher Entwicklung er-
halten – ein Grund für
lehrer nrw
, hier für
Nachjustierung einzutreten.
Fazit
Die Anhebung des Eingangsamtes auf A13
ist grundsätzlich ein richtiger und wichtiger
Schritt, den
lehrer nrw
mit herbeiführen
konnte. Dies darf jedoch nicht dazu führen,
dass tarifbeschäftigte Lehrkräfte erneut zu
den Verlierern einer Reform werden. Keine
stufengleiche Höhergruppierung, finanzielle
Nachteile durch den Exspektanzverlust, feh-
lende automatische Höhergruppierungen für
Quereinsteigende sowie mangelnde Karriere-
perspektiven zeigen deutlich, dass das Tarif-
und Dienstrecht den berechtigten Anspruch
auf Gleichbehandlung bislang nicht erfüllt.
lehrer nrw
wird sich deshalb weiterhin da-
für einsetzen, dass tarifbeschäftigte Lehrkräf-
te nicht nur bei politischen Ankündigungen
mitbedacht werden, sondern auch tatsäch-
lich gleichwertige Arbeits- und Vergütungs-
bedingungen erhalten. Die Attraktivität des
Lehrerberufs lässt sich nur dann nachhaltig
stärken, wenn nicht allein die Beschäfti-
gungsform über Wertschätzung, Entwick-
lungsmöglichkeiten und Einkommen ent-
scheidet. Christoph Fahle
Vorsitzender des Kreisverbandes Aachen-Süd im
lehrer nrw
Fotos: AdobeStock/Iryna
lehrer nrw ·
4/2026
22
SCHULE & POLITIK
Von der Unverschämtheit, als Lehrkraft
Gewalt erdulden zu müssen
Eine Anklage
»Die Würde des Menschen ist
unantastbar. Sie zu achten und
zu schützen ist Verpflichtung
aller staatlichen Gewalt.«
Art. 1, Abs. 1 des Grundgesetzes
I
Ich möchte meinen Artikel mit einer kurzen persönlichen Ge-
schichte beginnen. Vor gut sechzehn Jahren, als ich noch an
einer Realschule arbeitete, bekam ich (und mit mir zwei Kolle-
ginnen) eine Morddrohung von einem Schülervater. Sie erfolgte
schriftlich und wurde direkt an die Bezirksregierung geschickt. Dort
ging alles seinen bürokratischen Gang und nach fünf Tagen trudel-
te die Morddrohung ‘bearbeitet’ bei uns an der Schule ein mit der
Bitte um Stellungnahme.
Ich frage mich heute noch, was passiert wäre, wenn dieser Schü-
lervater bei uns an der Schule aufgetaucht wäre, während der Brief
in Köln fünf Tage zur Bearbeitung vorlag. Und als wäre das noch
nicht genug gewesen, verlangte die Bezirksregierung von uns Lehr-
kräften eine Stellungnahme. Diese Forderung war für mich mit
einem Unterton versehen, der nahelegte, dass wir Lehrkräfte an
der Situation zumindest mitverantwortlich seien. Wie es uns ging,
wurde nicht gefragt.
Ich habe damals lange überlegt, ob ich noch weiter Lehrer sein
möchte. Nicht wegen des Vaters, das habe ich über eine private
Anzeige und ein Gerichtsverfahren geklärt. Sondern wegen der
Bezirksregierung, von der ich mich allein gelassen gefühlt hatte.
Heute, mit weiteren sechzehn Jahren Berufserfahrung, würde ich
es nicht mehr hinnehmen, in einem vergleichbaren Fall so nachläs-
sig von meinem Dienstherrn behandelt zu werden. Meine Stacheln
sind inzwischen diesbezüglich aufgestellt!
Wut im Bauch
Es müssen nicht immer solche heftigen Erlebnisse sein, die uns
Lehrerinnen und Lehrern tagtäglich zusetzen und vereinzelt an
unsere Grenzen bringen. Dennoch leiden wir in unschöner Regel-
mäßigkeit an Grenzverletzungen und Grenzübertretungen seitens
der Schülerschaft und / oder ihrer Eltern. Eine Auswertung der poli-
zeilichen Kriminalstatistik PKS für das Jahr 2024 verdeutlicht, dass
Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland immer häufiger Opfer von
Gewalt werden! Was mich dabei nach wie vor in die Erschütterung
treibt, ist, wie verhalten unser Dienstherr auf solche Zwischenfälle
reagiert. Gerade im Hinblick auf den oben zitierten Artikel 1 des
von TOM SCHIPPER
Aggressives Schülerverhalten bis hin
zu offener Gewalt gegen Lehrkräfte
ist leider keine Seltenheit.
Foto: AdobeStock/Synthex
SCHULE & POLITIK
Grundgesetzes muss es Ziel unseres Arbeitgebers sein, uns zu
schützen, und zwar in aller Deutlichkeit den Tätern gegenüber.
Es macht mich wütend, diesen Artikel zu schreiben. Diese Wut
speist sich nicht allein aus dem Thema, sondern weil es ein Artikel
ist, der bereits seit Jahren und inzwischen leider zunehmend aktu-
ell ist, während sich gleichzeitig gefühlt nichts ändert.
