Leserbrief zu: Titelthema ‘Alles auf Anfang’ über die neue Qualitätsanalyse in Nordrhein-Westfalen in lehrer nrw 1/2018 Seiten 12 bis 14 erreichte uns der folgende Leserbrief:

Unter der Rubrik ‘Titel’ darf der geneigte Leser einen Artikel von Frank Görgens zur ‘neuen’ QA in Nordrhein-Westfalen lesen. Während Herr Görgens zunächst die Änderungen detailreich und zutreffend beschreibt, überkommt mich doch ein gewaltiges Schaudern ob des letzten Satzes des Artikels. Herr Görgens berichtet von positiven Erfahrungen mit der ‘neuen’ QA, die ich absolut nicht in Abrede stellen möchte. Allerdings liegen mir diverse Aussagen von Schulleitungen vor, die auch diese ‘neue’ QA als wenig zielführend und zweckdienlich erlebt haben. Insbesondere der Satz »Viel mehr kann man von einer externen Evaluation nicht erwarten« stößt auf Missfallen.

Zunächst möchte ich festhalten, dass die vollkommen unterschiedlichen Arbeitsbedingungen an verschiedenen Schulformen zwangsläufig auch zu unterschiedlichen Wahrnehmungen und Einschätzungen der QA führen müssen. Trotz der Reduktion im Vorfeld einzureichender Unterlagen und Konzepte stellt die QA an Realschulen meiner Erfahrung nach eher eine Belastung denn eine Unterstützung dar. Auch nach dem ‘neuen’ Konzept müssen im Vorfeld viele Konzepte eingereicht werden. Arbeitet eine Lehrkraft mit voller Stundenzahl an einer Realschule, addieren sich zu den bereits 28 Schulstunden pro Woche Vor- und Nachbereitung des Unterrichtes, unzählige Korrekturwochenenden und Ferientage sowie weitere Belastungen etwa durch Inklusion und Integration.

Nun kommt sie, beispielsweise an meiner eigenen Schule, erneut, die QA. Unzählige Steuergruppensitzungen und Konferenzen sind erforderlich, um den eigentlichen Überprüfungszeitraum ordentlich vorzubereiten. Von Entlastung zunächst keine Spur. Über den Sinn und Zweck, Eltern und sogar Schülerinnen und Schüler mit dem recht komplexen Qualitätstableau zu konfrontieren möchte ich an dieser Stelle nicht weiter reden. Die eher ratlosen Gesichter sprachen Bände!

Ich bin der Auffassung, dass man von einer wirklich effektiven QA sehr wohl viel mehr verlangen muss! Betrachtet man den zu leistenden Aufwand im Vorfeld und die daraus resultierenden Ergebnisse, die dann in Form von Vereinbarungen im Regal verschwinden, dann stehen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis. Zu verlangen ist, dass eine QA nach einer Analyse unterstützende Ressourcen zur Verfügung stellt. Lehrerkollegien sind sehr gerne bereit, Innovationen und Veränderungen für Schulbetrieb und Unterricht anzunehmen. Allerdings nur mit entsprechender Unterstützung! So könnte der Abschlussbericht der QA beispielsweise mit zeitlich begrenzten personellen Ressourcen verbunden sein. Sagen wir doch einfach einmal: eine Stelle befristet für zwei Schuljahre zusätzlich, um die Implementation moderner Unterrichtskonzepte umzusetzen. Wie wäre es mit zusätzlichen Finanzmitteln, um professionelle Fortbildungen finanzieren zu können? Auch dieses, mit einmaligen Zuschüssen versehene Unterstützungselement würde die Akzeptanz der QA deutlich erhöhen, weil dann für alle Beteiligten ein Sinn in diesem Prozess erkennbar wäre. Schließlich ließen sich ja schon sehr bald Früchte ernten.

Von daher steht für mich fest, dass man von einer wirklich sinn- und zielführenden QA sehr viel mehr erwarten muss.

 

Thorsten Schmalt

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