Beginn einer neuen Ära

Der Verband Deutscher Realschullehrer wird zum Bundesverband Reale Bildung. Mit der Namensänderung öffnet sich der Verband für Neues, ohne Bewährtes aufzugeben. Im bayerischen Bad Kissingen kamen vom 7. bis 9. Mai ca. 110 Vertreterinnen und Vertreter aller Landesverbände zusammen, um wegweisende Entscheidungen zu treffen.

Der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) heißt ab sofort Bundesverband Reale Bildung (BVRB). Mit einer entsprechenden Satzungsänderung beschloss die Bundesdelegiertenversammlung am 8. Mai 2026 mit Zweidrittelmehrheit den Beginn einer neuen Ära. Mit der Namensänderung reagiert der Verband auf die veränderten schulpolitischen Realitäten: „In vielen Bundesländern gibt es die klassische Realschule nicht mehr. Sehr wohl gibt es aber in allen Ländern Schülerinnen und Schüler, die den Mittleren Schulabschluss anstreben – und die deshalb eine fundierte reale Bildung brauchen. Und dafür sind wir der erste Ansprechpartner“, erklärt der Bundesvorsitzende Ralf Neugschwender.

Reale Bildung braucht im Übrigen auch die deutsche Wirtschaft. Der Mittlere Schulabschluss ist in Zeiten des Fachkräftemangels wichtiger denn je. Auch deswegen macht sich der BVRB in einem einstimmig verabschiedeten Leitantrag stark für die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung sowie für eine noch engere Verzahnung von Schule und Wirtschaft. „Das Abitur ist nicht der alleinige Weg zum beruflichen Glück. Realschulen und verwandte Schulformen halten beide Wege offen: den zum Abitur und den zur Ausbildung in Handwerk, Industrie und Handel. Darum leistet reale Bildung einen elementaren Beitrag zur Fachkräftesicherung. Dem tragen wir mit unserem neuen Namen ebenfalls Rechnung“, so Neugschwender. Gleichzeitig betont der BVRB ausdrücklich, dass die Namensänderung nichts an seinem klaren Einsatz für den Erhalt und die Stärkung der Realschule verändert. Wo die Realschule besteht, bleibt der Verband weiterhin ihre starke bildungspolitische Stimme und setzt sich entschlossen für ihre starke Rolle und gesellschaftliche Anerkennung ein.

Als Leitplanke der bildungspolitischen Arbeit des BVRB in den kommenden vier Jahren beschlossen die Delegierten einen Leitantrag, in dem sich der Verband stark macht für einen positiven Leistungsbegriff, eine intensive Berufsorientierung an Schulen, eine fundierte Demokratiebildung, eine Null-Toleranz-Politik bei Gewalt gegen Lehrkräfte, eine pädagogisch sinnvolle Digitalisierung sowie ein qualitätsvolles differenziertes Bildungswesen.

In eine spannende Zukunft startet der BVRB mit einem neuen Vorstand, in dem lehrer nrw in Person von Sven Christoffer und Ingo Lürbke wieder zwei Vorstandsposten innehat. So wurde Ralf Neugschwender als Bundesvorsitzender ebenso wie Sven Christoffer als stellvertretender Vorsitzender wiedergewählt. Als weitere Stellvertreter wurden Birgit Zollitsch und Bengjamin Bajraktari erstmals in den Vorstand gewählt. Im Amt bestätigt wurden Schatzmeister Ingo Lürbke und Schriftführerin Madeleine Helbig. „Besonders freut mich, dass alle in unserem Vorstandsteam herausragende Wahlergebnisse erzielt haben. Wir starten mit viel Rückenwind. Der VDR ist Geschichte, aber reale Bildung ist aktueller und wichtiger als je zuvor. Darum ist mit dem BVRB mehr denn je zu rechnen!“, unterstreicht Neugschwender.