»Niemand darf wegen seines
Geschlechtes, seiner Abstam-
mung, seiner Rasse, seiner
Sprache, seiner Heimat und
Herkunft, seines Glaubens,
seiner religiösen oder politi-
schen Anschauungen benachtei-
ligt oder bevorzugt werden.«
Art. 3, Abs. 3 des Grundgesetzes
Ich beobachte seit einigen Jahren, wie die Diskriminierung gegen
Frauen wieder zunimmt. Es ist erschütternd, wie oft heutzutage
Kolleginnen mit grenzüberschreitenden Äußerungen, Gesten oder
sogar Taten seitens der Schüler (ich benutze bewusst die männli-
che Form!) oder einiger Eltern drangsaliert werden, nur weil sie
Frauen sind. Die Gesellschaft befindet sich im Bereich der Emanzi-
pation meiner Ansicht nach wieder
in einem Zustand, von dem man
eigentlich geglaubt hatte, ihn
überwunden zu haben. Die sozia-
len Medien haben ihr Übriges da-
zu getan, um diesen unguten
Trend zu beschleunigen, sei es
durch frauenverachtende Memes
oder Deepfakes. Sich hier juristisch zur Wehr zu setzen und sein
Recht zu bekommen, ist schwierig bis nahezu unmöglich – das
Thema ist in der Politik und in der Gesellschaft leider gerade
brandaktuell.
Auch Kolleginnen und Kollegen mit festen religiösen Ansichten,
seien es christliche, jüdische oder muslimische, müssen sich zuneh-
mend übergriffige Äußerungen gefallen lassen, die nicht nur auf
Pubertät oder schlechte Erziehung zurückzuführen sind. Es geht
vielmehr um eine bloße Machtdemonstration oder um ideologisch
begründete Äußerungen. Religion als private Angelegenheit?
Das ist schon längst passé.
»Jeder hat das Recht auf Leben
und körperliche Unversehrt-
heit. Die Freiheit der Person
ist unverletzlich. In diese Rechte
darf nur auf Grund eines
Gesetzes eingegriffen werden.«
Art. 2, Abs. 2 des Grundgesetzes
Mittlerweile gibt es für Schulen zunehmend Anlaufstellen und Kon-
zepte, die einem im Fall der Fälle helfen. Da ist zum einen das
Schutzkonzept, das in allen Lehrerkonferenzen inzwischen verab-
schiedet sein und überall Gültigkeit besitzen sollte. Alle Schulen
besitzen einen Notfallordner, in dem man nachschlagen kann, was
im Fall der Fälle zu tun ist. Es gibt diverse Ratgeber und Broschüren,
wie man sich verhalten kann, wenn es zu einem Gewaltvorfall kom-
men sollte. Die Bezirksregierung Münster bietet zu dem Themenkom-
plex einen guten Leitfaden an, auch das Netzwerk
#sicherimDienst
hat entsprechende Broschüren herausgegeben. Als Ergebnis der ers-
ten COPSOQ-Befragung ist die ‘Sprechzeit 24/7’ entstanden, die, wie
ich gehört habe, gute Arbeit leistet. Es gibt also genügend Angebote
der Hilfe, wenn man Opfer eines Gewaltvorfalls wird.
Die zweite Gewalterfahrung
Nun sind Aufklärung und Information nur die halbe Miete. Auf der
anderen Seite müssen natürlich auch Schulleitung und Bezirksregie-
rung hinter einem stehen, wenn man Hilfe benötigt. An der Gesamt-
schule, an der ich unterrichte, habe ich in diesen Fällen bislang im-
mer gute Erfahrungen gemacht, doch ich weiß, dass es leider Schu-
len gibt, wo man mit seiner Not alleine gelassen wird. Für mich
klingt das wie eine zweite Gewalterfahrung: erst die tatsächliche
und dann noch der Kampf um Akzeptanz. Wenn sich dann noch die
Bezirksregierungen bedeckt halten, wird es richtig kniffelig. Der Rat-
schlag, Privatanzeige zu erstatten, ist sicher sinnvoll, aber es wäre
schon ein schönes Signal, wenn auch durch die Bezirksregierungen
eine deutliche Reaktion gegen Täter-Schüler oder -Eltern erfolgen
würde. Schon komisch: Wir arbeiten als Landesbedienstete, werden
aber in solchen Fällen oft auf uns zurückgeworfen.
Ich rate Ihnen abschließend dazu, dass Sie sich an ihren jeweili-
gen
lehrer nrw
-Personalrat wenden, wenn sie Unterstützung brau-
chen, weil Sie Gewalterfahrungen im Schulbereich erlebt haben.
Bleiben Sie wehrhaft!
INFO
Wie ist Ihre Meinung dazu?
Ich freue mich über Ihre
Reaktionen, kritische sowie
zustimmende:
schipper@lehrernrw.de
Tom Schipper ist stellvertretender Vorsitzender
des
lehrer nrw
E-Mail: schipper@lehrernrw.de
lehrer nrw ·
4/2026
24
FORTBILDUNGEN
lehrer nrw
(vormals RLV NRW)
feiert sein
80-jähriges Bestehen!
