Der 50. Mülheimer Kongress hat seinen rund 120 Besuchern viel Mut gemacht. Das Programm bot eine gelungene Mischung aus Rückschau und Ausblick, aus Unterhaltung, Fachinformation, Musik, Gesprächen und einer Prise Glamour.

In seiner Festrede würdigte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, lehrer nrw als »starke Stimme der schulpolitischen Vernunft«. Er warnte davor, die Schulen mit neuen Aufgaben zu überfordern – neben ihrem Kerngeschäft würde von Schulen heute vielfach erwartet, möglichst auch noch für Integration, Inklusion, Gewaltprävention, Bildungsgerechtigkeit, individuelle Förderung, Digitalisierung, bessere Studienergebnisse und höhere Abiturientenquoten zu sorgen. Schule könne kein permanenter Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Fehlentwicklungen und politische Versäumnisse sein, mahnte Meidinger.

Um angesichts des enormen Lehrermangels den Lehrerberuf für junge Menschen wieder attraktiver zu machen, brauche es nicht nur eine bessere Bezahlung, sondern auch bessere Rahmenbedingungen, betonte der DL-Chef. Zu nennen seien hier beispielsweise die Stichworte Arbeitszeit und Arbeitsbelastung.

Stachel im Fleisch des Mainstreams

Meidinger schloss mit einem Bonmot des ehemaligen bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair: »Man muss nur lange genug an seinen Überzeugungen festhalten, bis sie wieder modern werden!« In diesem Sinne appellierte er an den Verband und seine Mitglieder: »Orientieren Sei sich auch weiterhin an Qualität statt Quantität in der Bildung. Bleiben Sie auch weiterhin ein Stachel im Fleisch des Mainstreams.«

(Eine ausführliche Zusammenfassung der Festrede von Heinz-Peter Meidinger finden Sie in unserer Rubrik ’Dossier’ ab Seite 15.)

Dankbarkeit und Hoffnung

Wie schon im letzten Jahr bildete der Auftritt des Pädagogen und Regisseurs Wolfgang Endres ein Highlight des Kongresses. Für seinen zweiteiligen Vortrag hatte er die Leitmotive ’Hoffnung’ und ’Dankbarkeit’ gewählt. Für Endres sind diese beiden Begriffe untrennbar verbunden: »Ohne Dankbarkeit hat Hoffnung keine Säule. Dann wird Hoffnung zum Anspruchsdenken.« Darum gelte es, Dankbarkeit und Hoffnung in ein Gleichgewicht zu bringen.

Was die Rolle des Lehrers im Miteinander mit seinen Schülern angeht, zog Endres den Begriff der Resonanz heran. »Menschen reagieren wie Musikinstrumente: Ihre Resonanz hängt davon ab, wer sie berührt.«

Jochen Smets

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Doppelte Polit-Prominenz bei lehrer nrw

Das gab es in der langen Geschichte des Mülheimer Kongresses noch nie: Gleich zwei Minister gaben sich in Mülheim die Ehre: Trotz eines langen Plenartages im Düsseldorfer Landtag ließen es sich Schulministerin Yvonne Gebauer und Innenminister Herbert Reul nicht nehmen, dem Verband höchstpersönlich zum fünfzigsten Kongressjubiläum zu gratulieren und leidenschaftlich mit dem Mülheimer Publikum zu diskutieren.

Das Fach ‘Wirtschaft’ kommt

Gute Nachrichten hatte Yvonne Gebauer im Gepäck: Das Fach ‘Wirtschaft’, von lehrer nrw seit vielen Jahren gefordert, kommt. Die Schulministerin sagte zu, dass die Realschulen in Nordrhein-Westfalen am erfolgreichen Modellversuch ’Wirtschaft an Realschulen’ anknüpfen können. Den vierjährigen Modellversuch hatte lehrer nrw mit initiiert und intensiv begleitet (lesen Sie zum Fach ‘Wirtschaft’ auch die Berichte auf Seite 11 und Seite 24).

Unter den Nägeln brannte den Kongressteilnehmern in Mülheim natürlich auch die Besoldungsfrage. Der Unmut an der Basis ist groß.

Gemäß der Devise ’Gleicher Lohn für gleiche Ausbildung’ fordert lehrer nrw A13 bzw. EG13 für alle Lehrkräfte im Sekundarstufe I-Bereich. Gebauer und Reul räumten ein, dass Handlungsbedarf besteht und nahmen aus Mülheim ein klares Meinungsbild mit ins Düsseldorfer Kabinett.

Appell gegen Verrohung

Reul, selbst Lehrer und langjähriger schulpolitischer Sprecher der CDU im Landtag, äußerte die Sorge, dass die zunehmende Verrohung der Gesellschaft auch auf die Schulen übergreift. Körperliche und verbale Gewalt gegen Lehrkräfte und Schüler dürften dort keinen Platz haben. Der Innenminister bat die Lehrerschaft um Mithilfe, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Es gebe Regeln und Gesetze, die in Schule und Gesellschaft gleichermaßen Geltung hätten und konsequent umgesetzt werden müssten.

Jochen Smets

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