Sven Christoffer, Landesvorsitzender von lehrer nrw und stellvertretender Bundesvorsitzender des BVRB, blickt ebenfalls mit Zuversicht in die Zukunft: „Die Namensänderung gibt uns neue Möglichkeiten, insbesondere in den Bundesländern ohne eigene Realschulsysteme wieder sichtbarer zu werden und mit starker Stimme für den Erhalt und Ausbau realer Bildung zu kämpfen. Wie wichtig dieses Anliegen ist, hat sich erst kürzlich wieder in der erschreckend hohen Zahl von 7430 Schülerinnen und Schülern gezeigt, die allein in NRW die Schule im Jahr 2025 ohne Abschluss verlassen haben. Dieser Zehnjahreshöchststand weist über NRW hinaus und unterstreicht, dass vor allem jene Schulformen gestärkt werden müssen, deren Profil auf Berufswahlorientierung und Ausbildungsreife ausgerichtet ist – auf reale Bildung eben.“

lehrer nrw zeigte in Bad Kissingen gleichermaßen Präsenz und Stärke. Rund 25 Delegierte repräsentierten den nach Bayern mitgliederstärksten Landesverband, der damit knapp ein Viertel der stimmberechtigten Delegierten aus dem gesamten Bundesgebiet stellte. Insofern trägt die neue Ausrichtung des neuen BVRB durchaus auch die Handschrift von lehrer nrw – weg von der starren Fixierung auf die Realschule hin zu einer pragmatischeren Akzentverschiebung unter dem Begriff der realen Bildung, hinter dem sich wirklich alle Landesverbände des BVRB versammeln können.

Eingebettet war die Bundesdelegiertenversammlung in den Bundesrealschultag, der zum 26. Mal stattfand und ein treffendes Motto trug: „Starke Lehrkräfte, starke Bildung, starke Demokratie“. Den Auftakt bildete am Abend des 7. Mai ein Besuch der bayerischen Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Anna Stolz, die derzeit auch Präsidentin der Bildungsministerkonferenz (BMK) ist. Sie brach bei ihrem „Heimspiel“ naturgemäß eine Lanze für die Realschulen in ihrem Bundesland, machte sich aber auch für die reale Bildung im Allgemeinen stark. Diese stehe für eine enge Verbindung von Theorie und Praxis, eine individuelle und begabungsgerechte Förderung sowie eine positive Leistungskultur.

Der Höhepunkt des Bundesrealschultages war eine Festveranstaltung im prachtvollen Ambiente des 1904 erbauten Kurtheaters von Bad Kissingen. Moderiert wurde der Festakt von Thorsten Schmalt (lehrer nrw), der ebenso souverän wie kurzweilig durch das Programm führte. Nach Grußworten u.a. des dbb-Bunddesvorsitzenden Volker Geyer und des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Stefan Düll, faszinierte der Extremsportler Andreas Niedrig das Publikum mit seiner höchst ungewöhnlichen Lebensgeschichte, die zeigt, was mit starkem Willen, großer Disziplin, hoher Leistungsbereitschaft und guter Unterstützung alles möglich ist. Er schaffte es, seine Drogensucht zu überwinden und wurde zu einem Weltklasse-Triathleten. Seine Botschaft an die Zuhörerinnen und Zuhörer lautete, dass auch schwierig erscheinende Ziele erreichbar sind. Der Weg beginne immer mit dem entscheidenden Wort: „Tun“.

Jochen Smets

Rund 110 Delegierte aus ganz Deutschland kamen in Bad Kissingen zusammen, um einen neuen Bundesvorstand zu wählen und inhaltliche Leitplanken der Verbandsarbeit für die nächsten vier Jahre festzulegen.

Sven Christoffer, Landesvorsitzender von lehrer nrw und stellvertretender Bundesvorsitzender des BVRB, warb bei der Delegiertenversammlung für den Leitantrag, der dann mit riesiger Mehrheit angenommen wurde.

Bekannte und neue Gesichter im BVRB-Bundesvorstand (v.l.): Birgit Zollitsch (stellv. Bundesvors.), Ingo Lürbke (Schatzmeister), Ralf Neugschwender (Bundesvorsitzender), Sven Christoffer (stellv. Bundesvors.), Madeleine Helbig (Schriftführerin) und Bengjamin Bajraktari (stellv. Bundesvors.)

Nicht nur zahlenmäßig stark: Die NRW-Delegation in Bad Kissingen.

Vor der imposanten Kulisse des Kurtheaters versammelten sich die Delegierten zu einem Gruppenfoto.

Perfekte Location für einen Festakt: Im Kurtheater Bad Kissingen verfolgt das Publikum das Programm.

Hielt eine Festrede mit Nachhall: der frisch wiedergewählte Bundesvorsitzende des BVRB, Ralf Neugschwender.

Souveräner Moderator: Thorsten Schmalt in Aktion.

Vom Junkie zum Ironman: Andreas Niedrig nahm das Publikum mit auf eine faszinierende Reise.

Alle Fotos: Smets