Profitieren Sie als
lehrer nrw
-
Mitglied mit einem einmaligen
Rabatt von 20 Euro auf die Teil-
nahmegebühr für eine beliebige
Fortbildung aus dem Programm
von
lehrer nrw
.
Bitte bei der Anmeldung unter
‘Zusätzliche Bemerkungen’
das Wort ‘Jubiläum’ eingeben.
Die Aktion ist auf das Jahr 2026 begrenzt.
Was angehende Pensionäre bestenfalls schon vor ihrem persönli-
chen ‘letzten Schultag’ beachten sollten, erläutert Horst Joosten,
Leiter des Referats Besoldung und Versorgung im
lehrer nrw
, an
zwei Seminarterminen im November.
Die Themen im Einzelnen:
Regelaltersgrenze
Antragsruhestand ab dem 63. Lebensjahr und Versorgungsabschlag
Vorzeitige Pensionierung bei Dienstunfähigkeit und wegen Schwerbehinderung
Teildienstfähigkeit
Jahresfreistellung im Blockmodell und Altersteilzeit
Seminartitel: ‘Wege in den Ruhestand –
Beamtenversorgung und Altersteilzeit’
Referent: Horst Joosten
Termin: Montag, 2. November 2026 von 15:00 bis 18:00 Uhr
Ort: Ringhotel Drees · Hohe Straße 107 · 44139 Dortmund
lehrer nrw-
Seminar-Nr.: 2026-1102
Anmeldeschluss: 1. Oktober 2026
und
Termin: Dienstag, 24. November 2026 von 15:00 bis 18:00 Uhr
Ort:
lehrer nrw
· Graf-Adolf-Straße 84
40210 Düsseldorf · GDL Sitzungsraum · 1. OG
lehrer nrw-
Seminar-Nr.: 2026-1124
Anmeldeschluss: 10. November 2026
Kosten: Die Teilnahmegebühr für
lehrer nrw
-Mitglieder
beträgt 65 Euro und für sonstige Teilnehmende 95 Euro,
inklusive Snacks und Getränken.
ANMELDUNG
www.lehrernrw.de/lehrernrw-de-fortbildungen/lehrernrw-de-fortbildungsuebersicht/
Foto: AdobeStock/Garun Studios
www.lehrernrw.de
Seminar
Nr. Titel Kurzinhalt Referenten Wo Wann Uhrzeit
Gebühr
lehrer nrw-
Mitglied
Gebühr
sonst.
Teilnehmer
Anmelde-
schluss
2026-1012 Verstanden, aber nicht
einverstanden: Spitzen-
lehrkräfte ziehen Grenzen
Was gerade noch Spaß war, wird unter Schülerinnen und Schülern schnell ernst und häufig eskalieren die Konflikte
so, dass der Auslöser der Situation schwer zu ergründen ist. Lernen Sie Strategien kennen, um in herausfordernden
Situationen nachhaltig und regelkonform den Klassenfrieden wieder herzustellen, die Gesprächshoheit inne zu
halten und die Neutralisierungsstrategien der Täter zu identifizieren.
Lea
Lindemann
Ringhotel Drees
Hohe Straße 107
44139 Dortmund
Montag
12.10.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 auf Anfrage
2026-1015 Erfolgreiche Arbeit als
SV-Verbindungslehrkraft
Die Schülervertretung ist eines der Mitwirkungsgremien in Schule. Demokratie wird hier für Schülerinnen und Schüler
konkret erleb- und erfahrbar. Die SV-Verbindungslehrkraft nimmt hierbei eine Schlüsselposition ein und steht dabei
doch nicht im Mittelpunkt. Dieses Seminar geht auf die rechtlichen Rahmenbedingungen ein und zeigt anhand von
praktischen Beispielen mögliche inhaltliche Ausgestaltung der SV-Arbeit auf.
Sebastian
Potschka
Webinar
Donnerstag
15.10.2026
15:00 bis
17:00 Uhr
20 30 01.10.2026
2026-1103 Demokratieerziehung:
Meinungsfreiheit und ihre
Grenzen in der Schule
In jedem schulischen Kontext werden Lehrkräfte mit Meinungsäußerungen von Schülerinnen und Schülern konfron-
tiert. Doch was ist zu tun, wenn es grenzverletzend oder extrem wird? Dieses Seminar geht auf den Beutelsbacher
Konsens und die korrespondierenden Rechtsvorschriften ein. Anhand von Praxisbeispielen werden Grenzen der
Meinungsfreiheit ausgemacht.
Sebastian
Potschka
Webinar Dienstag
03.11.2026
14:00 bis
17:00 Uhr
20 30 13.10.2026
2026-1104 Gefühle im Griff? –
Emotionsregulierung als
Superkraft für Lehrkräfte
In diesem Seminar werden die Zusammenhänge zwischen Gehirn, Körper, Stress, Belastung und Emotionsregulierung
betrachtet. Sie lernen ein Modell der gesunden Regulation kennen und erproben praxisnah Tools, die hilfreich für die
eigene Resilienzförderung sein können.
Tanja
Schmitz-
Remberg
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Mittwoch
04.11.2026
09:30 bis
16:00 Uhr
169 219 30.09.2026
2026-1112 Glaub nicht alles, was du
denkst! – Wege zu mehr
Selbstvertrauen im
Schulalltag
Lehrkräfte, die sich überfordert fühlen, richten den Blick oft auf äußere Belastungen. Dabei wird meist übersehen,
dass auch unbewusste innere Überzeugungen mitwirken. In dieser Fortbildung gewinnen Sie mehr innere Freiheit
im Schulalltag.
Gabi
Schmidt
Premier Inn Köln City Media-
park Hansaring 97
50670 Köln
Donnerstag
12.11.2026
09:00 bis
16:30 Uhr
169 219 08.10.2026
2026-1116 Leichter Lehren mit Präsenz
und Charisma – authen-
tisch, lebendig und souverän
Charisma ist kein angeborenes Talent, sondern eine Eigenschaft, die entwickelt und verkörpert werden kann.
In dieser Fortbildung erhalten Sie vielfältige Impulse zur Entfaltung Ihrer persönlichen Ausstrahlung und Präsenz.
Sie lernen, wie Stimme, Körpersprache, Aufmerksamkeit und innere Klarheit Ihre Wirkung im Unterricht beeinflussen
und wie Sie Ihre natürliche Autorität stärken können, ohne sich zu verstellen.
Gabi
Schmidt
Ringhotel Drees
Hohe Straße 107
44139 Dortmund
Montag
16.11.2026
09:30 bis
17:00 Uhr
169 219 08.10.2026
2026-1118 Recht im Schulalltag Diese Fortbildung informiert über wichtige rechtliche Grundlagen, die Lehrkräfte für ihren Berufsalltag benötigen. Christopher
Lange
GDL Sitzungsraum 1. OG
Graf-Adolf-Straße 84
40210 Düsseldorf
Dienstag
17.11.2026
14:00 bis
17:00 Uhr
45 75 03.11.2026
2026-1126 Erfolgreiche Anschluss-
beratung in der
Sekundarstufe I
Dieses Seminar stellt Ihnen ein umfassendes Beratungsinstrument als Präsentation zur Verfügung, mit dem Sie all-
gemein jede Bildungssituation eines Schülers oder einer Schülerin ab Klasse 8 darstellen und auf dieser Basis fundiert
beraten können. Sie können im Anschluss an das Seminar als STUBO selbst umfassend beraten, als Klassenleitung
persönliche Fragen direkt beantworten und alle KAoA-Maßnahmen der Landesregierung professionell flankieren.
Sebastian
Potschka
Webinar
Donnerstag
26.11.2026
15:00 bis
17:00 Uhr
20 30 12.11.2026
2026-1202 Motivierende Gesprächs-
führung: Menschen helfen,
sich zu verändern
(Basisseminar)
Das Seminar gibt einen Überblick über die Werkzeuge und die Grundhaltung in der motivierenden Gesprächsführung
und lädt in abwechslungsreichen Übungen zum Ausprobieren ein. Das hier erlernte Wissen ist nutzbar in Gesprächen
mit Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Kolleginnen und Kollegen. Zudem ist es übertragbar auf alle Gespräche,
bei denen es um Veränderungen jeder Art geht.
Yvonne
Michel
Leonardo Düsseldorf City Center
Ludwig-Erhard-Allee 3
40227 Düsseldorf
Mittwoch
02.12.2026
09:30 bis
17:00 Uhr
169 219 21.10.2026
lehrer nrw ·
4/2026
26
D
Der Wunsch nach einem Arbeitsplatz
näher am Wohnort, nach einer bes-
seren Vereinbarkeit von Beruf und
Familie oder schlicht nach einem Leben am
Meer ist menschlich nachvollziehbar. Für
verbeamtete Lehrkräfte ist dieser Wunsch
jedoch nicht ohne Weiteres durchsetzbar.
Das zeigen neuere Entscheidungen des Ver-
waltungsgerichts (VG) Gelsenkirchen und
des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Nord-
rhein-Westfalen aus dem Jahr 20261. Im
Mittelpunkt steht dabei ein grundlegender
beamtenrechtlicher Konflikt: auf der einen
Seite die persönlichen und familiären Inte-
ressen der Lehrkraft, auf der anderen Seite
die dienstlichen Interessen des Dienstherrn
und insbesondere die Sicherstellung der
Unterrichtsversorgung.
von CHRISTOPHER LANGE
RECHT§AUSLEGER
Zwischen Lehrermangel
und Lebensplanung
Wie weit reicht das Recht von Lehrkräften auf einen anderen Dienstort?
Mit dieser Frage beschäftigten sich zuletzt das Verwaltungsgericht (VG)
Gelsenkirchen und das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen.
27
4/2026 ·
lehrer nrw
Lebensplanung durchkreuzt
Besonders deutlich wird dieser Konflikt im
Fall einer Grundschullehrerin aus dem Kreis
Recklinghausen. Sie hatte bereits ein Haus
in Ostfriesland gekauft, ihren Hauptwohn-
sitz dorthin verlegt, ihren Sohn an einer
Schule am neuen Wohnort angemeldet und
ihr Lebenspartner hatte dort eine Arbeits-
stelle angenommen. Dennoch verweigerte
das Land NRW die Freigabe für einen Wech-
sel in den niedersächsischen Schuldienst.
Grund war der erhebliche Personalbedarf
an ihrer bisherigen Schule2.
Beamtenrecht folgt insoweit anderen
Regeln als Arbeitsrecht. Das Landesar-
beitsgericht (LAG) Schleswig-Holstein
stellte 20153 für Arbeitnehmer heraus,
dass ein arbeitsvertragliches Verset-
zungsrecht nicht grenzenlos ausgeübt
werden darf. Eine Versetzung an einen
Ort, der vom bisherigen Wohnort nicht
mehr täglich erreichbar ist, kann deshalb
unzulässig sein4.
Für Beamte gilt dagegen das besondere
Dienst- und Treueverhältnis. Die dienstliche
Verwendung richtet sich nicht allein nach
den Vorstellungen der Beamtin oder des
Beamten. Vielmehr gehört es zu den Be-
sonderheiten des Beamtenverhältnisses,
dass der Dienstherr den Einsatz und den
Dienstort im Rahmen der gesetzlichen Vor-
gaben bestimmen kann.
Das Landesbeamtengesetz (LBG) NRW
bringt diese Besonderheit deutlich zum
Ausdruck. Nach § 25 Absatz 1 LBG NRW
ist eine Versetzung die auf Dauer angeleg-
te Übertragung eines anderen Amtes bei
einer anderen Dienststelle.
Gerade bei einem Wechsel von Nord-
rhein-Westfalen nach Niedersachsen liegt
deshalb keine bloße Entscheidung über
den privaten Wohnort vor. Die Lehrkraft
kann zwar ihren Lebensmittelpunkt grund-
sätzlich frei wählen. Daraus folgt aber
nicht automatisch ein Anspruch darauf,
dass der bisherige Dienstherr den dienst-
rechtlich notwendigen Wechsel ermög-
licht.
Versetzung wegen
Unterbesetzung
verweigert
Das VG Gelsenkirchen hat diesen Gedan-
ken im Fall einer Lehrerin mit einer langen
Pendelstrecke besonders deutlich gemacht.
Die Beamtin hatte ihren Wohnort verän-
dert, wodurch sich ihr täglicher Arbeitsweg
auf rund 35 Kilometer beziehungsweise
teilweise mehr als eine Stunde Fahrzeit
verlängerte. Sie machte unter anderem
familiäre Gründe geltend: Sie war für die
Betreuung ihrer Kinder weitgehend auf
sich allein gestellt und wollte am
Es hätte so schön sein können:
ein kleines Häuschen in Ostfriesland, ein
neuer Lebensmittelpunkt. Doch der Traum
der Lehrerin zerschellte an den Tücken des
Beamtenrechts und am Personalmangel an
ihrer Schule. Immerhin stellte die Bezirksre-
gierung eine erneute Prüfung und mögliche
Bewilligung des Versetzungsantrags nach
zwei Jahren in Aussicht …
RECHT§AUSLEGER
Foto: AdobeStock/travelpeter
lehrer nrw ·
4/2026
28
neuen Wohnort auf ein familiäres Unter-
stützungsnetzwerk zurückgreifen.
Das Gericht erkannte die Belastung an,
sah darin aber keinen Anspruch auf Verset-
zung. Entscheidend war, dass die bisherige
Schule unterbesetzt war und eine Verset-
zung deshalb die Unterrichtsversorgung be-
einträchtigt hätte. Den bestehenden Perso-
nalmangel wertete das Gericht als gewich-
tiges öffentliches Interesse, das einem Ver-
setzungswunsch entgegenstehen kann.
Eine Pendelstrecke von 35 Kilometern und
eine Fahrzeit von mehr als einer Stunde
seien für sich genommen noch keine außer-
gewöhnliche Belastung5.
Damit wird ein zentraler beamtenrechtli-
cher Grundsatz nochmals sichtbar: Die pri-
vate Lebensplanung einer Beamtin kann
nicht ohne Weiteres zur Grundlage einer
dienstrechtlichen Personalentscheidung
gemacht werden. Wer seinen Wohnort ver-
ändert, trägt grundsätzlich das Risiko, dass
der Dienstherr den Arbeitsplatz nicht ent-
sprechend verändert.
Das gilt auch dann, wenn die private
Entscheidung weitgehend abgeschlossen
ist. Im Ostfriesland-Fall half es der Lehrerin
deshalb nicht, dass das Haus bereits ge-
kauft, die Familie umgezogen und das Kind
bereits am neuen Wohnort angemeldet war.
Nordsee muss warten –
aber nur fürs Erste
Bedeutung gewinnt diese Rechtsprechung
in Zeiten des aktuellen Lehrkräftemangels.
Ein Dienstherr darf nicht nur abstrakt auf
einen Personalmangel verweisen. Im Ost-
friesland-Fall wurde vielmehr darauf abge-
stellt, dass die Lehrerin an ihrer konkreten
Schule benötigt wurde und dort eine Klas-
senleitung übernommen hatte. Die Bezirks-
regierung stellte zugleich aber eine spätere
Freigabe nach zwei Jahren in Aussicht und
wollte die Personalsituation fortlaufend
überprüfen.
Versetzungsantrag nicht
automatisch aussichtslos
Für die Lehrkraft bedeutet dies letztlich
auch, dass ein Versetzungsantrag nicht
automatisch aussichtslos ist. Die Behörde
muss die persönlichen Belange berück-
sichtigen und ihre Entscheidung sachge-
recht treffen. Insbesondere familiäre
Gründe können Bedeutung gewinnen.
Sie müssen jedoch ein Gewicht erreichen,
das gegenüber den konkreten dienstlichen
Interessen überwiegt oder den weiteren
Einsatz an der bisherigen Stelle unzumut-
bar macht.
Hier entsteht ein besonders interessan-
ter beamtenrechtlicher Spannungsbogen.
Der Dienstherr hat gegenüber seinen Be-
amten nicht nur ein Weisungs- und Organi-
sationsrecht, sondern auch eine Fürsorge-
pflicht. Diese verpflichtet ihn, die berech-
tigten Belange seiner Beamten angemes-
sen zu berücksichtigen.
Die Rechtsprechung zieht die Grenze
zum Recht auf Versetzung dort, wo aus
einer normalen beruflichen oder persönli-
chen Belastung eine besondere, unzumut-
bare Belastung werden soll.
Im Fall der Lehrerin mit der langen Pen-
delstrecke sah das Gericht diese Grenze
nicht erreicht. Auch familiäre Schwierigkei-
ten bei der Kinderbetreuung seien nicht
automatisch außergewöhnlich, wenn sie
in vergleichbarer Weise zahlreiche andere
Beschäftigte und Beamte betreffen.
Interessant ist die Frage, wie sich diese
Rechtsprechung zu den tatsächlichen Be-
lastungen des Lehrerberufs verhält. Eine
bundesweite Umfrage des Deutschen Phi-
lologenverbands und des Portals Lehrer-
Online aus dem Jahr 20266 belegt eine
hohe gesundheitliche Belastung durch
berufliche Überlastung bei Lehrkräften.
Der Wunsch einer Lehrkraft, die eigene
Lebens- und Berufssituation zu verbessern,
ist daher durchaus legitim. Ein Anspruch
darauf, dass der Staat diesen Wunsch
durch eine Versetzung verwirklicht,
besteht jedoch grundsätzlich nicht.
Individuelle Lebenspla-
nung vs. ausreichende
Unterrichtsversorgung
Für die beamtenrechtliche Bewertung
kommt es somit entscheidend darauf an,
ob persönliche Gründe lediglich für einen
Ortswechsel sprechen oder ob sie den
Verbleib am bisherigen Dienstort tatsäch-
lich unzumutbar machen. Erst bei einer
erheblichen individuellen Belastung (zum
Beispiel Erkrankung mit Krankheitswert
und nicht nur persönliches Wohlbefinden
durch Luftverhältnisse) kann das private
Interesse ein Gewicht erreichen, das eine
andere Entscheidung verlangt. Die Ent-
scheidungen sind deshalb mehr als kurio-
se Geschichten über Lehrerinnen, die
gerne an die Nordsee ziehen möchten.
Sie zeigen ein strukturelles Problem des
öffentlichen Dienstes. Je stärker der Staat
auf die örtliche Verfügbarkeit seiner Be-
amten angewiesen ist, desto stärker kolli-
diert die individuelle Lebensplanung mit
dem Interesse an einer funktionierenden
Verwaltung und – bei Lehrkräften – an
einer ausreichenden Unterrichtsversor-
gung.
1 VG Gelsenkirchen, Beschluss vom 17. Juli 2026,
1 L 632/26; OVG Münster,
Beschluss vom 29. Juli 2026, 6 B 854/26.
2 Zum Ganzen: LTO, 30. Juli 2026, OVG lehnt
Versetzung einer Lehrerin ins Frieslandidyll ab,
https://www.lto.de/persistent/a_id/60553,
abgerufen am 1. September 2026;
Beck-aktuell, 29. Juli 2026, Eilantrag auf
Versetzung nach Ostfriesland bleibt erfolglos,
https://www.beck-aktuell.de/node/202991,
abgerufen am 1. September 2026;
Beck-aktuell, 21. Juli 2026, Die Nordsee muss
warten, https://www.beck-aktuell.de/node/202426,
abgerufen am 1. September 2026.
3 LAG Schleswig-Holstein,
Urteil vom 26. August 2015, 3 Sa 157/15
4 LTO, 15. September 2015, Arbeitgeber darf
Familienvater nicht deutschlandweit versetzen,
https://www.lto.de/persistent/a_id/16900
5 VG Gelsenkirchen, Beschluss vom 30. März 2026,
1 K 6161/25; zum Ganzen: LTO, 18. Mai 2026,
35 Kilometer Pendelstrecke keine
außergewöhnliche Belastung,
https://www.lto.de/persistent/a_id/59989,
abgerufen am: 1. September 2026.
6 https://www.lehrer-online.de/aktuelles/aktuelle-
nachrichten/news/na/dphv-und-lehrer-online-
umfrage-zeigt-hohe-belastung-von-lehrkraeften/
RECHT§AUSLEGER
Christopher Lange leitet die Rechtsabteilung
des
lehrer nrw
E-Mail: Rechtsabteilung@lehrernrw.de
29
4/2026 ·
lehrer nrw
SENIOREN
Textilmuseum und Stadtführung in Bocholt
A
Am 17. November steht für die
lehrer nrw
Seniorinnen und Se-
nioren ein Besuch im Textilmuseum in Bocholt mit einer Stadt-
führung im Veranstaltungskalender. Treffpunkt zur Stadtführung ist
um 10:00 Uhr unter den Bögen des historischen Rathauses in Bo-
cholt. Die Stadtführung startet dort um 10:15 Uhr und dauert etwa
eineinhalb Stunden. Danach gibt es ein gemeinsames Mittagessen
im Café Sahne. Um 14:00 Uhr startet dann die Führung durch das
Textilmuseum.
Für Führungen und Eintrittsgeld fallen je nach Teilnehmerzahl
15 bis 20 Euro pro Person an.
Anmeldung: Petra Wiora-Köster, wiora-koester@lehrernrw.de
Anmeldeschluss: 31. Oktober 2026
Printenbäckerei und weihnachtliches Aachen
E
Eine adventliche Exkursion führt interes-
sierte Seniorinnen und Senioren des
lehrer nrw
am 16. Dezember nach Aachen.
Die Tour beginnt um 10:30 Uhr Uhr im
Centre Charlemagne mit einem Besuch der
dortigen Ausstellung. Im Café des Centre
Charlemagne können sich die Teilnehme-
rinnen und Teilnehmer für den weiteren
Tagesverlauf stärken. Die Weihnachtsmärk-
te rund um den Dom bieten dann Gelegen-
heit, die besondere Atmosphäre im weih-
nachtlich geschmückten Aachen zu genie-
ßen.
Ein weiteres Highlight folgt am Nach-
mittag: Um 15:30 Uhr beginnt eine etwa
einstündige Führung durch die Printenbä-
ckerei Klein. Dabei wird die
lehrer nrw
-
Gruppe einiges über die Teigzubereitung
sowie die verwendeten Rohstoffe und
Zutaten erfahren – schnuppern und
naschen sind übrigens erlaubt.
Anmeldung: Monika Holder,
holder@lehrernrw.de, Tel. 02739 1899
Anmeldeschluss: 25. November 2026
Bereits ausgebucht …
… sind das IT-Seminar für Seniorinnen und
Senioren am 29./30. September sowie die
Herbstfahrt in den Harz vom 4. bis 8. Oktober.
Nachberichte folgen in dieser Zeitschrift,
im Senioren-Infobrief und auf den Senioren-
Seiten im Internet.
Trauer um Ulrich Jers
Wir haben die traurige Mitteilung erhalten, dass Ulrich Jers am 14. August im Alter
von 82 Jahren verstorben ist. Wer Ulrich Jers kannte, weiß, dass er bis vor ein paar
Jahren mit großem Einsatz für die Seniorenarbeit in seinem Bezirk Aachen und
auch landesweit viele interessante Veranstaltungen für unsere Seniorinnen und
Senioren geplant und organisiert hat. Wir in der Seniorenvertretung sind ihm für
seinen Einsatz zu großem Dank verpflichtet.
Foto: AdobeStock/rebaixfotografie
Und natürlich gibt es auch Printen …
Foto: AdobeStock/ji_images
Der Weihnachtsmarkt rund
um den Aachener Dom gilt als einer
der schönsten in Deutschland.
lehrer nrw ·
4/2026
30
ANGESPITZT
U
Und da war er wieder, der gute alte
Klassiker. So sicher wie Dominosteine
und Spekulatius im Supermarkt Mitte
August bei 32 Grad im Schatten, so
unvermeidlich wie ‘Dinner for one’ an
Silvester, so legendär wie der Mettigel
auf der 70er Revival-Party: die Sommer-
feriendebatte reloaded!
Nachdem die Diskussion in den letzten
Jahren doch merklich erlahmt war, kam
in diesem Jahr plötzlich nochmal Schwung
in den Diskurs. Denn unverhofft traten
mutige Bildungs-Gewerkschafter auf den
Plan, die sich trauten, das Unsagbare zu
fordern: einheitliche Sommerferien für
alle! Mann, da war aber plötzlich Action
im Sommerloch!
Ja und warum auch nicht? Man stelle
sich mal vor, was da alles möglich wäre,
wenn alle Länder, sagen wir mal, Anfang
Juli zeitgleich in Ferien gingen. Spontane
Stau-Partys auf der Autobahn. Noch
spannendere Kämpfe um die besten
Liegen am Pool. Noch günstigere Hotel-
preise für alle, die zwischen Anfang
September und Ende Juni Urlaub machen
müssen und nicht das Privileg haben,
Lehrkräfte oder Eltern schulpflichtiger
Kinder zu sein. Und erst der völkerverbin-
dende Gedanke, wenn Schwaben und
Sachsen sich in schönster Sprachmelodie
über den Wohlklang ihrer heimischen
Dialekte austauschen.
Ja, manchmal muss man eben groß
denken.
Oder noch größer: So wie zum Beispiel
Finnland, Polen, Österreich, Belgien, Irland
oder Estland. Die machen einfach ein biss-
chen länger Sommerferien – so zwischen
acht und zwölf Wochen gönnt man sich
dort. Wie provinziell sich unsere schlap-
pen sechs Wochen dagegen ausnehmen!
Aber die eigentliche bildungswissen-
schaftliche Sensation kommt erst noch:
Längere Sommerferien machen schlau.
Der Beweis liegt frisch auf dem Tisch.
Die jüngst vorgestellte PISA-Studie zeigt
ganz klar: Alle sechs genannten Länder
liegen im PISA-Ranking in allen drei
getesteten Kompetenzfeldern klar vor
Deutschland. Die wissenschaftliche Fol-
gerung lautet demnach: Zwischen dem
Erfolg bei PISA-Studien und der Dauer
der Sommerferien besteht eine signifi-
kante Korrelation!
Im Interesse unserer Kinder kann der
Auftrag an die Bildungspolitik nur sein:
Verlängert die Sommerferien!
Wir fordern: Vierzehn Wochen. Min-
destens. Das sollte reichen, um bei der
nächsten PISA-Runde in den Top 10 zu
landen. Frau Feller, übernehmen Sie!
Jochen Smets
Vierzehn Wochen Sommerferien
Aus Silben werden Bilder
Die ersten Tage mit einer neuen Klasse sind auch eine Gedächtnisleistung: dreißig Gesichter, dreißig Namen. Namen fallen schwer, weil sie
nichts bedeuten. ‘Frederike’ liefert kein Bild. Da findet die Erinnerung keinen Halt.
Die Silbentechnik holt das Bild aus dem Klang. Zerlegen Sie den Namen und übersetzen Sie jede Silbe in etwas, das ähnlich klingt und das Sie
ohnehin kennen. Dabei zählt allein der Klang, nicht die Schreibweise. Fre-de-ri-ke: ‘Fred’ ist Fred Feuerstein, ‘rike’ klingt nach Ricke oder einer
Rikscha. Also reitet Fred auf einem weiblichen Reh oder sitzt in einer Rikscha und fährt um die Ecke. Ta-rek: Tarzan schwingt sich am Reck.
Gibt eine Silbe nichts her, zerlegen Sie kleiner. ‘Ri’ wie Rizinusöl, ‘ke’ wie Kegeln: Fred trinkt Rizinusöl und muss beim Kegeln dauernd raus.
Zwei Handgriffe kommen dazu. Hängen Sie die Szene an das Gesichtsmerkmal, das Ihnen zuerst auffällt. Und sprechen Sie den Namen
beim ersten Kontakt einmal laut aus.
Probieren Sie es aus. Lesen Sie die zehn Namen einmal aufmerksam und bauen Sie zu jedem ein Bild. Decken Sie die Zeile danach mit der
Hand ab. Schreiben Sie an den Rand, an welche Sie sich erinnern.
Silbenraster
Diese fünfzehn Silben ergeben sechs Wörter aus dem Schulalltag:
Dabei bestehen drei Begriffe aus zwei und drei Begriffe aus drei Silben.
Jede Silbe wird genau einmal gebraucht, keine bleibt übrig.
Über Feedback zu meinen Gehirnjogging Übungen würde ich mehr sehr freuen: mail@heike-loosen.de Heike Loosen
Auseinandergerissen
Acht zusammengesetzte Wörter aus dem Schulalltag sind in ihre
Hälften zerfallen und durcheinandergeraten. Setzen Sie sie wie-
der zusammen. Jede Hälfte wird genau einmal gebraucht.
Viel Spaß dabei!
HIRNJOGGING
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4/2026 ·
lehrer nrw
Melina – Jonas – Fatima – Levent – Charlotte – Bogdan – Amira – Theo – Ronja – Kwame
SA RI KA FE DER
LIO DE BIB LEN SE
PAU EN THEK MEN KREI
1 TAFEL 2 TURN 3 SCHUL 4 KLASSEN
5 FEDER 6 MITTAGS 7 ELTERN 8 HALBJAHRES
A HOF B ZEUGNIS C MAPPE D SCHWAMM
E ABEND F FAHRT G PAUSE H BEUTEL
AUFGABE 1
AUFGABE 2
AUFGABE 3
Lösung Aufgabe 1: SIEBEN VON ZEHN SIND EIN GUTER WERT. WER ALLE ZEHN ZUSAMMENBEKOMMT, HAT WIRKLICH BILDER GEBAUT UND NICHT NUR GELESEN. BEI WENIGER ALS FÜNF
LOHNT EIN ZWEITER DURCHGANG, DIESMAL LANGSAMER UND MIT DEUTLICH ALBERNEREN BILDERN.
Lösung Aufgabe 2: KALENDER | BIBLIOTHEK | FERIEN | PAUSE | KREIDE | MENSA
Lösung Aufgabe 3: 1D TAFELSCHWAMM | 2H TURNBEUTEL | 3A SCHULHOF | 4F KLASSENFAHRT | 5C FEDERMAPPE | 6G MITTAGSPAUSE | 7E ELTERNABEND | 8B HALBJAHRESZEUGNIS